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Grabschrift Mertens

Postmeister, geb. 1672, gest. 1717
Nach der Sitte jener Zeit legte man durch Umstellung des Namens einen neuen Sinn in denselben. Henricus wird in Wesen und Eigenart als ein blühender Garten („rus", eigentlich das Land) von Duft erfüllt, an lieblichem Quell gelegen, gepriesen. Erzbischof und Landgraf werden ebenfalls bildhaft dargestellt, als „heiliger Purpur" und als „Löwe mit dreifacher Kralle". Als Katholik diente er dem Erzbischof, als Beamter des Ordens, der, landsässig geworden, dem Landgrafen. Das Latein ist in kunstvolle Verse gesetzt, die deutsche Übersetzung ist ebenfalls im Versmaß, frei gestaltet. (1)

Programma Henricus Anagramma En hie rus. En hoc Huxariae vidit rus unda Visurgis äst heu uno anno Lana virere videt hoc ostri sacri decor hoc leo cuspide trina stans beat et pulcher fons sine fine rigat insigni Rus flore fragrat Themis integra rara Rus pietas ornant ex celeprata fides floret ad aspersos flores sors caeca fefelli praecox est messis fata cruenta secant heu luctus spargunt octo cum coniuge proles Rus languet fallor rursus ab axe viret jacet hie fato heu nimis praematuro ereptus Nobilissimus clarissimusque Dominus Henricus Ferdinandus Mertens etc. Requiescat in pace.

Vorspruch Heinrich Nachspruch siehe dies Land. Sieh, diesen Garten von Höxter erblickte die Welle der Weser doch ach, nur ein Jahr sah ihn erblühen die Lahn Heiligen Purpurs Glanz! Der Löwe mit dreifacher Kralle steht voller Staunen, doch strömt ohne Säumen der Quell. Herrlicher Duft erfüllet den Garten. Recht liebt er vor allem. Frömmigkeit strahlt von ihm aus, ruhmvoller Glaube erglänzt. Er blüht, doch der Blumen Zier hat blindes Schicksal zertreten. Unzeitig kommet die Mahd, schneidend, ein grausam Geschick! Ach, in Trauer vergehen die Gattin, acht weinende Kinder. Welk ist der Garten! — Doch nein, droben ergrünt er aufs neu! Verfrühtem Geschicke erlegen, hier ruht: (es folgen Name, Titel, Beruf, Alter) Er ruhe in Frieden.

Die Grabstätte unserer Dorffriedhöfe wurden damals gewöhnlich in städtischen Werkstätten gefertigt. Unsere beiden Steine, dieser wie auch der des J. L. Stoss, könnten aus der Werkstatt des Bildhauers Joh. Friedrich Sommer stammen, der 1705 in Marburg eingebürgert wurde. Vermutlich ist Sommer auch der Schöpfer der hiesigen Bildstöcke.

Ergänzung

  1. Andere Ordensbeamte, außer Mertens und Stoß, waren um 1750: Ordensvogt Lachenwitz, der gegenüber dem Behringdenkmal wohnte, Balleisekretär Feder, wohl der Nachfolger von Sekretär Johannes Hauck. Sein Wohnhaus stand an der Stelle des Physiologi sehen Instituts. - Der Hospitalsverwalter hieß Schott.

Joh. Leonhard Stoss, Vorfahren und Nachkommen

Johann Leonhard Stoss Seine Vorfahren und Nachkommen

Hierzu Abb. 13

Die Forschungen über Veit Stoss und sein Geschlecht, zu dem auch Leonhard Stoss gehört, verdanken wir Dr. Adolf Jaeger. Als dieser 1939/40 Studiendirektor an der Heeresfachschule in Gießen war, besuchte er auch Bauerbach und das Grab Leonhards. Jaegers Forschungen hat Dr. Otto Puchner, Nürnberg, in dem Buch „Veit Stoss und sein Geschlecht" 1958 veröffentlicht. Diesem Werk sind die folgenden Angaben entnommen. Jaeger mußte als Hauptmann ins Feld und fand 1946 einen traurigen Tod im Gefangenenlager bei Wjasma.

