Man legt sich Schreibnamen zu
Unser zuständiges „Finanzamt" war vor 600 Jahren auf Amöneburg, Freilich hatte es einen anderen Namen und sein Chef, der Finanzamtmann, der damals Kellermeister hieß, hatte noch andere Aufgaben, als nur die Steuern einzuziehen, die meistens in Sachabgaben der Bauern bestanden, Er überwachte auch die Ausgaben und mußte seinem Gnädigsten Herrn, dem Kurfürsten und Erzbischof, über alles Rechnung legen. Der Herr Ludwig v, Lützelburg hätte sich aber nicht träumen lassen, daß er uns mit seinen sorgfältigen Rechnungen aus den Jahren zwischen 1324—1360 nicht nur über Flurnamen (siehe den Flurnamen-Abschnitt), sondern noch viel ausführlicher recht gute Auskünfte über unsere damaligen Schreibnamen in die Hände gespielt hatte.
Die Rechnungen und Steuerlisten versetzen uns mitten in die Entstehungszeit der Schreibnamen. Auch die Steuerliste der Abtei Essen von 1332 hat viele Familiennamen im Stadium der Entstehung: Faber, Mohr, Emel, Knutel, Dilemann, Menekin (Menche). Gut 100 Jahre zuvor gingen die Kreuzzüge zu Ende. Sie brachten Belebung des Handels, Berührung mit Italien und dem Morgenlande, Entwicklung der Geld-und Bankenwesens, Neusiedlungen und Städtegründungen setzten ein und damit eine Volksvermehrung. Käufe und Verkäufe, Belehnungen und Verpfändungen, Testamente, Schenkungen, Verhandlungen und Rechtsstreite werden schriftlich geführt und niedergelegt. Die Beteiligten legen sich einen Beinamen zu, der sie von anderen Gleichnamigen unterscheidet. Zunächst ist dieser Name persönlich, später geht er auf die Kinder über, er wird erblich. In der Regel wählt sich der Namensträger seinen Beinamen selbst, mitunter auch der Urkundenschreiber, die Familie, die Freunde, oft auch die Feinde, die ihm einen Spottnamen zulegen.
Als erste Schreibnamen oder Familiennamen finden wir die Adelsnamen, die nach dem Wohnort oder dem Berg und seiner Burg gewählt sind. Bei einer Einheirat auf eine andere Burg wechselt der Name, da er noch nicht erblich ist. Erste Ansätze zu Familiennamen finden wir um 1250 in den Zeugenlisten der Deutsch-Ordens-Urkunden, häufig yom Schreiber ins Lateinische übersetzt. Da finden wir Hermann Theleonarius (Zöllner), Helwig Monetarius (Münzer), Albert Rufus (Rotkopf), Eberhard Longus (Lang), oder Meingot Knatz, Heinrich Lützelkolbe, Günther Walbode, Wiker Recke, Mengot Kyrman, Henrich Henzeler, Helwig Goltscreder (Goldschneider). Die Entwicklung zum erblichen Familiennamen setzte zuerst außer beim Adel in den Städten ein; der Bauer ist mit Neuerungen nicht so eilig, er haftet am Alten. Doch zeigen unsere Amöneburger Rechnungen, daß man auch hier begonnen hat, die Familiennamen als erblich zu erkennen. Alle Arten der Namenbildung sind in den Listen des Kellermeisters vortreten. Rund 300 Familiennamen kann man in ihrer Bildung beobachten.
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Da ist der heimische Adel und der Grundherr vertreten: die von Anzenvar, von Bycken, v. Derinbach (Dernbach), v. Ervershusen (Erfurtshausen), v. Hoczfelt (Hatz-feld), v. Holczhusen, v. Hirzenhain, v. Kaismund, Knibe v. Melnog (Mellnau), v. Mu-lune (Mölln), v. Martorf, v. Nordecken, v. Seylhc-ym, v, Wolskeln (Wolfskehle).
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An Familiennamen nach anderen Orten benannt gibt es: Gybichendorfer (Wüstung Gibichendorf bei Kirchhain), Hymmelsbergere, Harterodere (Hartenrod ist 1660 in Ginseldorf) Monichusere (Münchhausen), Nuenstadt (Neustadt). Ferner Glasekopp, Aldendorf (Allendorf), Kyrchain, Muschede (Moischt), Schonenbach (Schönbach), Swarzenburnen, Sweynsberg. Nach Ländern und Flurnamen: During (Thüringer), Swab, Wilder (Fremder), Kuppil (vom Kuppel), an deme Ende (am Dorf ende), Hebermelen (aus der Hafermühle), Rauwensteyn (vom Rauenstein, Marburger Schöffenfamilie), Houbit (Haupt, Kopf, Flurname).
