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Betriebsgrößen

Betriebsgrößen. — Bauerbach

bis zu 1,00 ha

Besitzer

No.

Hausname

ha. a.

Traktor

Pferde Fohlen)

1. Braun, Joh. Jos.

22

Kurts

37,50

T. T.

2

2. Nau, Josef 3. Krähling, Eduard

7 3

Hofmanns Stauze

24,05 23,78

T. T.

2(1) 2

4. Bieker, Heinrich 5. Schick, Anton

14 21

Schülers Schicks

22,76 20,50

T.'

T.

2(1)

J

6. Nau, Artur

26

Meuers

18,32

T.

1

7. Braun, Veronika, Wwe.

24

Herbeners

15.73

T.

1 J

8. Gölzhäuser, Konrad 9. Herbener, Peter

11 9

Gölzhäusers Kissels

15,63 15,47

T!

T.

2

0

10. Braun, Konrad 11. Nau, Regina, Wwe. 12. Damm, Gregor

16 5

4

Krause Orems Martels

15,43 13,50 10,00

T. T.

T.

f,

1

1(1)

l

13. Nau, Alois

27

Wiebers

9,60

T. T,

J

14. Petri, Konrad

18

Schmieds Joh.

9,00

T.

 

15. Fischer, Heinrich

15

Damms

4,92

T.

 

.16. Kraus, Heinrich

13

Schusters

4*70

T

 

17. Baumgarten, Ludwig

2

Schmieds

4^50

T.

 

18. Jennemann, Eduard

8

Tirolers

3,83

   

19. Huhn, Josef

33

Haars

2,83

T.

 

20. Preis, Vinzenz

1

Preise

2,60

   

21. Dörr, Karl

43

Dörrs

2,20

   

22. Gerhard, Alois

12

Gerhards

2,20

   

23. Preis, Joseflne, Wwe.

38

Gritches

2,20

T.

 

24. Bechthold, Theodor 25. Böttner, Therese, Wwe.

35

42

Schreiners

Huiiigs

2,05 2 05

   

26. Hoffmann, Pauline, Wwe.

19

Schneiders

1,?90

   

27. Jennemann, Konrad

40

Jennemanns

l',90

   

27. Kraus, Eduard

17

Beizers

1,80

   

29. Baumgarten, Josef

10

Scheferhenners

1,71

   

30, Baumgarten, Anton

25

Petris

1,70

   

31. Dörr, Heinrich

28

Schmitte

1,70

   

32. Weitzel, Karl

6

Schuster Pet.

1,70

   

33. Kraus, Johannes 34. Gerhard, Ludwig

lO'/z 44

Norgangs Leinwebers

l',58 1,15

—

 

Ginseldorf

1. Feußner, Josef

1

Blocke

26,40

T.

2

2. Euker, Josef

12

Bauern

26,38

T.

2

3. Euker, Peter

10

Schweizers

24,50

T.

2

4. Kraus, Konstantin II,

29

Jürgese

17,40

T.

1

5. Kraus, Bernhard

20

Hartmanns

15,25

T.

1

6. Schick, Elisabeth, Wwe.

28

Strawe

14.50

T.

1

7. Nebel, Alfons

16

Nebels

11,20

T

-\

8. Herbig, Elisabeth. Wwe. 9. Bauerbach, Wilhelm

31 45

Heers Hennerse

n!oo

9.37

T!

T.

i

10. Kraus, Eduard

5a

Liwigs

9.00

T

 

11. Paul, Johannes

7

Heebs

9^00

T!

_.

12. Kraus, Friedrich II.

4

Sprengers

8,50

T.

 

13. Feußner, Christoph

26

Lanßkaspers

8.40

T.

 

14. Huhn, Josef

64

Schratze

8,30

T.

 

15. Schick, Josef

24

Treern

8.20

   

16. Nebel, Otto

2

Fischers

7,30

T.

 

17. Bromm. Alois

25

Bromms

7,20

T

 

18. Kraus, Friedrich III

21

F 3 C'k S

5 20

   

19. Bieker, Konrad

35

Anderts

4^20

   

20. Gerhard, Alois

30

Benners

3,50

   

2l. Kraus, Karl I

13' ;

Kiefers

t 1 r:

   

22. Gerhard, Geschw.

19

Eikerts

i>. .1.3 3.01

   

?3. Fach. Alois

23

Mathes

2,90

   

24. Schüßler, Josef

37

Kurts

2,00

   

25. Kissel, Brigitte, Wwe.

13

Marthc

1,90

   

26. Gnau, Julius

22

Klsewitts

1.89

   

