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Das Leben durchwandert das Kirchenbuch

A. Bauerbach

Anfang, Höhepunkt und Ende des Lebens werden seit nunmehr über 300 Jahren im Kirchenbuch festgehalten. In jenen Jahren, als die beiden Bekenntnisse noch nicht in scharfer Trennung lebten, führte man diese Register ein, um Übersicht und Kontrolle zu wahren. Die mittelalterlichen Zunftbücher gingen den Kirchenbüchern vorauf und waren ihnen ähnlich. Unser Stausebacher Chronist berichtet von der Firm- und Visitationsreise des Weihbischofs von Meißen, Berthold Nyhusius (Neuhaus), im August 1655, als er auf der Amöneburg 975 Gläubige firmte, worunter sich auch unsere Bauerbacher und Ginseldorfer befanden, Nyhusius wird die Führung von Kirchenbücher angeordnet haben, denn im Frühjahr 1656 beginnen sie in denkurmain-zischen Orten. Vor und vielleicht während der ersten Kriegsjahre werden sie auf Amöneburg im Stift geführt worden sein und sind beim Brande und der völligen Zerstörung der Stadt 1646 verloren gegangen. Der erste eingetragene Täufling war am 19. November 1656 Dorothea Schweitzer, Kind des Hermann Schweitzer und seiner Frau Eulalia. In Ginscldorf war es Anna Wagner am (fehlt) 1656, Kind des Konr, Wagner und seiner Frau Katharina. -•-» Die erste eingetragene Ehe war in Dauerbad! Johannes Fatk, Sohn des Henrich Fack und der Elisabetha, zu Ginseldorf mit Dorothea Naw, Tochter des Landschöffen, Herrn Kaspar Naw zu Bauerbach, 22, Aug. 1658. In Ginseldorf Johannes Fuß, Sohn des Johannes Fuß aus Anzefahr mit Katharina Groß, Tochter des Johannes Groß zu Ginseldorf am 8. März 1656.. — Die erste Beerdigung in Bauerbach: Johannes Happel am 13. Januar 1657, in Ginseldorf Kaspar Hartenroth, Kind des Jakob Hartenroth, 3 Jahre alt, am 25. Juli 1659. Hier sehen wir schon die lückenhaften Eintragungen. Die ersten 45 Jahre können die Register statistisch nicht ausgewertet werden. In Bauerbach sind die Taufen 2 Jahre, die Ehen 24 Jahre, die Beerdigungen 14 Jahre nicht eingetragen. Die gleichen Zahlen für Ginseldorf sind 11 Jahre, 27 Jahre, 17 Jahre. Und daß die registrierten Jahre auch nicht vollständig sind, beweisen in vielen Dörfern die Grabsteine, auf denen bei Eheleuten gewöhnlich die Kinder stehen. Grabstein „Bauerbach" hat 12 Kinder, das Kirchenbuch nur 5. Das letzte Jahrzehnt 1690—1700 scheint einigermaßen vollzählig zu sein. Bauerbach hat 50 Taufen und 27 Sterbefälle, Ginseldorf 41 und 40,

Neue Namen tauchen auf, durch Zuzug und Einheirat.

1660 Reichel
1669 Gölzhäuser Weber
1671 Riehl
1676 Bauerbach Spöll, Spill

1680 Herzig
1681 Schiler
1682 Petri Wal(li)ch
1683 Sick (Schick?)
1681 Weißhaupt

1686 Erlemann Lersch Marcks Wahl
1696 Vogel

Ein Erlemann war 1664 Pfarrer in Kleinsassen/Rhön, In den Folgejahren gibt es zahlreiche Einheiraten aber auch solche, die nur hier, in der Pfarrkirche der Braut geschlossen werden, wie die Kirche es wünscht. Die jungen Ehemänner kommen aus Schröck, Ginseldorf, Anzefahr. Einzelne auch aus Allendorf, Roßdorf, Stausebach und Sindersfeld. Aus Schröck sind neben mehreren Nau 1705 Johs. Herbener, 1716 Henrich Damm, ferner Henrich Schmitt und Martin Ziegler. Aus Ginseldorf: Dietrich Huhn 1730, Adam Kissel 1736, Kaspar Ried, Kaspar Daube. Aus Anzefahr: Johannes Petri 1740, Peter Schmitt, Konrad Ruhl. Aus Allendorf: Johann Eckart Wetzel 1734. Aus Roßdorf: Henrich Gölzhäuser 1715. Aus Stausebach: Georg Krämer und Philipp Nebel. Aus Sindersfeld: Joh. Fischer und Georg Gottschalk. Ohne Ortsangabe: Adam Beltzer 1731, Andreas Staubitz 1737, Henrich Sauerwald. Paul Baumgarten, Schmied aus Böhmen, schließt 1750 die Ehe. Er wird in „Schmids" gewohnt haben, wo eine Schmiede war. 1774 läßt Wähle, ein Tiroler hier taufen. Die Bräute kamen zumeist auch aus den kurmainzischen Nachbarorten: Zehn aus Stausebach, sieben aus Anzefahr, sechs aus Ginseldorf, vier aus Schröck, drei aus Roßdorf, zwei aus Erfurtshausen und je eine aus Emsdorf, Himmelsberg, Mardorf, Rüdigheim und Ruhlkirchen. Ganz fremde Namen ohne bekannte Herkunft sind Bürckel, Vögelein, Sauerwald. Salzmann ist aus Marburg, Preis aus Capelle, Henrich N. aus der Wetterau, Schumacher aus Mellnau, Konrad Weber und sein Bruder Andreas sind aus „Kälbern". (?) Von 1705—1829 kommen noch eine Reihe heutiger Familiennamen im Taufregister vor: 1725 Henrich Schick, 1729 Johannes Math, 1732 Dietrich Hihn, 1732 Adam Beizer und Johannes Beizer, 1736 Adam Kissel, 1738 Andreas Staubitz, 1749 Eberhard Nargang, 1790 Georg Weitzel, 1791 Joh. Georg Hohmann, 1793 Johannes Haar, Rüdigheim. — Ehen von 1800—1829: 1801 Joh. Georg Wieber, 1800 Konrad Gerhard, 1815 Johannes Bieker, 1821 Peter Joseph Martel, 1824 Georg Dörr, Rüdigheim, 1828 Johannes Braun, Roßdorf, 1829 Joh. Henrich Moog. Von den 67 Ehepartnern, die von auswärts kamen, sind bei weitem die meisten Bräute (43), während die Ehemänner (27) in der Minderzahl bleiben. Die Fülle der ändern, fremden Namen, die die Seiten der Kirchenbücher von 1700—1785 durchfluten, seien eben erwähnt, soweit sie keine Herkunft verraten: Fritsch, Heuser, Weil, Vaupel, Birckenhauer, Döll, Lauer, Gönner, Closonius, Fischbach, Heckmann, Flohr, Daube, Maus, Würger, Hünermeyer, Klein, Carl, Bien (Bühn), Eickert, Decker, Stei(h). Die Schäfer waren meistens Fremde. 1720 war Henrich Broth, 1741 Georg Maus, 1767 Andreas Justus hier. Um 1840 Heinrich Honig, nach welchem Huings Haus benannt ist.