1. Veit Stoss, geb. um 1438 zu Horb, Württ. Aus erster Ehe hatte er acht, aus zweiter Ehe fünf Kinder. Die zweite Frau hieß Christine Reynolt. Veit ging 1477 an die Mariengemeinde in Krakau und später zurück nach Nürnberg, wo er 1553 starb.

2. Willibald Stoss. Ältester Sohn aus zweiter Ehe. Er war sehr vielseitig, Bildschnitzer, Goldschmied, Hüttenmeister und Kaufmann. Sein Bruder, der Karmelitermönch Andreas, war ein großer Eiferer für den alten Glauben. Willibalds Sohn, Veit Stoss, der Jüngere, war Hofkanzleischreiber. Willibald starb 1573.

3. PhilippStoss. Sohn Willibalds. 1562 war er Hofkanzleischreiber und erhielt von Kaiser Rudolf eine Lebensrente von 100 Gulden. Gestorben um 1607.

4. Joh, Jakob Stoss, der Altere. Er war 1596 Beamter des Deutschen Ordens, dem die Familie dann über 200 Jahre lang treu blieb, bis der Orden 1809 aufgehoben wurde. Joh. Jakob war Kaiserlicher Notar, Vogt und Richter zu Virnberg. Starb zu Mergentheim. (1)

5. Joh. Jakob Stoss, der Jüngere. Der Vater Leonhards. War 1645 Trapponie-schreiber von Mergentheim. Der Sohn Joh. Moyses wurde Priester und Hofkaplan des Deutschen Hauses zu Nürnberg.

6. JohannLeonhardStoss, geb. 1645 als jüngster Sohn Joh. Jakobs. Er studierte 1662 zu Würzburg und heiratete 1683 Anna Katharina, verwitwete Kolb, geb. Bar aus Mergentheim. Vor den anrückenden Franzosen floh er erst nach Amorbach (Raubkriege) und wurde 1702 Trapponieverwalter in Marburg, wo er 1707 starb. Er hatte acht Kinder, wovon zwei jung starben. Die lateinischen Verse seines Grabmals hat er selbst verfaßt. Seine sechs Söhne:

a) Joh. Gottfried, geb. 1686 zu Meßbach im Odenwald, wurde Verwalter des Ordenshofes zu Friedberg. Gest. 1720.

b) KonstantinTobias, geb. zu Meßbach, wurde Nachfolger seines Vaters am Deutschen Hause zu Marburg. Starb 1757.

c) KonradNikolausAntonius, geb. 1691 zu Meßbach, studierte Theologie und starb kurz nach seinem Vater, bei dem er in Bauerbach beerdigt liegt.

d) (2) Joseph Wilhelm, geb. 1699 zu Neuenstadt. War Student zu Marburg und wurde Kaiserlicher Notar und Greiffenclauischer Amtmann bei Mergentheim. Starb mit 34 Jahren zu Mainz. Er führte das 1522 verliehene Familienwappen, das Kaiser Ferdinand I. 1562 erneuert hatte, wie es des Vaters Grabstein zeigt, e) JohannFranziskusAdolphus, geb. 1701 zu Amorbach.

7. Augustin Sebastian Stoss. Vierter Sohn Leonhards. War, wie sein Bruder, Wilhelm, Student zu Marburg. Wurde Kaiserlicher Notar am Ordens-Haupt-archiv in Mergentheim. Heiratete Maria Henrica Molitor, Tochter eines Wiener Hofrats. Starb 1758.

8. Felix Ignatius Laurentius Stoss, geb. 1720. Er war Abtei-Kellermeister des Stifts-Fronhofs Markelsheim. 6 Kinder.

9. Nikolaus Joseph Egidius Stoss. 1792 Kastenschreiber beim Ober-vogteiamt des Ordens zu Ulm. Schützte den Ordensbesitz vor Zugriff und Schätzung der Franzosen. Starb 1807.