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Nach Vornamen und Vatersnamen benennen sich: Bruning, d. h. einer der Sippe des Bruno, Henzing, aus der Sippe des Henz, ferner, der Kyding, Amelung, Ruding, Snusung. — Eckard, Huprecht, Wigand, Seward, Gozmar, Günther, Hartlib, Hiltwin, Marquard, Osbert, Reinhard, Sybodo (heute Seebode). Umgeformt und mehrdeutig sind Jekil (Jaköbchen), Wybere (Wieber), Hahnkil (Hankel), Hobirte, Swycker.
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Namen nach Berufen, von denen manche ausgestorben sind. Budil (Büttel), Cre-mere (Krämer), Dorwechtir (Torwächter), Sarworcen (Harnischmacher), Heymburge (Bürgermeister), Kesceler (Kesselschmied), Leppner, (Flickschneider), Salzere (Säl-zer), Schecze (Schütz), Schefere (Schäfer), Schyltknecht, Swertfeger, Wanner und Wener (Wagner), Zehinere (Zehntenheber), Zappe (Wirt), Bysschoph, Lehnsmann des Bischofs. Manche Berufe sind lateinisiert: Carnifex (Fleischer), Cocus (Koch), Faber (Schmid), Pistor (Bäcker), Lapicida (Steinmetz), Molendinarius (Müller), Textor (Weber).
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Nach Werkzeugen und Geräten nennt sich mancher Beruf: Aneboz (Amboß), Flade und Kyppe (ein Gebäck). Wenn Gesellen auf die von der Zunft verlangte Wanderschaft gingen, bekamen sie einen Namen, der oft Spott enthielt, mit: Keczel-ring und Plugeshoubit (Pflugkopf), Schmiedenamen, desgleichen: Recysen (Reckeisen) und Weczemesser.
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Merkmale, Eigenschaften, Körperteile, Kleidungsstücke, wenn sie besonders auffielen, gaben deren Träger den Namen: Brun (Braun), Flecke (Muttermal), Groze, Junge, Kleyne, Longus (Lang), Stumph, Wacker, Wise (Weiße), Strube (struppig), Schele (er schielt), Crol (krause Locke), Dickehut (Dickhaut), Drugemund und Rodir-mund (trockener, bzw. roter Mund), Snabil (Schnabel). Kleidung: Hoselin (nicht Hos-lein, sondern Strümpfchen), Kogeler (Kugelkappe, wie sie die „Kugelherren" trugen. Kugelkirche!) Kydil (Kittel), Rutgurtel (Rotgürtel), Scheckil (der bunte Leibrock).
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Der Bauer nannte sich nicht bloß nach dem Ort, der Flur, sondern auch nach der Natur, nach Pflanzen und Tieren: Hoveman (Hofmann), Husman (Hausmann, Häusler, Kleinbauer), Nueman (Neusiedler), Erd, Grüne (Grün), Sümere (Sommer), Walt, Wül (Wolf). Hane, Ossechen (öchschen), Rabbe, Smalcz, Waltvogil, Zagil (Schwanz), Hün (Huhn, Huhn?). Sengebuch (Branclbuche), Scappe (Strohwisch), Rosencranz, Schrat-habere (Schrothafer).
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Die Spottnamen sind oft sehr bissig und der Träger eines solchen muß nicht überempfindlich gewesen sein, da er sich einen solchen gefallen ließ: Dufilshoubit (Teufelshaupt), Swynshoubit (Schweinshaupt, „Saukopp"!), Bizigel, Kreybis (Krebs), Rythase (Reithase, siehe Riedesel), Schebeschuren (schiefe Scheuer), Schewe (der Schiefe), Zainlucke (Zahnlück). 1320 nennt eine Urkunde den Bürgermeister Luck, genannt Zahn.