27. Euker, Fridolin

33

Eukers

i on

   

28. Kraus, Vinzenz 29. Stey, Willi

41 3

Schneiders Stevs

-i .OU

1.20

1 1 n

—

 

30. Herbig, Anton

43

Herbigs

1 , J.Z

1,08

_

 

Die Verteilung des Grundbesitzes im Kreise Marburg und in unsern beiden Orten, 1959 und 1859

Betriebe

 

a) unter

5 ha

b) 5—10 ha

c) 10—20 ha

d)

über 20 ha

alle Betriebe

wieviele

n/o

wieviele "/«

wieviele "/n

wieviele n/o

in Bauerbach

34

19

56,1

3 8.8

8 23,4

4

11,7

i. J. 1859

27

11

 

4

10

zu ,

,c" gerechnet

in Ginseldorf

30

12

40

10 33,3

5 16.7

3

10

i. J. 1859

26

5

 

12

9

ZU ,

.c" gerechnet

im Kreis Marburg

—

—

65,5

18,3

— 12,5

—

4

Im Kreise sind auch die Betriebe unter 1,00 ha mitgezählt, die als landwirtschaftliche Betriebe kaum noch gelten können. Sie haben kein Gespann, kaum noch Milchvieh und decken nicht mehr den eigenen Bedarf.

In Ginseldorf ist die Verteilung günstiger als in Bauerbach, es hat weniger Kleinbetriebe. In Bauerbach fehlen Höfe von 5—9 ha. Im Verhältnis zur Bewohnerzahl müßte Ginseldorf bei gleicher Bodenverteilung wie Bauerbach nur 23 Betriebe von 1,0 ha an haben, es hat aber deren 30. Demnach ist es bäuerlicher als Bauerbach, In Ginseldorf haben von 65 Haushaltungen 30 Besitz über l ha (46,1%), in Bauerbach von 91 Haushaltungen nur 34 (37,3%). Schon 1859 war die Besitzverteilung für Bauerbach etwas ungünstiger. 12 Familien hatten in Bauerbach nur Haus und Garten (in Ginseldorf 10) und 6 Familien hatten keinerlei Besitz (in Ginseldorf 4).

Die kleinen Betriebe sind nicht lebensfähig, wenn ihnen nicht ein Nebenverdienst zu Hilfe kommt, der oft genug der Hauptverdienst ist. Die „Sozialbrache" der „Feierabendbauern" muß vermieden werden, die hier noch im Anfang steht, im Kreise Gießen aber schon bedenklichen Umfang angenommen hat. Bei auskömmlichem Verdienst lassen die Arbeiter, die nach Feierabend ihren Kleinbesitz bestellen, diesem zum Schaden der Volkswirtschaft verwildern oder brach liegen. Im vorigen Jahrhundert hatten wir den umgekehrten Vorgang: Große Höfe verschuldeten, wurden „geschlachtet" und an Klein- und Kleinstbesitzer verkauft, bei denen der Betrieb unrentabel war.

 

Erzeugung, Tier und Acker

Das Tier muß uns dienen, der Acker uns nähren

Heute berechnet man die Tierhaltung nach Großvieh-Einheiten (GVH). Eine GVH ist eine Kuh von 10 Ztr. Lebendgewicht. Alle ändern Tierarten werden auf GVH umgerechnet. Ein Pferd und ein Bulle gelten als je 1,3 GVH, ein Fohlen als 0,75, ein Schwein als 0,25, ein Kalb als 0,12, ein Schaf und eine Ziege als je 0,10 GVH.

Bauerbach hatte 1950 362 GVH, auf 100 ha 102 GVH

Ginseldorf hatte 1950 275 GVH, auf 100 ha 98 GVH

Schlachtvieh

Eine Kuh hält man bis zum 5. oder 6. Kalben. Gute Leistungs- und Fahrkühe hält man auch länger. Aus beiden Orten werden jährlich 16—20% des Bestandes an Kühen, etwa 44—55 Stück, als Schlachtvieh abgegeben. — Ochsen- und Faselkälber fallen je zur Hälfte an. Die letzteren werden zu etwa 85% zur Zucht behalten, sie werden „angebunden". Wenn man von den 266 Kühen beider Dörfer nur 200 Kälber rechnet, würden somit mindestens jährlich 110 Kälber zum Schlachthaus wandern.