Viele der neuen Namen, die bald wieder verschwinden, sind Landfremde. Da kommen Schwärme von fahrendem Volk, ehrsame Leute und auch Gesindel, Reisende, Händler, Juden, Pilger, Landsknechte, Fahrende Schüler, Schnitter, Drescher und sonstige Tagelöhner und Wanderarbeiter, Bettler, Gauldiebe, Gaukler, Quacksalber und Marktschreier. Wie kommen all diese Menschen in unsere Heimat? Ganz falsch wäre es, sich unser Land als abgelegen vorzustellen, wo „die Welt mit Brettern vernagelt" war. Ein Blick auf Blatt 29a des „Geschichtlichen Atlas von Hessen" belehrt uns, daß hier, zwischen Marburg und Amöneburg ein dichtes Netz von bedeutenden und auch unbedeutenden Fern- und Handelsstraßen durchzog. Davon seien nur genannt der „Große Alte Weg" durch die Hinterbach, der nach Rauschenberg ging, wo er sich weiter nach Neustadt und Gemünden/Wohra verzweigte, dann der Judenweg, am Schröcker Kreuz vorbei, welcher Teil einer Messestraße Köln-Leipzig war und seinen Namen von den durchziehenden Händlern (Juden) hat. Die Kirchhainer Straße bestand vor 1803 als ungefestigter Weg, wie es die mittelalterlichen Straßen alle waren. Große Fernstraßen der nahen Umgebung war die von Frankfurt nach Bremen, über Marburg und die vom Niederrhein nach Thüringen über Kirchhain. Das Ziel vieler Wanderer mochte auch, außer Marburg, der Königshof Seelheim oder die bedeutende Bergfeste Amöneburg sein.

Ganz fremd bleibt uns Heutigen, wie all diese „Vagi" unterwegs sich trauen und taufen ließen. Mitunter spart man sich gar den Namen. Es heiratet Margarethe aus Hessen, oder ein Bettler Johannes, vulgo (d. h. gewöhnlich genannt) Korbhanse. Es werden mehr „Bettelmanns Hochzeiten" als die Doppelhochzeit 1721 Bodenstein-Schröpfer und die von 1731 („ex misericordia" aus Barmherzigkeit) Anton Werner-Horonius stattgefunden haben. 1724 ein wandernder Handschuhmacher aus Naum-burg, ein Koblenzer Zimmermann mit seiner Braut aus Loehr. Anton Mayer und Elisabetha Krugin, Vagi (d. h. Umherziehende). Konrad Gutperle, ein entlassener Soldat, und Christine Heckmannin. Es folgen zahllose Vagi, namens Bardons, Hilpert, Zengerle, Pick, Hepner, Weißlin, Billo aus Kreuznach, Schmitt aus Zweibrücken, Chariol, Ruprecht.

Die Taufen der Landfremden sind nicht ganz so zahlreich wie die Ehen. Da finden wir Namen von Eltern: Gotau, Elsinius, Holtzappel, hessischer Soldat, fast alle werden als „Vagus, Vaga" bezeichnet. Barfus, Bohl, Cansteinin (Canstein bei Brilon), Nex aus dem Kölnischen Land (Sauerland), ein Schneider ex Palatinatu (Pfalz), Geblin, Altenberger, Neukirch, Rochus, Seelos, Beumler aus Langensalza, Gängler.

Von der ganzen Düsternis des Schicksals umwittert sind meistens die Todesfälle der Vagi. Ohne Ausweise durchirrten sie die Welt — auf der Suche nach Brot — auf der Flucht — vor wem? Da heißt es schmucklos: eine Vaga, Paupercula (Arme), Mendica (Bettlerin), oder ein Spottname: die Kölsche Trine, die rothe Elß, die Plaudergertrud, die scheele Marie, El. Mayer, das „Blümge" genannt. Elisabeth ex Suevia (aus Schwaben), K. Kain ex Anglia (England?), Joh. Stolzmann, 30 Jahre alt, wandernder Schreinergesell, hat beim Wirt Huhn übernachtet und das Haus früh um 6 Uhr verlassen, wurde auf dem Mist tot aufgefunden. (1809). Der Maire (Bürgermeister) Weber, Amöneburg, ließ ihn der Anatomie Marburg zuführen. — Andreas Ohlim, ein Westfale, 67 Jahre alt, tot vor dem Dorfe gefunden. Joh. Henrich Schwalm tot in der Arzbach gefunden (1814). Viele Namen lassen fremde Herkunft vermuten: Weinrausch, Segelin, Ruland, Willigin, Düngel, Justi, Allemannin, Helmerich, Justi kommt eine Generation lang in Ginseldorf vor und ist katholisch.

Auch Einheimische werden von ungewöhnlichem Tode betroffen:
1749 Henrich Weber, tot im Stalle aufgefunden.

1751 Georg Hoffmann, ein Lediger, tot auf seinem Acker vor dem Dorfe gefunden. Karl Franz Schmitt, 37 Jahre alt, nach epileptischem Anfall im Stocksgrund gefunden.

1795 Peter Wilhelm, 14 Jahre alt, vom Pferde erschlagen.

Tragische Todesfälle in Bauerbach nach 1800:

1838 Joh. Peter Herbener, Haus 24, 62 Jahre alt, wurde nachts auf der Straße erstochen.

1860 Joh. Ludwig Nau wurde in einem Steinbruch bei Siegen durch einen vorzeitigen Sprengschuß getötet.

1871 In der Wirtschaft Huhn brachen die Schwarzen Blattern aus denen alle Bewohner zum Opfer fielen: Der Wirt Andreas Huhn und seine Frau Elisabeth, seine Mutter, Wwe. Kathr. Huhn und seine Schwägerin, Wwe. Amalia Petri.

1881 Ein Seelheimer, Wilh. Gade, wurde beim Holzfällen im Lahnberg von einem Baum erschlagen.

1884 Josef Bodenbenner aus Haus 14, ein Neffe des Pfarrers Bodenbenner, 36 Jahre alt, verunglückte tödlich durch sein Fuhrwerk im Lahnberg.

1895 Plus Weitzel wurde beim Heimweg von Marburg im Lahnberg von einem Seelheimer erstochen.

1911 Karl Jos. Damm, 3 Jahre alt, ertrank im Brunnen.

Besondere Lebensführung, wie übertritt zur kath. Kirche wird vermerkt. 1658, am 2. Juli, die Frau des Marburger Kuhhirten, Gerhard, wird nach Bauerbach überführt, da sie um der hl. Kommunion willen und um in katholisch geweihter Erde begraben sein will, dies gewünscht hat. Elisabeth Schaub, eine Reformierte, Frau des Andreas Justus, eine Lutheranerin, Georg Schaub, ein Kalvinist, Schäfer Justus, und Joh. Henrich Müller, Konvertiten, Margaretha aus Hessen und Johannes Wagner, werden vor der Eheschließung katholisch. Namen wie Gotau, Selos, Bardons, Chariol, Alleman, lassen französische Hugenotten vermuten.

Grabsteine.

