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1. Mainz, der Erzbischof

Einst haben wir „unter dem Krummstab" gelebt,
ein Kirchenfürst war's, in St. Bonifaz Landen.
Erzkanzler des Reichs, der die Macht hat erstrebt.
Jahrhunderte hat seine Herrschaft bestanden.

Neben dem Reich und dem Kloster Fulda fanden wir Mainz als früheste Herrschaft unserer Heimat. Die Landeshoheit gründete sich in erster Linie auf die Gerichtsbarkeit, auf das Recht, über Leben und Tod zu entscheiden. Doch war das nicht immer und überall so. Gegendweise war das Recht, Gesetze zu geben, das Recht Steuern zu erheben oder die Wehrhoheit bestimmend dafür.

Erste Spuren mainzischen Einflusses finden wir 957, wenn wir nicht annehmen, daß schon von Bonifatius her ein solcher spürbar war. Ludolf, ein Sohn Ottos L, war Herr in Schwaben und Hessen. Als er starb, trat sein Bruder, der Erzbischof Wilhelm von Mainz sein Erbe an. Mainz war um diese Zeit so mächtig, daß dem Erzbischof zwölf Suffraganbischöfe unterstellt waren. Genau 100 Jahre später finden wir Mainzer Einfluß in Eihloh bei Seelheim und in Leidenhofen bezeugt. Solche alten Rechte stammten zum Teil aus altfuldischem Streubesitz um die Amöneburg, den Fulda an Mainz und später an den Deutschen Orden abstieß, um seinen Besitz auf die Nähe Fuldas zu verdichten, Zur Zeit der Karolinger (800—900), hatte das Kloster nicht nur überall in der Ohmebene Besitz, sondern auch Wohra aufwärts und im Marburger Hinterland, in fast 60 Orten, Den gleichen Weg, Abstoßung des fernen Streubesitzes und Verdichtung in der Nähe, ging das Kloster Ilbenstadt, als es 1333 seinen Bauerbacher Besitz an Mainz verkaufte. Jedenfalls ist nach 1300 kein fuldischer Besitz mehr hierzu finden, doch halten sich fuldische Rechte noch lange, denn Bauerbach entrichtet noch 1330 Landbede an Fulda. Als sich durch den Streit Kaiser Heinrichs IV. mit Papst Gregor VII. die Macht des Reiches schwächte, stärkte das den Mainzer Einfluß und Landerwerb nach 1122. Kurz darauf finden wir den genannten Erwerb eines Bauerbacher Gutes vom Kloster Ilbenstadt. (1133). Wiederum 100 Jahre später kauft Mainz die Grafschaften Ruchesloh und Stiffe (Wetter), wobei Sifrid v. Atzbach als Zeuge auftritt. (1237). Zehn Jahre später datiert eine mainzische Steuerliste, die die Einkünfte, Zinsen und Zehnten aufzählt, die nach Amöneburg entrichtet wurden. Aus dem Gebiete des heutigen Kreises Marburg sind es fünfzig Orte, von denen heute fast dreißig Wüstungen sind, die nach dem Berge zinsten. Die Orte sind gruppenweise aufgeführt. Jede dieser Gruppen hatte einen Zentralort, in dem die Zehntscheune und der Zehntensammler („Decimator") waren. Für uns war es Mardorf und Anzefahr. Ob das letztere damals schon eine Zehntscheune hatte, wissen wir nicht, sie wird erst 1664 genannt. Die Einkünfte („Redditus") bestanden in dem Census, (einer Geldabgabe, auch Schätzung genannt) einer Pensio, die eine Fruchtabgabe war, und dem wichtigen Zehnten (Decima).

Der Census zum Martinsfeste (11. November). Von Bauerbach l Solidus (Schilling), (das war nicht mehr, als man in Seelheim von einer Wiese zahlte), von Anzefahr und Rüdigheim je 4 Seh,, von Bernsdorf 5 Seh., von Schönbach 15 Seh., von Brücke (Wüstg. an der Brücker Mühle) 17 Seh., von Rosphe 26 Seh. Die Abgaben stehen in keinem Verhältnis zu der heutigen Größe der Orte und wohl auch nicht zu der damaligen.

Die von Karl dem Großen eingeführte Währung hat sich lange gehalten. 12 Denare waren ein Solidus (Schilling), 12 Solidi gleich einer Mark oder 234 Gramm Silbers, die weitbekannte Kölner Mark hatte 16 Solidi. 1311 hatte eine Mark 18 Marburger Schillinge, 20 Solidi gleich einem Pfund Silbers oder 367 Gramm. Das Talent war dem Pfund etwa gleich. Mark, Pfund, Talent waren keine Münzen, sondern Rechnungswerte. In heutige Kaufkraft umgerechnet (nach Wittkamp), war eine Mark etwa 166 DM, ein Solidus 14 DM, ein Denar 1,10 DM.

Der Amöneburger Zehnte kam aus Arzbach, Bauerbach, Mardorf, Roßdorf, Erfurtshausen, Langenstein, Ofleiden und Schweinsberg. Dann aus den Wüstungen Ohausen (b. Schweinsberg) und Münchhausen (bei der Münchmühle bei Allendorf). Ginseldorf und Nonnenhausen haben damals nicht nach Mainz gezehntet, sie werden erst einige Jahre später, 1253, resp. 1256 erstmalig genannt.

In den frühen Urkunden wird immer wieder ein Gau (pagus) genannt. Das ist ein dehnbarer Begriff, mit dem wir in erdkundlichem oder verwaltungsmäßigem Sinne nicht viel anfangen können. Unsere heutigen Zustände und Begriffe passen nicht auf frühere Zeiten. Gau war ein Raum, eine Gegend, Umgegend und lag als Bezirk nicht fest. Feste, klare Grenzen gab es zudem noch gar nicht, nur Grenzräume, die mitunter Niemandsland in weiten Waldgebieten („Marken") waren. Wie weit um 1250 die Mainzer Macht ging, erhellt aus den Einkünften, die aus vielen Orten kamen, die später landgräflich waren, so Bracht, Bortshausen, Schwarzenborn, Holzhausen, Leidenhofen, Moischt, Niederwald, Schönbach, Wittolsberg und anderen mehr. Daß 1263 der Burgwald im Mitbesitz von Mainz ist, zeigt seine ständige Machtausweitung. Und bald darauf erbaut EB, Gerhard II. das Schloß zu Amöneburg, das ihm einen festen Rückhalt sichert, Bis 1305 hat EB. Gerhard die Ämter Amöneburg und Neustadt erworben. Nicht viel später (1324—1336) haben wir genaue Aufzeichnungen des Amöneburger Kellers (Vermögensverwalter) Ludw. v. Lützelburg. In den verflossenen 200 Jahren, seit 1133, haben sich allerlei Zins- und Zehntpflichtige in Bauerbach eingefunden, die an Mainz durch die Kellerei Amöneburg Abgaben leisten. Wir erfahren die ersten Namen der hiesigen Siedler, hören von ersten Flurnamen und der niedere Dorfadel ist auch als Mainzer Lehnsträger vertreten. An Einwohnern finden wir Eckehard, gen. Swab, die Brüder Hermann und Heinrich, gen, Burghard, Johann, den Glöckner, Johann Diplo (Dippel), gen. Smalcz, Wigand, gen. Eherer (Ackerer), Johann unter dem Bühl, Deynhard, Gerbert und den Pfarrer Wigand, sowie den Pfarrer von Ginseldorf, das selbständige Pfarrei war. Adlige und kirchlich-klösterliche Herren sind die Hobeherrn, Wigand, gen. Hirtenhain, Ludwig v. Seelheim, die Deutschen Herren, die Herren vom Kloster Haina und die (uns unbekannten) von Erkirsdorph, Zum Pfarrgut gehören eine Hofreite, zwei Wiesen und drei Gärten, der Hanegurge (Hannjörge), Ranzengarten und Kruzegarten. Weitere Gärten sind der Holbeynen, der Kol, (Kohlgarten?) und der Garten der Sieche bei Marburg. Die Hofreite der Herrn von Haina war einer der hainischen Höfe, die noch 1659 genannt werden. Außerdem werden noch sechs abgabepflichtige Höfe genannt, deren Beständer wir eben namentlich kennen lernten. (Swab, Smalcz usw.). Wigand, gen. Hirtenhain hat einen Hof und Güter zu Arzbach, woselbst die Deutschen Herren ebenfalls einen Hof haben, der an Mainz zinst.

In der Folge lernen wir noch einen Schöffenhof kennen. Das Amt des Schöffen war erblich. Da nun Burghard als „Dominus", Herr genannt wird, ein Titel, der dem Schöffen zukam, dürfte Burghard diesen Schöffenhof inne gehabt haben. Burg-hards Hof lag neben dem „Smalcz". Um diese Zeit, 1320, wird ein Ludwig, gen. Swab, (vielleicht Eckehards Vater?), als Käufer der v, Roßdorf'sehen Güter zu Nonnenhausen genannt. Da heute die Höfe, die Nonnhäuser Gut haben, alle nördlich der „Lohgaß" liegen, — wir können von einem Nonnhäuser Dorfteil sprechen, — müßte auch hier der Hof des Swab zu suchen sein. Mehrere der alten Bauerbacher Namen finden wir später in Marburg wieder. Ein Schwab ist 1515 und ein Deinhard 1450 Bürgermeister. Ein Dippel wird 1440 und Schmalz 1564 genannt.

Es ist klar, daß auch die wichtigste Einnahme, der Zehnte, verbucht ist. 1324 beträgt der Bauerbacher und Arzbacher Zehnte 14 Malter Brachkorn und 7 Malter Hafer. Ein ander Mal beträgt er 12 Malter Korn und 8 Malter Hafer, dazu eine Meste öl und ein Maß Käse. — Von Bauerbach und Schröck („Scrikede et Burbach") sind zu Michaeli und zum Walburgistag (1. Mai) sieben Pfund Heller und 4 Schillinge zu zahlen. 1329 wird der Zehnte zu Bauerbach herabgesetzt auf 5 Malter, wegen der Feindseligkeiten des Wäppeners Kornigel. Das war eine örtliche Fehde, die von schweren Folgen für das Dorf gewesen sein muß, wenn sich der Herr Keller zu solch einem Nachlaß genötigt sah.

Ein andermal muß er wegen einer Fehlernte die Kornabgabe in eine Haferlieferung umwandeln. Eine besondere Weizenabgabe haben die Dörfer Allendorf, Ems-dorf, Roßdorf, Sindersfeld, Stausenbach, Anzefahr. Das wird als eine Gerichtsabgabe für das Gericht Rodenbühl, der alten Malstatt des luldischen Gerichts Seelheim betrachtet. Bauerbach hingegen gehörte zu dem Mainzischen Gericht am Bilstein unter der Amöneburg, zu dem es noch 1469 Schöffen sandte, Ginseldorf war um diese Zeit nicht mainzisch, wir finden keinerlei Abgaben nach Amöneburg. (1) Den Zehnten hatte dort der Landgraf. Arzbach wird zusammen mit Bauerbach genannt. Es scheint schon im allmählichen Wegzug der Bewohner begriffen zu sein. Nach 1400 wird nur noch der Deutschherrnhof dort gewesen sein.

Der Bauerbacher Zehnte wird teilweise den Schenken zu Schweinsberg überlassen für die Bewachung der Winneburg (1349), was wir 1385 in einer Urkunde nochmals bestätigt finden. 1407 leisten die Schenke auf den Zehnten Verzicht. 1582 hat ihn das Stift. Der „lemmirkouf" (1336): Am Pfingstfest war der Lämmerkauf fällig. Das Weiderecht wurde durch ein Hutegeld erkauft, das in einer Abgabe an Lämmern bestand, dem sog. Blutzehnten. Behielt man die Lämmer, mußten sie mit einer Getreideabgabe zurückgekauft werden. Diesen Lämmer-Rückkauf leisten die Orte Bauerbach, Ginseldorf, Anzefahr, Schönbach, Kleine (Niederklein) und Rüdig-heim. Aus dem Jahre 1395 haben wir eine Aufstellung aller kurmainzischen Orte, das Synodal-Register. Da finden wir, in damaligen Namensformen und den zugehörigen Abgaben folgende Dörfer, (mal = Maidrum, Malter, mod. = Modium, Mött).

Martorff

2 mal.

Buerbach

2 mod.

Rostorf

1 mal.

Stussenbach

2 mod.

Antzenfare

1 mal.

Sundratsfeld

2 mod.

Schrighede

3 mod.

Gontzelndorf

1 mod.

und noch rund dreißig weitere Orte der Sedes Amöneburg. Erfurtshausen, Langenstein und Schönbach, die auch zu. dieser Sedes gehörten, fehlen. An landgräflichen und deutschherrlichen Orten werden genannt: Seylheim major, Seylheim minor, Nyderwalde usw. Im gleichen Jahre zählt Johann Schenk zu Schw. in einem Briefe an Folbracht von Schwalbach des „bissofs von Mencze und sines stifftis" Dörfer auf, wobei er in dem Gerichte, das zu Amöneburg gehört, Martdorff, Rostdorff, Erfurts-husen, Ahusen, Schrigkede, Gunzilndorff, Burbach, Nonnenhusen, Anczefar, Stuzimbach, Bartemhusen, Himilsberge, Brocke, Sindirsfelde und Boppin-husen nennt. Arzbach war schon wüst geworden. Das Stift Amöneburg hatte 1582 nur einen Lehnhof in Bauerbach, den Reitz Eiffer und Junghen Lauer bebauten. Das war jener Hof, der 1531 „zwischen zwei gemeinen Wegen" lag. Es kann der ausgegangene Hohmann'sche Hof gewesen sein. (Siehe Dorfplan 1807).

Als 1803 alle geistlichen Herrschaften säkularisiert, d. h. verstaatlicht, verweltlicht, wurden, waren immer noch Reste alter Mainzer Rechte vorhanden, die sich bis zur Ablösung aller Zehnten und Dienste um 1840 hielten, so die Zahlung der Beede und des Dienstgeldes zur Renterei Amöneburg, der Stiftszehnte, die Dienste zum Mardorfer Zehnten und zur Brücker Mühle, und die Korngülte, die sich der Bauerbacher Lehrer in Schönbach holen konnte. Die Leistungen für die Bauerbacher Gemeindegüter hingegen gingen nach Marburg, waren also landgräfliche Rechte.

