Jahrhunderte sprechen aus Steinen
Baugeschichte der Pfarrkirche
(Hierzu Abb. 7)
Domine, dilexi decorum domus tuae. PS 25
Niemand wird bezweifeln können, daß unser Gotteshaus das älteste Haus Bauerbachs ist. Ganz sicher gilt das von den ältesten Teilen, die alle Um- und Anbauten überstanden haben. Ein Bauernhaus ist inzwischen schon drei- oder viermal neu gebaut worden, denn ein Alter von 800 bis zu 900 Jahren müssen wir der Kirche schon zubilligen, die 1920 abgebrochene Westseite eingerechnet. Als erstes Kirchlein stand hier, wie in so vielen Orten unserer Heimat, eine Fachwerkkirche. Solche sind noch in unserer Zeit gebaut worden, in Kehna 1779, in Langendorf 1957, abgebrochen 1670, in Ernsthausen/Wohra nach 1700, Von dem frühchristlichen Fachwerk -kirchlein ist naturgemäß keine Spur mehr vorhanden. Wir können noch fünf Bauperioden an dem Gebäude unterscheiden. Als sich 1870 ein Kunsthistoriker mit der Baugeschichte von Kirchen befaßte, fand er an der Westseite zwei zugemauerte romanische Fenster mit den typischen Rundbogen und eine „völlig schmucklose, spitz-bogige Westpforte."
Diese romanische Kirche denken wir uns in die Zeit um das Jahr 1100 oder vorher. Für das hohe Alter zeugen der Kirchenpatron Cyriacus und die sogenannte
„Schönbacher Tür". Der Höhepunkt der Cyriacusverehrung fällt in die Zeit nach 900 und klingt dann ab. Es muß also damals eine Kirche hier bestanden haben, Noch deutlicher spricht die Seitentür. Die Bauweise dieser Tür mit dem Fugenschnitt ist uralt. Schon die Langobarden nahmen sie i. J. 568 mit nach Italien. Es ist eine reine Holzkonstruktion, wie sie die Germanen hatten, wobei Schwelle und Sturz mit den Pfosten verblattet wurden. Die Türpfosten mußten den Seitendruck aufhalten und wären ohne diese Art der Verfugung nach innen ausgewichen. Bei der späteren Steinbauweise wurde das, obschon zwecklos geworden, vorerst beibehalten. Wegen ihres hohen Alters findet man solche Portalgerähme nur noch selten. Außer in Bauerbach haben wir Beispiele an der Michaelskapelle der Klosterhalle in Lorsch, wo sie dreimal vorkommt (um 800 erbaut), am Schönberg in der Schwalm (ehemals altfuldischer Besitz) in Escomb, England, und in Cividale, Italien. Obschon man auf dem Dorfe alte Baustile und Bauweisen länger beibehielt als in der Stadt, kann man doch diese Konstruktion nicht länger als die romanische Zeit hindurch (d. h. vor 1200) annehmen. Die romanische Tür, die an der Nordseite der Dominikanerkirche in Marburg freigelegt wurde, hat diese Verfügung nicht, ist also jünger. Die dörflichen Meister haben ihre Kirche ähnlich den ihnen geläufigen Bauernhäusern gebaut, d. h. zuerst in Fachwerk, Später beim Steinbau behielten sie die Lage der Tür an der Längsseite des Hauses bei, während man an städtischen Kirchen den Haupteingang an die Westseite unter den Giebel legte. Die „Schönbacher" Seitentür liegt nur 2,80 m vom Turm entfernt. Sie hätte demnach damals nahe am Altar gelegen. In der Regel liegt aber der Eingang doch im hinteren Teil des Langhauses. Merkwürdig ist auch der Turmsockel, der anscheinend als Rest eines ändern, älteren Baues, unter dem heutigen Sockel um 8 Winkelgrade nach Ostnordost hin abweichend, hervorschaut. Es hat in der Frankenzeit Kirchen gegeben, die nicht geostet, sondern gewestet waren, doch ein so hohes Alter können wir unserer Kirche nicht zugestehen. Der Islam versuchte im Jahre 732 Tours, die Stadt des großen fränkischen Heiligen, Martin, einen kirchlichen Mittelpunkt des Reiches zu zerstören. Nach Westen, nach Tours hin waren viele Kirchen ausgerichtet. Der alte Sockel wurde erst sichtbar, als um 1890 Pfarrer Kramm, um die feuchte Nordwand trocken zu legen, die Wand freilegen ließ. Die dabei gefundenen Gebeine wurden auf dem alten Friedhofe neben der Kirche erneut bestattet. Die alte Oberfläche ist in der Höhe der Schwelle der alten Seitentür zu suchen. Erst damals hat man die Steine des alten Sockels bis auf die heutige Bodenhöhe heruntergemeißelt. Eine weitere Seitentür kann auf der Südseite gewesen sein, wo eine alte Vermauerung eine solche andeutet, Hatte die alte Kirche aber noch eine zweite Tür an der Südseite, dann dürfte die „Schönbacher" tatsächlich den Schönbachern gehört haben und diese zur Pfarrei Bauerbach gezählt haben. Hierfür ergeben sich einige Anhaltspunkte. Schon 1248 zahlte Schönbach den Zensus, 15 Schillinge, nach Amöneburg, also an Mainz. Auch 1303 zahlte man noch Abgaben nach Amöneburg, und der Ort gehörte zur Sedes Amöneburg, während Großseelheim schon dem Deutschen Orden gehörte. 1355 aber war Schönbach dem Gericht Seelheim zugehörig. Mithin kann Schönbachs Zugehörigkeit zur Pfarrei Bauerbach nur in frühgotische oder romanische Zeit fallen, Im Mittelalter hatte manche Filialgemeinde eine eigene Kirchentür an der Mutterpfarrkirche. Das erleichterte die Übersicht des Kirchenbesuchs und die Leute des Pfarrdorfes hielten auf ihr Vorrecht, die Hauptpforte zu benutzen. Und gerade auf dem Dorfe ist noch heute das Pochen auf Rang und Vorrecht zu Hause. Zwar hat auch Großseelheim sowohl in der Kirche als auch in der Friedhofsmauer eine Schönbacher Tür, doch beweist deren Bauart, daß sie wesentlich jünger ist und in die reforrnatorischeZeit gehört.
