BAUERBACH TRITT IN DIE GESCHICHTE EIN
Überreichung der ersten Urkunde, 1133.
(aufgeführt auf dem Heimatfest am 21. Mai 1961)
Verfasser: Karl Anton Müller
Inhalt: Graf Gottfrid v. Kappenberg hat das Kloster Übenstadt gegründet und ihm sein Gut in Burebach geschenkt. Da das Gut von übenstadt aus schwer zu bewirtschaften ist, verkauft es das Kloster an den Erzbischof von Mainz, der es von Amöneburg aus bewirtschaften kann. Der Mainzer Graf auf dem Berge nimmt die Urkunde entgegen.
Ort der Handlung ist Ohmenburg, die Mainzer Feste.
Zeit: Das neunte Jahr der Regierung Kaisers Lothar, 1133.
Personen:
1. Wikher, Graf auf Ohmenburg
2. Thioto, sein Knappe
3. Sigehard, übenstädter Mönch
4. Candidus, Mainzer Urkundenschreiber
Wikher (zum Knappen): Thioto, schau, ich höre Rosses Hufe schallen!
Thioto (nach draußen schauend) :
Zwei Mönche: Herre mein, seh' ich zum Berge wallen.
Wikher: Führ sie herein und frag, wes ihr Begehr, aus weiter Ferne kommen sie wohl her.
Thioto (geht ab. Kurz darauf treten Sigehard und Candidus ein).
Sigehard (sich umschauend) : Wir sind wohl auf der Ohmenburg, der Mainzer Feste? Und Euch, vieledler Graf (sich verneigend), sei hier die frohe Kunde von unserm Erzbischof. - Er läßt aufs beste Euch Gruß und Segen spenden, aus geweihtem Munde.
Sigehard (tritt zum Fenster): Hier nahe soll ein Dörflein liegen, Burebach genannt, hat fleiß'ge Bauern, - zwanzig Hufen fruchtbar Ackerland.
Wikher (tritt herzu, zeigt in die Ferne) : Dort liegt es, an des Lohenberges Seiten und Buchen- Eichenwälder ziehn sich in die Weiten, die nähren eine stattlich Herde runder Schweine.
Candidus (einfallend) : Das alles stimmt zu dem, was ich hier meine !
Sigehard: Die Äcker und die Wälder hat des Klosters heil'ger Gründer Sankt Gottfried, unsern Mönchen, - sind ja seine Kinder, -als Nahrung und zum Erbe einst geschenkt. -- -- Doch, wenn man alle Umstand' recht bedenkt, kaum möglich ist's, von übenstädter Gauen das Land in Burebach, wie sich gehört, gut zu bebauen.
Candidus: Drum hat Herr Adalbert, der Erzbischof zu Menze (Mainz) das Gut mit Pfunden schweren Silbers sich erstanden und Euch, den Grafen in des Oberlahngau's Landen verpflichtet, treu zu hüten seine Grenze. Gut Burebach zinst jährlich dreiundzwanzig fette Borstentiere; und mit der Urkund* (hebt die Rolle empor), die ich hiero mit mir führe, auf Pergament geschrieben, mit dem Siegel wohl versehen, nehmt Burebach zu treuen Händen als ein Mainzer Lehen.
(Feierlicher Handschlag. Er liest eine Zeile der Urkunde:) "In nomine sancte et individue trinitatis. Ego Albertus Moguntinus ..."
(Hier wird er von Graf Wikher unterbrochen-.) Wikher: Dein Mönchslatein! - Das wollen wir nicht sehen! Kein Mensch im Umkreis würde das verstehen! Sprich, wie gewohnt, in unsrer deutschen Zungen, wie sie seit eh und je an unser Ohr geklungen !
Candidus liest die Urkunde auf Deutsch: "Im Namen der Heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit. Ich, Adelbertus, Mainzischer Erzbischof und Gesandter des Apostolischen Stuhles.
Ich wünsche, daß sowohl den zukünftigen als auch den Gläubigen gegenwärtiger Zeit bekannt sei, daß Godefridus de Capen-berch und sein Bruder Otto für ihr und ihrer Eltern Seelenheil all ihren väterlichen Besitz, den sie kraft Erbrecht besaßen in dem Ort Elvestat (Übenstadt) außer den Dienstleuten, dem hl. Martin zugesprochen haben.
All diesem haben sie ein bestimmtes, ihnen gehöriges Gut hinzugefügt, das in einem Dorf liegt, Burebach genannt, nämlich zwanzig Mansen (Wohnstätten), die jährlich 23 Schweine und zwei Pfund (Geld, Silber) abliefern. Dies ist mit der Maßnahme geschehen, daß über alle Güter des genannten Dorfes Brüder nach der Regel des hl. Augustinus und der Ordnung des Bruders Norbert eingesetzt werden, was getan wurde. Später aber, nach einiger Zeit, sind die Brüder, die dort ver sammelt waren, nach sorgfältiger Erwägung aller Vor- und Nachteile Übereingekommen, jenen Bauerbacher Besitz, der so weit von ihnen entfernt lag und nur mit großer Schwierigkeit genutzt werden konnte, zu verkaufen oder gegen ein Stück Land in der Nähe (von Übenstadt) zu tauschen. Weil aber ein Tausch nicht glücken wollte, haben sie uns jenes Gut zum Kauf angeboten.
Diesen von uns für 120 Mark erworbenen Besitz haben wir unsern Brüdern an der Kirche des hl. Martin übertragen. Heinrich, Propst der größeren Kirche (des Domes?) etc.
Gegeben im Jahre der Menschwerdung des Herrn 1135 im neunten Jahre des Königtums von Kaiser Lothar. im Glück. Amen."
Wikher: Mit frohem Dank nehm ich es gern entgegen
(zu Thioto gewandt): Du, Treuer, wirst sie in die Eichentruhe legen
(zu den Umstehenden): Und daß wir es für immer treu bewahren. Es ist zu Kaiser Lothars Zeit, nach neun Regierungsjähren.