10. Franz Joachim Stoss, (von Stoss). Der einzige Sohn des Vorigen und letzter Sproß der Sippe. Geboren 1794, wurde er nach Aufhebung des Ordens Postbeamter in Ulm und Heilbronn. Er ließ sich mit 59 Jahren pensionieren und lebte fast 30 Jahre seinen Neigungen als Kunstkenner und -sammler. Wie sein Vater, so führte er im Alter den Adelstitel. 1882 in Heilbronn gestorben und in Ulm bestattet. Sein Vermögen vermachte er für gute Zwecke. —Es ist unsinnig, wenn die Polen versuchen Veit als einen der Ihren zu deklarieren und wenn eine angesehene amerikanische Zeitschrift (National Geographie, Sept. 1958, Seite 374) weiter nichts von Veit weiß, als daß ihn die Polen Wit Stwosz und die Deutschen Veit Stoss nennen, d. h. mit einem Auge nach der polnischen Auffassung schielen, so ist das beschämend.

Ergänzung

  1. Ein Michel Stoß war 1624/27 Bürgermeister von Marburg. Meßbach, ein Dörfchen, das 1946 nur 75 Einwohner hatte.
    -
  2. Die von Winkel gen. Greiffenclau, im Rheingau schon 1191 beurkundet, waren ein mächtiges Mainzer Ministerialengeschlecht
    -

Zwei Grabinschriften

Des Vater Grabstein, — Leonhard Stoss.(1)
In freier Übersetzung:

Hier ruhet ein Menschen nach ruhlosem Leben.
Verbannt in die Fremde, verwaist auf der Erden.
Doch ließ Gottes Hand ihm Gerechtigkeit werden.
So hoffe ich nun auf himmlischen Lohn.
Gott, segn' meine Erben, laß selig sie sterben.


Des Sohnes Grabstein, — Konr. Anton Stoss.
in freier Übersetzung:

Verhalte, Wanderer, den Schritt! Hab Mitleid und lies!
Ein Mahnmal uns'rer Unsterblichkeit
ruhet in diesem Hügel: CONRADUS ANDONIUS STOSS.
Seltene Zierde und Leuchte seines Geschlechts,
ein herrliches Beispiel der Tugend,
hinweggerafft wurde er früh,
daß Bosheit ihn nimmer verderbe.
Zustrebend nach Kämpfen der Tröstung,
viel reicher an Tugend denn Jahren,
welkt' hin in der Jugendzeit Blüte.
Mit Jesus jetzt sicher im ew'gen Verein,
empfangen von himmlischen Scharen.
In Kürze hat viel er vollendet,
und stets ohne Ängste nun atmend,
auf darf er blicken zu Gott,
der ewigen Macht im ewigen Lichte.
Verachtend nun schaut er hinab
auf den wechselnden Faden der Parzen,
Er, Erster im Streben zur Höhe
ruhet in dieser Gruft,
die letzte Posaune erwartend, in Frieden.
Würdiger ist er des Himmels, den der Erde,
Seine Brüder in frommem Sinne
Haben ihm dieses errichtet.

Die Grabsteine waren bunt bemalt, Farbreste finden sidi hie und da. Der Verputz von Kirchen war farbig, selbst Glocken wurden farbig getönt. Auch die Griechen und Römer bemalten ihre Tempel und Marmorstatuen, ja in den frühen Felsbildern in Norwegen und der Sahara fand man Spuren von Farbe (H. Kühn). Die Freude an der Farbe ist also durchaus keine moderne Erscheinung.

Eränzung

  1. Literatur über Veit Stoß: "Veit Stoß und sein Geschlecht". A. Jaeger und O. Puchner 1958. Polen nennt V,St. Wita Stwosza, womit sie ihn wohl als einen der Ihren reklamieren wollen.