Über alle Stürme des Kirchenkajnples hinweg ist die alte Schonbacher Abgabe an Bauerbach bis 1840 erhalten geblieben. Der Bauerbacher Lehrer holte sich, in seinem Amte als Kirchendiener, in Schönbach alljährlich acht Korngarben von Peter Boden-benner, Joh. Peter Kiefer, Heinr. Carle, Johs. Boßhammer, Konr, Dreher, Johs. Pitz, Nau's Eidam und Johs, Pilz, Konrads Sohn. Der Bauerbacher Pfarrer erhielt noch 1837 von Schönbacher Bauern jährlich 2 Mött Korn. Das waren uralte Pflichten gegen die Bauerbacher Kirche. Ein wenig beachteter Zeuge der alten kirchlichen Bindung Bauerbach-Schönbach ist der Rest des alten Kirchweges. Er führt von Bauerbach durch die Joicht, einem etwa 6 Meter tiefen Hohlweg, Zeichen alter und langer Benutzung, gerade auf den Hohlweg bei Schönbach zu, der ganz auffällig den gleichen Namen trägt: die Joicht. Der mittlere Teil des Weges, am Waldrande, der zugleich die Grenze ist, hinführend ist, wie bei so vielen alten Verkehrswegen, später überackert worden. Der Weg ist Stück eines größeren, wichtigeren Handelsweges von Marburg nach Rauschenberg und war in Benutz, bis nach 1730 der Bau von gefestigten Landstraßen einsetzte. Es hat auch noch lange ein alter Fußpfad quer über das „Gemeeche" und Hurisrück in die Arzbach geführt, in dem wir wohl den Arz-bacher Kirchenpfad vor uns haben (Flurnamenkarte).
Die alte romanische Kirche war auch niedriger als heute. Ein Mauerabsatz an der Südwand läßt die alte Höhe noch erkennen und senkrechte Mauerfugen deuten die alten romanischen Fenster an, die erst in der Barockzeit, nach 1600, durch die heutigen ersetzt wurden.
Die Bausteine zum Mauerwerk sind zusammengelesen, man hat Steine bis herab zur Faustgröße aus der nächsten Umgebung genommen. Sprengpulver gab es damals noch nicht, und Sleinbrüche kaum. Es finden sich im Gemäuer zahlreiche Braun-eisensteinbrocken, im Volksmund „Feuerklumpen" genannt, wie sie aufm Loh und vorne im Seelheimer Walde umherliegen. Die Frage, ob die romanische Kirche noch außer der Holzkirche eine steinerne Vorgängerin gehabt hat, oder ob die alten Baureste, die wir im Gemäuer finden von der Holzkirche selbst stammen, muß unentschieden bleiben. Drei Steine geben uns zu denken. An der Ostseite des Turmes ist ein abgebrochener Stein eingemauert, der einen Sechstern und zwei runde Näpfchen zeigt, Ein anderer, wiederverwandter Stein sitzt in der östlichen Hälfte der Nordwand, 4,75 m hoch mit einem Durchmesser von 30 cm. Er ist anscheinend ein Bruchstück einer Rundsäule, das von einem älteren Bau herrührt. An der Südwand des Turmes steckt im Sockel ein Stein mit Schleif- oder Wetzrillen, wie man sie an vielen alten Kirchen an den Türpfosten finden (Michelbach), Diese laufen immer senkrecht, während sie in diesem Stein wagerecht verlaufen, was ebenfalls die Herkunft von altem Bau und Wiederverwendung bestätigt. Ob dieser alte Bau nun am Ort stand, oder ob die Steine von sonstwo herbeigeholt wurden, wer will das entscheiden? Zu den Wetzrillen ist zu sagen, daß ihnen ein kultischer oder abergläubischer Brauch zugrunde liegt. Waffen hat man wohl daran reiben, aber kaum schleifen können, Aus Thüringen ist bekannt, daß hoffende Mütter mit Geldstücken Sand abschabten, dem sie gedeihliche Wirkung auf das werdende Leben zuschrieben. Die Sage weiß diese Rillen viel netter zu deuten: Der Teufel hat hier in ohnmächtiger Wut über den heiligen Bau die Krallen gewetzt.