Ergänzung

  1. Für spätere Forschungen: Ein Verzeichnis aller Gefalle von Kirchengütern der Pfarrei Bauerbach liegt im Staatsarchiv Darmstadt, Abt. V. 2, Kon. 6. Es diente der Säkularisation des kirchlichen Besitzes 1803. - Nach 1650 hatte in Bauerbach Kurt Schmitt einen Stiftshof von fast 20 Morgen. Dem Stift stand auch der Große /ehnte in Bauerbach zu. Wegen einiger Zehntäcker, die in Seelheimer Flur lagen, kam es 1711 zum Streit mit dem Deutschen Orden. In Ginselfiorf kam das Stift erst 1739 zu einem Viertel des Zehnten und 174« /u finem weiteren Viertel.

Kampf um die Grenzen

Während des ganzen Jahrhunderts, schon nach 1300 beginnend, setzt sich der Kampf Erzbischof gegen Landgraf fort und endet mit dauerndem Rückzug von Mainz. Dieser Streit ist mit Blut und Eisen, aber auch mit viel List und Diplomatie geführt worden. Es deckten sich damals weder die Großpfarreigrenzen mit den alten Hundertschaften noch die Bistumsgrenzen mit den Gauen, wie man früher annahm. Um das Jahr 1000 gliedert sich der heimische Raum in Grafschaften, wobei der Name Graf (lat. Comes), nicht im heutigen Sinne festliegt. Bis um 1200 etwa kam dann der Ausbau und Aufbau der Landesherrschaften. Grenzstreite wurden erst mit Schwert und Faust, später auf feinere Weise, gerichtlich-gesetzlich, ausgetragen. Doch von festen Grenzen können wir erst nach 1450 sprechen. In einem Waffenstillstand zu Rüdigheim (1322) kamen die Streitigkeiten zwischen Mainz und Hessen nur zeitweilig zur Ruhe. Der Kampf zweier Rivalen um den Mainzer Stuhl, die Verpfändung des Amtes Amöneburg an die v, Milchling, die Verträge von Grünberg und Merlau (1582/83) mit ihren Verlusten für Mainz, die großen Fehden zwischen 1380 und 1427 mit der Mainzer Niederlage von Großenenglis, der Verlust der Straßenhoheit an Hessen, der hessische Gewinn durch die Grafschaft Ziegenhain beim Aussterben der Grafen, das alles brachte die Mainzer Macht zum Niedergang. Weder die Idee des „Ewigen Landfriedens", seit 1400 lebendig, noch die geschickte Politik des EB. Berthold v. Henneberg konnte die alte Machtstellung restaurieren. Der Henneberger war ein Kämpfer für eine große Reichsreform, wie ja überhaupt die geistlichen Fürsten mehr eine großzügige Reichspolitik als kleine und kleinliche Familienpolitik trieben, eben weil sie in einer starken kaiserlichen Zentralmacht den besten Schutz für die Kirche sahen, der sie dienten.

EB. Albrecht hatte kaum einen „Abschied" zu Kirchberg (1483) erreicht, als im Jahre darauf die Landgräflichen in das Amt einfielen und die Dörfer Ginseldorf, Schröck, sowie die beiden Roßdorf, Groß- und Klein-Roßdorf brannten und plünderten. In dem Bericht heißt es: „Anno 1484 ist das Dorf Gunzelndorff durch Johann Wolfskehle und die Wynther, des Landgrafen Mannen und Landsassen, gebrannt und geplündert. (Ein Wolfskehl war 1369 Burgmann in Marburg. Gotfridde Wolskeln wird 1333 in einer Amöneburger Hebeliste genannt. Auch die Winter sind ein bekanntes Geschlecht.) Etliche Häuser sind in solchem Brand stehen geblieben und nachmals im Jahre 1485 abgebrannt. Kleyn-Roßtorff ist gebrannt und geplündert, etliche Armen gefangen und einer erschossen." — „Das Dorf Schrickde ist gebrannt und geplündert, Kühe und Pferde genommen, und hinweggetrieben im Beiwesen des Schultheißen und Holzförsters von Marburg. Auch Großen-Roßtorff ist in großer Fehede verbrannt und geplündert. Etliche Armen (Leute) sind tot geblieben, etliche gefangen im Beiwesen der Landtgravischen." — Bauerbach blieb von diesem Unheil verschont, wohl wegen des landgräflichen Besitzes und Patronats, auch mochte die wehrgünstige Lage auf dem Hügel, der befestigte Kirchhof und der Wehrturm die Angreifer schrecken. Das Dorf hatte vielleicht auch Zaun und Graben als Umwallung.

Im Gericht Bürgein einigten sich Mainz und Hessen über den Verlauf der „Guntzeldorfer Landwehr" zwischen Ginseldorf und Bürgein, die wir noch durch die Flurnamen bestimmen können. (Siehe Flurnamenkarte). Nach der genannten Fehde kam auch der große Grenzvertrag zustande, den EB. Berthold v. Henneberg mit dem Landgrafen Wilhelm III. schloß und der alle Irrungen im Amte Amöneburg beilegen sollte. Um 1500 konnte EB. Berthold noch einmal die sinkende Mainzer Macht heben und die Grenzen festlegen, an die uns heute noch einige der ältesten Grenzsteine erinnern, so bei Bauerbach in der Joicht, bei Anzefahr, Sindersfeld und Betziesdorf. Die in die Bauerbacher Gemarkung vorspringende „Nase" des Seel-heimer Waldes, der Bauerbächer Zauhl, ist jedoch nicht erst jetzt an Hessen verloren gegangen, sondern schon mindestens 250 Jahre früher an den Deutschen Orden. Die Lahnberggrenze sollte von nun ab (1491) „das rechte, befriedete und gehegte Hohe Holz des Lahnbergs" sein, das hinter Schröck, Bauerbach, Nonnenhausen und Ginseldorf zum Lahnberg gehört.

Die Grenzen um Ginseldorf und Nonnhausen wurden durch Grenzsteine und in den Vertrag aufgenommene Flurnamen festgelegt:(1) Riedgraben, Ginseldorfer Aue, Dingelberg, Falkenberger Äcker, Dissenbach, Gegen die dauernden Übergriffe Hessens mußte sogar der Kaiser einschreiten, denn Hessen hatte in mainzischen Orten und von mainzischen Höfen Abgaben erhoben. Zwei Menschenalter sind vergangen und noch immer (1573) sind die Zänkereien nicht erloschen. Die Hude- und Holzrechte zwischen Ginseldorf und Schönbach stehen jetzt zur Debatte. Ginseldorf darf den Brunnen im Firngrund zum Tränken seiner Schafherde benutzen, womit die ändern nicht einverstanden sind. Noch ein Jahrhundert später, 1676, inzwischen ist der endlos lange Krieg über das Land hingegangen und hat die alte Generation restlos weggefegt, ist die alte Frage immer noch brennend. Schon kurz nach dem Kriege, 1654, hat Ginseldorf den alten Vertrag angefochten. 1573 war auch die Grenze zwischen Ginseldorf und Großseelheim bestimmt worden, denn Seelheim hatte bisher das Recht der Mithude auf dem Gebrannten. Dafür mußte es 5 Ortsgulden auf Amöneburg zahlen. Fiel die Mithude fort, dann sollten Ginseldorf und Schönbach das Geld je zur Hälfte entrichten. Schon seit den Tagen der Glaubensspaltung hat man'daran gedacht, um den dauernden Zwist zu bereinigen, die mainzischen Ämter in Oberhessen gegen das Amt Eppstein im Taunus auszutauschen, Noch 1780 war diese Idee lebendig und man wollte tauschen, diesesmal hanauische Ämter. Der Austauschgedanke wurde jedoch nie verwirklicht. Mainz konnte nur seine beiden Ämter Amöneburg und Neustadt festhalten, die ihm im Westfälischen Frieden 1648 zugesprochen waren, obschon sie im 30jähr. Kriege zeitweilig hessisch gewesen waren.

Der Vertrag von Schröck und Marburg, 1756, wird uns Heutigen wieder lebendig, wenn wir überall an unsern Flurgrenzen die gut gemeißelten und wohl erhaltenen Wappen- und Nummernsteine sehen, von denen damals genau 1406 Stück im Amte Amöneburg gesetzt wurden, und die in der Mehrzahl noch da sind. Erst die Säkularisation machte 1803 dem ewigen Hader ein jähes Ende. Die Grenzkämpfe beschränkten sich nicht etwa auf langjährige Orte gegen kurmainzische. So ging der Streit zwischen Kirchhain und Langenstein wegen der Schaf- und Viehhude weiter bis um 1850! — Grenzsteine 1756 siehe Einbanddecke.

Ergänzung

  1. Eine Akte zu diesen dauernden hessischen Übergriffen gegen die Dörfer Bauerbach und Ginseldorf liegt im Staatsarchiv Marburg unter Bestand 105, No. 345. Sie enthält auch die Beschwerden beider Dörfer gegen die hessischen Gewalttaten.

Der Streit um das Rod zwischen Bauerbach und Seelheim

(hierzu Abb. 20)

Doch jener Grenzstreit, der uns am nächsten liegt, ist uns am wenigstens bekannt. Auch E. Klibanski, der Erforscher der alten Kurmainzischen Gebiete und Amtsgrenzen, erwähnt ihn weiter nicht. (1)Es geht Großseelheim und Bauerbach um die Joicht und das angrenzende Rod. Eine Karte, 1728, „in Zeit währender Conferenz durch den Heßischen Land-Meßer Stengel gemeßen", zeigt das strittige Stück, das „in Superficie (d. h. schätzungsweise) 149 Kaßeler Acker und 31 Ruth, oder 95l/i mainzische Morgen minus 10 Ruth., mehrenteils Bauerbächer Äcker" hält. Diese 40ha gehen durch die Joicht, übers Rod, die Haarwiesen und den Haar-Rain bis zur Kirch-hainer Straße. Die Karte von 1728 sagt: „ein hoher gewapneter Stein, auf deßen einer Seite ein Creutz und drei Vögel im Wapen, so die heßische Grenze anzeiget, auff der ändern Seite aber ein Raad, die maintzische Grenze", steht an der Kirch-hainer Straße, etwa 65 Ruthen (100 m) von der Wegkreuzung. An der Waldecke „ein ebensolcher Stein, worauff die Großsehlheimer Grenze hergeht". Die Karte vermerkt an der

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Abbildung 20 
Westlinie: „dies halten die Seelheimer für ihre Flur- und Landtgräntz". Die Ostlinie, die heutige Flurgrenze, ist „der Bauerbacher Gräntzgang, die Seelheimer halten ihn vor Koppelhude", d. h. soweit geht das Bauerbacher Huderecht. Die Seelheimer Ansprüche hätten die Flurgrenze ebenso hart an den Ostrand Bauerbachs gerückt, wie es die Waldgrenze schon seit langem ist. Damit wäre dem Dorfe ein Großteil seiner bäuerlichen Grundlage und seine beste Flurlage verlorengegangen. Die beiden Bechling'schen Grenzsteine, nur einer steht noch am Waldesrande in der Joicht, müssen um oder vor 1500 gesetzt sein und sind somit einzig in ihrer Art, Philipp v, Bechling (eine Bechling war die Mutter des Marburger Komturs Joh. v. Rehen) (2) war der Erbe des Hobeherr'schen Anteil des Gerichts Seelheim, das er um 1490 antrat. Schon 1524 starb Philipp ohne Manneserben, seine Erbtochter heiratete den v. Radenhausen. Philipps Urenkel starb nach 1580. Sein Grabmal steht an der Kirchentür in Großseelheim und zeigt das Wappen des Grenzsteins, die drei Raben, nur in anderer Anordnung. Der Wappenstein ist um 230 Jahre älter als die 1756er Steine, die wir überall treffen. Das Mainzer Rad ist daher wegen starker Verwitterung kaum noch zu erkennen. Wenige Jahre vor den genannten Karten war der Streit so heftig, daß die Seelheimer Bauerbacher Äcker verwüsteten, weil die Bauerbacher ihnen „ein Stück Waldes gerissen" haben. Als der Oberamtmann auf Amöneburg einen Gerichtstermin anberaumte, erschienen die Seelheimer nicht. Doch der D. Orden und die Herren v. Radenhausen, die Erben der Bechlings, beglichen die Sache. Die Landschiede von 1756 müssen dann das Land endgültig an Bauerbach gebracht haben, All diese Kämpfe, die großen Fehden, wie das kleine Gezänk, zwang die heimische Geistlichkeit in eine zwiespältige Lage. Durch Geburt und Sippschaft an die hessische Heimat, durch ihr Amt und Bekenntnis an Mainz gebunden, saßen sie „zwischen zwei Stühlen", was sich schon zu Luthers Zeiten höchst unheilvoll für die Kirche ausgewirkt hatte.

Ergänzung

  1. Das "Rod" wurde schon seit 1669 von Hessen für Großseelheim beansprucht. Die Grenzsteine wurden aber schon nach 1490 gesetzt. Der abgebildete Stein (S. 46) ist einer von diesen. Weitere solcher und ähnlicher Übergriffe und Anfeindungen aus den Jahren 1618 und 1721 folgen: 1618 beschwert sich der Erzbischof bei dem Landgrafen Moritz wegen Übergriffen hessischer Förster gegen Bauerbacher und Ginseldorfer Einwohner. "Und endlich daß unsere Ordenß Land-Commenthur an notori befugten Orthen, zu Übung des kleinen Weidwercks, ohnverschulder Ding, durch E.L.Förster, und in specie mit abnehmung eines gebundes Feder-Lappen, bey einer nachtstell, und Hasen-Laufen, jenseits des Leinbergs zwischen Bauer-bach und Güntzeldorff, gepfändet, der Jagdzeug muthwillig zerhauen, die Diener offtmals zum schimpflichsten gescholten, Büchsen und Wehr auf sie gezückt, sie gefänglich anzunehmen betrohet, auch ipVo facto uff freyer Strassen Wund und Bluttig geschlagen, den Wildhütern mit gottslästerlichen Fluchen und Scheiden, Ihre Hund an der Seiten erschossen, und in Summa, alle Mittel tentiert und versucht werden, unsers Ordens angehörige von dem Exercitio der wohlbefügten Jagens -Gerechtigkeit, und Befriedigung unsers Ordens Güther abzuschrecken; und wan schon unsers Ordens Land-Commenthur sich eins und anderen Ihme und den Seinigen begegneden Unfugs halben, bei E.L.Cantz-ley, Ober-Forstmeister und Präsidenten beklagten, daß er jedoch keine Antwort, viel weniger eine Hülff erlangen könne, oder die Miß-thäter hierunter gestrafft werden. Aus: Historischer diplomatischer Unterricht 1751. No. 146, Beylagen ad sectionem II. Absatz 5.
    Die Gemeinde Großseelheim hat die Gemeinde Bauerbach 1721 für ein Stück an ihrem Walde in den Seelheimer grentzungen reißen und Korn hineingesäet. Da aber die Gemeinde Gr.S. das darauf gesäete Korn ausgeropfen hat worauf der Oberamtmann zur Amöneburg ein Schreiben ahn den Herrn v. Radenhausen und den Deutschen Orden geschickt und begehrt, daß, die Gemeinde Gr.S. auf einen gewissen angesetzten Termin erscheinen und wegen solches Frevels sich abfindig machen sollte. So aber nicht geschehen. An diesem Orte befinden sich keine grentzsteine. Ferner findet sich an einer Ecke des Großen-Seelheimer Waldes, welcher oben am Marburger Weg, ein grentzstein, der mit drei Vögeln und dem Kur Maintzischen Rade gezeichnet. Die Vögel bedeuten das Bechling'sehe Wappen (der älteste Grenzstein des Kreises Marburg, von 1491), wo vormals Gerichtsherr gewesen war, wo ebenfalls ein grentzstein ist.
  2. Philipp von Bechling war Wildunger Burgmann. Er starb aber 1510 (wie Dr. Gustav Schenck zu Schweinsberg 1874 angibt) nicht 1524. In diesem Jahre heiratete seine Tochter.