Milcherzeugung

Die Nähe Marburgs als altes Absatzgebiet für Bauerbach brachte schon 1898 Kurts Bauer darauf, die Frischmilch an einen städtischen Kundenkreis abzusetzen und bis 1916 hat sein Milchfuhrwerk diesen Kreis bedient, Dann übernahm es ein Marburger, Rösser aus der Haspelstraße, Bei einem Milchpreis von 10—12 Pfennig je Liter war diesem das Abholen aus den Dörfern unlohnend und 1925 begann Konrad Preis die Anlieferung. Gar bald überstieg aber das Angebot an Milch die Nachfrage, worauf sich 1932 (als gerade das Sanatorium „Sonnenblick" eröffnet war), die Milcherzeuger zusammenschlössen und die Marburger Molkerei gründeten, die anfangs Januar 1933 den Betrieb aufnehmen konnte. Preis motorisierte mit einem ("hcivrnlrt. 19?7 meinen Betrieb. H^nle fcihrt. er die Milch für Bauerbadv Ginseldorf und Bürgein. Bauerbach hatte 1958 42 Lieferer, die 3805 hl Milch zur Molkerei brachten, Ginseldorf 30 Lieferer mit 2680 hl Milch. Alle 72 Rindviehhalter liefern auch Milch. An Milchgeld kamen 1958/59 nach Bauerbach rund 92000 DM und nach Ginseldorf 73 000 DM. Die tägliche Milchanlieferung beider Orte, die l 700—l 800 kg beträgt, ist nur rund 5°/o dessen, was die Molkerei Marburg verarbeitet. Von den 36000 l Milch werden 25000 täglich verbuttert, was etwa 18 Ztr. Butter ergibt, 3000 kg gehen in die Käserei, 500 l Sahne werden täglich in Marburg und Umgegend verbraucht. Etwa 40% der gelieferten Milch kehrt als Mager- oder Buttermilch ins Dorf zurück. Pro Kuh und Jahr werden aus unsern Orten 2440 kg zur Molkerei geliefert. Da die Durchschnittsleistung der Kuh in Kurhessen jährlich 3000 kg beträgt, was wir auch für unsere beiden Orte annehmen können, gehen 82% der Milch an die Molkerei, Von den 26 Landwirten mit mehr als 2,00 ha Land ließen in Ginseldorf elf ihr Vieh kontrollieren, von den 25 Landwirten in Bauerbach dagegen nur acht. Die Tb.-Sanierung ist überall durchgeführt. Alle Ställe beider Dörfer sind Tbc. und Bang-frei. — Geschichtliches, Die erste Milchzentrifuge baute Prandtl 1864. Vier Jahre später stellte der Franzose Mege Mauries aus Milch und Rindertalg Margarine her.

Schweine

Wir haben mittlere Höfe von 16—18 ha, die jährlich 30 und mehr Schweine verkaufen können. Von den 51 Zuchtsauen, die 1958 gezählt wurden, kann man von jeder im Jahre zwei Würfe zu je acht Ferkeln im Durchschnitt erwarten. Das wären über 800 Ferkel, die weit über den heimischen Bedarf hinausgehen. Die Hausschlachtungen betragen in Bauerbach 180, in Ginseldorf 120 Schweine im Jahr. Da am 3. Dez. 1958 650 Schlachtschweine ermittelt wurden, kamen über die Hälfte derselben zu Verkauf,

Geflügel und Eier

Das Jahresmittel an Eiern je Huhn betrug in der Bundesrepublik 130. Es wäre also mit 125 Eiern bei uns nicht zu hoch geschätzt. Somit legten unsere l 100 Legehennen rund 137000 Eier. Pro Kopf und Jahr hat man einen Verbrauch von 120 Eiern ermittelt. Es blieben dann rund 100000 Eier im Dorf, während der Rest zum Markt wandert. Da man ein Huhn drei, höchstens vier Jahre hält, werden alljährlich etwa 350 Hühner zu Schlachtgeflügel, von dem die wenigsten zu Hause verspeist werden. Bis heute, 1961, ist die Markterzeugung an Eiern sprunghaft gestiegen.

Marktpreise im Oktober 1959

Für den hiesigen Verkauf kommt in erster Linie Frankfurt und seine Preise in Frage. Hier sind nur die Handelsklassen genannt, die für uns gelten. Für 50 kg Bullen A 120,— DM, Kühe C u. D 80,— und 65,— DM, Kälber B u. C. 170,— und 150 — DM, Schweine C 140,— DM, Ferkel bis 6 Wochen und 11 kg 35,— DM, bis 8 Wochen und 15 kg 42,— DM, Pferde, beste l 100,— DM, 2, und 3. Stufe 900,— und 700,— DM.

Viehbestand in hundert Jahren

 

EW. H h. Vh.