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nur ein Stein
Unbeachtet sitzt er mehrere Meter hoch in der Ostwand des Turmes, ohne jede Beziehung zu einem Fenster, einem Sims oder einer Schießscharte, Rest eines älteren Bauwerkes. Sowohl der Sechsstcrn als auch die Näpfchen haben eine lange und dunkle Geschichte. Daß beide, aus heidnischer Vorzeit stammend, kultischen oder magischen Sinn haben, kann man annehmen. „Schalensteine" finden sich seit der
Altsteinzeit, 40 000 und mehr Jahre zurück. Eine Grabplatte auf der Dordogne über einem Neandertalerskelett, der Schalenstein bei Beidorf, Holstein, jener bei Bunsch in Süderditmarschen, der größte bekannte, skandinavische, Felsbilder der Bronzezeit, alle tragen diese Näpfchen, die Bibby „Tassenmarken" nennt. Selbst wenn es natürliche Bildungen des Sandsteins wären, wäre damit nichts erklärt, Warum hat man dann gerade einen Stein mit Näpfchen gewählt, um neben diesen den Sechsstern einzumeißeln? Wahrscheinlich waren auf der ändern, abgebrochenen Seite auch noch solche „Tassenmarken". Der „Milchschüsselstein" bei Moischt, am Ostrande des Stempels, ein unregelmäßiger Sandsteinblock, etwa 1,70 m mal 0,95 m, hat 8 größere, tiefe und 5 kleinere flache Schalen von ca. 20 cm 0. Mag er auch natürlicher geologischer Herkunft sein, seltsam ist doch der Brauch der Beerensammlerinnen, bei der Heimkehr eine Handvoll ihrer Ernte hier zu „opfern". Der Sechsstern ist ein altes Symbol, das bis in unsere Tage als Ornament in und auf Fachwerk, auf Namensteinen (Kurts Namenstein von 1850!) an Möbeln, im Kratzputz erscheint, Wir finden ihn schon in altkretischer Bilderschrift, im sechsspeichigen Streitwagen der Assyrerkönige, um 550 auf byzantinischen Schilden, in der merovingischen Kunst auf der Grabplatte des Bischofs Boethius (604), auf einer westgotischen Schwertplatte aus Gibel, auf römischen Gemälden der Katakombenzeit, auf Sarkophagen, als sechsstrahligen Stern der Drei Weisen, und schließlich, christlich umgedeutet als „Monogramm Christi", die beiden griechischen Buchstaben X (Chi) und P (Rho), CHR, gleich Christus. Unzähligemale finden wir in Rom dieses Monogramm, Maria als „Orante" (Betende) mit diesem Zeichen, in der Domitilla-Katakombe, auf einer alten Statue Petri, und im Namenszug Leos III. um 800. Ja, es soll sich schon im Feldzeichen Konstantins befunden haben, als er nach der Schlacht an der Mil-vischen Brücke dem Christentum die Freiheit gab. Bei den fränkischen Reitern (Reiterstein von Hornhausen um 600 n. Chr.) finden wir Rundschilde mit sechs aufgelegten Speichen und solche Schildverzierungen sind Vorläufer der Wappen. Wenn nun die Fortsetzung der Kulturen gesetzmäßig verläuft, d. h. daß die Kultur sich fortsetzt, auch wenn Völker vorschwinden, Menschen sterben, Stämme auswandern, Siedlungen zerfallen, Städte zerstört werden und Sprachen sich ändern, sollten wir danri nicht das Wappen eines Kirchenfürsten, des Erzbischofs von Mainz, der doch engste Beziehungen zu Rom und zu den Franken hatte, nicht am einfachsten vom Sechsstern oder dem Christusmonogramm herleiten dürfen? Das erste Mainzer Stadtwappen (auch das von Carrara) war oin Warengestell mit zwi'i Rädern. Wir brauchen also das Mainzer Wappen nicht mit verzwickter Gelahrtheit aus dem Namen Aschaffenburg-Askenburg, Achsenburg, herzuleiten. Wenn der Schöpfer des Wappens dieses als Achse „redend" machen wollte, dann hätte er dazu wohl einen klareren Weg gefunden, als auf einem kaum zu deutenden Umweg durch ein Rad eine Achse darzustellen. Hierzu sei noch bemerkt, daß „Bruder Klaus", der Heilige der Schweiz, mit der Zeichnung eines Sechsspeichen-Rades sinnbildlich die Dreifaltigkeit zu erklären versuchte. Das Mainzer Rad als Wappen kommt zuerst um 1230 vor, ist also jünger als unser alter Stein im Turm.
Der betende Mann
Obschon er nicht unmittelbar zu der Geschichte der Kirche gehört, ist er doch ein altes Symbol, wie der Sechsstern und die Opferschalen. Die Figur aus dicken Eichenbohlen, 13 cm, ist 1,93 m hoch und wurde 1827 vom Zimmermeister Johannes Schneider aus Anzefahr an Schülers (No. 14) Scheune angebracht. Freilich hat er eben so wenig um den Sinn dieser Gestalt gewußt, wie der Steinmetz, der den Stein meißelte, wie der Weißbinder, der uralte Sinnbilder in den Kratzputz malt, wie der Schreiner, der im 18. Jahrhunderte unsere wundervollen, leider verschwundenen Bauernmöbel mit alten Zierden schmücke, wie die Malerin, die ähnliche mit kunstvoller Hand auf die bunten Ostereier bringt. Ihnen allen ist es nur darum zu tun, uraltes Formengut, das sie ererbt haben, zu verwenden und weiterzugeben.
Eine tönerne Votivfigur aus Kreta um 1200 v. Chr. hat schon die gleiche betende Armhaltung wie die zahllosen „Oranten" (Betende) in den Katakomben. Eine bei Possendorf, Kr. Weimar, gefundene, holzgeschnitzte Figur, die über 1800 Jahre alt ist, hat man als Kultbild erkannt, denn auch sie hat die betende Haltung der erhobenen Arme. Maria, die Jungfrau, wird um 350 in Rom und Griechenland so dargestellt. Die Heiligen der Priscilla- und Kallistuskatakomben, schon vor dem Jahre 200, werden vom christlichen Künstler, der den alten Formen heidnischer Kultur neuen Geist verlieh, in jener betenden Haltung dargestellt, wie sie heute noch der Priester bei den Gebeten der hl. Messe einnimmt. Auch der sprichwörtliche „Herrgott von Bent-heim", ein Kreuz aus der Zeit um 1000, trägt einen schwebenden Christus mit winklig erhobenen Händen. — Der „Long man of Wilmington", England, den man wohl daneben stellt, hat eine ganz andere Arm- und Körperhaltung, er marschiert, seitlich gesehen, mit langem Stabe dahin, eine Riesenfigur, in weißem Kalkstein an einem Hügelzuge ausgelegt. — Der Sinn des Bauerbacher „Balkenträgers" ist damit klar, er soll in betender Haltung den Stall und das Vieh schützen, über der Stalltür ist er angebracht. Denselben Sinn haben die vielen „Hexenkreuze", die über und unter Fenstern und Luken zu sehen sind: Abwehr des Bösen, das Seuchen und Tod bringt. Diesen Sinn hat allerdings unser Zimmer-inann nicht mehr gewußt, denn er gab dem Mann einen „Kitzel" (gepolsterten Tragekringel) auf den Kopf, auf dem er das Gebälk trägt, während die erhobenen Hände nachhelfen, die Last zu tragen. Die Familie Biekcr-Schülers kennt den Namen Balkonträger nicht, den eine falsche (1) Deutung erfunden hat. An einem Niederkleiner Hause wurde 1955 bei einem Umbau eine ganz ähnliche Figur durch Unkenntnis zersägt und verstümmelt. Bei diesem Manne ist das Kopfpolster an den Enden spiralig eingerollt und die Arme sind soweit eingewinkelt, daß sie das Polster halten. Auch hier hat man die Gebetshaltung nicht erkannt. — Das „Radmännchen" im Neujahrsgebäck von Grebenhain, Vogelsberg trägt ebenfalls die Hände betend erhoben. Immer wieder finden wir altes Kultur- und Formengut durch Jahrtausende bewahrt, doch der Sinn ging verloren.