2. Hessen, der Landgraf

Der Hessen Landgraf, hohen Muts,
Nachfahr und Erbe heiligen Bluts, (St. Elisabeth)
weitet die Herrschaft im Kampf wider Mainz
begründet ein Land, stolz, mächtig wie keins.

A) In Bauerbach und Arzbach

Schon 1327 fanden wir Bauerbacher Einkünfte, die Agnes v. Nürnberg, eine Marburger Landgrafentochter, dem D. Orden schenkte. Agnesens Bruder war Ludwig, Bischof von Münster. Kurz danach (1357) finden wir den Ldg. im Besitze des Bauerbacher und des Nonnhäuser Medem und zu gleicher Zeit hat er auch Einkünfte in Arzbach, das schon im Wüstwerden stand. Ausführliche Aufschlüsse bringt uns das Salbuch des landgräflichen Schultheißen während der Regierung des Ldg. Hermann (1374). Seine Regierung war von Unglück beschattet. In der Mainzer Stiftsfehde hatte er nicht nur Mainz, sondern auch den Sternerbund wider sich. Zu diesem Bunde gehörten Ritter, die einen Stern im Wappen hatten, so Waldeck, Ziegenhain und Nidda. Zu seinen Feinden gehörten auch Kurköln, Münster und teilweise sogar der hessische Adel. Kriege verschlangen auch damals schon Unsummen und brachten Schulden. Die Städte wehrten sich dagegen, So mußte Marburg 4000 Gulden für seine Beisteuer erst leihen. Fast alle Lebensrnittel und Gebrauchsgüter wurden mit. einer Steuer, dem „Ungold" belegt. Marburg, Gießen und Grünberg wurden an wohlhabende Frankfurter Juden verpfändet. Mehrfach wandte der Ldg, den Münzverruf an, d. h. einen Währungswechsel, wie wir ihn 1923 und 1948 erlobten.

Der landgräfliche Schultheiß, latein Villicus, war gewöhnlich ein Marburger Burgmann, die meistens in der Ritterstraße wohnten. Später, nach 1400, hieß er auch Amtmann.' Sein Amt war recht vielseitig, Vorsitz bei Gericht, Leitung der Stadtverwaltung, Kontrolle der Einkünfte, militärischer Schutz. Die gesamte Verrechnung aller Einnahmen und Ausgaben, Erhebung der Abgaben, Verpachtung und Verleihung der Güter, Auszahlung der Gelder oblag dem Rentmeister. Von dem Adel, der in unsern Dörfern Besitz und Einkünfte hatte, finden wir viele als Schultheißen und Amjmänner wieder, so die v. Bicken, v. Dernbach, v, Hatzfeld, v. Radenhausen, die Schenke zu Schw. usw. 1270 ist Hartmann v. Burbach Schultheiß in Rauschenberg. Rentmeister aus dem Dorfadel waren die Hobeherren und die v. Seelheim, auch Rule von Schönbach. Mitunter waren es auch Geistliche und Bürger. Da deren Verantwortung und Unabhängigkeit recht groß war, sicherte sich der Ldg., indem er nur Leute mit beträchtlichem Vermögen nahm ,die ihm ihre Güter verschreiben mußten. Dafür bekam er dann im Alter eine Leibrente, die ihn sorgenfrei stellte. Die genannten Kriegsnöte mögen Ldg. Hermann dazu gebracht haben, sich von Peter Junge zu Bauerbach dessen große Güter verschreiben zu lassen. Ob dieser Peter der 1381 genannte Rentmeister Peter ist, läßt sich nicht beweisen, doch es paßt in die Zusammenhänge. (Hierzu siehe: Die Familie Jung . . . )

(1)Peter Junge ist Schwager und Vetter des Wigand v. Hirzenhain. Seine Frau Isentrud ist eine geborene Hirzenhain. Wigand hat seinem Schwager große Güter vermacht, die der Rentmeister aufzählt:
(2)

  1. ein Hof zu Fronhause n/Lahn, den Gerlach Hackengeil hat, mit 13 Morgen Land, 2 Morg. Medem und fünfviertel Morg. Wiese.
  2. ein anderer Hof zu Fronhausen, den der Sohn von Ditz Stingil bearbeitet.
  3. ein Hof zu H o l z h a u s e n bei Fronhausen, mit je 12 Morg. Landes Sommer-und Winterfeld, den Luckelei von Stedebach hat.
  4. ein Gut zu Leidenhofen, das Hermann Stetze und Hermann Kippe je zur Hälfte haben und das der Hirtzenhenen verpfändet ist.
  5. ein Gut zu Holzhausen am Strichinberge (Streichenberg b. Diedenshausen), das Äcker für einen Mött Saatgut hat und das Foupel bebaut.
  6. ein Gut zuGindirnahe (Gönnern), das Halpmonch hat.
  7. eine Hofstatt in der Judingaßinin Marburg (Schloßsteig).
  8. ein Hof zu Holzhausen am Scheneberge (Sennberg), den die Raue zu unrecht inne haben, „also Metze Schützen sprichit, und sii der hap Godfrede Schützen seligen, erme huswirte, in deme rechte zugewisit, und habe si des briebe."
  9. ein Hof zu Weipoltshausen, den Godfred Schütze verkauft hat, ehe er Metze (Mechthild) nahm.
  10. zwei Güter zu Hirzenhain, von denen Metze nichts Näheres weiß,
  11. ein Hof zuDamshausen, den Dume hat und an dem Metze Teil und Recht hat.
  12. zwei Wiesen im Gericht Schönstadt.
  13. einen garten vor den Bar fußin (dem Barfüßer Tor), den Hirzenhainen zum „Seelgerede", d. h. für eine Messe als Jahresgedächtnis.
  14. acht Mark Geldes von der Stadt Grünberg.
  15. 20 Turnose Geldes (eine Münze aus Tour, Frankreich), von einem Gut zu K e h n a , das Heinz Wicke und Klaus Folkhard haben, von denen v. Bieden-feld gekauft.
  16. acht Mark Pfennige von Godfred Schützen Haus. (Die Mark war ein Gewicht, nach dem die Pfennige gewogen wurden.)

Metze Schütze war des Wenzel Korbis aus Ebsdorf Tochter und ist als Schwiegertochter der Hirzenhain eine Verwandte Isentruds, der Frau von Peter Junge. Auch sie verschreibt dem Ldg. ihre Güter:

  1. ein Hof zu Großseelheim, elf Morg. Land auf dem Rodenberg, die Peter Junge bearbeitet. Später ist Henne Snyder, Jörgen Eidam der Beständer.
  2. das Gewende, acht Morgen.
  3. das Feld, die A t z b a c h genannt, 9 Morgen.
  4. ein Morgen Wiese mit zwei Fuder Heu,
  5. ein Garten an der Grintmolen (am Grün) bei der Lohmühle.

Peter und seine Frau lassen dem Landgrafen zum zweiten Male (1398) die genannten Güter auf, die sie von den Hirzenhainern geerbt haben, dazu noch vier Höfe zu Michelbach, einen Hof in der A r z b a c h , einen Garten zu Bauerbach, eine Gülte von Bonensacks Gut zu Schröck, eine Hofstatt in der Werdirgassen (Wettergasse) und einen Garten auf der Neustadt (Marburg). Peters Sohn, Hermann, gibt seine Zustimmung. Sicher hat Peter Junge auch einen Hof in Bauerbach gehabt, der dem Landgrafen nicht aufgelassen wurde, wahrscheinlich, wie wir später sehen, das Pfarrgut, das noch 1807 aus 2 Höfen bestand. (Dorfplan!)

Wir glauben eine gerade Linie verfolgen zu können, von dem Kappenberg-Ilbenstädter Gut zu dem Dorfadel derer v. Burbach, von da zu den Hirzenhainern und zu deren Erben, Peter Junge und Frau Isentrud. Der niedrige Census von nur einem Schilling — andere Orte zahlen bis zu 26 Schillinge! — den Bauerbach 1248 entrichtet, sowie die hundert zehntfreien Grundstücke, zusammen etwa 18 ha, die das Steuerkataster 1837 aufzählt, deuten in eine Richtung, auf ein ehemalig abgabefreies Adelsgut.

An weiteren Einkünften des Ldg. stehen im Salbuch acht Gulden von fünfeinhalb Morgen Landes in Bauerbach, den Zins von Häusern des Eckart von Burbach in der Neustadt (zu Marburg), zwei Mesten öl von dem Scheppen (Gerichtsschöffen) zu Bauerbach für Gärten und Äcker, an Forstkorn, für das Hutungsrecht im Lahnberg, so viele Mesten Korn als Pflüge („alse menyg plug, alse menyg mestin kornis czu Burbach") im Felde gehen, dann Medemkorn und -hafer „für den Medem zwischen Seelheimer Holze und dem Lahnberge gelegen, wie man ihn besiehet und verleihet", an Michelshafer in Bauerbach 6 Malter, in Seelheim 6, in Schröck 11. Ein anderer Ldg. Hermann, Enkel des vorigen, hat ebenfalls Beziehungen zu Bauerbach (1466). Als Erzbischof von Köln und Propst der Peterskirche zu Fritzlar hatte er eine hohe Stellung inne. Diese Propstei hatte meistens hoher Adel besetzt. So finden wir hier die Grafen v. Waldeck, v. Ziegenhain, v. Eppstein und v. Nassau. Ldg. Hermann bestellt den Pfarrer von Bauerbach, Johann Schmitt (oder Schick?) mit dem Ritter v. Dernbach und dem Magister Rode zum Verwalter der propsteilichen Einkünfte. Rode und Dernbach, sowie die Zeugen v. Witershausen, Johann Martorf und Siegfried zum Paradiese sind Marburger Burgmannen und Schöffen. Die Sache wurde verhandelt im Hause zum Paradiese, das am Markt lag.

„In der Aßbach" werden im Kirchhainer Salbuch (1571) sechs Grundstücke, fünf Morgen groß genannt, die dem Ldg. nach Kirchhain Zinsen. Anlieger dieser Äcker sind Ludwig Ringeler, der Weißbecker, Oltenhenß, Henckel Wießner, Weigand und Eckart Münck, Cloß im Hoff, Caspar Brücke, Michels (Mehels) Adam, Johann Klingeil, Schelps Cuntz und Lenz Schmit. „Im Bauerbacher Felde" sind es drei Grundstücke mit zwei Morgen, wobei genannt werden Hermann Schoff, Jakob Born (1592 nennt das Salbuch einen Kurt Born) und Leisen Heinz, aus Bauerbach. Beide finden wir in Flurnamen wieder. Deutlicher noch findet sich (1571) die landgräfliche Hoheit in dem „Schutzgeld" ausgeprägt. 6 Gulden, 6 Albus geben die zu Bauerbach, zum Herbst „verthedinget" (d. h. verhandelt und vereinbart), als Schutzgeld, ferner wie schon 1374, Forstkorn und Forsthafer und zu Michaelis ebenfalls Hafer. Gleichfalls geben „Schutzhafer" die mainzischen Ortschaften: Staußenbach 10 Malter, Gonzel-dorff 8 Malter, Himelßbergk 3 Malter, Sindorffeld 3 Malter. Eine halbe Meste gibt Theyß Schmid (oben: Lenz Schmit); „der Casper" gibt dritthalb Meste. In den Jahren des großen Krieges (1605—1625) wird man des Schutzgeldes ohne Schutz müde und protestiert dagegen, freilich lange vergebens. Da heißt es: „Im Jahre 1497 hat Landgraf Wilhelm, der Vater Philipps, die Männer des Dorfes Bauerbach sämtliche, insonderheit keinen der Inwohner ausgeschieden, in seinen Schutz, Schirm und Vertheidigung genommen. Deshalb sollten sie sämtlich nun hinfüro auf St. Martins, des hl. Bischofs Tag, alle Jahre, dieweil dieser Schutz und Schirm währet, sechs Gulden in Gold, als zu Marburg gang und genehm, zum Verspruchgeld geben", (1582 betrug das Schutzgeld 8 fl.). Staußenbach, Sindersfelle, Himelsberg, Bawerbach, Göntzeldorf und Schrickd haben daher 1605 von selbigen Unterthanen jährliches Schutzgeld und Habern gezahlt. — So ist gezahlt worden bis 1624 und dann 1625 in Abgang gesetzt worden. Bauerbach und Schröck weigern sich der Zahlung, weil sie nicht mehr geschützt würden. Nach Absterben des Herrn Ludwig (starb 1604) hätten sie auch keines Schutzes mehr begehrt. Trotz dieses Widerspruchs geht aber in Ginseldorf der Streit um den Schutzhaber weiter bis 1693. Doch führt das Kataster 1837 eine „Schutzfrucht" als Abgabe an, über deren Entstehung dem Steuerbeamten nichts bekannt ist, wie er besonders vermerkt. In diesem Jahre (1592) nennt das Salbuch von jedem Haus, das bewohnt wird, ein Rauchhuhn, ausgenommen die Kindbetterin, im ganzen 19 Hühner. Drei Höfe des Dorfes sind landgräflich, Hans Naw, Henche Lauer und Curt Born. Naw (Nau) hat IVa Morgen im Heiligen Feld beim Teichhaus, was bisher zum Schröcker Zehnten gehörte, aber dafür zu entlegen ist Anlieger ist der Deutschen-Herren-Acker und Caspar Brücke. Von dem Deutsch-herrlichen Hofe, den Andres Wilhelm und Henche Lauer haben, fallen jährlich dem Ldg. nach Marburg 2Va Malter Hafer. Curt Born hat einen Garten, darauf Kurt Keil sich eine Hofstatt gemacht hat zwischen Weintraut Henches Land und dem Ge-meindsweg. (Das muß noch auf oder nahe an der alten Dorf stelle gewesen sein). Dann einen Garten im „Alten Dorf". Ferner iVa Morgen Acker vor dem Walde am Spitalsweg (kann nur der Marktweg sein) zwischen den zweien gemeinen Sträuchern, (da waren also im Stocksgrund noch zwei kleine Stücke Buschwald, wohl die 1582 genannten „Birkensträuch vor dem Lainberg.") Als letztes gibt uns das hessische Steuerkataster (1837) Auskunft über alte Rechte des Ldg. Die Besoldung des Pfarrers besteht (1690) aus einem Viertel des Stiftszehnten nicht nur aus Bauerbach und Schröck, sondern auch aus Groß-Seelheim und Wittelsberg, aus zwei landgräflichen Orten. Daher die noch 1835 vertretene irrige Ansicht, diese beiden Orte hätten ehemals zur Pfarrei Bauerbach gehört. Dazu wird der Hutevertrag vom Juli 1690 angeführt. Hiernach hat Bauerbach das Huterecht „In den Inhängen des Lahnbergs nach der Gemarkung hin, wendet unterm Rabennest her bis unten an die Kirchhainer Straße, wobei sie den Stocksgrund mit betreiben," Für diese Hute muß die Gemeinde jährlich 12 gute Groschen „Blumenhutegeld" zahlen. Dazu hat sie die Viehtrift auf der Kirchhainer Straße in Großseelheimer Gemarkung bis unter den Läuserain. Dieses Huterecht hat in Kurhessischer Zeit bis 1867 bestanden