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Es bleiben, wie bei den Flurnamen, eine ganze Reihe, die schwer oder nicht, zu deuten sind: Drige (Drücke?), Dusinstwett(er), Harnboge, Herinnebe, Rucze, Thucze, Schobil Surkode, Sweime, Wüste, Spigelis, Das alles ist nur ein Bruchteil der rund dreihundert Namen, die uns der Kellermeister aus den ehemals kurmainzischen Orten und auch aus solchen, die zwar dem Landgrafen gehörten, aber auch an Mainz Abgaben zahlten, wie Kirchhain, Ofleiden, Holzhausen, Schönstadt, Burgholz, Seelheim und Moischt, überliefert hat.
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Früheste Familiennamen
Aus Urkunden können wir für unsere Orte Bauerbach und Ginseldorf auch für Arzbach und Nonnenhausen eine Reihe früher Namen belegen, von denen aber kaum einer noch nach dem Dreißigjährigen Kriege in den Kirchenbüchern zu finden ist. Dieser fast endlose Krieg muß das bodenständige Bauerntum völlig durcheinandergewirbelt und zum Teil ganz ausgelöscht haben.
In Bauerbach finden wir Burghard, Swab, Smalcz, Eherer, under dem Bohele, Deynhard, Gerbert — 1338 in Forst Hüne (Huhn, Huhn), 1355 einen Frühmesser (Kaplan) Kreling in Frankenau, — 1358 in Arzbach Gerlach, in Nonnenhausen Schele, Goßner, Flamme und „der Hirte", der noch keinen Familiennamen hatte, ebenso wieder der „Campanarius" (Glöckner) in Anzefahr. — 1374 hören wir viel von der Familie Junge in Bauerbach und 1375 taucht nochmals Burbach als Familienname auf, in Seelheim und Kirchhain: Herbener, in Bauerbach Rurgerat, Speman und Forster. — 1401 leiht L. Bodenbenner von dem Schöffen J. Mardorf zu Marburg den Wy-drades Gaden und 1534 wird in Marburg eine Bodenbennergasse genannt. — 1487 Klusener, ein Knecht zu Bauerbach. — 1462 Mardorf er Siedler Norgang und Kroph (auf Pie Hof) werden vor das Gericht zu Fritzlar geladen, weil sie dem Orden die schuldigen Weinfuhren nicht geleistet haben. — 1469 ist ein Geltzhäuser Schöffe zu Schreckte, — 1524 Rutze und Scheffe genannt, 1531 Wize (Wiese), — 1560 Reitz, — 1567 Neu (Naw, Nau), und ein Schneider Henn „vor der Höhn" (Huhn?). — 1523 wird bei Nordeck eine „Schneider-Henn-Mühle" genannt. 1560 und 1590 kommen Schick und Schüler in Kleinseelheim vor, — 1571 Born, Leis, Schoff, Schmid, in Bauerbach und 1582 Eiffer und Lauer. 1579, ein Georg Wicelius, aus der Beamtenfamilie Weit-zel, gen. Becker, war Rat am Hofgericht in Marburg, 1590 Weyell (Weil), Kißler (Keßler), Möller, Karl, — 1624 und 1714 war ein Weizelius Student in Herborn. 1592 Naw, Born, Brücke. — Weintraut, Keil, Wilhelm (die auch 1659 in Niederklein vorkommen). — 1629 Ludwig, — 1636 Krailing in Betziesdorf, — 1652—1654, wohl durch den Krieg geflüchtete Bauerbacher oder Schröcker in Marburg: Konrad Petri und Frau Susanne geb. Schüler, Posthalter des Deutschen Ordens in Marburg, ein Vorgänger des 1717 in Bauerbach beerdigten Postmeisters Ferdinand Mertens. Der Name Petri ist verbreitet. 1694 waren Kaspar Petri und Philipp Studenten in Herborn und 1717 Kaspar Heinrich Petri. — 1654 lehnt der Ackersmann Kaspar Gelshäuser den Kauf des Hauses „Stiefel" am Stiefelsgäßchen ab. (Siehe auch Listen der Familienoberhäupter von Bauerbach und Ginseldorf vom Jahre 1659)!