Ergänzung
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Unserem "betenden Mann" erging es nicht besser als dem Mainzer Rad und dem Schalenstein; auch er wurde zum Tode verurteilt. Obschon seine historische Existenz als "Orante" seit über 3200 Jahren bezeugt ist, obschon wir hunderte von Beispielen haben, christliche und nichtchristliche. Zu den auf Seite 94 angegebenen Beispielen noch einige: Am Südwesthange des Ulfenbachtales, 2 km nordwestlich von Hirschhorn , trägt ein Sandsteinfelsen ein eingemeißeltes Bildwerk: einen Mann mit angewinkelten Armen, vermutlich ein germanisches oder keltisches Götterbild in langem, weiten Gewände, - Im Museum Väterkunde, Bremen, ist aus dem Jahre 600 eine Gürtelschnalle aus Vendeuil/Aisne mit zwei "Oranten", mit betend erhobenen Händen und angewinkelten Armen. Wer soll denn in all diesen Fällen abgestürzt sein, wie Lesch angibt? Etwa das Radmännchen auf dem Vogelsberger Neujahrsgebäck? Oder die beiden auf der französischen Gürtelschnalle?
Die Wehrkirche
In oder kurz nach der Zeit, als die Bewohner aus dem Talgrunde auf den Hügel, den Bühl übersiedelten, ist der Wehrturm erbaut worden. Der Wandel der Zeit, Ritterturm und Fehden, hatten ihn notwendig gemacht, so notwendig, wie die Umsiedlung der Leute auf dem wehrhaften Hügel. Die alten Türen an der Traufseite wurde vermauert und an der Westseite die schon genannte spitzbogige Tür eingebrochen. Der Kirchhof erhielt eine Wehrmauer mit Schießscharten, die noch 1870 erwähnt werden, wennschon alles recht baufällig und in Zerfall begriffen war, dem die Bewohner kräftig nachhalfen, wie Pfarrer Ferrari 1835 bezeugt. Die Leute brachen die Mauer einfach ab und nahmen die Steine zu Neubauten. Die Wehrkirchhöfe waren bei der damals hohen Sterblichkeit viel zu klein. Eine Grabstelle mußte meistens nach 20 Jahren oder noch eher neu belegt werden. Die Gebeine der alten Bestattung kamen dann in ein „Beinhaus". Zugleich mit dem Bau des Wehrturmes, wohl nach 1250, wurde das alte Langhaus der Kirche erhöht, was der Absatz im Mauerwerk zeigt. Das Traufgesims unter dem Dachvorsprung ist dasselbe wie das um den Turm laufende Gesimse, ist also gleichen Alters. Die vier vorstehenden Ecktürmchen, die dem Turme seine besondere Note verleihen, dienten der Wehr, von ihnen aus ließ sich der Turm von oben her gut verteidigen. Daß der Turm jünger ist als das Kirchenschiff, sehen wir auch an den „Zanglöchern", mit denen man die Steine zur Höhe aufwand. Die spätgotische Kugelkirche hat die Zanglöcher, die frühgotische Elisabethkirche hat sie noch nicht. An den Steinen unseres Langhauses sind ebenfalls keine zu sehen. Das Mauerwerk des Turmes ist auch nicht mit dem des Langhauses verbunden, sondern diesem nur vorgesetzt. An der Außenseite des Turmes sieht man über dem Sockel noch die „Piscine", den Ausguß. An der Innenseite kann man durch Beklopfen noch die Stelle bestimmen, wo das Ausgußbecken saß. Ein Rest der alten Priesterpforte ist neben dem Sakristeianbau noch sichtbar. Wie das Ginseldorfer Bild vom Barockaltar zeigt, wird dort wie hier die Sakristei hinter dem Altar gelegen haben. Der gotische Taufstein hat lange auf dem alten Kirchhof gestanden, wo man ihn Winters als Pflanzbecken für Petersilie mißbrauchte. Beim Umbau der Kirche 1920/21 hat man ihn aus Unverstand zerschlagen und vermauert. Der jetzige marmorne Tauf stein ist, wie auch die reich ornamentierte Strahlenmonstranz, aus der Zeit nach 1700. Das Sakramenthäuschen mit seiner Zinnenbekrö-nun — schade, daß es heute nicht mehr seinem Zwecke dienen darf — ist gleichen Stils und somit aus der gleichen Zeit wie jenes in der Kirche auf dem Christenberge, nämlich spätgotisch, Im Chorturm sind die gotischen Fenster erhalten geblieben. Die bunte, mittelalterliche Verglasung wurde zwar 1950 entfernt, blieb aber erhalten. Der Altartisch ist auch noch ganz der alte. Die lutherische Zeit ließ ihn unberührt. Welche Reliquien der Reliquienstein enthält, weiß man nicht. Wie uns das Lüneburger Rituale lehrt, blieben in jener Zeit nicht nur der alte Ritus, das Kirchenlatein und die meisten Heiligenfeste bestehen, man ließ auch das Innere der Kirchen unangetastet. Der katholische Charakter blieb noch lange gewahrt, nicht nur in Bauerbach. Erst nach 1600, oft noch 100 Jahre später, baute man die Kirchen zur protestantischen Predigtkirche um.