Ergänzung

  1. Näheres über die Herren von Hirzenhain bei; Wagner, "Erloschene hessische Adelsgeschlechter", Seite 307 - 315, mit Stammtafel
  2. 1269 und 1272 ist Werner von Hirzenhain Ze'jg-für Friedrieh von Langenstein. 1361) finden wir ein Hirzenlieyr, :: ; i; in Rauiseh-Hoizhausen. 1372 haben die v. üirz.enhain Einkünfte h; Breitenborn bei R. -Holzhnusei; und 1449 Einkünfte M; Klein-RoMor; Adolf von Hirzenhain trug 1434 dem Landgrafen seine Burg F:/,enrodt; jhei Neustadt) -zum Lehen auf. Zusammen mit den Waldvogel hatten i die Hirzenhainer urn 1400 Einkünfte in Trunderode (Triemderode), eine Wüstung bei Ziegenhain. 1503 U stand in Neustadt eine Stiftung "Hirchenhains Spende",

Die Familie Jung(e) in Bauerbach

Amöneburger Akten nennen schon 1333 einen Junge in Rodenkeym (Rüdig-hüim), von dein wir jedoch nicht sagen können, ob und wie er zu unserer Familie in Vorbindung und Beziehung steht. Zwanzig Jahre spater (1353) werden Güter der Junge in Baldirsdorph (Wüstung bei Frankenberg) genannt. 1374 hören wir von Peter Junge zu Bauerbach anläßlich der Übertragung ererbter Güter an den Landgrafen. Im Jahre darauf vergleicht sich seine Frau Isentrud mit dem Schwiegersohn Wigands, dem Gottfried Schütz, Gerlach und Hermann Schade und dem Sohn Kontze Webers aus Hirzenhain (Vogelsberg).

Eine zweite Auflassung von Gütern an den Ldg. nennt (1398) unsern Peter Junge abermals. Kurz darauf wird auch sein Sohn Hermann genannt. 1478 wird Kontze Jung, der Vater und 1518 Kontze, der Sohn, zu Marburg genannt. Erst 1567 stoßen wir wieder in Bauerbach auf Heintze Jung, der zusammen mit Hans Neu, beide aus Bauerbach, ihr Land mit dem D, Orden in der Arzbach gegen Land auf der Bauerbacher Flur tauschen. 1580 wird ein Dietrich Jung in Glene genannt. 1587 wird Kraft Junge in Bauerbach mit einem „Heiligengütchen" belehnt, zu dem ein Acker auf dem Rott gehört, wohl der Helge-Acker, der 1592 als am „Heiligen Feld" benannt wird, und den vorher Hans Neu inne hatte. Hans Jung, Bauerbach, gibt 1628 drei Gulden an das Stift zu Amöneburg. Da dieses Einkünfte aus der „Besserung des Bauerbacher Pfarrlehnhofes" sind, dürfen wir Hans Jung als den Beständer des Pfarrgutes (heute Braun, gen. Kurts) ansehen.

Nach dem Kriege haben wir bessere Aufschlüsse über die Familie. 1659 nennt die Liste der „Mannschaften des Amtes Amöneburg" in Bauerbach den Johannes Jung, der 1661 stirbt. Seine Frau Eulalia stirbt 1663 und seine Schwester Katharina, ledig, 1667 im Alter von 75 Jahren, Johannes Jung, junior, ebenfalls 1659 genannt, stirbt schon 1673. Seine Schwester dagegen, Anna Esther, wird 102 Jahre alt und stirbt 1728, zehn Jahre später als ihr Neffe Martin, der letzte Jung. Martin Jung heiratet 1663 Dorothea Hofacker, Tochter des Johannes H., der 1674 starb. Trauzeuge ist Schöffe Kaspar Nau. Martins Schwester heiratet 1671 Georg Reichel. Martin Jung hat zusammen mit Kaspar Nau das „Volbecher" Gut (Wollbächer?) inne. Martin hatte vier Kinder, von denen weitere Spuren fehlen. Der Sohn Joh. Konrad, geb. 1672, starb vierjährig. — Sein Pate war Joh. Konrad Saltzmann, dessen Vater Jakob in Marburg wohnte, was auf Beziehungen zu Marburg und zum Landgrafen hinweist. Joh. Konr. Saltzmann heiratete ein Bauerbacher Mädchen, Elisabeth, Toch-tei des Henrich Brentzer. In der St. Jost-Kapelle am Krummbogen ist ein Epitaph von 1659, der von der kinderreichen Familie Jungk meldet. Die v. Bauerbach stammen wahrscheinlich von denen v, Mölln ab und die Jung scheinen aus derselben Gegend zu stammen. Der Name Jung und Junk kommt gehäuft vor in Bellnhausen, Ebsdorf, Elnhausen, Lohra, Wenkbach, Fronhausen, — aber auch in Wetter.

 

B) In Ginseldorf und Nonnenhausen

Früher als in Bauerbach ist in Ginseldorf ländgräflicher Besitz. 1273 wird ein Hain, der Wolvisbigen genannt, der dem Ldg. zugehört und in der Nähe der Hainmühle lag. 1334 versichert Rudolph, der Beständer des oft genannten Rudolphsgut, daß er Abgaben von vier D. Ordenshöfen nach Amöneburg, also an Mainz, entrichtet. Der Bischof Ludwig von Münster ist ein Ldg. von Hessen (ein Bruder der Burggräfin Agnes v. Nürnberg). Ihm verkauft das Stift Wetzlar Güter zu Gunziln-dorf, einen Hof mit zugehöriger Manse, der dem Siegfried, genannt Wildir gehört, Ein Konrad und Siegfried Wildir sind auch 1273 abgabepflichtig. Um diese Zeit hat auch der Ldg, die wichtigste Abgabe, den Zehnten, schon inne, denn 1352 gibt der Ritter Volpert Rietesil den ihm verkauften Zehnten für 400 Mark Pfennige dem Landgrafen zurück.

Das Salbuch von 1374 beruft sich ebenfalls auf landgräfliche Rechte. Die Bewohner von Guntzildorf und Nunnenhusen geben jährlich 10 Mesten Forstkorn und 14 Mesten Forsthafer dafür, daß sie im Lahnberg, in des Ldg. Waldungen, ihr Vieh hüten dürfen. Lamprachtshausen gibt ein Malter Forsthafer und für jeden Pflug eine Meste Korn. Man legte Wert auf Waldweide, wenn man das Vieh eine Stunde weit in den Lahnberg trieb. Die Elheid Flemme und ihre Kinder hatte der Ldg. in Gincziln-dorff als „gotzlehin". Gotteslehen nannte man damals Unfreie, d. h. Hörige des Vogtes. Nonnenhausen zahlte 1374 Martinszins für ein Haus in der Keczirbach (d. h. auf Martini, 11. Nov. war die Jahresmiete fällig). Die Brüder Gilbrecht, Heinrich und Henne Rietesel geben 1400 dem Ldgr. ihr eigen Wasser und ihre Fischerei „uf der Aymen", (1) zwischen der „Antzefarer Moln und der Steynen Schalen", (dem „Taufstein", der demnach die Grenze war.) Mit einer Hafergülte, die der Ldg. (1466) in Güntzelndorff, Antzefahr, Staussenbach und Sinderßfeldt hat, belehnt er den Henne v. Radenhußen.

Die landgräfliche Hoheit verwickelte das Dorf (1469—74) in Kämpfe, die aber, mit 1484 verglichen, noch glimpflich abliefen. Ludwig der Friedsame, der Vater Hermanns, EB, von Köln, war ohne Testament gestorben, hatte aber versprochen, sein Land unter Hermanns Brüder, Heinrich und Ludwig, zu teilen. In der Mainzer Stiftsfehde fanden beide Brüder sich in gegnerischen Lagern und so kam es zum Bruderkriege. Diesem ist wohl zuzuschreiben, daß die „Fußfenten aus Westphalen" (Fent, Fant, vom althochdeutsch, fendo, der Fußgänger), die Fußknechte bei Gonc-zelendorf in den Gewildnissen gesehen wurden. „Darum hat der Rentmeister der Stadt Marburg versprochen, die Ihrigen auszuschicken. Diese sind auch ausgewesen und wurde ihnen 12 Schillinge geschenkt." 1474 rückte Ldg. Heinrich seinem Bruder Hermann zu Hilfe, um ihm bei der Belagerung von Linz am Rhein zu helfen.

Als Nonnenhausen 1425 schon wüst geworden, leiten die landgräflichen Förster aus den alten Rechten des Ldg. das Recht ab, in den wieder bewaldeten Teilen der alten Nonnhäuser Flur zu holzen. EB. Konrad, Rheingraf v. Dhaun, muß Beschwerde einlegen, daß die Marburger Förster in der „Wustenunge zu Nunhusen" sich unterstehen zu forsten. Es muß sich um das Waldstück handeln, das Mainz an den Landgrafen verlor.

Die weitere Geschichte Ginseidorfs steht unter der Vorherrschaft des Deutschen Ordens, wobei doch Mainz, wie 1395 bezeugt wird, die Landeshoheit hat. (Siehe unter „Mainz, der Erzbischof".) 1859 wird noch ein Hof des Ldg. Wilhelm genannt, der im Gegensatz zu den ändern Höfen umfriedet ist. Auf dem Dorfplan 1807 ist jedoch diese Umfriedung nicht zu sehen.

Ergänzung

  1. Diese "Steynen Schale" war wohl die Turmburg an der Hainmühle, die schon 1283 genannt wird als "lapidea domus quae dicitur scala", d.h. das steinere Haus (Turmburg) die "scala" genannt wird.

3. Der Deutsche Orden

Weißmäntel reiten durch deutsches Land,
das schwarze Kreuz auf ihrem Gewand.
Des höchsten Herren Diensten verschworen,
sei's fern an der Weichsel, sei's vor Marburgs Toren.

Dieser mächtige Ritterbund greift mit seinem ganzen Dasein und Wirken zutiefst in die Geschichte unserer Heimat ein. Fremd ist uns eine Zeit geworden, in der der Mensch sich ganz Gott und dem Glauben verschrieb, in dem Ritter Priester und als Träger des Schwertes auch Diener der Kirche, und in der die Kirchen Burgen waren.

Aus der Frühzeit der Kreuzzüge, als noch heilige Begeisterung lohte, gingen drei Ritterorden hervor, 1120 die Tempelherren, meistens französische Ritter, die Johanniter und die Deutschritter oder Deutsche Herren, auch Marienritter genannt. Der Deutsche Orden entstand 1190 im Feldhospital von Akkon, dem Hafen der Kreuzritter. Der Gründer war Herzog Friedrich v. Schwaben, ein Sohn Barbarossas. Kampf den Türken, Fürsorge für Arme, Pflege der Kranken, Hilfe für die Pilger, besonders die deutschen, war Aufgabe des Ordens. Die ändern Ritterorden betätigten sich ebenso. Nur 36 Jahre war er im Morgenlande, dann zogen sie erst nach Ungarn, dann auf einen Ruf des Polenkönigs an die Weichsel. Dort schufen sie in großartiger Kolonisation ein Kulturland mit Burgen, Städten und Dörfern, mit Kirchen und Domen, mit einem lebhaften Handel, einem kunstsinnigen Handwerk und fleißigen deutschen Bauern. Die Feindschaft mit den Polen und Litauern blieb nicht aus, aber die Hilfe des Reiches, und nach dem Thorner Frieden von 1466 ging es bergab. Um 1410 hatte der Orden noch 500 Ritter, 1500 Reisige und 2000 vom Landadel in seinen Reihen gehabt. Im Reich hatte der Orden zwölf Balleien, untergeteilt in Kommenden (Komtureien). Die Bailei Hessen mit Sitz in Marburg hatte schon 1280 ihren höchsten Stand und zählte zehn Ordenspriester und zwölf Ritterbrüder. 1233 hatte Ldg, Konrad v. Thüringen, Elisabeths Schwager, den Orden nach Marburg gebracht, war selbst demselben beigetreten, hatte den Bau der Elisabethkirche betrieben, in dessen Südchor wir seinen Sarkophag finden und war später Hochmeister geworden. Die Bailei Hessen umfaßte vier Kommenden, Marburg, Schiffenberg b. Gießen, Flörsheim und Griefstedt b. Erfurt. (1)

Die Kommende befehligte der Komtur („Kommandeur"), daneben stand der Vize- oder Hauskomtur, weitere Ämter: Der Prior, der Meister der Pietanz (die P. war eine besondere Festabgabe einiger Ordenshöfe an Speisen und Wein), der Meister der Infirmarie (Krankenstube), der Meister des Spitals, der Syndicus oder Pro-curator (Rechtsgelehrter). Ämter der Ritterbrüder waren der Cellerarius (Kellermeister) oder Güterverwalter, der Traparius, Trappierer oder Verpflegungsleiter, auch Verwalter der Kleider- und Rüstkammer, ferner Bäcker, Küchen- und Mühlenmeister, Zinsmeister und der Marschall (Stallmeister).