Das Bürgerhaus in Bauerbach
von Bernhard Weitzel
Die ersten ernsthaften Überlegungen zum Bau eines Dorfgemeinschaftshauses in Bauerbach im Rahmen des entsprechenden Programmes der hessischen Landesregierung wurden erstmals 1969 in der Gemeindevertretung diskutiert. Als günstiger Standort für ein solches Projekt bot sich die Freifläche auf dem "Loh" an, wo bisher neben dem Schulgebäude (Bj.1911) und Rathaus sich die Schuljugend unter Obst- und Walnußbäumen tummelte. Das "Hauerbacher Rathaus" bestand aus einem kleinen Saal, der bei wechselndem Bedarf als Schule, Jugendheim, Wahllokal, Versammlungsraum oder Sitzungszimmer der Gemeindevertretung diente und aus einer Halle, dem sogenannten Spritzenhaus für die Feuerwehr, das ursprünglich auch das Bauerbacher "Gefängnis" war. Unter Einbeziehung der alten Schule sollten ein großer Saal, Kindergarten und Vereins- bzw. Jugendräume geschaffen werden, während das Rathaus aus Platz- bzw. Altersgründen für den Abbruch bestimmt war.
Mit der Planung wurde der ortsansässige Architekt Heinrich Jennemann beauftragt, der schon 1964 die Bauleitung beim Neubau des Pfarrhauses gehabt hatte. Bereits im Frühjahr 1970 wurde dem damaligen Landrat Dr. Burghard Vilmar ein erster Planungsentwurf vorgelegt, der im Obergeschoß den großen Saal mit Theke und Bühne, ein Sitzungszimmer und eine Altenbegegnungsstätte mit Bücherei usw. enthielt. Im Erdgeschoß war ein Kindergarten mit zwei Gruppenräumen einschließlich der erforderlichen Nebenräume vorgesehen und im Kellergeschoß außer den Versorgungsanlagen auch Räumlichkeiten für Vereine und die Jugend. Zu dieser Zeit wurde von der hessischen Landesregierung der Umbau nicht mehr benötigter Schulgebäude zu Dorfgemeinschaftshäusern besonders gefördert, so daß die vorgesehenen Baukosten für das Bauerbacher Projekt in Höhe von rund 600000.- DM bei entsprechender Förderung durch Land und Kreis aus Haushaltsmitteln und GrundstUcksverkäufen von der Gemeinde hätten finanziert werden können. Daher endete das Gespräch der Bauerbacher Delegation beim Landrat, zu der neben Bürgermeister Josef Huhn auch sein Stellvertreter Plus Jennemann und Gemeindevertreter Bernhard Weitzel gehörten, positiv. Landrat und Kommunal auf sieht sicherten ihre Unterstützung zu.
Zur Realisierung der Grundstücks verkaufe mußte nun zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Erstmals in der Bauerbacher Gemeindegeschichte sollten gemeindeeigene Baugrundstücke auch an nicht ortsansässige Bewerber verkauft werden. Mitten in diese Vorbereitungen fiel der unerwartete Tod des Ersten Beigeordneten, Pius Jennemann, der als 42-jähriger am 18.9.1970 plötzlich verstarb. Zum Andenken an ihn sei der nachfolgende Satz aus dem Nachruf der Gemeinde in der Zeitung zitiert; "Er hat in dem letzten Jahrzehnt die Geschicke unserer Gemeinde an verantwortlicher Stelle wesentlich mitbestimmt und /um Wohle der Allgemeinheit in selbstloser Weise gewirkt !" Die Ironie des Schicksals wollte es, daß IMus Jennemann auf der von ihm planerisch durchgeführten Friedhofserweiterung als erster beerdigt wurde.
Der Nachfolger Jennemanns im Amt wurde Ludwig Matt, der mit großem Engagement und Humor seine neue Aufgabe bis /um altersbedingten Ausscheiden am Ende der Wahlperiode bewältigte. Zahlreiche Aufgaben, besonders im gemeindlichen Wasserleitungsbau (gemeinsam mit Ferdinand Dörr) und Kanalbau, die Pius Jennemann als Bauführer überwacht hatte, mußten nun von Bauingenieur Bernhard Weitzel neben dem Straßenbau noch mitübernommen werden.
Nachdem die beiden Gastwirtschaften innerhalb eines Jahres ihre Tore geschlossen hatten - Pius Weitzel starb im April 1972 und Alois Nau verunglückte tödlich im Dezember des gleichen Jahres - , wurde von der Gemeindevertretung eine l'mplanung des Dorfgemeinschaftshauses beschlossen, um den veränderten Bedürfnissen Rechnung zu tragen. Das Kindergartenprojekt im Bürgerhaus mußte aufgrund der Kindergartenrichtlinien zugunsten der neuerdings eingeplanten Gaststätte aufgegeben werden. Auch war bei dem nunmehr eingeschossigen Bau mit Untergeschoß die planerische Einbeziehung der alten Schule nicht mehr aktuell. Wertvolle Hilfe erhielt die Gemeinde bei der l'mplanung durch den Hat von Kreisbaudirektor Mönich.
Die Kosten für das jetzt wesentlich größere Haus veranschlagte Architekt Jennemann ohne Kücheneinrichtung und Außenanlagen auf rund 1,3 Mio.DM , für die Gemeinde Bauerbach ein dicker Brocken, der aber größtenteils aus Grundstücksverkäufen finanziert werden sollte. Da die Gemeinde Bauerbach bis zum Jahresende 1973 den gemeindlichen Straßen-, Wasserleitungsund Kanalbau fast abgeschlossen und aus eigener Kraft und unter finanzieller Mitwirkung seiner Bürger bewältigt hatte, war es durchaus zu verantworten, ein so bedeutendes Projekt in Angriff zu nehmen. Immerhin hatten die Bürger Bauerbachs bis zur Eingemeindung rund 600000.- DM an Anliegerbeiträgen aufgebracht.