Nach der Rückkehr zum alten Glauben 1608 kam eine gründliche Erneuerung des Innern. Bauerbach hatte nicht wie Ginseldorf, das Glück, daß „der alte Bickell" ein Lichtbild des schönen Barockaltars hinterließ, von dem aber die Alten unter uns (Josef Böttner, Backhäusers und Katharina Kraus, Nahrgangs) noch zu berichten wissen. Das große Altarbild zeigte den Tod des hl. Bonifatius (754), wie er mit erhobenem Evangelienbuche von einem Friesen den tödlichen Dolchstoß erhält. Das Bild im Medaillon ist nicht mehr bekannt. Die beiden großen Figuren seitlich waren auf der Evangelienseite (links) Margaretha mit dem Drachen an der Kette, wie auch der Kirchenpatron St. Cyriacus dargestellt wird, daß man eher diesen vermuten sollte. Es war aber, des sind sich die Zeugen sicher, eine Jungfrau mit Krone. Margaretha war eine frühe Heilige der morgenländischen Kirche. Sie zählte zu den vierzehn Nothelfern, wie auch Cyriacus, und wurde von den Bauern als Patronin angerufen. Demnach war von dem frühchristlichen Cyriacuskult wenig übrig geblieben. Rechts, auf der Epistelseite stand Petrus mit den Schlüsseln des Himmelreiches, die ihn heute, völlig falsch verstanden, zum sogen. „Wettergott" machen. Die Überlieferung, daß der Altar von Amöneburg stamme, dürfte kaum stichhaltig sein. Wohl war es Zeitsitte, daß reichere Kirchen, wenn sie Neuanschaffungen machten, ihre alten „unmodernen" Bildwerke an andere Kirchen verschenkten. Selbst das wohl-bende Dorf Mardorf nahm 1675 von Amöneburg die schöne Pieta (um 1400). Von den Amöneburger Altären, im Laufe der Jahrhunderte hatte die Kirche deren viele, sind zwölf bekannt. Sieben derselben, darunter der des hl. Bonifatius, waren noch 1666 vorhanden. Der Bonifatiusaltar erhielt noch 1736 neues Bildwerk. Er kann also nicht nach Bauerbach gekommen sein. Unser Altar reichte in seiner stattlichen Größe bis ans Gewölbe. Das mittlere Chorfenster war nicht sichtbar.
Die Kirchenrechnungen berichten uns, daß zwischen 1689 und 1693 eine neue Kanzel angefertigt und eine „gluft", die Orgelbühne, gezimmert wurde. In dieser Zeit müssen auch die Fenster des Langhauses barock umgebaut worden sein. Die Jesuiten, die als Gegenreformatoren den Geist der Erneuerung im Sinne des Triden-tinums in jedes Dorf trugen, waren 1684 unter Pfarrer Kaul zur Volksmission auch in Bauerbach und Ginseldorf. Sie fanden, schon vor den obigen Erneuerungen, die Kirche in gutem baulichen Zustande, wie sie in ihrem Bericht melden. Trotzdem hat die eifrige Gemeinde noch ein übriges getan. Die Kirche bekam 1693 ein hölzernes Gewölbe und der Turm wurde neu gedeckt. Das erforderte von dem durch den Krieg heruntergekommenen Dörfchen, das 1659 nur 10 Familien zählte, das völlig verarmt war, seine Höfe neu bauen mußte, die schwere „Kontribution" zu zahlen, seine Felder neu zu roden hatte, schwerste Opfer an Arbeit und Geld.
Nach 1800 muß das alte Mauerwerk der Westseite Risse bekommen haben. Man baute 1814 die dicken Strebepfeiler an, die mit entsprechender Inschrift versehen wurden. Die fensterartigen, spitzbogigen Öffnungen hat man damals vermauert. Ob es früher kleine romanische Fenster waren? Dem renovierwütigen vorigen Jahrhundert ist auch die schöne barocke Kanzel zum Opfer gefallen und hinterblieben ist nur das heutige, stillose Ding. Pfarrer Cl. Kramm, den nach nur dreijähriger Amtszeit ein früher Tod mit 48 Jahren abberief, beschaffte den neuen Altar. Es ist die Schuld der damaligen Kunstrichtung, daß man für den alten Barockaltar nichts Besseres schuf. Trümmer der schönen Barockaltäre haben in beiden Kirchen noch lange auf dem Kirchenboden gelegen. Pfarrer Fr. Raabe hatte zwei der Figuren im Pfarrgarten stehen. Der Chorboden im Turminneren muß nach 1760 erhöht worden sein. Als man ihn 19:38 neu mit Fliesen belegte, fand man in fast einem Meter Tiefe die Grabplatten des Ordensrentmeisters K. Forscht und seiner Ehefrau, von 1755 und 1760. Pfarrer Kramm hatte schon um 1890 den Plan eines Kirchenneubaues, der dann dreißig Jahre später, in einen Anbau abgeändert, ausgeführt wurde. Doch konnte sein Nachfolger wenigstens die Sakristei anbauen und 1897 eine neue Orgel anschaffen.
Der erste große Weltenbrand war erloschen. Im Winter 1919/20 wurden die stattlichen Eichen des Wäldchens in der Wann gefällt und für 209 000 Mark verkauft. Noch war die Geldentwertung erst im Anlaufen und niemand ahnte, welche Ausmaße sie drei Jahre später annehmen würde, Fulda wünschte einen völligen Neubau der Kirche, die Gemeinde traute sich diese Leistung in solch schwerer Zeit nicht zu. Besonders Domkapitular Josef Herbener (1848—1926) aus Kissels trat für einen Neubau ein. Jedoch wurde ein Anbau beschlossen. Der Entwurf davon wurde dem Architekten Marschall, Göllheim bei Ludwigshafen, übertragen. Als Bischof Damian Schmitt im Juni 1920 auf seiner Firmreise hier gewesen war, begann man mit der Ausschachtung. Maurermeister war Friedr. Schmitt, Schröck, Dachdecker Jos. Müller, Kirchhain, Zimmermeister Johs. Nau, Großseelheim. Die Fuhren für Baustoffe leisteten die Gespannbesitzer kostenlos. Pfr. von Moll, ein Mardorfer Bauernsohn, spannte oft genug selbst Pferde ein und holte Bausteine aus dem Bruch. Die Firma Schulz Söhne, Marburg, lieferte die Fenster. Da das alte Gewölbe zu niedrig und flach war, mußte dieses erneut werden. Josef Post, Salzschlirf, machte ein leichtes „Rabitz"-Gewölbe. Zu der Weihe im November 1921 war Dechant Dr. Weber, Marburg, hier und Dechant Braun aus Kurts hielt die Festpredigt. — Zwei Jahre später hätte man für 209000 Mark kein Brot mehr kaufen können, und die 1924 anschließende Geldknappheit mit Zinsen bis zu 25%> hätte den Neubau vollends unmöglich gemacht. An jüngeren Bauten und Anlagen haben wir 1924 Anlage des elektrischen Lichtes, 1938 Belegung des Chores mit neuen Fliesen, 1950 Erneuerung des Inneren durch Firma Pfister, Fulda, und zuletzt, Dezember 1959, die elektrische Kirchenheizung durch eine Firma aus Kisslegg/Allgäu. Kosten: 9600 Mark, sowie den Bau der Leichenhalle.