Im Jahre 1309 muß der Hochmeister Siegfried v. Feuchtwangen selbst in Marburg geweilt haben, denn eine Urkunde besagt, sie hätten „hoir hoefthuys een wil in Duytschland the Meerborch in Hessen" gehabt (ihr Hochhaus eine Weile in Deutschland zu Marburg in Hessen). Die Bailei Hessen hat nicht wenige Ritter nach den Ordenslanden an der Ostsee gesandt. Mancher ist in den Jahren der Hochblüte um 1250—90 von Marburg nach Livland gezogen, wo ein Sohn der Heimat, Walter v. Nordeck, Heermeister war. (2) Umgekehrt kamen auch Ritter und Priester aus dem Osten nach Marburg. 1391 lebte im Ordenslande ein „Wigand v. Marburg", der eine Chronik des Ordens von 1291—1391 schrieb, die „Reisen", d. h. Kriegszüge der Ordensritter betreffend. Ein unbekannter Chronist aus Geismar b. Fritzlar hat um 1450 diese Chronik ins Lateinische übersetzt.

Das Streben des Ordens ging nach reicherem Besitz und größerer Macht. Dem kam die Lage des niedern Adels entgegen. Dieser war durch die Entfaltung des Handels, das Aufblühen der Städte und die vermehrte Geldwirtschaft in Not geraten. Dicke Bände (Wyss) unterrichten uns, wie dieser verkauft und jener, der Orden, kauft und kauft. Planmäßig wird seitens der Marburger Kommende erst das Gericht Seelheim, ursprünglich fuldisch, dann die Vogtei Kirchhain abgerundet. Zahlreiche Erwerbungen in Ginseldorf (1253), Nonnenhausen (1256), Arzbach (1296), dann in Anzefahr, Schönbach, Sindersfeld, Stausebach, Eihloh, Niederwald, Mardorf, Roßdorf, Holzhausen usw. und 1311 in Bauerbach, treten hinzu. Um 1260—80 führte der Orden um Marburg die Landsiedelleihe ein, freie bäuerliche Pacht, die mit umfangreicher Rodung verknüpft war. Denn diese harte Arbeit konnte der Grundherr nur vom Bauern für eine freiere Wirtschaftsform erreichen. Der „Colon" (Siedler, Kolonist) ist mit Landsiedol gleichbedeutend. Daß fast alle Bauerbacher Höfe noch nach 1800 Landsiedelhöfe waren, beweist die umfangreiche Rodearbeit, die hier in dem waldigen Gelände geleistet worden ist. Der Besitz in den Ohmorten Anzefahr, Kirchhain, Ginseldorf war dem D. Orden wegen der Mühlen- und Fischereirechte besonders wertvoll. Um die Mainzer Rechte zu wahren, gab daher der Amöneburger Amtmann 1281 eine Mühlenordnung heraus. Vielleicht paßt der Bau einer Mühle zu Bauerbach in diesen Zusammenhang, erwähnt in einer Amöneburger (Sebastian!) Akte von 1578. Hart südöstlich der Bauerbacher Flurgrenze (Läusrain) stieß Heinrich Lesch auf alte Fundamente, die er als die Reste einer Mühle des Vogteigutes des Deutschen Ordens, Kesselbach, anspricht. Der Acker, heute dem Minke Hof gehörig, war früher dem Ordens-Freihof in Großseelheim eigen. Mit Kurmainz hat man sicher wegen der Wasserrechte verhandelt, denn Stauweiher, heute noch an versumpften Stellen (eine davon die Metzwiese) kenntlich, liegen auf Bauerbacher Flur. In dem Maße, wie die Adelsgeschlechter verschulden und absinken, wächst die Macht des Ordens. 1345 war die Spannung zwischen Adel und Orden so groß, daß der Vogt des Gerichtes Seelheim, Heidenreich v. Dernbach, den Kraft Hobeherr auf dem Kirchhof zu Seelheim (wohl die Gerichtsstätte) erschlug.

Ergänzung

  1. Die älteste Niederlassung des Ordens im westlichen Deutschland war wohl 1207 (Geburtsjahr der hl. Elisabeth) das Nonnenkloster Reichenbach (Reichenau?) mit Kirche. Es wurde 1221 Kommende und um 1526 mit der Kommende Marburg vereinigt.
  2. Auch aus dem Sauerland finden sich Ritter des Deutschen Ordens in Marburg: Als der Vogt Arnold von Hundem dem Orden bei-trat, schenkte er 1270 dem Deutschen Hause Güter zu Werdinkhusen (Würdinghausen b. Kirchhundem, "Haus Bruch"). Nach 1236 finden wir in Kirchhundem Vögte von Hundem aus dem Hause Anzefahr. Hier saßen die von Hundeme zu Anzefahr, wohl ein Zweig der sauerländi-schen Familie. (Vgl. auch Anm. 11 S. 31 über die von Schade zu Salwey.)

A) In Bauerbach

1311 hat Johann v. Dernbach in Bauerbach Güter des D. Ord. zu Lehen. Im gleichen Jahre verkaufen die Brüder Volpert und Gumpert Hobeherr zu Seelheim dem Orden Einkünfte von den Gütern des Pfarrers Günther zu Bauerbach. 1328 hat Agnes von Nürnberg dem Orden die von dem Bauerbacher Pfarrer Wigand gekaufte Korngülte geschenkt. 30 Jahre später hören wir im Güterverzeichnis des Ordens wieder Näheres. Der Ausbau der Kommende ist im wesentlichen vollendet. Der Orden besitzt in über 50 Orten des (heutigen) Kreises Marburg rund 160 Landsiedel-höfe. Im ganzen besitzt er 7800 Morgen Ackerland, 800 Morgen Wiese und 200 Morgen Rodeländer, ohne die Waldungen. Es war eine Blütezeit des Ordens unter Win-rieh v. Kniprode. Wie Kaiser Rudolf, so nahm auch Karl IV. den Orden unter seinen Schutz. 1357 war er eine Woche lang in Marburg, wobei die Gebeine der Hl. Elisabeth vom Kaiser selbst in großer Prozession durch die Stadt getragen wurde.

Die Höfe des Deutschen Ordens (Mayer-Edenhauser) (31)

 

Zahl

Morgen :

Abgaben, Schillinge

 

der Höfe

1358

1455

1549 Weisung

Vorheuer

Hühner

Bauerbach

2

64

64

2

20

2

   

57

57

     

Arzbach

1

70

60

49 frei

frei

frei

Ginseldorf t

5

84

75

     
   

97

99

     
   

43

43

für

alle 5 Höfe

 
   

91

91

2,5

17,5

9

   

90

89

     

Nonnenhaus.

2

55

55

2

6

2

   

33

33

     
 

10

684

666

6,5

43,5

13

Die Morgenzahl ist erst nach 1700 eingetragen. Vermutlich ist es der Kasseler Morgen von etwa 24 Ar. Die Weisung, „Wisunga", der Mainzer Heberolle, war ein Schaltgeld, fällig bei Erneuerung der Leihe, die Vorheuer (forhure), 1700 Weinkauf genannt, war eine Art Erbschaftssteuer, beim Besitzerwechsel fällig. Der Orden hielt auf Wahrung der Hofgröße, die nicht zersplittert werden sollte. So bleiben denn unsere Höfe durch ein Jahrhundert, von dem Arzbach-Hofe abgesehen, bis auf einen Ginseldorfer Hof unverändert. Der normale Ordenshof war, wie oben ersichtlich, 67 Morgen (17,— Hektar) groß. Das ist heute noch ein guter, mittlerer Bauernhof, dessen Größe durch mehr als 600 Jahre konstant geblieben ist (siehe auch 1837 ff.). Die beiden Bauerbacher Höfe sind wohl durch Teilung entstanden, denn 1388 zeigen die Abgaben, daß sie wieder in einer Hand sind. Seit 1461 werden sie nicht mehr getrennt genannt, sind aber 1572 wieder geteilt. Oft wurde die Teilung dem Orden verheimlicht, weil sie ja verboten war.

1375 hat Hetta (Hedwig) von Bauerbach vom Orden ein Haus und einen Hof zur Leihe, 1524 hat Anna Rybels aus Bürgein den Ribelshof in Bauerbach mit vier weiteren Besitzern, mit Nikolaus Rutze, der nur die Hofgerechtsame hat, und mit Peter Scheffe, beide zu Bauerbach, ferner mit Heinz Borsche zu Kirchhain und Heinrich Herbener zu Großseelheim. Der Hof wird an Henne Eckel zu Schönbach verkauft, der ihn an den Orden tauscht gegen einen Hof zu Schönbach. Die Beständer der vier Ordenshöfe, die 1582 genannt werden, sind uns mit Namen bekannt, Crafft von Guntzeldorf, Peter Weintraut, Henn Weintraut, der uns bekannte Kirchendiener und Jakob Born. Es werden die 4 auf dem Dorfplan 1807 bezeichneten Ordenshöfe sein. 1707 sind die Höfe zu Bauerbach, Ginseldorf und Nonnhausen teils aufgespalten, teils wieder vereinigt, Bei einigen geht die Aufspaltung bis 1818 weiter. So hat Bauerbach 1818 zwei ganze, drei halbe und zwei Viertelhöfe. Im ganzen also vier Vollhöfe. Im Kataster von 1837 sind 5V» D, Ordenshöfe nachweisbar. Die Ordenshöfe vom Schülers (No. 14), Kissels (No. 9) und Gölzhäusers (No. 11) müssen aus dem Nonnhäuser Ordensbesitz herrühren. Etwa 100 Morgen der Ordenshöfe lagen in der Joicht und aufm Rod. Es ist das Gebiet, welches noch nach 1700 die Seelhei-mer den Bauerbachern streitig machten, und das wohl aus diesem Grunde, eben weil es Ordensland war.

Ergänzung

  1. Um das Jahr 1300 galt ein Bauernhof durchschnittlich zwölf Mark Silbers. Diese Mark war aber kein Geldstück, sondern das Gewicht von 234 Gramm (einhalb Pfund) Silber. Die 20 Mansen, die Mainz in Bauerbach 1133 vom Kloster Übenstadt kaufte, wurden neben anderen Abgaben mit 120 Mark bezahlt.

In Arzbach

1248 erscheint das Dörfchen am Lahnberg in der Mainzer Hebeliste, nachdem wir von dem dortigen Dorfadel schon 1237 hörten. 1296 hat der Deutsche Orden Fuß gefaßt. Die Brüder v. Bicken verkaufen dem Orden alle ihre Rechte und Einkünfte zu Seelheim, wozu auch Güter in Asbach, Odenstorf (Wüstg. bei Seelheim) und Hubeneren gehörten. Wenig später (1305) verkauft auch Gumpert Hobeherr seine Einkünfte zu Arzbach dem Orden. Diese Einkünfte bezieht Gumpert vom Pfarrer zu Bauerbach, der Güter in Arzbach hat, von Henricus de Hasphac (wohl der Dorfadel zu Arzbach), von Rudolph v. Schönbach, Henrich Bredenburner (Breiten-borner), und den Geschwistern Hunebogen (auch Hornboge genannt). Zehn Jahre später (1315), das Dörfchen muß wohl schon in beginnender Wüstwerdung und die Bewohner im Wegzug nach Bauerbach begriffen sein, verkauft Gumperts Sohn zweimal im selben Jahre von seiner Atzbach-Hufe an den Orden. Beständer der Hufe sind Henrich Ellenger und Unhage. Der zweite Verkauf bezieht sich ebenfalls auf diese Hufe. Die Beghine Immicha Raustein, (aus bekanntem Marburger Geschlecht), schenkte (1334) dem D. Orden, dessen Komtur Konrad Wise ist, ihren Hof als „Seelgerede" dem Meister der Pietanz. Dafür sollen die Brüder, wie üblich, Messen, Gebete und Nachwachen für ihr Seelenheil halten. Stiftungen dieser Art, Seelgerede, sind häufig die Ursache von Schenkungen. Immicha hat schon 1318 As-bacher Güter an den Orden geschenkt. Die Gutsinhaber der Helwigshufe zu Arzbach sind in dieser Zeit die Unhage, Walter und Irmtrud. Die Güterliste von 1358 nennt die Hobeherren und Roden. (Magister Rode begegnete uns schon). 1375 hat ein Pächter Gerlach die Steinkopfshufe mit 70 Morgen Land und die Hobeherren haben ebenfalls noch Güter dort. An Hubenern (Kleinbauern) finden wir Hermann Rur-gerat, Henrich Forster und Spemann. Der abgabenfreie Hof, der 1358 auf der Liste steht, ist der Adelshof rioror v. Atzbach, die nur kurze Zeit genannt werden, der in Ordcnsbesitz übergegangen ist. Noch 1459 haben die Vögte v. Fronhausen Güter in Arzbach. Sie verpfänden diese und den Zehnten zu Gisselberg an Darnmo v. Wi-tershausen, ihren Ohm und Lysc, seine Hausfrau.

tmp3272-3.jpgStreit und Prozesse hat es um die Güter des Ordens genug gegeben, 1551 streitet der Orden gegen Schröck wegen der Grenzen und der Hute auf dem Freihof, 1632 geht der Streit wegen der Schäferei-Gerechtsame, und 1709 gegen Jakob Briel, Ginseldorf; wegen eigenmächtiger Teilung von Hofgut, was strikt verboten war. Nach der Teilung des großen Hofes an acht Bauerbacher Bauern (1770) gehen die Streitigkeiten weiter. Darüber später mehr (s. „Die große Erbschaft"). Ob sich die Ordenshöfe auch, wie die Nonnhäuser Höfe am Nordrande des Dorfes, so diese am Westrand geschlossen angesiedelt haben? Sie liegen jedenfalls in einer Reihe: No. 3, 4, 5 und 7. — Stauze, Martels, Orems und Hofmanns. Letzterer war der Haupthof und zugleich erblicher Schöffenhof, der heute noch das Ordenskreuz in den Türpfosten der alten Häuser eingeschnitzt trägt. Mit einigem Grund dürfen wir in diesen Höfen ehemalige Bewohner des ausgegangenen Dörfchens Arzbach sehen.