Die Gemeinde wollte zur Finanzierung des Bürgerhauses drei Hektar Baugelände für 900000.- DM verkaufen. Eine Anzahlung von mehreren 100 000.-DM lag bereits vor und veranlaßte den langjährigen Gemeindekassenverwalter, Friedrich Kraus, zu Festgeldanlagen mit erheblichen Zinsgewinnen. Die Konjunkturkrise irn Herbst 1973 hätte jedoch beinahe die Bauerbacher Hoffung auf ein Bürgerhaus zunichte gemacht, denn unmittelbar im Zeitraum zwischen Submission und Vergabe der Rohbauarbeiten für das Bürgerhaus erreichte den Bürgermeister die Nachricht, daß der Vertrag über den Grundstücksverkauf nicht zustande käme. Nachdem der Rücktritt des Kaufanwärters bekannt geworden war und auch andere Verkaufsverhandlungen scheiterten, forderte die Aufsichtsbehörde, die Gemeinde müsse nun auf den Bau eines Bürgerhauses verzichten. In diesen schweren Stunden rückten Gemeindevertretung und Gemeinde vor stand noch enger zusammen. Kurz vor Weihnachten gelang es dann Bernhard Weitzel, der inzwischen zum Ersten Beigeordneten aufgerückt war, in Verhandlungen mit dem Magistrat der Stadt Marburg die Übernahme der Finanzierung des Bürgerhauses durch die Stadt durchzusetzen. Böse Zungen behaupteten später, dies sei nur "unter Ausnutzung der Weihnachtsstimmung des Marburger Oberbürgermeisters" möglich gewesen !
Bis zur Eingemeindung Bauerbachs nach Marburg am 1.Juli 1974 half Dr. Lebender, der ursprünglich das Baugelände hatte kaufen wollen, mit einer zum Teil kostenlosen Zwischenfinanzierung in dankenswerter Weise aus. Er lieferte außerdem der Gemeinde Bauerbach kostenlos die Statikberechnungen für das Bürgerhaus.
Die Einrichtung des Gastraumes, der Kegelstube, des kleinen und des großen Saales erfolgte durch die Marburger Brauerei unter persönlichem Engagement ihres Besitzers, Dr. Beier.
Das Richtfest wurde am 10.9.1974 gefeiert noch unter Beteiligung des Anfang 1975 verstorbenen Stadtrates Ernst Bolz, der als Dezernent zuständig war. Am 12. April 1975 konnte dann die offizielle Einweihung durch Oberbürgermeister Dr. Hanno Drechsler und Ortsvorsteher Josef Hühn, ehemals Bürgermeister der Gemeinde, vorgenommen werden. Es gab eine glanzvolle Feier, an deren Ausgestaltung der Kinderchor, der Männerge-sangsverein "Cäcilia" und die Trachtentanzgruppe Ginseldorf mitwirkten, als das "Mehrzweckhaus", wie es die Zeitung nannte, in Anwesenheit der gesamten politischen Prominenz des Marburger Raumes eingeweiht wurde.
Die Gesamtkosten beliefen sich schließlich auf 1,58 Mio. DM, von denen die Stadt, der ja Bauerbach seit dem 1.7.1974 als neuer Stadtteil angehört, dankenswerter Weise den Löwenanteil in Höhe von rund l Mio.DM übernahm. Der Magistrat bewies damit bereits kurz nach der Eingemeindung, daß er die Probleme seiner Neubürger ernst nimmt und zu lösen gedenkt. Die Restfinanzierung setzt sich zusammen aus 90000.- DM Kreisbeihilfe, 400000.- DM Darlehen bzw. Haus halt mittein der ehemaligen Gemeinde sowie 60000.- DM Mietvorauszahlungen der Raiffeisenbank.
Das anfangs als "eine Nummer zu groß" bezeichnete Haus besitzt einen großen Saal von 305 qm mit Bühne, Umkleideräumen, Duschen, Garderobe und Toiletten, dazu einen kleinen Saal von 82 qm mit Teeküche und ferner den Kassenraum der Raiffeisenbank in Große von 60 qm. Die angrenzende Gaststätte mit einer Größe von 96 qm und einer Küche von 38 qm bietet Platz für 70 Personen. Im Untergeschoß gibt es zwei Kegelbahnen, einen Schießstand mit drei Bahnen für Kuftgewehrschießcn, eine Kogelstube mit Aussehank, den Kühlraum und sanitäre Anlagen. Die wohlgelungene planerisehe Ausgestaltung des Hauses durch Architekt Heinrich Jennemann fand allgemeine Anerkennung.
Bei der großen Kinweihungsfeier und dem gemeinsamen Hürgerball aller örtlichen Vereine konnten Oberbürgermeister Dr. Hanno Drechsler und Stadtverordnetenvorsteher Dr. Walter Wall mann, die mit ihren Ehefrauen erschienen waren, feststellen, daß das Bürgerhaus für solche Bauerbacher Veranstaltungen "keineswegs eine Nummer zu groß" sei.
Fotos
Den neuen Stadtteil Bauerbach besuchte der Magistrat nach der Gebietsreform erstmals am 16.8.1974. Dabei wurden nach einem Rundgang alle für die künftige Entwicklung Bauerbachs wichtigen Fragen erörtert: z.B. wie die weitere Ausgestaltung des Neubaugebietes städtebaulich am günstigsten erfolgen sollte oder was aus der alten Schule zu machen sei.
Unteres Bild von li. n. re.: Stadträtin Gertrud Röhr, Bürgermeister Dr. Kochheim, Bernhard Weitzel, Josef Huhn als Magistratsbeauftragter und ehemaliger Bürgermeister, Oberbürgermeister Dr. Drechsler, Stadtrat Ernst Bolz, Hans R. Zielosko (Stadtwerke), Amtsrat Karlheinz Henckel, Amtmann Hermann Brück, Stadtrat Karl Schnabel. (Fotos: Magistratspresseamt)
Die liebe Mundart
Schlachttag
von Friedrich Kraus
Die Annlies war ee Bäuerin
en war je och so schlau;
se hat e Kuh en Hend em Stall
en och e decke Sau.
Kn fejrern tat se immer gut
en war och so genau
en hat och Spaß an ehrem Vieh
besonders oh de Sau.
So deck en rond, sowej se war
lug se em melle Struh
en knolt doch do was fir sich hie !
Die Annlies guckt üwer de Tür
en meent do; "So es schiel"
Kn we' s so weit /.om Schlachte war
do gangs /om Mct/.ger hie.