Die Glocken
Die alte Kirche hatte zwei Glocken. 1879 wurden von der Firma Ullrich in Apolda drei neue gegossen. Da Glocken mehrere hundert Jahre alt werden, kann man annehmen, daß die beiden alten Glocken mindestens nach dem 30jährigen Kriege gegossen wurden. In diesem Kriege raubten die Landsknechte Glocken, um Kanonen daraus zu gießen. Auch das Geläut beider Kirchen von 1879 fiel 1917 dem Kriege zum Opfer. Im Juni wurden die beiden kleinen Glocken abgeliefert, nachdem sie nur 38 Jahre geläutet hatten. Die neuen Glocken wurden erst 1927 von der Glockengießerei in Brilon gegossen. Ihnen war nur ein Leben von 14 Jahren beschieden, denn 1941 holte sie Hitlers Krieg vom Turme. Diesesmal begnügte man sich nicht mit den beiden kleinsten, sondern nahm die beiden größten. Erst 12 Jahre später war das Geläut wieder vollzählig. 1952 wurde die mittlere Glocke, 11,5 Ztr. schwer, zu 4200 Mark und 1953 die große, 20,7 Ztr. gegossen. (Firma: Petit & Edel-brock, Gescher/Westf.) Geweiht wurden die drei der Hl. Dreifaltigkeit, dem Patron Cyriacus und die kleinste Marien. Die Ginseldorfer Kirche erhielt 1923 ebenfalls zwei neue Glocken, 12 und 9 Ztr. schwer. Ein trübes Kapitel von dem großen Vernichter Krieg, der auch vor Heiligen nicht halt macht, war damit beendet.
Die Kirche zu Ginsoldorf
Die Kirche zu Ginseldorf
Hierzu Abb. 8, 9, 10.
Länger als sie nun die Tochterkirche von Bauerbach ist. war sie selbständig. Für das höhere Alter der Bauerbacher Kirche spricht der Patron Cyriacus, für eine spätere Gründung in Ginseldorf deren ursprünglicher Patron Johannes, Evangelist. Beide Dörfer hatten verschiedene Grund- und Patronatsherren und können keine einheitliche Pfarrei gewesen sein. Wir hörten bereits, daß in Ginseldorf der Deutsche Orden und in Bauerbach der Erzbischof und dann der Landgraf den Kirchenpatronat hatte. Wie es allerdings vordem, d. h. vor 1250 war? Sicherlich hat Amöneburg die umliegenden Orte betreut.
In der Reformationszeit gehen beide Orte ganz getrennte Wege, die einen gemeinsamen Pfarrer unmöglich machten. Ginseldorf hatte noch lange einen katholischen Priestet, als Bauerbach schon längst seinen protestantischen Prediger hatte. Auch die Größe des Dorfes läßt keinen Schluß zu, daß Ginseldorf hinter Bauerbach zurückgestanden hätte. Bis zum 30jährigen Kriege scheinen beide gleich groß gewesen zu sein. Um 1580 war das sicher der Fall. Nach dem Kriege war Ginseldorf größer und ist es bis um 1830 geblieben. Nach 1880 und mehr noch nach 1900 hat Bauerbach seine Nachbarin überrundet. Seit 1608 sind beide in einer Pfarrei vereinigt. Zwischen 1300 und 1400 können wir mehrfach einen Ginseldorfer Pfarrer urkundlich nachweisen und natürlich ist auch schon eine Kirche dagewesen, wenngleich erst eine nach 1400 bezeugt ist. An Priesterberufen muß damals kein Mangel gewesen sein, wenn Dörfchen mit durchschnittlich 200—300 Bewohnern, manche hatten noch weniger, ihren eigenen Geistlichen hatten. Die Zahl der Priester wird das 4—5fache der heutigen gewesen sein.
Das von der alten Kirche gebliebene Chor datieren Kunsthistoriker auf die Zeit um 1450. Das Gerähm der Sakristeitür ist aus derselben Zeit. Das Gurtornament ist das gleiche wie am Dernbacher Hof in Marburg (Barfüßertor). Die alte Kirche hatte spitzbogige, gotische Fenster, Der Turm ist barock und stammt demnach aus der Zeit der Rückkehr zur alten Kirche. Zwar wird nach 1492 kein Pfarrer mehr in Ginseldorf genannt, doch hielt während der Glaubensspaltung der Deutsche Orden seine Hand über den Glauben und als doch ein lutherischer Prediger Einlaß gefunden hatte, verlangte der Deutschmeister Maximilian v, Österreich 1589 den Rücktritt. Ludwig Bickell, geboren und gestorben zu Marburg (1838—1901) verdanken wir die Bilder von der alten Kirche und dem schönen Barockaltar. Bickell wohnte in der Kugelgasse oberhalb der Kirche und war Kunstkenner und Sammler, ein vielseitiger Meister.