Zwei Steine sind uns aus 1706 und 1713 erhalten. Elisabeth Bauerbach, Tochter des Martin und der Margaretha, stürzte am 4. Juli 1706 im Alter von 31 Jahren vom Kirschbaum. Die damaligen Grabsteine wurden von städtischen Bildhauern ziemlich schematisch gehauen, sie sind fast überall gleich. Der Ausnahmen, wie in Stause-bach, sind wenige. Auf unserm Stein steht links der Vater mit drei Söhnen, rechts die Mutter mit neun Töchtern. Doch vermerkt das Kirchenbuch nur 5 Kinder. Weder die Ehe des Paares noch die verunglückte Tochter Elisabeth finden sich im Buch. Der zweite Stein meldet uns von dem Schöffen Kaspar Nau. 1635 geboren, 1671 vermählt, 1713 gestorben. 42 Jahre verheiratet mit Sybilla Maria Petri. Elf Kinder stehen sowohl im Buch als auf dem Grabstein. Ein anderer Kaspar Nau, Landschöpf, lebte 1657, vielleicht der Pate des Genannten. Die Grabsteine jener Zeit sind redselig und weitschweifig. Vgl. Grabstein Mertens (1717) und Stoss (1707).

Standesamt

Bauerbach-Ginseldorf

Trauungen wurden schon früher außer in die Kirchenbücher auch in staatliche Register eingetragen, doch waren das keine zivile Trauungen, sondern eben nur Registrierungen. Solche wurden seit der hessischen Verfassung 1831 in Marburg, auch in Amöneburg (1855) oder in Kirchhain (1843) getätigt. Standesämter gibt es seit 1872, nachdem sich Deutschland im Jahre zuvor wieder geeinigt hatte. 1874 bestanden diese Ämter überall. Wir gehörten anfangs, von 1874—1883 nach Bürgein, das dann an Betziesdorf kam. Bauerbach-Ginseldorf wurde dann selbständig. Bis 1937 verwalteten es die drei Bürgermeister Damm, Petri und Gölzhäuser. Der letztere behielt es noch nach seiner Amtszeit als Bürgermeister über sieben Jahre lang bei. Dann wurde es vom Bürgermeister getrennt und Alois Gerhard übernahm es bis 1959. Dann wurde Bernhard Benedickt Standesbeamter. Die 125 Gemeinden des Landkreises haben heute 50 Standesämter.

Geburt ist Sterbens Anfang.
Tod ist wahren Lebens leuchtender Beginn.

 

Ginseldorfer Kirchenbuch

Es läuft mit dem Bauerbacher ziemlich konform. Manches wurde schon vorweg genommen. Vor 1700 noch unvollständiger als das Bauerbacher, berichtet es auch von starkem Zuzug und vielen neuen Namen, von hoher Sterblichkeit, namentlich der Kinder von lebhaftem Reiseverkehr ,bis die Talstraßen ausgebaut waren und endlich die Eisenbahn 1852 allen Verkehr auf den alten Straßen lahmlegte. Nebenden Namen der Einwohnerliste, die wir 1659 (und 1676) kennenlernten, tauchen nun auf: Bergheber, Geltzheuser, Keßner (Kiß-), Kloß, Strawe, Eucker (Euckerdt), Feimer (Föl-), Freidhoff, Froelich, Hinn (Hihn), Klein, Lieb, Martel, Minck. — Nach 1700 kommen Loever, Nebel, Scheuer, Schneider, Schüßler, Schweitzer, Stuhl, Unger, Weißhaupt, herein. — Nach 1720 sind es Bornscheuer, Boshammer, Kirsch, Kißling, Meister, Reis, Schenk, Schreiner, Sträub, Weber, Würger. Closonius, Gutperle und Hünermeyer finden sich auch in Bauerbach und Mardorf und wahrscheinlich noch sonstwo, so daß man sie als Wanderarbeiter, Mäher und Drescher, annehmen darf.

Wie in Bauerbach, beschränkt man sich in der Wahl des Ehepartners durchaus nicht auf den eigenen Ort. Schon damals kann von sogenannter „Inzucht" keine Rede sein, denn das Sprichwort „Heirat1 Nachbars Kind, dann weißt Du was Du find'", wird nicht beachtet. Je sieben Ehepartner stammen aus Schröck und Anzefahr, fünf aus Sindersfeld, je vier aus Bauerhach und Niederklein, je l—2 aus Allendorf, Emsdorf, Himmelsberg, Stausebach, Roßdorf. Fünfmal sind auch „hessische" Dörfer vertreten, worunter die landgräflichen (evangelische) verstanden sind. Die kurmain-zischen, katholischen Dörfer zählten nicht zu Hessen. Je ein Partner kam aus Schönbach, Seelheim, Göttingen, Cappel und Rengershausen. Von 1663—1800 lesen wir an Namen, soweit es Ehemäner sind (die Schreibnamen der Bräute fallen ja mit der Trauung fort), Eickart aus Göttingen, Fritz, Hepp, Keßner, aus Niederklein, Schweitzer, Schüler, Riehl aus Schröck, Mink und Weber aus Bauerbach, Freidthoff und Fischer aus Sindersfeld. Spiell aus Himmelsberg, Nassemann aus Allendorf, Groß aus Roßdorf.

Neben den kurmainzischen Paten finden wir solche auch aus Schönbach, Seelheim, Caldern, Cölbe, Rauschenberg, und gar einen aus Cassel („Casselanus"). 1732 haben wir den seltenen Fall, daß eine Ehe ungültig erklärt wird. W. Euckert und E. Bauerbachin, heiraten, nachdem die Ehe Euckerts mit J. Daubin („iudicialiter fuerit separatus") getrennt wurde.

Die Landfremden sind nicht minder vertreten wie im Pfarrort: Wanderer (vagi), Pilger (peregrini), Bettler, Maurer, Lumpensammler, Schinder, Zigeuner; meistens ist kein Beruf genannt. Und woher? Aus dem Kölnischen Land, aus Hatzfeld, Brücke-nau, Hadamar, Oberfleckenberg, der Pfalz, Erbenhausen, Obernklein (Obergleen). An Namen: Fesche, Lackran, Sonneschein, Cornelius, Kollmann, Zeise, Diez, Danz-hausen, Senfft, Plentzer, Hundt, Freund, Rupert, u. a. m.

An tragischen Unglücksfällen hat es nie gefehlt. 1714 starb das Kind Elisabeth Minck, „von einem tollen Hunde gebissen". 1736 wurde Jakob Wilt von einer verirrten Kugel getroffen. 1738 ertrank der 80 Jahre alte Schöffe Johann Daube bei Anzefahr in der Ohm und 40 Jahre später ertranken zwei Mann, Konrad Nau und Johannes Pilgram beim Fischen und Arbeiten bei der Hainmühle in der Ohm. 1751 erlitt Katharina Dietz in der Kirche einen Herzschlag.

1837 Marianne Euker lief in hohem Fieber in die Ohm und ertrank. Sie wurde nach vier Tagen gefunden.

1838 Joh. Heinr. Bromm starb in Laasphe auf der Heimreise von Elberfeld, wo er erkrankt war.

1867 Konrad Ottmüller, 17 Jahre alt, stürzte von dem Neubau einer Marburger Klinik und starb.

1875 Fridolin Nebel, 22 Jahre alt, starb durch Sturz in dem Steinbruch bei der Spiegelslust.

1876 Heinrich Riehl, 46 Jahre alt, wurde durch einen Baum beim Abladen desselben erschlagen.

Außer dem Lehrer („Ludimagister, Ludirector") wird selten ein Beruf genannt. Nur diesem, sowie dem Schöffen, Pfarrer und Förster wird „D.", „D'nus" (Dominus, Herr) vorgesetzt. Ein Brauch, der sich in vielen Genieindeakten noch nach 1930 findet, wo nur Pfarrer, Lehrer und Förster mit „Herr" in der Liste stehen. Der Schäfer, meistens ein Ortsfremder, wird immer genannt, 1658 war es in Ginseldorf Hans Clooß, 1662 Georg Theodor . . . , 1745 Eberhard Nargang, 1738 Henrich Nau, 1748 Hermann Bornscheuer, 80 Jahre alt.