••- Einwohner Haushalte Viehhalter

 

1859

189K

1950

1958

 

Bb.

Gd.

Bb.

Gd.

Bb.

Gd.

Bb.

Gd

 

290 Ew.

260

264 Ew.

191

530 Ew.

380

495

Ew. 340

 

57 Hh.

45

46 Hh.

41

70 Hh.

55

   
 

27 Vh. 26

43 Vh.

40

       

Pferde über 3 Jahre

15

16

36

21

32

22

22

16

     

__

__

20

G

5

3

Bullen, Ochsen, Stiere

40

24

•)

9

5

3

3

i

nur Milchkühe

 

__

__

___

88

60

114

70

Rindvieh" od. , ^Kühe"

60

100

220

190

—

—

—

—

       

__

54

69

34

44

auch Fahrkuhe

 

__

__

__

109

99

120

110

Kälber

 

__

„

__

19

18

26

23

alles Ein Rindvieh

     

__

285

250

297

248

Schafe und Lämmer

400

200

420

95

250

5

250

?

Kippen

10

15

26

17

28

22

4

11

Eber und Sollen

   

__

__

29

21

2/30

1/21

Tvlastsch weine und Läufer

 

__

_

__

242

170

227

233

Ferkel

_

__

__

__

77

68

106

30

Schweine"

70

80

135

150

__

—

—

—

Kühner

   

690

600

1204

790

1182

1053

davon Lesehennen

 

__

 

__

592

482

•>

1

Gänse

_

__

75

102

172

80

1

61

Bienenvölker

30

20

 

—

64

2G

16

27

An Großvieh, Pferden, Kühen und Schweinen war Ginseldorf 1859 Bauerbach überlegen. Es hatte 2l Gespanne, Bauerbach 17. Die Viehhaltung war gering. So hatte 1768 das stattliche Dorf Großseelheim bei 380 Bewohnern in 66 Häusern nur 31 Pferde, aber 70 Fahrochsen und 134 Milchkühe. Die Zahl der Hilfskräfte war dagegen groß. Der Pfarrhof hatte zwei Knechte und drei Mägde.

Die Zahlen der letzten Jahre (1950—1958) zeigen Abnahme der Pferde und der Fahrkühe durch den Einsatz der Traktoren, ingesamt 61 Stück Zugvieh weniger, Die Ziegenhaltung geht zurück, da die „Feierabendbauern" ihr Pachtland abgeben, Gänse werden kaum noch gehalten, da sie als beliebter Tauschartikel der Notjahre nicht mehr in Frage kommen.

Im Kreise Marburg hatte sich der Krieg stark auf die Viehhaltung ausgewirkt. Vergleicht man die Zahlen von 1938 mit 1947, dann fehlen 630 Pferde, 9900 Stück Rindvieh, 18700 Schweine und 82210 Hühner. Von den beiden letzteren Tierarten wurden allerdings viele bei der Zählung übersehen. Die Regenjahre 1954—1957 brachten einen starken Rückgang der Bienenhaltung um 52% des Bestandes.

Bodenflächen und -anbau

1950/51 Bodenfläche und -anbau in ha

hierzu Skizze S. 252. „Nutzflächen"

 

Bb.

Gd.

Gesamtfläche

358,9

329.1

Nutzfläche

308,3

246,8

Ackerland

209,7

160.0

Gärten und Obsthöfe

3,7

4,7

Wiesen

72.8

67,4

Weiden

22,1

14,3

öd- und Unland

3.6

2,2

Dorffläche

6,5

2,6

Wege

32,5

26.8

Gewässer

2,6

2.7

Friedhof

0,9

0.5

Wald, staatlich

515,—

490,—

Gemeinde

— )_

5,—

Interessenten

0,5

44,—

Gegen die Erhebung von 1900 ist in Bauerbach die Nutzfläche um 43ha, in Ginseldorf um 13 ha größer geworden.

1957 Ackerland und Nutzung

hierzu Skizze „Ackerland" (s. unten)

 

Bb.

Gd.

Ackerfläche

210,4

160,1

W. -Roggen

64,3

45,7

W. -Weizen

36,6

21,6

Gerste

5,8

9,5

Hafer

36,5

31,0

alles Getreide

143,2

107,8

Kartoffeln

23,1

18,7

Zuckerrüben

1,4

0,2

Runkelrüben

20,1

15,2

alle Hackfrüchte

44,6

34,1

Ölfrucht

— ,3

— ,3

Rotklee

15,1

11,4

Luzerne, Mais

4,2

5.1

Der Weizenanbau hat sich seit 1950 von 34ha (in beiden Orten) auf 58ha gehoben, da mehr Weißbrot verzehrt wird. Der Anbau von Ölfrüchten ist infolge der Einfuhr von ölen und Fetten aller Art von fast 10 ha (in beiden Orten) seit 1950 auf ein Minimum gesunken.