Die Verwechslung der Kirchenpatrone hat eine Parallele in Ulmbach, Kreis Schlüchtern. Dort war St. Cyriacus Kirchenpatron. Man feierte aber die Kirmes, wie auch in Bauerbach, am Sonntag nach Maria Himmelfahrt. Das veranlaßte im Jahre 1763 die Visitatoren, „Maria Assumpta" als Titel der Kirche einzutragen und seitdem ist Maria die Kirchenpatronin, In Ginseldorf hat man bestimmt die Kirmes nicht nach dem Feste des Evangelisten Johannes (27. Dez.) gefeiert, mitten im Winter, wobei man auch noch in Kollision mit den „Lostagen" und Neujahr gekommen wäre. Man hat die Kirmes in den Sommer verlegt und als dann der Altar noch die Bilder des Täufers Johannes erhielt, war der Wechsel perfekt. (1)Die Kirchen des Täufers Johannes, meistens alte Taufkirchen wie auf der Amöneburg, sind wie die Peters-, Michaels-, Martins- und Cyriacuskirchen alte Gründungen. Das sind die Kirchen des Evangelisten nicht. Den „Umtausch" der beiden Johanni bescheinigt uns die Kirche selbst. Das erhaltene Chor hat auch ein Bildnis des Kirchenpatrons gerettet. Neben dem Altar,, an der Chorwand ist eine gute Skulptur des Evangelisten Johannes, wie er am Schreibpult sitzt, den Kopf, wie um die Inspiration des Geistes zu empfangen, gen Himmel gewandt. „Audivi vocem de caelo" Apoc, 14. 13. So denkt man sich Johannes auf Patmos, die Geheime Offenbarung schreibend. So stellt man niemals den Täufer dar. Das Bildwerk, Teil einer größeren Komposition, datiert man auf die Zeit um 1430. Johannes, als Patron wird schon 1333 genannt, doch ohne Beinamen. Nach der Rückkehr der Pfarrei stellt nun der Maler, wer weiß auf wessen Bestellung hin, zwei Bilder Johanni des Täufers in den Mittelpunkt des Altars. Das Hauptbild zeigt die Taufe Jesu durch Johannes, das Medaillon die Enthauptung Johanni auf Befehl des Königs Herodes.
Um dieselbe Zeit, als der neue Altar geschaffen wurde, finden wir auch den „neuen" Kirchenpatron, Johannes den Täufer, urkundlich im Jahre 1627 bezeugt. Gleichzeitig wird auch Cyriacus als Bauerbacher Patron genannt, der es sicherlich schon 500—600 Jahre lang war. Unsere Zeit kann dem Wechsel nur noch historische Bedeutung beimessen, denn 300 Jahre sind immerhin eine nicht mehr junge Tradition, Zu bedauern ist nur, wie auch bei der Bauerbacher Kirche der Untergang des stilechten Barockaltars, Rechts und links des Ginseldorfer Altars standen Petrus, dem im Laufe der Zeit, bis Bickell das Bild nahm, die Schlüssel abhanden gekommen sind und Paulus mit dem Schwert. Die beiden schwebenden Engel hat sich vor einigen Jahren ein Kunstkenner und -freund angeeignet und damit vor dem Holzwurm gerettet.
Pfarrer Ferrari hat uns um 1840 noch einiges aus der Baugeschichte der Kirche überliefert, über dem Westportal war die Jahreszahl „1708" eingemeißelt. Er nimmt an, daß damals der Westgiebel erneuert sei. Vielleicht ist aber damals erst das Westportal gebrochen worden und hatte die Kirche bis dahin, wie so viele alte Dorfkirchen, nur einen Seiteneingang an der Traufseite. Bis 1792 hat die Kirche eine flache Decke gehabt, die durch eine gewölbte Holzdecke ersetzt wurde. Zu Ferraris Zeit stand noch über dem Chorbogen „Devotus renovat pagus ex ecclesiam".(2) 1833 bekam die Kirche eine Orgel, „ein erbärmlich Werk, das die Gemeinde einem unerfahrenen Orgelflicker, Dickel aus Treisbach, abgekauft hatte". Die Orgel war aus Amönau und verengte die Bühne so, daß diese 1830 erweitert werden mußte. Die Kirche war damals schon, mit Ausnahme des Turmes, baufällig, so daß Ferrari an einen Neubau dachte. Er ahnte nicht, daß darüber noch mehr als ein halbes Jahrhundert vergehen sollte. 1898 wurde der Neubau ausgeführt. Wie 1920 in Bauerbach, so hat auch hier der Architekt nichts Besseres zu schaffen gewußt, als eine neugotische Imitation.
Ergänzung
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Die Kirchen, Johannes/Täufer (Baptista) geweiht, sind alt die Johannes/Evangelist) geweihten jünger. Die Kugelkirche in Marburg, dem Evangelist geweiht, ist 1477 erbaut.
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Über den Orgelbauer Dickel brachte D. Großmann einen Beitrag in der Geschichtsbeilage "Hessenland" der Oberhess. Presse im August 1974 (22.Jahrg. Folge 7). So baute Dickel 1830 die Orgel der Wehrdaer Kirche für 465 Thaler (O.Immel, Wehrda, 1974, S. 164).