Sterblichkeit

1656—1700
Von den 45 Jahren sind in 14 Jahren die Todesfälle nicht registriert, in den übrigen Jahren sind es 63 Todesfälle, von denen 53 mit ungefährem Sterbealter versehen sind. Von diesen 53 sind 26 Kinder, fast genau die Hälfte.
Zwischen 30 und 60 Jahren starben 12, so daß für das Alter nur 12 übrigbleiben.
Über 80 Jahre wurden nur zwei.
Von 1700—1788 ist das Verhältnis noch schlechter.
Von 150 Toten sind 77 Kinder (52%).
Nur drei sind 80—90 Jahre alt geworden.
Schneider Döll wurde 93 und die Jungfrau Anna Esther Jung starb 1728 mit 102 Jahren.
1774/75 starben in 6 Monaten 7 Kinder und kein Erwachsener,
1781/82 in 6 Monaten ebenfalls 8 Kinder und kein Erwachsener.
Anna Lieb wurde 1777 95 Jahre alt, 1730 war der Witwer Konrad Schmitt mit 99 Jahren gestorben.

Firmungen

1655 war erstmalig wieder Firmung auf der Amöneburg für alle kurmainzischen Orte des Amtes. Seit 1779 verzeichnen unsere Bücher die Firmungen. Firmung heißt im Kirchenlatein „Confirmatio". Sie war dann 1793, 1800, 1811 und nach langer Pause 1830 auf Amöneburg. Dann war sie 1834, 1852, 1859, 1862, 1887 in Bauerbach. In Schröck war sie 1839, 1866 und 1890. In Marburg 1843, 1850, 1856. In Amöneburg 1865 in einer Notkirche, weil die neue im Bau war, dann 1882, 1895 und 1905. 1899 nodumils in Anzefahr.
Seit 1902 war sie erst bis 1920 in dreijährigem Abstand, dann in vierjährigem und seit 1928 regelmäßig in allen Pfarrkirchen in fünfjährigem Cyklus. Im Kulturkampf von 1873 bis 1882, als viele Bischöfe ihres Amtes enthoben wurden und manche im Gefängnis lagen, war eine lange Vakanz. Bis jetzt ist die; Firmung fast 20mal in Bauerbach gewesen, zuletzt 1958.

 

'Kommen und Gehen' durch drei Jahrhunderte

 

 

in Bauerbach

in Ginseldorf

Zeitraum je 10 Jahre

a) 1731—40 a) 1831—40 a) 1931—40 251 Einw. 333 Ew. b) 1751— GO b) 1851—60 b) 1951—60 ca. 145 Einw. 290 Einw. 495 Ew.

a) 1731-^0 a) 1831—40 a) 1931—40 234 Ew. 250 Ew. b) 1751—60 b) 1851—60 b) 1951—60 ca. 137 Einw. 260 Ew. 390 Ew.

Taufen

a) 77

 

a) 81

 

a) 112

 

a) 63

 

a) 73

 

a) 70

 
   

145

 

161

 

237

 

133

 

160

 

148

 

b) 68

 

b) 80

 

b)125

 

b)70

 

b)87

 

b)78

 

Jahresdurchschnitt

 

7,25

 

>"•""

 

11,8

 

6,65

 

8,—

 

7,04

Überschuß

 

00

 

44

156

2

 

54

 

94

Sterbeiälle

a) 53

 

a) 58

 

a) 36

 

a) 5l

 

a) 55

 

a) 28

 
   

145

 

117

 

81

 

131

 

106

 

55

 

b)92

 

b)59

 

b) 45

 

b) 80

 

b)51

 

b)27

 

Jahresdurchschnitt

 

7,25

 

5,85

 

4,05

 

6,55

 

5,03

 

2,7

Ehen

a) 32

 

a) 11

 

a) 19

 

a) 15

 

a) 19

 

a) 18

 
   

41

 

29

 

73

 

32

 

28

 

48

 

b) 9

 

b)18

 

b) 54

 

b)17

 

b) 9

 

b)30

 

Jahresdurchschnitt

 

2,05

 

1,45

 

3,65

 

1,6

 

1,4

 

2,4

Aus jedem Jahrhundert wurden zwei Jahrzehnte ausgewählt. Die Kriegsjahre unseres Jahrhunderts wurden ausgelassen. Von 1731—1760 wurden die „Vagi" (Durchreisende) und die Beamten des Deutschen Hauses (20 Beerdigungen) mitgezählt. Von 1951 bis 1960 ebenfalls die Heimatvertriebenen. Man beachte, wie der Geburtenüberschuß in jedem Jahrhundert ansteigt, besonders in Bauerbach. Ebenso nimmt die Sterblichkeit ab, in Ginseldorf stärker als in Bauerbach, Nicht berechnet ist die Geburtenzahl usw. auf das Tausend der Bevölkerung.

Die Ehen und ihre Partner

Verwitwete sind eingerechnet

 

beide sind einheimisch

Prozent aller Ehen

Ortsfremde Ehepaare

Einheimisch mit Heimatvertrieb.

nur Heimat-vertr.

zusammen

aus der Mann

Nähe Frau

aus der Ferne

Bauerbach

5l

39,0f'o

16

41

5

5

12

130

Ginseldorf

30

36, 00,'o

4

32

4

6

8

84

 

81

38.5"/o

20

73

9

11

20

214

Noch nicht zwei Fünftel der Ehen haben ihre Partner aus dem eigenen Dorf. Die Nachbarschaft wird bevorzugt, namentlich sucht sich der Mann mit Vorliebe die Frau auswärts. Unter den Heimatvertriebenen sind alte (vor 1946) und neue Ehen, Die Heimatvertriebenen heiraten mehr einen einheimischen Partner als „unter sich", — Lehrer und Förster blieben außer Betracht.

Abwanderung

Beide Orte zählen z. Zt. 185 Familien, junge und alte gerechnet. Um Käufer dieses Buches zu gewinnen, wurden die Anschriften jener, die durch Heirat oder von Berufs wogen abwanderten, zusammengestellt. Es ergab sich folgendes Bild.