Von Ginseldorf haben wir ebenfalls eine Reihe früh beurkundeter Familiennamen. 1334 Sigfrid dictus Wildir (Fremder) und Rudolph, der das gleichnamige Gut hat. — 1358 Kreucher und Flamme (Flame aus Flandern?) — 1369 Knybe, Ibächer, Colethau (Kühltau), Schwarzenau, und, wie in Nonnhausen, „der Hirte". — 1401 verkauft Hermann Flemme die Fischerei auf der Aemen (Ohm) vom Steinern Hause (Kemenate?) bis an den Strauch, wo die Fliese eingeht, dem Landgrafen, — 1567 wird Heintz Klein genannt. Die Namen von 1659 und 1676 sind, wie bei Bauerbach, bekannt. Der Abschnitt „Kirchenbuch" bringt die nach 1656 vorkommenden und neu auftauchenden Namen. 1358 nennen die Güterverzeichnisse des Ordens aus den Nachbarorten noch viele Familiennamen, So aus Schröck: Witze und Henlze, aus Anzefahr: Gumpert, Hanzel, Kobel, Kraft, Lutze. Aus Sindersfeld: Ditmar, Schneider, Voyd (Vogt), aus Groß-Roßdorl: Stolze, Ungermann, Phie, Hoimann, aus Klein-Roßdorf: Schele, aus Stausebach: Heckel und Gerume.
Namen unserer Zeit
Die Gründe, wegen denen man die Familiennamen damals schuf und die Bedeutung, sie sie hatten, sind heute nicht mehr klar zu erkennen. Namentlich die einsilbigen Namen sind oft so weit gekürzt und entstellt, daß der ursprüngliche Sinn verdunkelt ist. Im großen ganzen kann man sie aber noch in bestimmte Klassen einstufen.
1./2. Zu den Herkunftsnamen, die sich vom Land, Ort, Flurnamen, Wohnplatz ableiten gehören: Baumgarten, Preis (aus Preußen), Boland, Gölzhäuser, v. Keitz, auch Fichtner (aus Fichten), Kampe (am Kamp, d. h. Weide), Totzauer. Vielleicht gehören auch Herbener (Herborner) und Huhn (an der Höhn) hierher. In Ginseldorf sind es: Bauerbach, Kempf (wie Kampe) vielleicht auch Gnau (aus Knau, Thüringen), Thum-berger. Die Zuwanderung liegt meistens so weit zurück, daß die heutigen Namensträger nichts mehr davon wissen. Gölzhäuser können z. B. aus dem Lumdatal stammen, denn Geilshausen hieß 1359 Gawelshusen und Gauelshusen und die älteste Schreibweise von Gölzhäuser ist auch Gawelshauser, nach 1700 heißt Geilshausen Geißhausen und Gölzhäuser schreibt dann ebenfalls Gels- und Geltzhäuser, Gilser-hof hieß aber auch Gelcenhusen und dann Geltzenhaus. In Süddeutschland gibt es ein Gölshausen bei Bretten, Baden, wo auch ein Dorf Bauerbach liegt. Hier sieht man die Schwierigkeit einer genauen Bestimmung des Familiennamens.
Im Kreise Marburg finden sich eine Menge Herkunftsnamen, teils ist der Name des Ortes unverändert, teils hat er die Endung -er, was in Süddeutschland bräuchlich war. Da gibt es den Namen Wetterau und Buchenauer, Schönbach und Kombächer, Battenberg und Schweinsberger, Mardorf und Wetzdörfer, Kirchhain und Kirchheiner, Rodenhausen und Weiershäuser, Bubenheim und Ronzheimer, Marburg und Marburger, — dann Schröck (in Simtshausen), Stausebach, Betziesdörfer, Schönbächer, Hornberger, Siegener usw.
3./4. Die Vatersnamen und Vornamen
Neben den Herkunftsnamen sind sie die ältesten und auch die am schwersten zu deutenden. Schon bei der Bauerbacher „Großmacht", Weitzel, stoßen wir auf Zweifel. Wahrscheinlich rührt er von einem Vornamen her; 1084 hieß ein Mainzer Erzbischof Wezilo, was damals kein seltener Name wad. Doch da Niederweisel bei Friedberg 1235 Weizele hieß, könnten wir in Weitzel auch einen Herkunftsnamen sehen, Auch bei Kissel, dessen alte Schreibweise Gissell ist, könnte man an Giesel bei Fulda als Herkunft denken. Ganz eindeutig, weil heute noch bestehend, sind als Vornamen anzusprechen Bechthold, Gerhard und Wilhelm, in Ginseldorf Paul, Damm kann von dem um 1300 häufigen Namen Dammo, Tammo, aber auch vom Orte Damm kommen. Klos von Nikolaus, Matt, alte Form Math, von Mathias oder Matthäus, Jennemann wohl von Johannes, Rhiel von Rilo und Kräling, alte Form Kreiling („einer von den Kräh"), in Ginseldorf Bromm vielleicht von Brunmar, Euker wohl von Eckard, — Fach von Facho, der Frohe, — Herbig von Hariwig, — Kissel von Gisilo, einem Kurznamen der vielen Vornahmen mit „Gis", wie Gisbert (Ortsname Geismar, Gismare). Audi der Kurzname Giso, ein altes Grafengeschlecht, das auf der Holende saß, gehört dabei. Kißling ist „einer von den Kiß oder Gis". In Petri und Marcks (Petrus, Markus) haben Heiligennamen zur Namenbildung beigetragen. Benedickt, Seiforf., u. a. gehören auch in diese Gruppe.