Kn noch em langen llir en Her'
d:ir sc rn Schladittag fenno.
Drf Mann wor }<> bei Tag nit do,
inußt öl de Ar\vet gich .
Der Nachbars Kran/, der saat: "Soso,
ach wenn das bes'che mache."
Kn ausgerechnet of den Tag
do tat's vom Himmel ströme.
"Da gieht doch en de Scheuer nenn,
do kinnt' ersch gemütlich mache,'*
"Do gieht en Stall, do es se drenn
ach selb' will naut voo wesse,
es tut mer lad, das lewe Vieh
wann's sei Lewe muß lesse,
kann's och em Tud nit seh!"
Es we's ohm Woschtkoche kum,
dr Mage war nit ze fenne!
"De Katz, de war de ganze Tag
em Wäschhaus noch nit drenn."
De Annlies leef zom Metzger schnell:
"Bu host'de de Mage gelesse?
Der muß herbei, de brauch ach doch
dr Herbst beim Katoffellese!"
"Ach, lewe Fraa, der war so grüß
de könnt' ach nit gestoppe,
da gang es ganze Fensel nenn
de kont'st em Kessel net koche!"
"Nu mach mer awer doch ken Witz,
das du ach dir nit glewe,
die Sau, die war je deck en grüß,
bu hat se de bluß setze?"
"Ach, lewe Fraa, was sprechste do,
ach sei je ganz dernewe,
Du schuchst mich doch zom Kehstall nenn,
da hot's Rend dro müsse glewe!"
"Ach sei verlurn, mach kreht dr Schlag,
ach, lewer Gott, ach helf mer!"
Se macht doch en Radau:
"Zur Strof dofür, do Schlacht'ste noch
mei schiene decke Sau."
Die Gebietsreform
von E. Dettmering
Seit im Jahre l H21 das Kurfürstentum Hessen-Kasse! in Kreise eingeteilt wurde (der Kreis Marburg hatte damals 35400 Einwohner in 4 927 Häusern), hat es keine so tiefgreifende Veränderung in 150 Jahren gegeben, wie die durch die HO lang umstrittene Gebietsreform, die für den Marburger Bereich am 1. Juli 1974 Wirklichkeit wurde: Aus den ehemaligen Landkreisen Marburg und Biedenkopf und der wieder zurückgekreisten Stadt Marburg entstand der Großkreis Marburg-Biedenkopf. Marburg wurde für den Verlust der Kreisfreiheit mit einer großzügigen Regelung der Stadtumiand-frage entschädigt und erhielt 18 Gemeinden als neue Stadtteile. Dadurch wuchs am I.Juli 1974 das Stadtgebiet von rund 22, km^ um das Fünffache auf 124 km^ und die Einwohnerzahl stieg von knapp 50000 auf rund 72000. Die Bürgermeister der ehemaligen Gemeinden wurden nach der Kommunal-wahl vom 27. Oktober 1974 zumeist Ortsvorsteher an der Spitze des jeweiligen Ortsbeirats.
Unter den 18 eingemeindeten Orten waren auch Bauerbach und Ginseldorf, Ein erster Anstoß zu engerer Bindung an die Stadt Marburg war von Ginseldorf schon im November 1970 ausgegangen, als 60 Einwohner mit ihrem Bürgermeister Christoph Feußner und mehreren CDU-Politikern (Dr.Wall-mann, Troeltsch, Bohl und Eisenberg) über Probleme der Gebietsreform berieten. Die Verhandlungen mit dem Magistrat mündeten in die Formulierung eines "Grenzänderungs- und Auseinandersetzungsvertrages''' ein, dem die Gemeindevertretung von Ginseldorf am 16.12.1971 und die Marburger Stadtverordnetenversammlung am 18.1.1972 zustimmten. Dieser Vertrag sah unter anderem vor, daß die Stadt "im Rahmen der gegebenen finanziellen Möglichkeiten die Infrastruktur der angegliederten Gemeinde :ils 'i eil des Gesamtstadtgebietes sinnvoll und zweckmäßig weiterentwickeln" werde (§ 10). Ferner verpflichtete sich die Stadt dazu, in den ersten fünf Jahren pro Einwohner und Jahr bis zu 500 DM in Ginseldorl zu investieren. Oberbürgermeister Dr. Ifanno Drechsler würdigte in der Stadtverordnetenversammlung am 2H.1.1972 den freien Entschluß der Bürger, die sich der Stadt anschließen wollten, und erklärte "die Stadt dürfe und werde nicht nur das tun, wozu sie vertraglich verpflichtet sei, sondern müsse iür eine gleichberechtigte Integration und Förderung des gesamten Stadtgebietes sorgen".
Jener Vertrag trat allerdings nie in Kraft, da der Kreis seine Zustimmung verweigerte und auch in einer gemeinsamen Sitzung von Kreisaussrhuß und Magistrat bei seiner Ablehnung blieb. Erst das Landesgesetz vom 3 2.3, 1974 iiiuchte die erwünschte Klarheit, nämlich die Eingliederung von J* l':ü-landgemeinden in die Universitätsstadt.
Die Gemeinde Bauerbach hatte sich in der ganzen Zeit aus der Eingliederungsdiskussion herausgehalten, wohl aus Überlegung und moralischer Verpflichtung dem Kreis gegenüber, von dem ein erheblicher Zuschuß zu dem geplanten Bürgerhaus erwartet wurde.
Seit dem 1.Juli 1974 werden die neuen Stadtteile vom Marburger Rathaus aus verwaltet. Die speziellen Belange der Stadtteile nehmen die Ortsbeiräte wahr, die Stellungnahmen abgeben unter anderem zur Haushaltsplanung, zu den Bebauungsplänen, zu Investitionen, Straßenbenennungen und Heimatfesten. Die beiden Ortsbeiräte von Bauerbach und Ginseldorf haben je fünf Mitglieder. Beide Stadtteile sind auch durch Stadtverordnete der CDU und der SPD im Stadtparlament vertreten.