Es wanderten ab

in die Orte des Kreises:

davon in die Stadt Marburg

in das übrige Hessen

zusammen

aus Bauerbach

40

9

18

75

aus Ginseldorf

28

6

4

36

 

68

15

22

111

Buslinien, Motorrad und Auto haben die Abwanderung weitgehend zurückgedrängt. Man fährt täglich zur städtischen Arbeitsstelle und wohnt daheim, wo sich viele ihr Eigenheim gebaut haben (s. auch Abschnitt „Pendler"). Nach 1945 sind in beiden Orten 42 Neubauten (Bauerbach 24, Ginseldorf 18) entstanden, das sind 35% des Vorkriegsbestandes an Wohnhäusern. (1)

Ergänzung

  1. Von 1961 - 1975 betrug der Zuwachs an Neubauten für Bauerbach 95, für Ginseldorf 47.

Auch Taufnamen sind Modesache

Die schöne, alte Namenwelt des Mittelalters mit ihren klangvollen altdeutschen Wortstämmen hat sich lange gehalten, ehe sie soweit verarmte, daß das halbe Dorf nur noch Hannes und Henner, Kathrine und Lisewitt hieß. Aus Urkunden zwischen 1250—70 entnehmen wir den Zeugenlisten Alebold, Dithmar, Eckehard, Eberwin, Godefrid, Guntbert, Helwig, Meingot, Ortwin, Sibodo, Sifrid. Viele haben überlebt oder sind wieder auferstanden, so Arnold, Bertold, Eberhard, Gunter, Reinhard, Rudolf, Walter, Werner, Wigand. Zwischen dem Jahre 600 und 1200 finden wir Mainzer Erzbischöfe mit den Namen Sigimund, Rigibert, Gerold, Otgar, Hildebert, Willigis, Erkanbald, Bardo, Wezilo, Ruthard, Markolf.

Diese reiche Namenwelt ist nach 1656 völlig verödet. Eine sture Sitte und der Starrsinn der Paten haben nur wenige Namen übriggelassen. Die Männernamen beschränken sich auf wenige, wie Henricus, Casparus, Konradus und vor allem Johannes. Dieser Name wird bis ins vorige Jahrhundert so häufig gegeben, daß oft die Hälfte der Männer Johannes heißt. Haben sie einen anderen Namen, dann wird Johannes wenigstens diesem vorgesetzt. Joseph ist vor 1800 kaum zu finden. Die Mädchen heißen vorwiegend Anna, Elisabeth, Dorothea, Maria, Margaretha, Katharina, Bei allen Namen ist der christliche Heiligenkalender und die Heilige Schrift, selbst die des Alten Testaments, maßgebend. Der Heilige soll dem Täufling im Leben Vorbild und Fürbitter sein. Da sind: Adam, Andreas, Daniel, Franziskus, Georg, Jakobus, Laurentius, Martinus, Matthäus, Mathias, Nikolaus, Sebastian, Zacharias. — Eva, Gertrud, Kunigunde, Magdalena, Martha. Namen wie Anton, August, Ignaz, Joseph, Karl, Peter, Paul, Pius, Wilhelm, treten erst nach 1800 auf bzw. werden häufig. An weiblichen Namen Franziska, Karoline, Luise, Monika, Regine, Rosa, Thekla, Theresia, Veronika. K. Bluhm gibt einen Überblick über die Namen der 1956 in Marburg geborenen Kinder. Da folgen, nach der Häufigkeit geordnet: Peter (35mal), Michael, Thomas, Gerhard, Helmut, Jürgen, Klaus, Werner, Horst, Wolfgang, Manfred, Dieter, Rainer, Harald. Bei den Mädchen führend war Monika (25mal) dann Karin, Petra, Gabriele, Birgit, Gisela, Renate, Ute, Barbara, Angelika, Ursula, Brigitte, Ulrike. Die Namengebung in unserem Dorf hält sich nicht strikt an das städtische Vorbild. Man wählt auch andere, die gefallen, wobei der christliche Kalender zurücktritt. Bertold, Erhard, Lothar, Othmar, Reinhold. — Anita, Claudia, Edeltrud, Gudrun, Hiltrud. In den Fällen, wo Pate oder Patin am alten Brauche haften, und dem Kinde ihren Namen geben, sind die alten herkömmlichen Taufnamen noch nicht ausgestorben. Mancher Bauer hängt auch noch an der Sitte, daß der Erstgeborene den Namen des Großvaters tragen muß.

Auswanderung nach Übersee

 

   

Haus

aus No,

geb. im J.

nach USA im J.

I

aus laus No.

geh. am J.

nach USA im J.

1.

Volpert Baumgarten

2

1825

1854

13. Ludwig Braun

22

1851

?81

2.

Joh. Konr. Petri

5

1814

?44

19. An. Elis. Hoffmann

24

1829

?59

li.

Joh. Peter Hohmann

8

1828

?58

?0. Joseph Hoffmann

24

1837

1854

4.

Konrad Hohmann

8

1834

1855

21. Joh. Georg Petri

25

1827

1857

5.

Joh. Paul Wagner

8 '/s

1847

1863

22. J. Pet. Baumgarten

27

1812

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fi.

Peter Wagener

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1849

1863

23. Johs. Baumgarten

27

1824

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7.

Konrad Wagener

B'/5

1853

1863

25. Joh. Jos. Baumgarten

27

1826

?56

8.

An. Kathr. Weitzel

10

1833

1856

26. Andreas Baumgarten

27

1831

1854

9.

Heinr. Gölzhäuser

11

1835

1855

27. Hch. Jos. Baumgarten

. 27

1833

1855

10.

Joseph Gölzhäuser

11

1841

1855

28. Karl Ludw. Wehner

29

1837

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. Karl Gölzhäuser

11

9

9

29. Joh. Adam Herbener

35

1819

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11.

Johannes Gerhard

12

1831

1855

30. Mär, Ther. Hoffmann

30

1832

1855

12.

Konrad Damm

15

1851

1869

Sl.Friedr. Hoff mann

30

1836

1855

13.

Volpert Herbcner

17

1850

1869

32. J. H. Hoffmann (Vat.)

30

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1855

H.

Ludwig Petri

18

1834

1857

Mutter, Mär. Elisab.

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1854 gest.

15.

An. Elis. Weber

22

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Das Haus wurde 1855

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16.

Katharina Weber

22

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17.

Karolina Braun

22

1847

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Der größte Treck war in den Jahren 1854—57, soweit das Jahr der Auswanderung angegeben ist (14 Auswanderer). Ein weiterer, kleiner Schub folgte 1863—69. Von denen, deren Wanderjahr wir kennen, waren zehn unter und zehn über 20 Jahre alt. Nur einer ist 30 (Nr. 21 aus Haus 25) und einer weit über 30, der Vater Nr. 33 aus Haus 30. Wir dürfen auf Grund ihres Geburtsjahres annehmen, daß die Auswanderer Nr. 2r 15, 16, 22, 23 und 29 schon zwischen 1830 und 1840 auswanderten. Die restlichen sieben werden auch wie die ändern, um 1855 die Heimat verlassen haben. Grund dafür war wohl zumeist wirtschaftliche Not; die Leinweberei war z. B. ganz zum Erliegen gekommen. Bei den Familien Wagener (Haus Nr. Q1/?), Baumgarten (Haus Nr. 27 und Hoffmann (Haus Nr. 30) dürfen wir eine besondere Notlage annehmen. Einige junge Burschen zwischen 18—20 Jahren dürften wohl dem Militär entronnen sein. Nr. 28, K. L. Wehner, ist der Sohn des Lehrers. Der Vater, erst 40 Jahre alt, war schon 1852 gestorben, als der Sohn erst 15 Jahre alt war. Auch ihn wird die Not getrieben haben. Unter den sechs Mädchen, die sich über den Atlantik wagten, mögen sich auch Bräute der jungen Auswanderer befunden haben, die ihrem Verlobten folgten. Peter Bieker kehrte 1888, ehe er heiratete, aus Amerika zurück, wo er einige Jahre bei dem ausgewanderten Peter (oder Konrad) Hohmann verbracht hatte, der in New York eine Metzgerei betrieb.