In Ginseldorf und Nonnenhausen

Da wir auf der Güterliste von 1358 in Ginseldorf 405 Morgen Ordensgut gegen nur 121 Morgen in Bauerbach finden, haben wir hier eine ganze Reihe von Käufen und Schenkungen zu erwarten. Gleich in der ersten Nachricht (1253), die uns von unserm Dorf erreicht, tritt uns der Orden entgegen, wie er mit dem Kloster Hach-born (Prämonstratenserinnen) dortige Gülten gegen Ginseldorfer tauscht. Von dem Ehepaar Wibodo und Englina kauft der Orden (1273) zusammen mit dem Dekan Ludwig von Amöneburg und seiner Schwester, der Beghine Beatrix, die Güter zu Gunchilnauwe (Gunziln-Aue). Zeuge ist Herbord v. Mardorf. (Beghinen sind Jungfrauen, auch Witwen, die ein Leben, dem Ordensleben ähnlich führen, ohne an Gelübde und Klausur gebunden zu sein.) Die Ginselnau muß im Hinterfeld in der Ohmaue gelegen haben, während die alte Siedlung höher am Abhänge lag, bei der Hofe-statt und Blauen Hofestatt, (Näheres bei „Flurnamen".) Der Orden kauft (1280) von den Brüdern v. Bezzekendorf, Wigand und Gumpert, Güter an der Ohm, bei der Kuppe „testa", die bei Guncilnowe am Biegen liegt. Rest einer Turmburg bei der Hainmühle, von einer großen Flußschleife, dem „Biegen" umflossen. Friedrich von Kalsmunt, der Lehnsherr, gibt seinen Konsens. Die Gräfinwitwe Hedwig v. Ziegenhain verkauft (1280) dem D. Orden die Ohm bei Guncilndorf bei dem Stein, der Testa genannt wird. Friedrich v. Kalsmunt gestattet (1283) abermals dem Wigand v. Bezzekendorf (Betziesdorf) den Verkauf von Grundstücken bei dem Steinernen Hause, ferner von zwei Äckern in dem Hause, und einen Acker am Ebersberge (alter Name des Dingelbergs) an den D. Orden. Von den Hobeherren und dem v. Kalsmunt übernimmt (1307) der Orden Ginseldorfer Hörige, die auch, regelrecht wie Sachgüter, gekauft werden.

Das Rudolphsgut

(1334—1386)

Das Gut muß nördlich des Dorfes zur Ohm hin gelegen haben, wo es „Der Wiesenhof" heißt, daneben liegen die „Hofäckcr". Ein Th. von der Curia zu Marburg, Offizial der Propstei St. Stephan zu Mainz, bezeugt (1334), daß „Rudolphus de Gun-zilindorph" von vier Ordenshöfen Abgaben zu entrichten hat. Rudolphs Verwandten verzichten (1336) auf alle Rechte und er ist alleiniger Eigentümer. Seine beiden Schwäger, Marburger Bürger, verzichten ebenfalls auf ihre Ansprüche. Der Pleba-nus Gerhard von Ginseldorf vermittelt den Rechtshandel. Rudolph, des Vorigen Sohn, verkauft (1345) dem Meister der Pietanz in Marburg sein Gut in Gunzelindorf für fünfzig Mark Pfennige. Stebin von Schartinbergk und Hermann von Swensbergk entscheiden (1368) über Güter der Brüder von der Loene zu Guncilndorf, das Rudolphsgut, in einem Streit mit dem D. Orden. Sieben Jahre später (1375) geht der Streit weiter und Wernher v, Lewinsteyn und Johann v. Falkinbergk treffen abermals eine Entscheidung über das Gut, das dann endlich 11 Jahre später (1386) fest in Händen des Ordens ist. Henrich von der Loyne und seine Schwester Barbara haben verzichtet. Unter den Zeugen ist Conrad von Erfirshusen.

Die 1358er Güterliste führt fünf Höfe auf, die aus Rudolphs Besitz stammen. Den ersten Hof hatte Ludwig Kreucher, den zweiten . . . Flamme, den dritten Heinrich Ibächer, den vierten Heinrich Colethau, den fünften Ludwig . . . Kleinere Absplisse eines Hofes hatten Berthold Wise aus Bürgein und Konrad, der Hirte. Zeitweise sind mehrere große Höfe in einer Hand vereinigt, so der dritte, vierte und fünfte Hof. — Sogenannte Höfe der Pietanz haben 1363 und 1369 Heinrich Ibächer und Geludis Knybin.

Das Verzeichnis gibt 1358 an Rodeland 86 Morgen an, die der D. Orden hat roden lassen. Der Orden hat also wesentlich zur Entwicklung des Dorfes beigetragen, das beweist auch das große Rodeland von 32 ha, auf dem der Rodzehnte lastete. Der Pfarrer von Anzefahr, Johann Hobemann, verkauft 1370 dem Orden auch sein Fischereirecht in der Ohm (1) „hindir der steynen schalin zu Guntzelndorf" (am Taufstein). Der Wäppener Johann von Fleckenbohil ist Zeuge. Der Orden erwirbt dann (1409) den Zehnten zu Künzelndorf für 60 Gulden von Craft Hobeherr. Der Zehnte von Nonnenhausen ist einbegriffen. Hermann v. Falkenberg verkauft (1424) dem Komtur Hermann v. Liderbach sein Fischereirecht in der Ohm oberhalb Gunczün-dorf, das Falkenberger Wasser genannt. Die Falken-Äcker am Dingelberge erinnern ebenfalls an das Geschlecht der Falkenberg. Wie der Landgraf in Bauerbach, so hat der D. Orden in Ginseldorf infolge seiner großen Güter und Rechte auch den Patro-nat über die Kirche und Pfarrstelle. Er präsentiert daher 1492 den Pfarrer Johann Räson für Guntzelndorf. über den Zehnten muß keine Klarheit geherrscht haben, denn der Orden steht (1507) im Rechtsstreit mit den Brüdern Adolf und Rupert v. Holzhausen. Der Ordensbesitz wird weiter abgerundet (1521) durch den Kauf einer Korngülte von Sneppen Enchin und den Töchtern Enchins (Ännchen?) Kryn und Enle, die vormals in Ginseldorf wohnten.

„Die zehn Güter stehen alle dem Landkomtur zu Marburg zu" heißt es 1582 im Register des Oberamtes. Demnach sind die ursprünglichen fünf Ordenshöfe damals aufgeteilt gewesen, obschon der Orden solches verboten hatte. Die fünf Ordenshöfe finden sich alle wieder im Steuerkataster, das die kurfürstliche Regierung 1835 aufstellen ließ. Es sind die Besitzer: Andreas Kraus, No. 20. — Konrad Fach, No. 23. — Konrad Schmitt, No. 24. — Kaspar Eucker, No. 30 und Johannes Nau, No. l, zusammen mit Johannes Eucker, jeder einen Halbhof.

Wie in Ginseldorf, so fängt auch in Nonnenhausen die erste Urkunde (1256) mit dem D. Orden an. Härtung, ein Marburger Bürger, schenkt dem Orden unter dem Komtur Gerlach seine Güter zu Nunnenhusen. Nach Hartungs Tode genehmigen (1267) Walter und Luckarde v. Nordeck den Anfall aller Güter des Verstorbenen an den Orden. Unter den Zeugen ist der Schulrektor Bertram von Amöneburg. Im gleichen Jahre bezeugt Ritter Ludwig, Vogt von Fronhausen, daß seine Tochter Kuni-gunde ihre Güter zu Nunninhusen dem D. Orden verkauft hat. Unter den Zeugen: Albert, milcs de scrikede. (Ritter v. Schröck). Die Witwe Elisabeth bestätigt (1315) dem D. Orden die Schenkung ihrer Güter zu Anzenvar und Nunnenhusin, (wobei nicht sicher ist, daß es unser Nonnenhausen und nicht jenes bei Goßfelden ist.)

Wie in Arzbach und Bauerbach und ändern Orten, so sitzt auch in Roßdorf (1320) Dorfadel: Baldemar und seine „Ehewirtin" Gertrudis. Deren Söhne Johannes und Friedrich verkaufen alle ihre ererbten Güter „in villa Nunnenhusen" mehreren Käufern, unter denen uns besonders Ludwig gen. Swab nahesteht, denn um die fast gleiche Zeit (1335) wird in Bauerbach ein Eckard Swab genannt. Zwei andere Käufer sind die Schwestern v. Herberen, von denen ein Verwandter 1352 Pfarrer in Ginsel-dorf ist, Heinrich v. Herberen (Herborn). Die Brüder von Fleckenbühl, Konrad und Andreas, geben (1346) den Hof zu Nonnenhausen, der aus dem Erbe des Baldemars v. Roßdorf stammt, (der eben genannte Hof) dem D. Orden, der ihn in Landsiedel-leihe verlehnt. (2) Um diese Zeit muß fast ganz Nonnenhausen deutschherrlich gewesen sein, denn die Amöneburger Abrechnungen nennen Arzbach, Bauerbach und Ginsel-dorf als pflichtig an den Erzbischof, doch nicht Nonnenhausen.

Die Brüder v. Fleckenbühl geben (1346) den Hof im Auftrage des Ordens an ihre Lehnsleute, Zorn und dessen Sohnes Frau für zwei Jahre zu Lehen:

„Ich Cunrad unde Andres von Fleckenbuhel, wepenere, bekennen, daz vor uns Zorn, unde dezselben sunes wip, die uns angehören, han gutlich ufgegebin solichen bü (Bodenanbau) als sie hatten an deme hove zu Nunnenhusen, also bescheidenliche, daz sie den selben hof inne sullen han von nu ubir zewei jar, Wanne die zwei jar uz sin, so sal bü unde hof zu mal ledig unde loz wider gefallen den Dutschen Herren zu Margburg.
Geben nach Godiz geburt druzehin hundert jar darnach un deme sesse unde vierzegesten jare, — an deme mantage nach dem ersten suntage in der fasten
."

Das Register nennt uns zwischen den Jahren 1358 bis 1370 einige Beständer der deutschherrlichen Güter: 1364 den Sohn von Hermann Schele, 1366 die Witwe Hermanns. 1358 Lutze Goßner, 1366 Konrad den Hirten (derselbe wie in Ginseldorf?) 1370 den Sohn von Kuntze Flamme, der beide Höfe hat und 1357 wieder einen Flamme, Schele kommen auch dreimal in Klein-Roßdorf als D. Ordenspächter vor. Nachdem der Marburger Bürger Kontze (Konrad) Flamme seine Güter zu Nonnenhausen (1410) dem D. Orden verkauft, hören wir von dem Dörfchen nichts mehr. 1425 wird es als „wüst" bezeichnet.

Kirchlich wird Nonnenhausen zu Ginseldorf gehört haben, das bis 1608 selbständige Pfarrei war. Noch 1840 ruhte der „Ginseldorfer Stiftszehnte" fast ausschließlich auf Grundstücken der alten Nonnhäuser Flur.

Ergänzung

  1. Diese "Steynen Schale" war wohl die Turmburg an der Hainmühle, die schon 1283 genannt wird als "lapidea domus quae dicitur scala", d.h. das steinere Haus (Turmburg) die "scala" genannt wird. 29) S. 53. Die älteste Niederlassung des Ordens im westlichen Deutschland war wohl 1207 (Geburtsjahr der hl. Elisabeth) das Nonnenkloster Reichenbach (Reichenau?) mit Kirche. Es wurde 1221 Kommende und um 1526 mit der Kommende Marburg vereinigt.
  2. IKnKjirujr von Roßdorf besaß 132() in Nunnenhuisen «inen Hof. Er un«; uie "Ehewirtin" GertrudiB, seine Söhne Johannes und Friedrich vei . auften dem Deutschen Orders Güter zu Nvmnerihusen. Die (Hiter, die Kupert von lloßdorf und Heine Gemahlin Hertha 70 Jahr*' /.uvor dem Orden schenkten, lagen vielleicht mich in NunnenhuHen. {'.'t;.o ist Heim n h vor: Roßdorf K.-'nimi' i. auf Amönelnirp,.) 1620 begegne; <,nH ein biiri>er!i<;'!,j',r '/'weijj, •' . K'H.ilu ni Adam Ro&lc-vf, Bürger in Kassel . ,; •} : ;'j ,. Ein Grabstein in (Jet- K.':-:!K den ehema]-- fuldlschen Hammelburg (Bürg Saaleck) zeigt das: ^••^'iü.j^K-he Wappen {siehe /'t.uchnung S.-1*^), • v.i/.u dse Wappen der Holleherren Kiauer ur?'> '--nn Radenhausen

Der Adel als Grundherr. Adelige Geschlechter

Durch römische Einflüsse drang das Christentum mit den Legionen Roms in das südliche und westliche Deutschland vor; unter merovingisch-fränkischem Schutz hat es sich dann weiter ausgebreitet. Mit dem Christentum breitete sich die Mainzer Macht nach Norden aus, denn der Erzbischof war zugleich weltlicher Fürst. Die. Franken brachten auch die Grundherrschaft, das Lehnswesen mit. Karl d. Gr. hatte Königshöfe angelegt, die nicht bloß Musterwirtschaften, sondern auch Militär-, Post- und Missionsstationen, Gasthöfe und Verwaltungsstellen waren. Von solchen Oberhöfen („Curtes") waren die umliegenden Orte und Höfe abhängig. Der ritterliche Dienstmann („Ministeriale"), der die Curtis inne hatte, wurde der Lehnsherr seiner Bauern. Bis um 1840 hat dieses Lehnswesen, das Feudalsystem, bestanden.

Sie schützten das Land, sie sprachen auch Recht, die Herren aus freiem, stolzen Geschlecht

Doch nicht könnt' der Bauer des Lebens sich freun. ihn drückten die Zehnten und Fronden allein.