Das erste Jahr nach der Gebietsreform hat gezeigt, daß der Magistrat sich ernsthaft bemüht, die Vertragsbestimmungen von 1972 zu erfüllen, obwohl der Vertrag nie rechtsverbindlich wurde. So wurden in den Monaten Januar bis November 1975 für den Stadtteil Ginseldorf rund 217000 DM und für den Stadtteil Bauerbach rund 885000 DM ausgegeben. Und das, obwohl die Steuerkraft beider Stadtteile pro Kopf mit am niedrigsten in der gesamten Stadt ist: In Ginseldorf 99 DM und in Bauerbach nur 87 DM (zum Vergleich: in der Kernstadt beträgt sie 361 DM, in dem kleinen Dilschhausen immerhin 190 DM und in Schröck 111 DM). Mit Recht kann daher gesagt werden, daß beide Orte von der Eingliederung nach Marburg profitiert haben.
Studentenwohnheime
Der wachsenden Zahl der Studenten, die an der Universität immatrikuliert sind, in privaten Wohnungen Untermiete zu bieten, ging schon längst über die Möglichkeiten der Stadt hinaus. So entstanden denn eine ganze Reihe von Studentenheimen. Das größte derselben ist das oberhalb der Knutzbach gelegene "Studentendorf1 mit acht Häusern, Raum bietend für etwa 850 Studenten.
Das Universitäts-Neubaugebiet auf dem Lahnberg ließ erwarten, daß man auch Bauerbach als Standort für weitere Studentenwohnheime wählen würde. So konnten im Laufe des Jahres 1973 in rascher Folge drei neue Heime bezogen werden:
-
Wohnheim Hübner mit 78 Plätzen und einer Hausmeisterwohnung wurde als erstes im April 1973 bezogen.
Bauherr und Besitzer: Rolf Hübner, Flonheim bei Alzey.
- -
Wohnheim Haberkorn mit 22 Plätzen wurde Oktober desselben Jahres bezogen.
Besitzerin: Christel Haberkorn, Kirchhain.
- -
Wohnheim Naumann mit 16 Plätzen wurde kurz darauf bezogen, im Dezember 1973. Bauherr war Gg. Naumann, Gilserberg, der es an Prof. Dr. J. Lorberth, Marbach, verkaufte.
-
Alle drei Heime sind in der Regel gut besetzt und bieten ihren Insassen was man heute an zeitgemäßer Ausstattung - modern und komfortabel - erwarten kann.
Neben diesen 116 Bewohnern von Heimen sind noch eine unbestimmte, aber nicht geringe Anzahl von Studenten in privaten Untermieten im Orte, was auch von Ginseldorf gilt.
Dieser unständige Teil der Einwohnerschaft dokumentiert sich, wenigstens soweit es Bauerbach betrifft, recht deutlich in dem Wahlergebnis vom Oktober 1974.
Die Volkszählung 1970 in Bauerbach
Wohnbevölkerung der Gemeinde Bauerbach (06, 239, 008)
|
Mai 1939 |
426 |
|
Sept. 1950 |
530 |
|
Juni 1961 |
532 |
|
Mai 1970 |
673 (m. 314, w. 359) |
|
Zuwachs 1961 - 1970 |
141 Personen = 26,5% |
|
Am 1. August 1975 |
992 Einwohner, |
so daß die 1000 beim Erscheinen dieses Buches erreicht sein dürften. Ginseldorf am selben Datum: 537 Einwohner.
Bauerbach, Zuwachs von 1970 - 1975: 322 Personen = 48%.
Wohnsitz nur innerhalb der Gemeinde hatten 661 Personen, davon männl. 308, weibl. 353.
Mit weiterer Wohnung oder Unterkunft: 12 Personen, davon m. 6, w. 6.
|
Einwohner nach dem Alter; |
m. |
w. |
||
|
unter 6 Jahren : |
105 |
50 |
sT |
|
|
6-15 Jahre : |
139 |
68 |
7l |
|
|
15-21 Jahre : |
37 |
14 |
23 |
|
|
21 - 65 Jahre : |
327 |
154 |
173 |
|
|
über 65 Jahre : |
65 |
28 |
37 |
|
|
673 |
314 |
359 |
||
|
Familienstand: |
m. |
w. | ||
|
Ledige : |
338 |
= 50,2% |
158~ |
180 |
|
Verheiratete : |
294 |
= 43,7% |
147 |
147 |
|
Verwitwete : |
38 |
= 5,6% |
7 |
31 |
|
Geschiedene : |
3 |
= 0,4% |
2 |
1 |
Ihren Lebensunterhalt verdienen 35,5% Erwerbstätige durch:
|
m. |
W. | ||
|
Land- und Forstwirtschaft |
37 = 15,5%, |
18 |
19 |
|
produzierendes Gewerbe |
7fi = 31, 8%, |
68 |
8 |
|
Handel u. Verkehr |
38 = 15,9%, |
23 |
15 |
|
sonst. Wirtschaft!. Bereiche |
88 = 36,8% |
56 |
32 |
|
Erwerbstätige insgesamt: |
239 |
165 |
74 |
|
Rentner, Pensionäre, |
64 = 9,5% |
25 |
39 |
|
Arbeitslose |
|||
|
Angehörige, Eltern, |
370 = 55% |
124 |
246 |
|
Ehefrauen u.a. |
|||
|
Zugehörigkeit zu einer Religion: |
|||
|
R. -Katholische |
598 = 88,9% |
282 |
316 |
|
Evangelische |
68 = 10,1% |
28 |
40 |
|
Sonstige |
7=1% |
4 |
3 |
|
nach dem Schulabschluß: |
m. |
W. | |
|
Volksschulabschluß |
363 |
158 |
2Ö5~ |
|
mittl. Reife, Abitur |
11 |
5 |
6 |
|
Berufs- u. Fachschule |
34 |
19 |
15 |
|
Hochschule |
14 |
9 |
5 |
|
Erwerbstätige nach ihrer Stellung im Beruf: | |||
|
Selbständige |
25 = 9,8% |
24 |
1 |
|
mithelfende Familienangeh. |
32 - 12,5% |
8 |
24 |
|
Beamte, Angestellte, |
|||
|
techn. Berufe |
84 = 32,9% |
53 |
31 |
|
Arbeiter, gewerbl. Lehrlinge |
114 = 44,7% |
84 |
30 |
|
Private Haushalte: |
1961 1970 |
||
|
130 174 |
= Zuwachs 38,5% | ||
|
Haushalte mit einer Person: |
m. |
W. | |
|
18 |
2 |
16 | |
|
Mehrpersonenhaushalte: |
|||
|
mit 2, 3 und 4 Personen |
103 |
||
|
mit 5 und mehr Personen |
53 |
||
|
durchschnittliche Haushaltsgröße: 1970 |
3,9 Pers. |
||
Private Telefonanschlüsse:
1961= 14 Anschlüsse
1975 = 105 Anschlüsse
Der Haushalt der Gemeinde betrug 1974 DM l578006,-- .
