05.09.2003
Marburgs Stadtteile - Bauerbach: Kirchplatz Zentrum für Feste - Ortsbeirat will mehr Bauplätzevon Ute Mank
?Vom erzkatholischen Dorf zum ökumenischen Stadtteil", fasst der stellvertretende Ortsvorsteher Gerhard Weinert die Entwicklung von Bauerbach zusammen. Im heutigen Bauerbach halten sich die Zahl der Protestanten und Katholiken die Waage.
Walburga Scheiblechner, als vor 30 Jahren ?Zugereiste", ist Repräsentantin dieser Entwicklung. ?Alle wichtigen Dinge, wie zum Beispiel der Schulbeginn, wurden damals in der Kirche verkündet", erinnert sie sich an ihre Anfänge nach dem Umzug von Wien nach Bauerbach. Obwohl Bauerbach für sie und ihre Familie nur eine Station sein sollte, ist sie geblieben und hat viel bewegt.
?Viele Vereine, durch die man seine Freizeit aktiv gestalten kann", nennt Ortsvorsteher Walter Matt einen der Vorzüge des Stadtteils. Scheiblechner habe dabei mit der Gründung einer Damengymnastik-Gruppe zu einer regelrechten Revolution beigetragen.
Der Kirchplatz als Zentrum des ursprünglichen Dorfs ist auch das Fest-Zentrum des Stadtteils. ?Die Besucherzahlen bei den ganz großen Kirmesfesten sind rückläufig", meint Matt. ?Deswegen muss man die vorhandenen Dorf- und Vereinsstrukturen stärken."
Auf dem Platz fand im vergangenen Jahr der erste Weihnachtsmarkt statt, der wegen der guten Resonanz in diesem Jahr in die zweite Runde geht. Hier werden Feste gefeiert und hier toben die Kinder bei den Ferienspielen der katholischen Pfarrgemeinde St. Cyriakus Bauerbach, Ginseldorf und Bürgeln.
Ortsvorsteher Walter Matt, wünscht sich noch eine schönere Gestaltung für den Platz, der inzwischen nach langjährigem Hin und Her eine Stromversorgung bekommen hat, die die Vereine vorfinanziert haben.
Die Fachwerkhäuser im alten Ortskern sind größtenteils schmuck hergerichtet. In den meisten Ställen steht allerdings kein Vieh mehr, und aus vielen Scheunen ist Wohnraum geworden. Nur drei Landwirte betreiben ihr Geschäft noch hauptberuflich, vier im Nebenerwerb. Manches Fachwerkhaus wird inzwischen von ?Neubürgern" bewohnt.
Auf der Hitliste der Wünsche für Bauerbach steht nach wie vor ein neuer Kindergarten. ?Wir sind seit vielen Jahren der Meinung, dass der vorhandene Kindergarten weder kindgerecht noch zukunftsfähig ist", so Matt. Dass jetzt neuerlich in das Gebäude wegen Feuerschutz investiert wurde ohne den Ortsbeirat zu hören, ärgert ihn maßlos.
Die Enge im Kindergarten erinnere an ?Käfighaltung", kritisiert er. Und für das Holzhaus, das jetzt auf dem Außengelände aufgestellt wurde, weil der Raum für Spielsachen der Garderobe weichen musste, hätte der Ortsbeirat zumindest einen besseren Standortvorschlag gehabt.
?Bauplätze" nennt Matt als Wunsch Nummer zwei. 10 bis 20 sollten es sein, immer wieder habe er Anfragen. Es seien auch zwei Eigentümer bereit Bauland zu verkaufen: im Bereich Waldeck und im Bereich Steinrücken/Heideweg.
Die Gaststätte im Bürgerhaus ist, seitdem die alten Pächter 2001 nach mehr als 20 Jahren aufgehört haben, ein Problemkind des Stadtteils. Die lange Suche nach einem neuen Betreiber hatte nur kurzzeitigen Erfolg, der Vertrag wurde schnell wieder gelöst. Nun ist in Tilman Dittrich ein neuer Pächter gefunden. Ihn zu unterstützen, ist Matt ein Anliegen. ?Eine Gaststätte ist ein wichtiger Ort für die Kommunikation im Stadtteil", meint er. Dittrich wird die Gaststätte zusammen mit Thomas Preis und Kai Heu-ser betreiben. ?Junge deutsche Küche" nennt er als die kulinarische Ausrichtung.
Früher befand sich die Gaststätte direkt neben der Kirche. ?Ich kann mich noch erinnern, dass damals den Kirchgängern nach dem Gottesdienst durch die rückwärtigen Fenster die Biergläser heraus gereicht wurden", erzählt Matt, der gebürtiger Bauerbacher ist. Heute ist in dem Gebäude die Pfarrgemeinde zu Hause.
An der Verkehrsberuhigung der Bauerbacher Straße wird seit 1986 geplant. Für den unteren Straßenabschnitt haben die ?Kirchenmäuse" - ein kirchlicher Bastelkreis - Holzfiguren gebastelt und diese am Straßenrand aufgestellt, damit Raser den Fuß vom Gaspedal nehmen. Die Umbaupläne für die obere Bauerbacher Straße liegen auf Eis, weil die Landesmittel fehlen.
Trotz allem hält Matt ?seinen" Stadtteil für besonders lebens-und liebenswert. Was an Bauerbach so reizvoll ist, beantwortet er ohne Nachdenken: ?Die einzigartige Lage. Bei schönem Wetter kann man bis in den Vogelsberg sehen."