Über die Ginseldorfer Auswanderer schweigen sich die Kirchenbücher bis auf wenige Ausnahmen aus. Martha Bromm, geb. 1836, wanderte (ohne Jahresangabe) nach USA aus. Im Jahre 1851 folgten die Witwe Elisabeth Schüßler mit ihrem einjährigen Töchterchen Kunigunde und im selben Jahre der Schuhmacher Heinrich Kißling mit Frau, Anna Dorothea, geb. Nau, und seinem einjährigen Söhnchen Konrad.

Aus weiter Ferne

Die Ortsgeschichte Mardorfs gab uns schon Kunde von Einwanderern aus weiter Ferne, aus Brabant, dem katholischen Südteil Hollands. Das war zwischen 1700 und 1800, Ob solche auch in andere Pfarreien einwanderten, z. B. Bauerbach-Ginsel-dorf, wissen wir nicht sicher, denn da die auf Amöneburg wohnenden Geistlichen die Orte „excurrende" versorgten, kannten sie die Herkunft ihrer Pfarrkinder nicht

Die Abgewanderten sind zum großen Teil verheiratet. Wir finden sie über das ganze Bundesgebiet verstreut, vom Niederrhein bis Niederbayern.

immer genau. Brabant gehörte zu den „Spanischen Niederlanden", wo der Mainzer und österreichische Adel schon früh Besitz hatte. Schon die Tochter der hl. Elisabeth, Sophie war Gräfin von Brabant. Erzherzog Carl v. Lothringen, der 1771 die Arz-bach an Bauerbacher Bauern aufließ, war unter seinen 24 Titeln, die die Urkunde aufzählt, Herzog von Lotharingen und Bar, von Geldern, Fürst zu Charlcville, Markgraf zu Pont a Mousson (bei Metz), und Nomeny, Graf zu Zütphen (Holland), und General-Gouverneur der österreichischen Niederlande. Wer weiß, woher alle die stammten, die nach 1648 hier auftauchen, ob aus der Nachbarschaft, aus Tirol, aus Brabant oder der Pfalz, Daß aus den vom Kriege verschonten, aber dicht besiedelten Ländern Auswanderer in die entvölkerten Gebiete strömten, ist nur zu natürlich. Man braucht da nicht einmal, wie bei den Hugenotten, religiöse Gründe anzunehmen.

Den ersten Anstoß zur Vertreibung der Hugenotten haben wir darin zu suchen, daß die Reformation den Papst entmachtete und die Leitung der Kirche den protestantisch gewordenen Fürsten in die Hände spielte, die dann in Augsburg den Grundsatz erzwangen: „Cuius regio, eius religio" und dadurch ihre Untertanen in ihre Gefolgschaft zwangen, falls sie nicht die Auswanderung vorzogen. Diesen Grundsatz haben dann auch der Erzbischof von Salzburg und der König von Frankreich angewandt, woraus sich die Hugenottenzüge ergaben.

Wie wir auf alten Grabsteinen sehen, herrschte nach dem Kriege die spanische Tracht vor, was nicht nur von dem regen Handel mit den Spanischen Niederlanden, sondern auch von den Brabantiner Einwanderern herrührte. Hundert Jahre später war die französische Mode herrschend, von der unsere heutige aussterbende Tracht sich herleitet.

Wir dürfen aber schon viel früher, aus den Tagen der Gräfin Sophie von Brabant, eine brabantische Zuwanderung annehmen. Das Zinsregister des Deutschen Ordens nennt 1358 in Ginseldorf drei Hofbeständer mit Namen Flamme, die wir als Flamen ansprechen dürfen, wenn schon diese Deutung unsicher bleibt. Zur selben Zeit finden wir in Amönau einen Johann Flemming. 1364 ist in Sindersfeld ein „fideiussores Flamme de Guntzelndorff", 1370 hat Cuntz (Konrad) Flamme zwei Ordenshöfe in Nonnenhausen, im Salbuch von 1374 wird eine „Elheid Flemme czu Gincilndorf" genannt, ferner 1675 ein piscator (Fischer) Flamme in Ginseldorf und im gleichen Jahre ein Henrich Flamme als Beständer eines Ordenshofes in Betziesdorf.

Tiroler

Zimmerleute und Maurer aus den Alpenländern wurden allgemein als Tiroler bezeichnet. Schon um 1250 arbeiteten Tiroler Maurer an den Wehranlagen Herbsteins, ein fuldisches Städtchen im Vogelsberg. 1665 ist ein Tiroler in Mardorf. 1663 nennt K. Preis, Stausebach, Tiroler Maurer. Und der Familienname Schweitzer, der 1660 in Bauerbach auftaucht, deutet auch auf Herkunft aus den Alpenländern hin. 1672 sind Tiroler in Allendorf bezeugt. 1722 wird der Zuzug aus ändern Landschaften so groß, daß das Anwachsen der Einwohnerzahl der kurmainzischen Regierung Sorge bereitet. Ab 1733 haben wir eine Familie Wähle (Vahle) in Bauerbach, nach der heute noch ein Haus als "Trolesch" (Tirolers) genannt wird. Henrich Vahle und Eva Kathr. Walchin heiraten 1733. 1770 wird Johannes Wähle, Kaufmann, genannt, der 1773 stirbt. Im Jahre darauf nennt das Kirchenbuch Johs, Joseph Wähle, als gebürtigen Tiroler. Derselbe stirbt 1844 und ist wohl seinem Verwandten nach hier gefolgt. Simon Kirsner, der 1771 stirbt, wird als „armer Tiroler" bezeichnet. Da „Trolesch" dort steht, wo noch 1807 der Hohmanns-Hof stand, werden die genannten Tiroler als Beisassen auf diesem Hofe gewohnt haben. Der Name Vahle kommt noch in Volkmarsen vor.

Die Post und ihre Boten

Heute dürfte es kaum jemanden geben, der nichts mit der Post, sei es als Absender, sei es als Empfänger zu tun hätte. Die Post ist es, neben dem Rundfunk, die den täglichen Kontakt mit der weiten Welt herstellt. Das ist nicht immer so gewesen. Denn wer konnte damals lesen und schreiben, als nur die Fürsten und Ritter ihren eigenen Botendienst hatten? Die Geistlichkeit und andere studierte Herren, die die Kloster- oder Stadtschule besucht hatten. 1520 hatten die Kasseler Kanzlei und das Hofgericht in Marburg ihre eigenen reitenden Boten. Solche Privatpost bestand noch nach 1830, doch nur für amtliche Sachen, denn die Mardorfer mußten „Boten für Herrschaftliche Botengänge zur Weiterbeförderung von Dienstbriefen von der Amöneburg stellen". Fürstliche Briefpost wurde um 1500 oft in silbernen Büchsen befördert, die dann wohl der Raubgier zum Opfer fielen. Wer im Hochmittelalter einen Brief zu befördern hatte, gab ihn, wenn er keinen Boten entlohnen konnte, einem fahrenden Schüler, Handwerksgesellen, Mönch, Pilger oder einem Kaufmannswagen mit. Hans Sachs erzählt uns in einem Lustspiel, wie eine Bäuerin einem fahrenden Schüler ein Paket an ihren seligen Mann im Paradies mitgab. Kaiser Maximilian belehnte die Tiroler Grafen Thurn und Taxis 1489 mit dem Postregal (Hoheitsrecht), Bis 1516 war die Taxis-Post schon in Süd- und Westdeutschland und mit einem Hauptstützpunkt in Frankfurt ausgebaut. Sie beförderte Briefe, Personen und Pakete mit Reit- und Fahrposten. Weiterer Ausdehnung stellten sich Hessen, Braunschweig und Brandenburg entgegen, die sich eigene Posten einrichteten. Wie der Landgraf Jahrhunderte lang mit dem Erzbischof um die Grenzen, so stritt er fast ebenso lange mit dem Kaiser und den Grafen v. Thurn und Taxis um das Postregal. Wie so oft, stellten diese Fürsten ihre eigenen, kleinen Landesinteressen über die großen Belange des Deutschen Reiches.