Ein seltener Gast aus der Ferne
Einer unserer Mitbürger soll hier besonders genannt werden, wenngleich er nur \venige Jahre (1968 - 1971) im Dorfe wohnte: Stephan Alexander Prinz von Preußen, ein Urenkel Kaiser Wilhelms II. (1859 - 1941). Sem Großvater war der Kaisersohn August Wilhelm (geb. 1887), dessen einziger Sohn Alexander Ferdinand, geh, 1912, war, Dieser wurde Major der Luftwaffe sind heiratete Irmgard. geborene Weigand; beide sind die Eltern von Stephan Alexander. Dieser, unser Bauerbacher Mitbürger, war Vertreter für eine Chemie- und Kunststoffindustrie und wohnte während seines Hierseins mit seiner Familie, Frau und Kind, bei Werner Huhn, Stein rücken 9. Daß dem Prinzen sein "Wohnort, das Hessendörfchen Bauer-'jach, n.icht gleichgültig war, zeigte er, als er unser Heimatbuch kaufen wollte, das aber da schon ausverkauft war. Er mußte sich daher mit dem Lesen eines Leihbuches begnügen. Er zog von hier in die Nähe von Stuttgart .
Wasserleitung
Die Verdoppelung der Einwohnerzahl mußte notgedrungen einen wesentlich erhöhten Wasserbedarf nach sich ziehen, zumal die Mehrzahl der Neubürger aus städtischen Haushalten kam, wo man höheren Wasserverbrauch gewohnt ist. Der in der Erstausgabe des Buches als geplant angegebene Hochbehälter war 1968 fertiggestellt. Ihm wird Wasser aus dem Wo h ra werk bei Stausebach zugepumpt. Der Hauptversorger aber ist das große Ailendorfer Wasserwerk, das zu den "Mittelhessischen Wasserwerken Gießen" gehört. Seine tiefen Graben, die die Rohrleitung aufnahmen, durchquerten um 1967 unsere Feldfluren zum Walde hin. Von hier aus wird hauptsächlich das Neubaugebiet des Dorfes mit Wasser versorgt.
Heimatfest und Heimatbuch
Nachdem der Verfasser mehr als fünf Jahre an der Heimatgeschichte gearbeitet hatte, kam im Sommer 1960 der Gedanke auf, wenn das Heimatbuch gedruckt würde, auch ein Heimatfest zu feiern. Eine Besprechung mit dem (im Mai 1973 verstorbenen) Bauerbacher Försterssohn, dem Rechtsanwalt Dr. Ernst Kaufmann, der uns Finanzhilfe zusagte, falls wir beim Druck des Buches in einen Engpaß geraten sollten, war vorausgegangen. Jetzt setzte sich ein Festausschuß zusammen: Bürgermeister, Verfasser, der Lehrer sowie Vertreter der Katholischen Jugend, der Gemeindevertretung der Landwirte, des Gesangvereins, des Schützenvereüis und der Geflügelzüchter. Einnahmen und Ausgaben des geplanten Heimatfestes waren das Hauptthema, ferner Fest zeit, Festwirt, Musikkapellen, Tanz- und Eintrittskarten. Der eine rechnete mit Reingewinn, der damit recht behielt, der andere mit Verlust und Zuschuß durch die Gemeinde, was zum Glück ein Fehlschluß war.
Als man Pfingstsamstag, den 20. Mai, das große Festzelt aufschlug, war ein "Sauwetter", Kälte, Regen, Wind. Der Sonntag war ein strahlender Frühlingstag. Während des Altherren-Fußballspiel s wurden fast 1000 Eintrittskarten verkauft. Wo nur ein Auto Platz fand, da stand auch eines, so zahlreich waren die Gäste und das Zelt war an beiden Tagen brechend voll. Bis weit auf die Landstraßen außerhalb des Ortes standen die Autoreihen. Das kleine, vom Verfasser erdichtete Festspiel (anfangs dieses Berichtes!), das vor dem Festzelt aufgeführt wurde, ging im Gerummel und Getümmel der Menschenmenge unter, da die Lautsprecheranlage völlig ungenügend war und nicht durchdrang.
Um noch einmal bei solch einer seltenen Gelegenheit der sterbenden Tracht die gebührende Reverenz zu erweisen, wie der Verfasser in einer kurzen Ansprache meinte, durchschritt er mit Frau, beide in heimische Tracht gekleidet, die munter quirlende Masse Menschen, die das große Festzelt barg. Selbst bestickte blaue Leinenkittel und gestrickte "Glockenkappen" waren noch genug im Dorfe vorhanden.
Höhepunkt des Festes war der Festzug am Nachmittag. Voran ritten Herolde, gefolgt von zwei historischen Gruppen: Die erste: Zwei Benediktiner des Klosters übenstadt überbringen dem mainzischen Grafen auf Amöneburg die Urkunde, laut welcher Graf Gottfried von Cappenberg, Gründer des Klosters Ubenstadt, sein Bauerbacher Gut dem Kloster schenkt das es dann, der großen Entfernung halber, dem Erzbischof von Mainz verkauft, der es von Amöneburg aus verwalten läßt. Die zweite Gruppe: Zwei Hachborner Nonnen und zwei Deutschordensritter vom Deutschen Haus bei Marburg. Der Deutsche Orden tauscht mit dem Kloster Hachborn 1253 eine Getreideabgabe aus Ginseldorf gegen eine solche in Hachborn. -Dann kamen eine Reihe Schauwagen, mit viel Fleiß und Geschick aufgemacht, die den dörflichen oder häuslichen Umkreis darstellten: Mädchen in Sonntags- und Brautmädchentracht, Jungfrauen mit den Häubchen aus älterer Zeit, - Heuerinnen, - Schäfer und Schäferin, - Drescher mit geschwungenen Flegeln, - eine Spinnstube mit fleißigen Spinnerinnen, -eine Bauernstube mit altherkömmlicher "Beute" (d.h. Backtrogtisch), -ein Schlafzimmer mit "Vürhangsbett" und unsere neuzeitlichen Landmaschinen .