5. Berufe
Da haben wir heutige und alte ausgestorbene Berufe: Fischer, Schreiner, Wagner und Müller bedürfen keiner Erklärung. Bieker war wohl ein Wirtsname, Betzier der Kappenmacher, Böttner und Bodenbenner der Büttenmacher, Pleier der Klempner, Pfeiffer, auch in Pfeffer entsteht, der Musiker, Panzner der Harnischmacher, Nau der Neusiedler und Hoffmann der am Adelshofe Beschäftigte, wohin wohl auch der Bornträger gehörte. Schick, wenn es nicht vorn Bayrischen „Schiech" kommt, es ist ja ein süddeutscher Name, dann vielleicht der Festordner, der alles beschickte, Zu unseren allerältesten Familiennamen gehört Kaufmann. Neben dem Geistlichen, dem Beamten und Juristen war der Kaufmann von vorneherein auf Schriftverkehr angewiesen, wobei die Annahme eines Familiennamens nahelag. Schon vor 900 kommt „coufrnan" als Name vor. Grebe, Scholz (Schulze) und Richter sind dörfliche Beamte, die der Grund- und Lehnsherr anstellte. Schüßler war ein Töpfer und wohin Wetzer und Feußner gehören, ist unsicher. Im Bereich des Kreises haben wir viele sehr deutliche Berufsnamen, so Riemenschneider, Dorfschäfer, Landschneider, Schildwächter, Aschenbrenner, Bretthauer. An Namen von Werkzeugen und Geräten finden wir keine in unseren Orten, dafür aber im Kreise: Kleindopf, Schaumlöffel, Fingerhuth, Pflugradt, Schieferstein. Von Körperteilen, Glitzenhirn, Spitzbarth, Flächsenhaar, Grimmelbein.
6. Eigenschaften geben die Namen Braun, Fröhlich, Kraus, Schüler (Schieler), Biedermann, Groh (Grau), Dörr. Im Kreise: Wohlfeil, überall, Unverzagt, Standfest, Sparsam. Sinnreich, Eisenreich, Gnädig, Zornig.
7. Bauernnamen aus der Natur, von Tieren und Pflanzen. Eibisch, Stork, Huhn, Nebel, Rauch. Im Kreise: Holzapfel, Rosenstengel, Haberkorn, Birkenstock, Nachtigall, Lämmchen, Rübsamen. Von Speise und Trank: Weisbrod, Dinnebier, Guter-milch. Aus der Religion und Kirche: Pabst, Priester, Prior, Paternoster, Fasching, Fasselabend, Pilgrim, Bräutigam.
8. Spott- und Satznamen sind keine offenkundige vertreten. Im Kreis haben wir an Satznamen: Leibundgut, Hebenstreit, Hassenpflug. (Ich haß den Pflug!), Helfenritter, Stürzebecher.
9. Mehrdeutige wurden schon öfters angeführt, so Huhn, Dörr (der Dürre), Kissel, Damm. Es sind jene, deren Deutung man gerne aus dem Wege geht.