Kirchenpatron und Patrozinium
Bauerbach
In den ersten drei christlichen Jahrhunderten waren nur Märtyrer Schutzheilige jener Kirchen, die über oder an ihrem Grabe errichtet waren, wobei es sich meistens um Grabkapellen in den Katakomben handelte. Mit den Franken kam die Verehrung des großen fränkischen Heiligen, St. Martin. In Frankreich gibt es über 400 Orte, die den Namen dieses Heiligen tragen. Bei den Martinskirchen dürfen wir als mögliche Gründer die Iro-Schotten annehmen. Frühe Martinskirchen haben wir in Kesterburg (Christenberg), Michelbach, Oberweimar und Oberofleiden. Mit Boni--fatius beginnt die Gründung von Michaelskirchen wie in Amöneburg, Schröck, Erfurtshausen und Anzefahr, Von unserm Bauerbacher Kirchenpatron ist nicht viel mehr als der Name bekannt, der schon 354 erwähnt wird. Sein Grab mit fünf seiner Gefährten befand sich an der Ostischen Straße (Via ostiensis) bei Rom. (1)Cyriacus gehörte zu der Märtyrergruppe Laurentius, Sixtus, Calixtus, Clemens. Zwei seiner Gefährten, Largus und Smaragdus, werden erst nach 1200 in den Missalen (Meßbüchern) genannt. Die vier erstgenannten wurden alle im deutschen Räume verehrt. Als im Jahre 595 eine Synode stattfand, war die Verehrung des hl. Cyriacus schon bekannt und verbreitet. 625 errichtete Papst Honorius eine kleine Kirche bei einem kleinen Friedhof, der, 1607 erwähnt, im Jahre 1915 ausgegraben wurde und wo man die ursprüngliche Grabstätte des Heiligen vermutet. Sein Fest feiern wir am 8. August, Messe: In virtute tua Domine (Ps. 20). Um 900 sind die Reliquien m die Stadt Rom gekommen. Schon vorher, 874 waren solche in Neuhausen bei Worms und nach 900 kam ein Armreliquiar durch Otto d. Großen nach Bamberg, Von einem dieser Zentren der Cyriacusverehrung ist dann der Kult des Heiligen hierher gekommen, wahrscheinlich von Worms her.
Da bei Bamberg auch die Vierzehn Nothelfer viel verehrt wurden (hier die bekannte Barockkirche Vierzehnheiligen!), zählt man Cyriacus den Nothelfern bei. Er wird angerufen gegen böse Geister und bei Versuchungen. Die Legende erzählt von ihm, er habe Arthemia, die Tochter des Kaiser Diokletian geheilt. Bei seiner Enthauptung sei statt Blut Milch geflossen. Cyriacus war um 308 ein Opfer der Verfolgung unter Kaiser Maximianus, Die kirchliche Kunst hat ihm viel dargestellt (Tilman Riemenschneider). Er trägt das Gewand des Diakons und hat einen Dämon an der Kette. So sehen wir ihn z. B. auf dem Seitenaltar der Kirche zu Mardorf. Meister Grünewald (gest. 1529) hat St. Cyriacus auf dem Flügelaltar der Dominikanerkirche in Frankfurt gemalt, wie er ein kniendes Mädchen vom höllischen Dämon befreit. Das Bild ist jetzt im „Stadel" zu Frankfurt. Die kunstgeschichtlich bedeutenden Fresken im Altarraum des Mardorfer Wehrturms (um 1270) zeigen auf dem Fresko der Kreuzigung St. Cyriacus im diakonalen Gewände. („Rund um Wall und Wehrturm" Seite 105 und Abb. 10). Außer bei Worms und Bamberg waren Kultzentren in Altdorf im Elsaß, im Cyriacuskloster Germerode (Eschwege) und in der Pfalz, wo er der Patron des guten Weines ist. An die mittelalterliche Cyriacusverehrung erinnert uns im Fränkischen Museum die Cyriacusfahne von 1266, die die Münchener Fahnenkartei als die älteste Feldstandarte Deutschlands anerkennt. Sie ist nach dem Würzburger Schutzheiligen benannt und wurde in dem blutigen Treffen auf den Mainauen bei Kitzingen am 8. August (dem Festtage des hl. Cyriacus) 1266 auf der Karrasche, dem vierrädrigen Fahnenwagen, mitgeführt. Diese größte Reiterschlacht des Mittelalters schlugen 3000 Reiter zur mitternächtlichen Stunde um die Vorherrschaft zwischen den Grafen Konrad v. Trimberg und Berthold v. Henneberg. Henneberg verlor mit einem Verlust von 700 Mann. Ein späterer Berthold v. Henneberg war von 1484—1504 Erzbischof von Mainz. Zum Dank für den Sieg haben die Würzburger noch bis in unsere Zeit alljährlich am Cyriacusfeste dreimal das Cyriacusglöcklein der Marienkapelle geläutet. Die Stiftskirche der Benediktinerinnen zu Sulzberg/Schwarzwald, die um das Jahr 1000 erbaut wurde und als eine der ältesten Kirchen Europas gilt, ist eine Cyriacuskirche.
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Weitere Kirchenpatrone der Umgegend: |
1259 Michael in Anzefahr |
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1025 Alban in Großseelheim |
1261 Stephanus in Schweinsberg |
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1226 Michael in Schröck |
1388 Nikolaus in Himmelsberg |
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1238 Johannes der Täufer, Amöneburg |
1482 Maria in Stausebach v |
Cyriacus ist (oder war) Patron in Mardorf, Niederaula, Ulmbach (bis 1763), Kassel-Altstadt, Grifte und wahrscheinlich in Hatzfeld, im Stift zu Eschwege, Cy-riacusberg genannt, und in der Benediktinerpropstei Naumburg. Cyriaxweimar (früher Martinsweimar) ist nach unserem Patron benannt. Ebenso 1435 das Deutsch-Ordenshaus Sente Ciriacus bei Wetzlar. Der Name kommt hier in unserer Gegend nicht nur als Taufname, sondern auch als Schreibname vor. (1) Der Cyriaxhof bei Cappel ist 1880 nach dem Erbauer so genannt. Als Taufname finden wir Cyriacus erst spät, zwischen 1532 und 1637 mehrfach auf Amöneburg, 1656 in Stausebach und 1657 bei einem Ordensbcamten Fraus
Ergänzung
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Eine Cyriacuskapelle wurde noch 1356 in Rödelheim bei Frankfurt gebaut, desgl. in Geseke/Westf. (siehe Anm. 12 und S. 100).
Kirchenpatrone und ihre Zeit:
Martin bei fränkischen Königshöfen um 500 - 700
Michael und Johannes bei den Benediktinern (Bonifatius) um 700 - 900
Cyriacus in der ottonischen Zeit um 900 - 1100 Maria, Schutzheilige des Deutschen Ordens um 1200 - 1400