Die Ausgaben für das Fest waren erheblich. Die beiden Musikkapellen (Kapelle Sepp Lang und die Neustädter Knabenkapelle) kosteten 890 DM, den Ockershäuser Spielmannszug bezahlte Dr. Ernst Kaufmann. Die Miete für das Festzelt ist mir unbekannt. Ebenso sind die kleineren Ausgaben, die größtenteils im Dorfe blieben, im einzelnen unbekannt, im ganzen 740 DM.
An Gewinn erbrachte das Fest 1260 DM rein netto, sodaß das Buch in den beiden Gemeinden statt für 17,30 DM, mit welchem Preis es aus der Druckerei ging, für 12 DM je Stück verkauft werden konnte. Die Druckkosten betrugen für 450 Stück 7800 DM. Nach genauem Vergleich mit Gehaltstabellen sind damalige 100 DM heutigen 290 DM gleichzusetzen, soweit ist unsere Inflation in 14 Jahren fortgeschritten. An Eintritts- und Tanzkarten erbrachte das Fest 2510 DM. Eine Anzeige auf riesigem gelben Plakat, das in Marburg und Nachbarorten angeklebt wurde und auf dem 33 Firmen und Geschäfte sich offerierten, ergab einen Nettogewinn von 485 DM. Ein Aufruf für private Spenden verlief mit mäßigem Erfolg: nur 115 DM. Umso besser spendeten verschiedene Körperschaften: Der Kreis Marburg 500 DM, die Gemeinde Bauerbach 300 DM, Ginseldorf 200 DM, die Pfarrei 300 DM, der Raiffeisen 300 DM und dazu 300 DM als Darlehen, rückzahlbar aus dem Verkauf des Buches; das waren Summa l 900 DM.
Das letzte Buch wurde im Juni 1970 verkauft. Freistücke erhielten der Verfasser selbst, dann eine Reihe von Bibliotheken und Institute. Von den Volksbibliotheken des Kreises nahmen 15 je ein Exemplar. Diejenigen, die als erste in Frage kommen mußten, unsere ehemals kurmainzischen (katholischen) Orte, versagten, denn nur drei von den 17 bezogen ein Buch. Mardorf, Roßdorf, Amöneburg, Allendorf und Neustadt lehnten ab, auch die Schulen dieser Orte nahmen keins. Die Sächsische Landesbibliothek in Dresden erhielt schon 1959 auf deren Wunsch ein Mardorfer Heimatbuch "Rund um Wall und Wehrturm" und sandte als Gegengabe einen sehr schönen Bildband von Dresden. Für das Bauerbach Buch meldete sich 1962 die Deutsche Staatsbibliothek Berlin und sandte ebenfalls eine Gegengabe, Bildband "Nordostdeutsche Kunst", auch ein schönes Werk.
Universitätsneubauten auf den Lahnbergen
Das Universitäts-Neubaugebiet auf dem Lahnberg ist - wenn auch kaum zur Hälfte der Planung fertig - längst Wirklichkeit geworden. Und was in der Erstauflage unseres Heimatbuches (S. 268) nur erahnt werden konnte, eine sprunghafte Vergrößerung Bauerbachs, drückt sich in der Zahl der Neubauten aus. Wir hatten 1961 97 Wohnhäuser, wozu in den nächsten vierzehn Jahren 95 Neubauten kamen, d.h. ein Zuwachs von fast 100 9o. Bauerbach - weniger Ginseldorf - hat dadurch seine ehemalige Sozialstruktur fast völlig verloren. Was sich bei der Volkszählung 1970 schon andeutete, setzt sich steigend und in erhöhtem Maße durch: Leute mit Hochschulreife, Beamte, Angestellte sind weitaus stärker vertreten als in einem Dorf gleicher Größe und Art. Nur noch 15% verdienen ihren Lebensunterhalt in der Landwirtschaft.
Seit einigen Jahren liefen schon die Planungen, als im November 1963 die Bauarbeiten in dem Neubaugebiet begannen. Zunächst mußten weite Flächen auf dem Lahnberg abgeholzt werden. Großzügige Straßen, die das Gelände durchziehen mußten, wurden gebaut, Leitungen für Wasser, Strom, Gas, Telefon etc. verlegt, Energie- und Versorgungszentralen, unter anderm die Werksanlage zur Herstellung der Bauelemente und die Anbindungen der Straßenzüge an die Großseelheimer Straße und im Norden über den "Panoramaweg" an die Bundesstraße 3 kamen hinzu. Mit der Ausführung der Baulichkeiten begann man im Sommer 1965, und zwar wurde zunächst das Fertigten-Werk gebaut, in welchem die Bauelemente an Ort und Stelle hergestellt wurden.
Bis jetzt - Juli 1975 - sind fertiggestellt: Die Gebäude für Mathematik, physikalische Chemie, Geo-Wissenschaften, Botanik mit dem Botanischen Garten und dessen Gebäuden und Versuchsgewächshäusern, die Elektrozentrale und das Heizwerk.
Zur Zeit sind im Bau; die Zoologie, die bis März 1976 fertig sein wird und als Hauptprojekt des Jahres der erste Bauabschnitt des Klinikums. Die drei Abteilungen Chirurgie, Innere Medizin und Radiologie werden 5(50 Betten fassen; das gesamte Klinikum ist erweiterungsfähig auf 12.13 Betten.