Unsere Hausnamen
Die Bildung der Hausnamen vollzieht sich heute noch, wie die der Familiennamen vor 600 Jahren. In jedem Dorfe ist ein vorherrschender Name,so in Amöne-bürg: Weber, Kliem, Graff — in Allendorf (altes Dorf): Feldpausch, Görge, Huhn, Schmitt, Weitzel -— in Anzefahr: Kremer, Lauer — in Mardorf: Schick, (Dörr, Gockel) — in Momberg: Sack, (Dippel, Schmitt) — in Neustadt: Gies, Faber, Kühn -— in Niederklein: Koch, Gruß, Botthof. Selten, daß eine kleine Gemeinde, wie Himmelsberg, Schönbach, auch Ginseldorf (Kraus) keine „Namengroßmacht" hat, während es in Bauerbach die Weitzel sind. Diese Namenhäufungen machten Hausnamen nötig. Solche bilden sich im Laufe der Zeit. Meistens ist es der Bauherr, der seinen Namen dazu hergibt, auch wenn sein Name nur ganz kurzfristig auf dem Hofe gelebt hat. So Martels, Beizers, Markse, Haars, Nahrgangs, Stau(bit)ze, Fachs, Huings, Wiebers. Die meisten Familiennamen, nach denen Häuser benannt wurden, kamen um 1800 hier vor und leben zum Teil heute noch, so Preise, Hofmanns, Schülers, Damms, Krause, Herbeners, Petris, Biekers, Bolands und andere, wenn auch das Haus, in dem sie jetzt leben, gewechselt hat. Mitunter nahm man auch den Vornamen des Besitzers, Kurts nach Kurt Weber 1676, Orems (Adams) nach dem 1741 genannten „Bauer-ineister" (Bürgermeister) Adam Petri, Schmieds Johannjes Andrese. Hatte die Frau, zumal, wenn sie Witwe war, einen auttaflenden Namen, wurde dieser herangezogen, Scholaste (Scholastika), Gehannete (Johanetta) Christinese, Sales (Rosalia), Gritches (Gretchen). Die Lage des Hauses ist weniger bedeutend, Biehle am Bühl, Gemeeches (am Gemeindchen), Bornhenner und Bettehenner. Der Beruf kommt auch zur Geltung, Schmieds, Schusters, Schuster-Peters, Schneiders, Schäfers, Leinwebers, Schamesters (Schulmeisters), Poste, Bäckers. Geschichtlich ist nur Trolesch (Tirolers). Kilbers ist ein alter Hofname unbekannten Ursprungs, Solche Namen mögen von Nachbarorten stammen, wo sie vorkommen. So ist z. B. der Name Pie nie in Mardorf begegnet, obschon wir dort einen Hof dieses Namens um 1700 bezeugt haben, doch kommt der Name schon 1358 in Groß-Roßdorf (Phie) vor. Unsicher ist auch der Name Meuers. Ein Herrenhof (Fronhof), den der Herr nicht selbst bewirtschaftete, hatte einen Verwalter, den Meier (vom lat. maior). In dessen Bestallungsurkunde, dem Meierbrief, kommt der Name Meier in Hessen noch 1680 und später vor. (Lerch). Die Ortskarte von 1807 läßt diesen Schluß nicht zu, es sei denn, daß der zweite Hof des Caspar Weber ein Meierhof war, der bis in den Hofraum des heutigen Meuers hineinragte.
Die Ginseldorfer Hausnamen antworten denselben Regeln. Heutige Familiennamen finden wir wieder in Bromms, Eickerts, Fachs, Fischers, Gerhards, Herbigs, Wetzers, Nebels, Pfeiffers, Steys, Frühere Namen leben noch in Benners, Hartmanns, Hebs (Hopp), Lechers, Mattes (Matt), Ruhls, Schratze, Schweitzers, Sprengers, Strawe, Stuhls, Treern (Trier). Zum Teil finden wir diese Namen in unsern Nachbarorten wieder. Vornamen wurden gewählt bei Antons, George und Jürgese von Georg, Karls, Kurts, Liwigs (Ludwig) und Märte, Martinese von Martin. Weibliche sind seltener: Adels (Adelheid), Elsewitts (Elsbeth), Kuni(gunde), Anderts wohl von Anne-Dorth (Anna Dorothea). Die Lage des Hauses sagen uns die Namen Wiese-Paul, Bachhäuser und Bachnebels. Berufe sind festgelegt in Kiefers (Küfer), Schneiders, Schäfers. Blocke wird von einem Nachbarort stammen. (Großseelheim?). Bauern kann der Bauermeister sein, wie man mitunter den Bürgermeister vor 1800 nannte. Ob Heers aus Herbigs gekürzt ist? Im benachbarten Sauerland überläßt man den Hausnamen nicht dem Zufall. Der Bauherr wählt ihn nach verschiedenen Motiven (z. B. Flurname, Verwandte) und der Zimmermeister tauft nach vorherigem Richtspruch den Rohbau mit einer Flasche geweihten Wassers.