Nach 1200 war die machtvolle Reichseinheit der Hohenstaufen (Barbarossa) zerfallen. Das Staatengewirr des Reiches spiegelt sich wieder in der Zersplitterung des heimatlichen Bodens an zahlreiche adlige Grundherren. Viele Geschlechter teilten sich in Besitz, Einkünfte und Rechte unserer beiden Dörfer, Hier hatten sie Höfe, Ländereien und Wälder, Zehnten und Rodezehnten, Fischerei, Jagdrecht, Mühlen und Hörige. Ihre Höfe (Allodium oder Herrengut), Fron- oder Freihof genannt, waren von Lasten und Diensten befreit, hatten aber solche von ihren Bauern zu beanspruchen. Sie hatten im Ort ein festes Haus, wohl auch eine Turmburg, eine Wasserburg oder die Höhenburg auf einem nahen Berg oder Hügel. Das feste Haus im Dorf war oft an die Wehrkirche angelehnt. Der Ortsadel gehörte zum niederen Adel, Ministeriale genannt, auch Dienstadel, weil sie höherem Adel unterstanden. Zu dem freien, höheren Adel gehörten die v. Falkenberg, v. Hatzfeld, v. Ziegenhain, v. Bicken. Ministeriale waren die v. Fleckenbühl, Radenhausen, v. Schröck, v, Seelheim, die Hobeherrn, v, Hirzenhain, die Raue v. Holzhausen. Bis um 1350 war Namenwechsel nicht selten. Viele von denen, die hier Besitz hatten, finden wir in Marburg als landgräfliche und auf Amöneburg als mainzische Burgmannen wieder.

Vielerlei waren die Verbindungen, die sie untereinander eingingen, nicht nur durch Ehen und Verschwägerung, sondern auch durch Erbschaft, Kauf und Verkauf, Verpfändung, Abtretung und Schenkung. Was wir hier kurz aus ihrer Geschichte hören, führt uns in die „feudale Zeit" zurück, die wir heute in rosigem Lichte sehen, die aber voller Nöte und Kämpfe waren, in denen vor allem der Bauer ein weit härteres Los trug als in unsern Tagen.

  1. Bechling (Becheling). Die Becheling werden schon 1390 von Kurköln mit Gütern in Neerdar, Waldeck belehnt, was auf ihre Herkunft hindeutet. Später belehnt sie das Stift Fritzlar mit der Pfarrei Hüddingen, Waldeck bei Bad Wildungen. Um diese Zeit, nach 1400, finden sie sich auch in unserer Gegend, wo sie dann um 1490 die Hobeherrn beerben. Ihr Wappen, mit den drei Raben ein „redendes", bedeutet die Pechlinge, d. h. die Pechvögel. Sie sind damit Wappengenossen und wohl auch Verwandte der v. Brockhusen in Ostwig bei Meschede. Das rheinische Geschlecht der Corvini hat ebenfalls drei Raben im Wappen. (Corvus = Rabe). Gewöhnlich sind die drei Raben im Dreieck angeordnet, zwei oben, einer unten. So finden wir es auf einem Grabstein an der Kirche zu Großseelheim. Der alte, um 1500 gesetzte Grenzstein bei Bauerbach, an der Waldecke in der Joicht, zeigt die drei Raben in senkrechter Reihe; daneben das Fuldaer Kreuz weist auf Beziehungen zur Reichsabtei Fulda hin, (wenn es nicht als einfaches Ordenskreuz auf das deutschherrliche Gericht Seelheim hinweist.) (1)
  2. v. Betziesdorf. Nur kurz werden sie um 1280 erwähnt und mögen bald ausgestorben sein oder den Namen gewechselt haben, v. Bezzekendorf werden sie genannt, das Dorf wird erstmalig 1254 als Bezchindorph erwähnt. Sie hatten Kaismunter Lehen im Dorf und in Ginseldorf und an der Ohm die Fischerei, Weiß man von manchen Geschlechtern urkundlich nicht von verwandtschaftlichen Beziehungen, so verraten uns die ähnlichen Wappen manches. Doch das versagt hier, da die v. Betziesdorf kein solches hinterlassen haben.
  3. v. Bicken. Ihre ehemalige Burg lag im Ahrtal, Dillkreis. Philipp v. B. lebte 1080, Vor 1300 waren sie schon in Marburg und saßen auch auf der Ke-sterburg. Sie hatten ansehnlichen Besitz im Siegerland und im Hinterland. Nach einer Fehde zogen sie sich nach Wolkersdorf b. Frankenberg zurück, Friedrich v. B. war Propst in Münster, wo sein Bruder Domherr war. Johann Adam v. B. war 1601 EB. von Mainz. 1732 starb das Geschlecht aus, von dem viele kurmainzische Räte, Domherren und Pröpste waren. Vielleicht war Konrad v. Marburg, St. Elisabeths Beichtvater, aus dem Geschlecht Kalsmunt-Bicken. Wappen: Schild mit Schachbrettförmigen Querbalken. 1296 Einkünfte in Arzbach, ferner Mainzer und Fulder Lehen in anderen. Orten.
  4. v. Dernbach. Die alte Burg wurde vor 1350 zerstört. Um 1300 waren v. Dernbach Schultheißen in Marburg und der „Dernbacher Hof" steht noch unweit des Barfüßer Tores unterhalb des Kugelhauses. Balthasar v. Dernbach, Fürstabt von Fulda trat 1570 gegen die Reformation auf und ging 26 Jahre in die Verbannung. Er starb 1623. Wappen: Schwarzes Waldkleeblatt auf gelbem Grunde, wie die v. Nordeck. Es zeigt, daß sie ursprünglich Gleiberger Dienstmannen waren. In Weilburg lebt noch (1959) die Freifr. v. Schorlemer, eine geborene v. Dernbach. 1358 D. Ordens-Lehen in Bauerbach, mainzische Lehen in Mardorf, Roßdorf und in ändern Orten.
  5. v. Falkenberg. Die Burg lag nördlich Homberg/Efze, 1250 genannt. Später bauten sie die Burg Densberg am Kellerwald aus. Werner v. F. war Amtmann auf Amöneburg. Durch ihren Patronat der Stausebacher Kirche wurde das Dorf in die Reformation hineingezogen. Wappen: Zwei schwarze Schüssel, Die Fal-kenberger beerbten die v. Anzefahr nach deren Aussterben. 1424 in Ginseldorf Ohmfischerei und Länder am Dingelberge.
  6. v. Fleckenbühl, gen. Bürgel. Wie die Hobeherrn, v. Mölln, Radenhausen, Raue v. Holzhausen und die Schenke zu Schw. ein heimisches Geschlecht. 1308 wird der Hof Flekkenboil genannt. In Bürgein hatten sie ein festes Haus, besaßen die Vogtei, den Patronat, das Gericht, die Jagd und Fischerei, eine Mühle, Hörige, den Zehnten und den Rodezehnten. Schon 1273 in Ginseldorf Güter und Fischerei als Wetzlarer Lehen. Johann v. Fl. war auf Amöneburg Kommissar und 1528 Pfarrer in Schönstadt. Statt die Reformation anzunehmen, führte er eine innere Reform des Stiftes durch. Der letzte v. Fl. starb 1796 als hess. Staatsminister. Wappen: Ein U-förmiges Gerät aus Holzleisten, mit einem Strick umschlungen.
  7. v. Fronhausen, Vögte. Sie saßen auf der Burg zu Fronhausen, wo schon 1252 ein Ludewicus dict. de Fronehusen genannt wird. Als die Töchter des letzten Vogtes ihren Besitz an die Schenke verkauften, mit denen sie eines Stammes waren, wurde alles vielfach zersplittert unter die v, Hatzfeld, Riedesel, Rau v. Holzhausen u. a. Fast alle heimischen Adelsfamilien waren untereinander versippt. Katharina, Vogtin v. Fr., heiratete nach Schweden, wo sie 1640 starb und wo noch Nachkommen leben, Ihren noch vorhandenen Grabstein ließ sie in Deutsch beschriften. Wappen: Das gleiche wie die Schenke.
  8. v. Hatzfeld. Die Burg, 1311 genannt, lag an der Eder, nördlich der Sackpfeife. Folpert de Hepisvelt wird schon 1140 genannt. Guntram v. H. saß auf der mainzischen Mellnau, wo er 1381 die Landgräflichen vernichtend schlug. Mehrfach treffen wir sie als Marburger Burgmannen und 1400 als Schirmherren des Christenbergs. 1579 starb die ältere Linie aus, die jüngere wurde in Schlesien zu Grafen und Fürsten erhoben. Eine Familie lebt noch auf Schloß Crottorf bei Betzdorf/Sieg. Noch 1642 war Heinr. Friedr. v. H. Propst von St. Stephan in Mainz. 1505 hatten sie den Bauerbacher Zehnten. Mainzer, Fulder und hessische Lehen hatten sie in der ganzen Umgegend. Wappen: Der doppelte Wolfshaken, den wir von denen v. d. Nuhn (Mardorf) kennen, mit denen sie also Wappengenossen waren, wie auch mit den Gulden v. Grünberg und den Wölfen v. Gudensberg.
  9. v. Hirzenhain. Ein wenig bekanntes Geschlecht, aber bedeutungsvoll für unsere heimische Geschichte. Stammsitz muß wohl Hirzenhain am Vogelsberg sein, jenes Hirzenhain am Scheider Wald ist es kaum, denn die H. waren landgräfliche Ministeriale und ein Werner v. H. war 1358 Ordenspriester in Ilbenstadt (am Südwestrand des Vogelsbergs), wo wir das Hirzenhainer Wappen in der Kirche finden. In Hirzenhain am Vogelsberg war auch ein Kloster der Augustiner-Chorherren, das 1530 aufgehoben wurde. 1271 haben die v. H. Einkünfte in Hassenhausen und in Hatzbach, und 1334 Güter in Arzbach. Peter v. H, war 1354 Amtmann und Burgmann in Homberg/Ohm. Das große Erbe Wigands v. H., der keine Nachkommen hatte, erhält Peter Junge in Bauerbach, der es 1374 dem Landgrafen überträgt. Wigands Onkel, Peter, war 1381 Ordenskomtur in Sachsenhausen. Sein Großvater war verwandt mit den Milchling v. Schönstadt, Einer von seinen Verwandten wurde 1440 mit einem Hofe in Schröck belehnt. Henne Hertzenheyne belehnte den Henne Schepp zu Marburg 1452 mit dem Hunergrunde jenseits des Lahnbergs, was wohl der Talgrund in der Arzbach ist, wo wir die „Hühnerbrücke" haben. 1468 finden wir Adolf und Werner als die Letzten des Stammes. Ihr Wappen, ein „redendes", ist der springende Hirsch, den auch die Herren v. Langenstein hatten. (2)
  10. Die Hobeherren, Sie hatten auf dem Seelheimer Oberhof ein Allodium (d. i. freier Eigenbesitz). Das war jener Königshof, der der Lieblingssitz des Hl Bonifatius war. Gumpert de Curia (vom Hofe) urkundet schon 1260 mit denen v. Burbach (Bauerbach), v. Nordeck, v. Mölln, v. Erfurtshausen und v. Seelheim. Mit denen v. Mölln hatten die Hobeherren den ältesten Adelsbesitz in Bauerbach, 1296 sitzen die „uzm Hove" auf der Winneburg, die 1349 an die Schenke versetzt wird. 1305 verkauft Gumpert dem Orden Gülte (Kornabgaben) in Arzbach und Eihloh, Die Hobeherren verzweigten sich in drei Linien: v. Amöneburg, v. Seelheim, v. Plausdorf. Mit dem Amöneburger Burgmann Brosecke starben sie um 1490 aus. Broseckes Erben waren die Bechling, deren WTappenstein in der Joicht steht. Gertrud Hobeherr heiratete einen v. Lehrbach. Die v. Lehrbach waren mit denen v. Mölln und v. Bauerbach verwandt. Wappen: Ein Fabelwesen, das pferdeähnliche Einhorn, dem springenden Westfalenroß nicht unähnlich. Das Einhorn war ursprünglich der Urstier und findet sich im Wappen des Adels, vieler Städte und Englands. Da es auch im Hirtenstab des Hl, Bonifatius ist, erinnert es uns daran, daß der Hof der Hobeherren einst auch Sitz des Heiligen war.(3)
  11. v. Kalsmunt. Ihr Sitz war die Reichsburg bei Wetzlar, dem Domberg gegenüber, heute Ruine. Schon um 1200 hatte ein v. Marburg-Kalsmunt eine Meren-berg zur Frau. Zeitweise waren die v, K. Fulder Lehnsleute. 1318 hatten sie einen Burgsitz in Marburg. 1280 in Ginseldorf Güter und die Fischerei und 1325 den Zehnten. Adolf v. Nassau, der spätere deutsche König, war 1286 Burgmann auf Kalsmunt. Wappen: Dasselbe wie die v. Bicken, mit denen sie eines Stammes waren.
  12. v. Moll n. Sie waren kein Dienstadel, sondern ein freies Geschlecht, jedoch wenig begütert. Nachweisbar ist das Geschlecht von 1151 bis 1377. Sie waren nahe Verwandte derer v. Burbach und v. Lehrbach, die von den Mölln und Bauerbach Güter erwarben. Beide Familien haben die gleichen Leitnamen, Hartmann und Wi-gand, und die v. Burbach hatten Besitz bei Mölln und Hachborn. Wappen: Ein Mühleisen, schräg im Schild. Ein Zeichen, das sich als Zunftemblem auf Siegeln, in Kirchenfenstern findet und das die Stadt Hameln, früher Quernhamelen, d. h, Mühlenhameln als Stadtwappen hat.
  13. v. NordeckzurRabenau. Die Burg ist wahrscheinlich schon um 1100 von den Grafen v. Gleiberg erbaut. 1228 war Adolph v. N. Schultheiß zu Marburg. Andere v. N, finden wir in Urkunden zwischen 1260 und 1263. (Nordccchcri, Northoke, Nordcchin) Walter v. N. war Burgmann auf Amöneburg, trat in den D. Orden ein, wurde Heermeister in Livland, wo er sich Kriegsruhm erwarb. Zwei Linien starben schon früher aus, die letzte mit dem Grafen Eberhard v. Schwerin, Herr auf der Schweinsburg in Pomm. erst 1944. Zu dem Nordeck'schen Besitz gehören Schloß Friedelhausen und das Londorfer Gut. Die Burg ist seit 1926 das bekannte Landschulheim. 1267 hatten die v. N. Güter zu Nonnenhausen und Einkünfte in Amöneburg, Mardorf, Erfurtshausen und Rüdigheim. Wappen: Gemeinsam mit vielen ändern Geschlechtern, das schwarze Waldkleeblatt, das sich auch Londorf zur 1200-Jahrfeier als Ortswappen" erkoren hat.
  14. v, Radenhausen. Kaum ein anderes Geschlecht ist so enge mit Amöneburg verbunden, ihr Stammsitz liegt ja auch am Fuße des Berges. Wie die Hobeherrn, die v. Seelheim, die Schenke, die Rau v. Holzhausen, die v. Nordeck zur Ra-benau, die Falkenberg, die Riedesel, die Ziegenhainer, so waren auch die v. Radenhausen Burgmannen oder Amtmänner droben auf der uralten mainzischen Feste. 600 Jahre hat das Geschlecht gelebt, von 1214 bis 1825. 1581 verweigerte Petrus Muskulus, der Gegenreformator, dem Bechling v. Radenhausen das Erbbegräbnis, weil er lutherisch geworden sei. Der nach dem 30jähr. Kriege neu erbaute Erbhof ging in landgräfliche Hände über. Radenhäuser Besitz und Einkünfte waren über die ganze Ohmgegend verstreut. 1466 hatten sie solche in Ginseldorf, ferner in Anzefahr, Sindersfeld, Stausebach, Mardorf, Roßdorf und viele andere. Wappen: Auf längs gespaltenem Schilde einen geteilten Adler, links rot auf weißem Felde, rechts umgekehrt.
  15. Rau v. Holzhausen. Ihr Ursprung weist auf den alten Schröcker Adel, mit dem sie gemeinsam ein Eppsteiner Lehen (Vogtei) verwalteten. Mit ihnen eines Stammes waren die v. Boppenhausen, die Rau v. Nordeck und die Rau v. Frauenberg, In der Geschichte Amöneburgs sind die Raue fast so bedeutend wie die v. Radenhausen. Dort finden wir sie als Burgmannen und als Amtsleute, Jost Rau v. H. stand 1576 auf Seiten der Reformation. 1619 aber widersetzten sich die Rau v, H. der reformierten Lehre des Ldg. Moritz, dem Kalvinismus. Dr, med. Gurt Oxenius, letzter R v. H. starb als Kinderarzt zu Chemnitz. 1489 hatten sie den Zehnten in Ginseldorf, Sie trugen viele Mainzer, hessische, Merlauer, Fulder und Eppsteiner Lehen nah und iern. Da sie in Holzhausen auch den Patronat hatten, zogen sie das Dorf, das mainzisch war, zur Luthers Lehre herüber, was nicht ohne harte Kämpfe abging, Wappen: Das der Ritter v, Schröck; ein Schild mit rotem Querbalken. (4)
  16. Riedesel zu Josbach. Ihr Sitz muß zu Ascherode (Ziegenhain) gelegen haben. Andere Linien sind die Riedesel zu Eisenbach und zu Bellersheim. Unter Ldg. Heinrich II. hatten die R, das Marschallamt, die Schenke z. Schw. das Schenkenamt und die v. Berlepsch das Kämmereramt. In der Fehde Mainz-Hessen nach 1400 und im 30jähr. Kriege haben die Seh. die Amöneburg zur Übergabe gezwungen. Die Töchter Johann Riedesels zu Josbach übertrugen 1595 den Patronat der Kirche zu Schröck an den Landgrafen Ludwig IV. zu Marburg. 1352 hatten sie den Ginseldor-fer Zehnten, 1400 die Fischerei und in Marburg einen Burgsitz. Wappen: Schwarzer Eselskopf mit Distellblättern,
  17. v. Roßdorf. Wie unsere v. Burbach sind die v. R. wenig bekannt, da sie wenig Besitz hatten und wenig hervortreten, 1252 schenkte Rupert v. Roßdorf und seine Frau Bertha ihre Güter dem D. Orden. Heinrich v. Burbach, Prior des Marburger Deutschen Hauses war Zeuge. 1320 verkaufte Johannes v. R., Sohn des Bal-dernar und der Gertrudis, ihre Güter zu Nonnenhausen dem D. Orden. Weitere Besitzungen oder ein Wappen sind nicht bekannt. Nach 1360 war Heinrich v. Roßdorf Kanonikus des Stifts auf Amöneburg.
  18. Die Schenke zu Schweinsberg. Dieser Stamm besteht über 800 Jahre und lebt heute noch in mehreren Zweigen. 1138 hören wir von Ludwig v. Marburg. Er war Erbe derer v. Merlau und zog nach Schweinsberg, wobei er seinen Namen wechselte. Als 1215 Schweinsberg zum ersten Male genannt wird, lebt dort ein Hermann v. Schweinsberg. Die Seh. waren Burgmannen auf der Amöneburg und Landvögte in Marburg. 1456 war Martin Komtur des D. Ordens zu Stedebach. 1492 war Johann Komtur zu Kirchhain. 1452 führte Abt Philipp in Fulda die Reformation ein und ein anderer Schenk, Joh. Bernhard, machte 1623 die Reformation rückgängig. Georg Schenk war 1667 Fuldaer Abt. In Bauerbach hatten sie 1333 Einkünfte, 1355 bekamen sie einen Teil des Zehnten für die Winneburg, 1407 vertrugen sie sich mit dem D. Orden wegen des Bauerbacher und Arzbacher Zehnten, Das muß kurz vor Wüstwerden Arzbachs gewesen sein. Wappen: der quergeteilte Schild trägt oben einen schreitenden Löwen, was auf Verbindung mit dem Ldg. hindeutet, und im unteren Teile rot-weiße Rauten. (5)
  19. v. Schwalbach. Sie stammen aus Schwalbach, Kreis Wetzlar, und kommen vor 1368 im hiesigen Raum vor. Volbrecht war Landvogt in Marburg und hatte wohl den Schwalbächer Hof in Bauerbach (1420). Rudolf und Peter v. Schw. waren Amtmänner auf Amöneburg, Gernand war Kurfürstl. Mainzischer und Fuldischer Rat, Joh. Friedr. v. Schw. war 1606—1622 Fürstabt in Fulda. Kurt v. Schw. hatte 1582 einen Hainaer Pachthof in Bauerbach und Besitz in Moischt und Wittelsberg. Ihr Wappen: Drei silberne Ringe auf rotem Grunde, schräg nach links oben ansteigend. Das Universitäts-Museum besitzt einen Gedächtnisschild eines Deutschen Herrn mit diesem Wappen, Die Scheurenschloß (Schauernschlosse = Hagelkorn) haben ein ähnliches. Beide, v. Schw. und v. Scheurenschl., waren Marburger Burgmannen. 
  20. v. Seelheim. Sie gehören zur Amöneburger Gruppe des heimischen Adels, und waren ursprünglich Fuldaer Lehnsleute, nachweisbar von 1267 an. Kurz darauf sitzen zwei Brüder auf dem Hofe Arzbach, der damals noch riesigen Waldbesitz hatte. Gerhard war 1290 Plebanus auf der Amöneburg und 1337 war Jakob v. S. Dechant. 1370 rauften sich Walbrecht und Konrad mit ändern Rittern und brannten und plünderten Niederwald. Kurz darauf lagen sie in Fehde mit den Hobeherrn, den Schenken, denen v. Radenhausen und den v. der Nuhn zu Mardorf, Propst Johann v. Seelheim baute 1431, im selben Jahre als die Wittelsberger Warte gebaut wurde, auf Amöneburg den Turm, „Kuck" genannt. Johann war Kanonikus und Geheimer Rat des EB, von Mainz. Nach 1434 hören wir nichts mehr von ihnen. Die geistlichen Berufe aus ihren Reihen haben sicherlich zu ihrem Aussterben beigetragen. Wappen: Keins bekannt. 
  21.  v. Ziegenhain. Das bedeutendste Adelsgeschlecht, das hier Besitz hatte, aber 1450 ausstarb. Um Rauschenberg waren die Ziegenhainer schon 1200 fuldische Vögte. Da die Grafschaft sowohl die hessischen als auch die mainzischen Besitzungen in zwei Teile riß, suchte jeder, Landgraf und Erzbischof, Ziegenhainer Besitz zu gewinnen. 1148 war Graf Godefried Vogt des Klosters Fulda. Doch 1331 hielten sie mit der Stadt gegen das Kloster, Die Grafen waren lange Führer des „Sternerbun-des". Zu Zeiten der Herzogin Sophie v. Brabant waren Mainz und Ziegenhain vereint, später kamen sie in Feindschaft. 1270 gründete der Ziegenhainer die Neustadt. Als aber 1427 Mainz gegen Hessen unterlag, gewann 1450 Hessen die Grafschaft, Die letzten Grafen v. Z. liegen in der Klosterkirche zu Haina begraben. Schon 1280 finden wir die v. Z, in Ginseldorf mit Einkünften und Fischerei und weiteren Besitz in Schröck, Stausebach, Himmelsberg und Sindersfeld. Wappen: Schwarz-gelb quergeteilt, oben im Schwarz ein weißer Stern.