1541 waren die nächsten hessischen Post-Stationen Kirchhain, Marburg und Gießen. Von Station zu Station sollten die Boten in fünf Stunden reiten, doch von Ziegenhain bis Marburg brauchten sie acht Stunden. Die Postmeister führten Botenregister, in denen jeder einzelne Brief, — es werden nicht allzu viele gewesen sein, — nach Inhalt (!), Absender und Empfänger aufgeführt wurde. Zwar war man noch nicht durch Überschallgeschwindigkeit verwöhnt, doch die Klagen über langsame Posten verstummten nie. 1627 war der Botenpost von Darmstadt bis Marburg 33 Stunden vorgeschrieben. (Viel schneller geht's heute auch noch nicht!)

Bis 1657 katte die Taxis'sche Reichspost nur Durchzug durch Hessen. Jetzt nahm sie auch Reisende mit, In Marburg mußten sich diese in den „Drey Königen" zur Mitfahrt melden. (1) Die hl. drei Könige waren im Mittelalter die Reisepatrone. Der Name scheint in bezug auf den Postverkehr gewählt worden sein. Trotz des kaiserlichen Protestes richtete Hessen weitere Posten ein, woraufhin der Postmeister Wetzel in Frankfurt den hessischen Boten verhaftete. 1639 hatte Frankfurt Briefträger, 1790 wurden in Kassel zwei derselben besoldet. Die Botenlöhne waren gering. Ein Fußbote bekam für die Meile (7,5 km) einen Batzen (4 Kreuzer) 1730 bekam der Kirchhainer Bote für die Gänge nach Marburg jährlich 14 Thaler und einen Krz. extra für jeden Brief.

Hessen-Darmstadt und der Kuriürst von Mainz hatten die Reichspost in ihren Gebieten. Mainz versuchte 1662 die Landgräfin Hedwig Sophie vergeblich für die Taxis-Post zu gewinnen. Sechs Jahre später nahm der hessische Postmeister Clemens in Marburg Briefe der Reichspost gewaltsam fort und 1740 nahm man in Marburg dem Amöneburger Boten die Post weg und verhaftete ihn. Schon 1674 hatte daher Taxis den Reichspostkurs von Marburg verlegt. Sie ging jetzt durch den Ebsdorfer Grund über Amöneburg, das eine Poststation erhielt, nach Wildungen, Paderborn und Hildesheim. Der Postritt ging von Kirchhain bis zur Fiddemühle, wo der Wilclun-yer Bote das Felleisen (Postsack) übernahm. 1696 ließ der Kurfürst in seinen Wetterauer Orten die Reichspost nicht mehr halten. Er hatte genug an den ewigen Grenzkämpfen mit dem Landgrafen und wollte den Zank nicht noch verschärfen. 1724 gdb Hessen eine Postordnung heraus. Die Wdrteräume mußten wenn nötig geheizt sein, die Reisenden sollten die Postillone nicht schelten, hauen oder stechen (!). Die Reisenden durften keine Briefe privat mitnehmen. Handelswaren wurden bis zu 25 Pfd. und Zentnerware bis zu zwei Zentnern befördert. Die Reichspost wurde erneut verboten, worauf Taxis die hessische Post in der freien Reichsstadt Wetzlar verbot.

Um 1730 hatte Kirchhain täglich sechssitzige Posten nach Rosenthal, Homberg, Lauterbach, Haina über Rauschenberg. Die Rauschenberger Post ist bis 1912 gefahren. Postbestellung auf die Orte, die keinen Postkurs hatten, d. h. unsere Dörfer, gab es nicht. Kam Post für solche Orte an, dann wurde diese im Torhaus am Stadttor gelagert und von Boten abgeholt. Jedes Dorf, besonders solche in Stadtnähe, wie Bauerbach und Ginseldorf, hatten ihren regelmäßigen Boten, meistens war es die Botenfrau, die alle Besorgungen ausrichtete und die der Torschreiber kannte. Auf diese Art sind unsere Dörfer bis 1849 bedient worden. Der Anfang dieses Botendienstes ist natürlich nicht mehr festzustellen. Das Stadttor der Bauerbacher war das Weidenhäuser Tor oder das Lahntor an der Untergasse. Vielleicht rührt daher noch die Vorliebe der Bauerbacher für ihre Weidenhäuser Stammkneipe. Für die Ginsel-dorfer wird ihr Tor das Elisabether Tor am Eingang zur Elisabethstraße oder das Kesseltor an der Neustadt gewesen sein.

Nach dem Siebenjährigen Kriege nahm die Unsicherheit durch Straßenräuberei sehr zu. Kasseler Husaren wurden den Fahrposten als Geleit mitgegeben. Für unser Gebiet lagen solche Husarenkommandos in Halsdorf und Marburg. Damit war ein mittelalterlicher Brauch wieder lebendig, wenn die Planwagen des Kaufmanns ritterliches Geleit bekamen. Trotz des Geleits überfiel 1780 bei Jesberg eine zwölfköpfige Räuberbande einen Postwagen. Wie damals hohe Herren reisten, besagt uns ein Bericht über die Reise des Herzogs Karl von Lothringen, der den Hof Arzbach an Bauerbach in Erbleihe ausgab. Im September 1764 legte der Herzog mit 13 Wagen, 58 Pferden und zugehörigem Personal den 525 km langen Weg von Brüssel über Köln, Siegburg, Limburg, Frankfurt nach Mergentheim in drei Tagen zurück, Bis zur deutschen Westgrenze an der Maas fuhr er mit eigenen Wagen, von da an bei 20ma-ligem Pferdewechsel mit der Taxis'schen Reichspost und zahlte im ganzen etwa 700 fl Reisekosten. Zwar waren die damaligen Straßen zum Teil seit Anfang des Jahrhunderts etwas verbessert worden, im Mittelalter waren es nur Feldwege im schlechtesten Zustande, aber Straßen mit fester Steindecke gab es erst, seit 1823 der Schotte Mac Adam solche empfohlen hatte.