In Vorbereitung sind: Der Versorgungsbau für das Klinikum mit zentraler Küche und Sterilisation, der Bau für theoretische Medizin und das Hygienische Institut mit Tierversuchsanlage.
In weiterer Planung sind: Zweiter Bauabschnitt des Klinikums, Ver-sorgiingsbau und Abschnitte der theoretischen Medizin. Dann ein Schwestern-wohnheim, zentrale Einrichtungen, wie eine Mensa und Sportanlagen, sowie kleine Lüden für Tagesbedarf. (Nach f rdl. Auskunft durch Baudirektor Nitschke)
Abb. 44
Modell des auf dem Lahnberg im Bau befindlichen Klinikums. In den ersten Bauabschnitt fallen: die MCR.-Klinik, d.h. Medizinisch-Chirurgisch-Radiologisch, die Klinische Pathologie, das Hygiene-Institut sowie die Großküche, Speisesäle, Apotheke und Lager. Geplant fertig bis 1980. Kostenvoranschlag 180 Millionen.
Abb. 45 Das Neubaugebiet im September 1974
Iri dem Maße, in dem das Neubaugebiet auf dem Lahnberg wächst, wuchst (las Dorf mit. Zu den 97 Wohnhäusern, die Bauerbach I960 hatte, kamen binnen 14 Jahren 913 Neubauten, wie die Liste ausweist.
Vor 1959 hatten beide Orte noch Abwanderung zu verbuchen: Bauerbach ging von 1949 bis 1959 von 535 Einwohnern herunter auf 498 (minus 37), Ginseldorf in der gleichen Zeit von 382 auf 321 (minus 6l), siehe Tabelle S. 197 oben. Seit 1961 waren Bauplätze derart gefragt, daß die Gemeinde etwa 40 verkaufen konnte. Der Quadratmeterpreis lag zunächst bei 7 DM, ansteigend bis auf 10 DM, ausnahmsweise bis 25 DM. Hinzu kommen noch Verkäufe privater Grundbesitzer, allein in einem Falle bis zu 7ha (wird aber z. Zt. noch angefochten).Siehe auch Abschnitt S. 188: "Baukosten". Heute kostet ein Einfamilienhaus örtlich etwa 130000 -150000 DM. In der Stadt dürften die Preise höher liegen.
Der leere Käfig
Alte Leute wissen es noch ganz genau. Wie der Lehrer Nau gerade seine Sommerferien hatte, wurde in der Nacht vorm Sonntag in der Schule eingebrochen. Beim Schulmeister war ja nicht viel zu holen, aber ein Körbchen mit frischen Eiern und ein halber Butterweck war doch da. Das war das erste Mal. Nachher sind sie beim Ortsdiener auch eingebrochen. Der Gauner war fremd und kannte das Haus nicht. So geriet er in die Schlafstube des Mädchen. Kerle -kerle, was tat die für Schreie ! Der Kerl aber ging zu ihr und steckte ein Wachslicht an und sagte: "Mädchen, sei doch ruhig !" Da rief es aber; "Vater, Vater!" Da kam der Vater schon und der Kerl sprang die Treppe hinab, am Vater vorbei, in den Bach hinein ins Wasser. Der Vater hinter ihm her, im Hemd! Packte ihn fest am Rock, griff sich ein Backscheit (langes Scheit für den Backofen zum Brot-backen) und schlug's ihm über die Rippen und rief: "Hilfe, Hilfe!" Da kamen die Nachbarn gesprungen, einer sogar mit dem Schlachtmesser! Den Kerl steckten sie ins alte Backhaus und einer fuhr nach dem Gendarm (Polizei). Andere standen mit drei, vier Mann bei der Backhaustür und taten Wache halten. Der Gauner, der Drach, aber war schlauer. Hinter dem Backhaus lag ein Reisighaufen. Unter der Dachtraufe guckte der Kerl durch, sah den Haufen Reisig, zog seinen Rock aus, warf ihn drauf (und) sprang dahinter her. Und da sprang er über Matthes Hof hin, tat zweimal pfeifen, kriegte Antwort und sprang zu Weimars Zeil (einem Waldstück) hinein. Wie der "Schandarm" (Polizist) kam, schloß die Tür auf, war der Käfig leer und der Vagabund verschwunden. Keine Spur von ihm; und nun standen sie da und guckten sich an. Man weiß nicht, wer das längste Gesicht gemacht hat, der Gendarm, die Wächter oder der Bürgermeister. Am ändern Tag mußten sich die Ginseldorfer noch "veruzen" (verspotten) lassen, die Marburger Zeitung schrieb: "Die Nürnberger hängen keinen ehe sie ihn haben, die Ginseldorfer hängen keinen, auch wenn sie ihn haben".
Die Bauerbacher Ochsenbändiger
Was in Bauerbach vor achtzig Jahren passiert:
Der Kaspar hielt den Gemeinde-Ochs,
das war ein widerlich böses Stück.
Und jeder sagte: "Das nimmt kein gutes End,
wir machen dem Biest einen Nasenring 'nein."
Der Tierarzt kam. Die starken Männer waren schon da.
Er band die Schürz' um. "Gleich fangen wir an!"
Der Ochse roch's und blies und brummt dazu.
Auf einmal verloren sie die Courage all.
Der Tierarzt sagt: "Am besten, wir erschießen ihn im Stall",
Sie warfen ihm ein Heuseil um die Hörner herum,
und auch um die Nase schlangen sie's rum.
Sie bohrten ein Loch durch die Wand
und dadurch stopften sie den Strang,
hieran zogen sie wie ungescheit (verrückt).
Der Ochs steckt Nas' und Kopf hindurch zu weit.
Da machten sie den Ring hinein - in aller Ruh
und zogen dem Biest die Nase zu.
Wie sie nun fertig waren - ojeh!
Der Ochs fiel um und streckte die Beine!
O Schreck! Die Operation war vollendet
und der Ochs dabei verendet!
Schnell durchschnitten sie die Kehl' dem Ochs,
daß das Blut zur Tür rausfloß.
Die Notschlachtung war passiert
und schon kamen sie anmarschiert,
von Seelheim, Ginseldorf und Schröck
und holten sich ein gutes Stück.