Fast alle diese Geschlechter haben bis um 1580 Besitz und Einfluß in unseru Dörfern bis auf geringe Roste an die Landesherren verloren. Ein Bericht des Obcr-üintes Amöneburg (1582) gibt uns hierüber Aufschluß. Curt v. Schwalbach hat in

Bauerbach das Hainaer Pachtgütchen an Hans Nau (Neu) verlehnt. Hermann Riedesel hat in Gd. ein Gütchen an Kunz Gißeil (Kissel) vergeben. Nur Erzbischof, Landgraf und der D. Orden sind noch Grundherren geblieben.

Die Grundherrschaften

Abkürzungen: E -= Einkünfte G ^ Gerichtsbarkeit Z --= Zehnten P -- Patronat Md,= Medem F — Fischerei H =- Hörige J -- Jagdrecht

A. Die Kirche

Der Erzbischof von Mainz

Bauerbach

1248 E & Z 1333 E 1395 E 1608 P

Arzbach

1248 Z 1333 E

Ginseldorf

1333 E 1395 E 1439 Z

Nonnenhausen

1395 E 1439 E

Deutsch-Ordens-Kommende Marburg

1305 E 1657 J

1296 & 1305 E 1315 & 1318 E 1334 & 1358 E 1407 Z

1253 & 1345 E 1280 & 1370 F 1492 P 1657 J

1256 E 1346 E

B. Der Adel

Der Landgraf von Hessen

1327 E 1374 & 1398 E 1357 Md um 1550 P

1334 E 1357 E 1374 E

13344 & 1374 E 1352 Z 1400 F & H

1357 Md & E 1374 E

Die Hotaeherrn

1305 E

1305 E

1409 Z 1439 Et

1439 Zl

2. Nur in Bauerbach und Arzbach

A.

Kirche

   
 

Haina,

1297 E

1310 E

 

Zisterziens.

1582 E

1333 E

B.

Adel

   
 

v. Bicken

 

1296 E

 

v. Dernbach

1358 E2

 
 

v. Fronhaus,

   
 

Vögte

 

1459 E

 

v. Hatzfeld

1505 Z

 
 

v. Hirzenhain

1374 E

1333 E

 

v. Mölln

1320 E

 
 

v. Seelheim

 

1270 E

     

1315 E

 

Schenke zu

1333 E

 
 

Schweinsberg

1355 & 1385 Zi

 
   

1407 E

1407 Z

 

v. Schwalbach

1420 & 1582 E«

 

3. Nur in Ginseldorf und Nonnenhausen

A. Kirche

   

Wetzlar

1273 E

 

Marienstift

   

Hachborn,

1253 E

 

Prämonstrat.

   

B. Adel

   

v. Betziesdorf

12805 E & F

 

v. Falkenberg

1424 F

 

v. Fleckenbühl

12734 E & F

 
 

1395 G

 
 

1577 H

1346 E

v. Fronhaus.

   

Vögte

 

1267 E

v. Kalsmunt

1280 E & F

 

v. Nordeck z.

   

Babenau

 

1267 E

v. Radenhaus.

1466 E-i

 

Rau zu Holz-

   

hausen

1489 Zl

 

Riedesel

1352 Z 1582 E

 
 

1400 F

 

v. Roßdorf

 

1320 E

v. Ziegenhain,

1280 E & F

 

Graf

   
  1. Lehen von Mainz
  2. Lehen vom D. Orden
  3. Lehen vom Landgrafen
  4. Lehen von Wetzlar, Stift
  5. Lehen von Kalsmunt
  6. Lehen von Haina, Kloster

 

Ergänzung

  1. 'weijj, •' . K'H.ilu ni Adam Ro&lc-vf, Bürger in Kassel . ,; •} : ;'j ,. Ein Grabstein in (Jet- K.':-:!K den ehema]-- fuldlschen Hammelburg (Bürg Saaleck) zeigt das: ^••^'iü.j^K-he Wappen {siehe /'t.uchnung S.-1*^), •
  2. 1269 und 1272 ist Werner von Hirzenhain Ze'jg-für Friedrieh von Langenstein. 1361) finden wir ein Hirzenlieyr, :: ; i; in Rauiseh-Hoizhausen. 1372 haben die v. üirz.enhain Einkünfte h; Breitenborn bei R. -Holzhnusei; und 1449 Einkünfte M; Klein-RoMor; Adolf von Hirzenhain trug 1434 dem Landgrafen seine Burg F:/,enrodt; jhei Neustadt) -zum Lehen auf. Zusammen mit den Waldvogel hatten i die Hirzenhainer urn 1400 Einkünfte in Trunderode (Triemderode), eine Wüstung bei Ziegenhain. 1503 U stand in Neustadt eine Stiftung "Hirchenhains Spende",
  3. Die Hobeherrn, ein uraltes Geschlecht, gehen vielleicht zurück auf die Grafen Dettig und Deoruif, die zu Bonifatius Zeiten auf Amö-neburg saßen. Ihr Wappen, das Einhorn, Ist vielleicht das Einhorn in einem alten Abts stab (um das Jahr 1000) der dem hl. Bonifatius zugeschrieben wird.
  4.  Vgl. Fr. Kaiser, "Rauisch-Hoizhausen, das ehemals freie Reichsdorf1, 1974, Seite 59, Register von 1607. Es nennt die 32 Orte, aus denen die Raue Abgaben und sonstige Einkünfte bezogen. In Bauerbach hatten sie 1763 die Jagdrechte.
  5. Die Schencke waren 1576 Ganerben (Erbengemeinschaft) mit den v. Merlau, v. Buseck, v. Schwalbach und v. Trohe.