Das Bild des kurhessischen Postillions ist uns durch Gemäkle überliefert: Hohe, bespornte Kanonenstiefel bis zu den Knien, weiße Hosen, dunkelblauen Rock mit roten Kragen, Achselklappen und Ärmelaufschlägen und hoher schwarzer Lackzylinder. Dazu das messingen Posthorn und wenn nötig, den dicken dunkelblauen Mantel, ebenfalls rot abgesetzt, mit Schulterkragen, der bis zum roten Gürtel reichte. Um diese Zeit hatte der Briefverkehr stark zugenommen, denn mittlerweile hatten wir schon fast 100 Jahre lang Schulpflicht und Lesen und Schreiben war kein Privileg der gelehrten Herren mehr. Die Briefpost wurde jetzt, statt in Felleisen auf Pferden auf zweirädrigen Karren („Carriolen") befördert. Je nach Größe und Menge des Postverkehrs hatte der Postort ein Oberpostamt, Postamt, Absatz-Postamt, Poststation, Postwärterei, Filialpostamt, Postexpedition, Postverwaltung, Posthalterei, Umspannung, Postwechslung oder Briefsammelstelle. Mit dem Ende des „Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation" hörte auch dds kaiserliche Postregal auf und die Rheinbundfürsten übernahmen die Taxis-Post (1806). Nach der Franzosenzeit, 1814, kam Hessen mit Taxis endlich zu einer Übereinkunft und zwei Jahre später übernahm Taxis die hessischen Posten. 1827 hörten die reitenden Briefposten ganz auf. Der Stückgutverkehr erforderte neben den neunsitzigen Personenwagen eigene Packwagen.

England war das erste Land, das 1840 Freimarken herausgab. Bayern folgte 1849, dann Preußen, Sachsen, Hannover und Schleswig-Holstein. 1851 Baden und Württemberg. Thurn und Taxis gaben von 1852—1866 eigene Marken heraus, bis das Taxis'sche Postwesen aufhörte. Im Mai 1849 begann für unsere beiden Dörfer die Landzustellung, als Taxis in Marburg einen „Distributionsbezirk" einrichtete (Verteilungsbezirk). In diesen Jahren brachte man auch die ersten Briefkästen in unseren Dörfern an. 1851 trat Hessen dem Deutsch-Österreichischen Postverein bei, dem 1874 der Allgemeine Postverein und durch Heinrich v. Stephan (geb. 1831 zu Stolp) dem Generalpostmeister, der Weltpostverein 1878 folgte. Das Briefporto war damals recht hoch, denn 10 Pfennig waren vor 1870 für manchen ein Stundenlohn.

Als man nach 1835 begann, in Deutschland das Eisenbahnnetz auszubauen, konnten die alten Fahrposten nicht mehr bestehen. Die Postbeförderung ging mit dem Reiseverkehr allmählich auf die Bahn über. Als erste in Hessen übernahm die Nordbahn, Kassel — Karlshafen, die Postbeförderung. Dann folgte 1853 die Main-Weser-Bahn, Die Post, die in Marburg vorher in den „Drey Königen" (Haus Reitgasse 10), dann im „Weißen Roß" (Landratsamt) in der „Goldenen Kette" (Barfüßerstraße) im neuen „Ritter" an der Ketzerbach gewesen war, kam jetzt in den „Blauen Löwen" (heute Alte Post), bis 1884 das heutige Hauptpostamt gebaut wurde. Beim Landratsamt und dem „Ritter" sind die Pferdeställe als Garagen noch vorhanden.

Von Marburg aus sind dann Bauerbach und Ginseldorf 17 Jahre lang bestellt worden, bis 1865 beide Orte, zusammen mit Bürgein und Bernsdorf, wer weiß, aus welchem Grunde, die Zustellung von Kirchhain aus beantragten. Von dort kam denn auch Montags, Mittwochs und Freitags ein Bote und bestellte neben den genannten Orten auch Stausebach, Anzefahr, Niederwald und Schönbach. Für den einzelnen Ort wird er nicht allzu viel zu schleppen gehabt haben, doch muß man seine Kilometerleistung bewundern. Eine Tagesleistung von 25km ist nicht zu hoch gegriffen.

Um 1900 wurde dann wieder von Marburg aus bestellt. In größeren Orten, wie in Mardorf, war schon 1898 eine Poststelle eingerichtet. (2) Gleichzeitig wurden in beiden Orten öffentliche Fernsprechstellen angelegt, was einen wesentlichen Fortschritt bedeutete. Vorher mußte in Notfällen Arzt oder Polizei zu Fuß, zu Pferd oder mit der Chaise herbeigeholt werden, denn das Fahrrad kam erst nach dem Telefon ins Dorf. Bauerbach hatte die öffentliche Fernsprechstelle bei Wiebers und Ginseldorf beim Gastwirt Kaspar Euker. Gegen 3 Uhr nachmittags kam der Bote meistens das Gefalle hinauf über den Lahnberg nach Bauerbach. Hatte er mehrere Pakete, mußte er sie auf mehrere Tage verteilen. Aber selbst in der Weihnachtszeit war der Segen nicht sehr groß. Am l, Juni 1930 kam die Landverkraftung der Post, Die Postautos befuhren die Landorte vom Leitpostamt Marburg aus. Damit hatte die Post wieder, wenn auch in kleinem Umfange, Personenbeförderung übernommen, jetzt mit Motoren statt mit Pferden. Gastwirt Euker hat die Poststelle bis heute behalten. In Bauerbach hatte sie von 1930 bis 1941 Heinrich Weitzel in seinem 1928 erbauten Hause, das heute noch „Poste" heißt. Seitdem ist sie bei Frau Helene Weitzel, Haus 49.

Die Leistungen der Post sind im Zeitenlauf mächtig in die Breite gewachsen. Neben Briefen, Paketen, Personen, Luftpost, befördert sie Drucksachen, Warenproben, Bargeld, Wertsendungen und Postschecks. Sie nimmt Spargelder an, erhebt durch Nachnahmen und Postaufträge Gelder für Rechnungen, vermittelt Ferngespräche, Telegramme aller Art, vom Brief- bis zum Blitztelegramm, Kabelgramme, Funksprüchc, bestellt uns Zeitungen und Zeitschriften, zieht deren Bezugsgelder ein, sowie Gebühren für Radio und Fernsehen, zahlt Kriegs- und Altersrenten, kümmert sich um Steuern und Funklotterie und gibt uns Börsenberichte und die Zeitansage.

Der heutige Kurs unseres Postautos geht von Marburg über Cölbe, Bernsdorf, Reddehausen, Schönstadt, Schwarzenborn, Bracht; zurück über Schönstadt nach Betziesdorf, Bürgein, Ginseldorf, Bauerbach, Marburg, Tannenberg usw. Das sind 66 km, zu denen fünf Stunden benötigt werden. (3)

Ergänzung

  1. Das Gasthaus "Zu den hl. Drei Königen" soll in der Reitgasse (Nähe des Lahntores) gelegen haben. Die Drei Könige waren wegen ihrer weiten Reise (nach Bethlehem) Schutzpatrone der Reisenden.
    -
  2. Marburg erhielt 1893 sein örtliches Fernsprechnetz mit zuerst 46 Teilnehmern. Ein eigenes Telefon hatte 1877 die Tapetenfabrik Schäfer am Pilgrimstein zu ihrem Geschäft in der Wettergasse (nach Wiflner).
    -
  3. Die Post nahm ihren Dienst 1945 wieder auf, nachdem dieser seit Januar immer lückenhafter geworden und im März völlig zum Erliegen gekommen war, am 27. Juli für den Kreis Marburg, ab 8. August im Bezirk Kassel, ab 11. September in der amerikanischen Besatzungszone und vor Weihnachten für die benachbarten Zonen: die englische und französische Zone.
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