Spätere Geschichte des Ordens

Napoleon hatte zwar 1809 den Deutschen Orden aufgehoben, doch nicht die Idee vernichtet. 1837 wurde er in neuer Form mit neuen Aufgaben wieder errichtet. Gründer war Erzherzog Maximilian. In Lana in Südtirol entstand der erste Priesterkonvent. Die Priester widmen sich der Seelsorge in Pfarreien, Die Deutsch-Ordens-Schwestern, die wir schon um 1300 in Marburg kennen lernten, (Nürnberger Hof auf der Ketzerbach) betreuen Krankenhäuser, Lazarette, Altersheime und Schulen. 1929 verzichteten die Erzherzöge auf die Leitung; der Bischof von Brunn wurde Deutschmeister. Die Brüder finden wir in St. Martin in Jerusalem. 24 Priester wurden aus der Tscheche! vertrieben. Die Lateinmitglieder tragen den weißen Mantel mit schwarzem Kreuz, Der Hochmeister ist P. Dr, Marian Turnier im Deutschen Hause beim Stephansdom in Wien. In Wien ist auch das Zentralarchiv des Ordens, in dem die Ginseldorfer Urkunde von 1253 liegt. Die Ordenskommende Sachsenhausen, seit 1205 bestehend, fiel 1816 an das österreichische Kaiserhaus. 1881 kaufte die Pfarrgemeinde Sachsenhausen die Kommende, die 1709 gebaut war und übergab sie 1957 wieder dem Orden. 1960 legte der verstorbene Kardinal Wendel, Ehrenritter des Ordens, den Grundstein zu einem Neubau. Der österreichische Bundeskanzler Raab ist, wie Dr. Konrad Adenauer, Mitglied des Deutschen Ordens.

Oft genug stößt man beim Gang durch die Geschichte eines Dorfes immer wieder, manchmal nach Jahrhunderten, auf die gleichen Beziehungen. Agnes von Nürnberg hat hier 1327 Besitz, den sie dem Deutschen Orden schenkt. 400 Jahre später wird hier ein Ordensbeamter, Joh. Leonhard Stoss, bestattet, dessen Vorfahr in Nürnberg lebte. Hartmann v. Burbach wird 1270 Schultheiß von Rauschenberg, um 1550 benutzt ein hiesiger Pfarrer ein lutherisches Buch aus Rauschenberg für seine Liturgie.

In Marburg

Nach der Aufhebung des Deutschen Ordens 1809 blieb die Zinsmeisterei im Deutschen Hause bestehen. Das Ordensgut am Ortenberg kaufte Wilh. Hoffmann, der auch den Hof Görzhausen besaß. 1910 bot sein Nachfahre E. Hoffmann der Stadt 27 ha des Gutes als Baugrund für 290000 Mark an. Bis um 1840 alle Reallasten abgelöst wurden, mußten alle Abgaben unserer Ordenshöfe an die Zinsmeisterei geliefert werden. (1) Die Gebäude des Deutschen Hauses sind erst nach 1880 abgerissen worden und haben verschiedenen Kliniken Platz machen müssen, Erhalten blieben außer der Kirche nur Herrenhaus, Kapitel- und Speisesaal, die zusammen das Geologisch-Mineralogische Institut der Universität beherbergen. Das Sommerhaus des Komturs, die Fasanerie, wurde erst 1959 abgebrochen. Ein ganz markantes Gebäude ist das Backhaus mit Kornspeicher hinter der Elisabethkirche. Ein Zeuge vergangener, großer Zeit ist auch die Chorruine der Kapelle des Franziskushospitals am Pilgrimstein.

Ergänzung

  1. Hoffmann kaufte das Ordensgut am Ortenberg für 7700 Thaler und 13000 Franken. Da der Thlr. = l Frank galt, waren das im ganzen 10950 Thlr. Nach anderer Angabe erhielt er das Gut im Tausch gegen sein Gut bei Kassel-Wilhelmshöhe. 1910 wurden die 27 Hektar der Stadt angeboten, das Quadratmeter zu 1,07 Mark (heute, 1975, 60 -100 Mark!).