1936 hatte Bauerbach und Ginseldorf l°/u der Ackerfläche mit Flachs und nur 1,5% mit Ölfrucht bestellt, was insgesamt 3,7ha bzw. 5,5ha ausmachte. Schröck und Moischt bestellten mehr als 2% mit Ölfrucht. Völlig andere Anbauverhältnisse haben wir 1859 Das Getreide beherrscht auch mit beinahe 70°/o den Acker, aber Runkelrüben fehlen noch ganz, Futterkräuter und Kartoffeln sind gering vertreten, dafür nehmen die Früchte des Brachfeldes — Flachs, Rübsamen, Hülsenfrüchte, Weißkraut — rund ein Fünftel der Fläche ein. Angaben in ha (umgerechnet) und % der Anbaufläche

1859

alles Getreide

Bb. 156,0

68,2%)

Gd.

119,0

68,3Vo

 

Futterkräuter

14,2

6,10/0

12,—

6,9»/o

 

Kartoffeln

8,8

3,8%

11,5

6,8%

 

Flachs (Lein)

4,9

2,l°/o

4,8

2,9»/ol

 

Rübsamen

20,2

8,8ü/o

7,5

3,8% l

18 0%

Hülsenfrüchte

19,1

8,2°/o

13,6

7,8»/o|

 

Kraut

6,4

2,7°/o

6,—

3,5°/oJ

 

Bitte.

Segne das Brot, Herr! Wir haben lange gedarbt. Lang lag unser Land unter der Henker Last. Lang hat der Krieg in unsern Scheuern gepraßt, noch ist der Bomben tödlicher Hieb nicht vernarbt.

(Joseph Drexel)

 

Erträge

Die Erträge der Scholle

Ein Beispiel aus dem „Grünen Plan" von 1953. Ein gut geleiteter Hof eines Dorfes im Ohmbecken von knapp 14ha, davon 8ha Ackerland, der „Getreide-Hackbau-Wirtschaft" betreibt, wie es der Typ unserer Gegend ist, hatte 2 Pferde, 6 Milchkühe, 20 Schweine, 3 Zuchtsauen und 60 Hühner. Der ha-Einheitswert 1100 DM. Vier „Vollarbeitskräfte" sind nötig und auch vorhanden. 64% der Ackerfläche sind mit Getreide bestellt. Der Hektar trägt 32—34 dz (der Morgen 16—17 Ztr.). 24% der Fläche trägt Hackfrucht. Ertrag an Kartoffeln je ha und dz (Morgen und Ztr. 260 (130), an Runkelrüben 900 (450), an Zuckerrüben 380 (190). Der Hof verkaufte für 1850DM Getreide, für 1200 DM Kartoffeln und für 300 DM Obst. Die 6 Kühe erzeugten jährlich 17520 l Milch, wovon 13420 l für 4050 DM verkauft wurden. An Schlachtvieh Schweinen, Ferkeln, Geflügel und Eiern wurde für 6900 DM verkauft.

Im Jahre 1957 erbrachten 110 ha Roggen in beiden Orten, Bauerbach und Ginsel-dorf, je ha 68 Ztr. oder 7 480 Ztr. 58 ha Weizen je ha 64 Ztr., oder 3712 Ztr. Verkauft wurden rund 6000 Ztr. davon der Weizen fast ganz. Der anderweitige Verkauf, der auch nicht gering ist, konnte nicht erfaßt werden.

Im Oktober 1959 waren die Preise für den Zentner Weizen 21 DM, für Roggen 19 DM, für Hafer 17,50 DM, für Kartoffeln 9,50DM.

Vor hundert Jahren waren die Erträge, wie die Erhebung der Kasseler Regierung von 1859 zeigt, wesentlich niedriger als heute, auch wenn man bedenkt, daß damals, genau wie beim Kataster von 1837, die Bürgermeister und Ortsschätzer aus begreiflichen (steuerlichen) Gründen alles so niedrig wie eben möglich angegeben haben. Je Kasseler Acker (ein Morgen) werden als Erträge der besten Bodenklasse angegeben (Mött in Zentner umgerechnet)

   

Weizen

Roggen

Gerste

Hafer

 

in

Bauerbach

6,4

6,0

5,3

5,4 Ztr.

im Mittel 5,5 Ztr. (1837: 6,2 Ztr.)*

in

Gmselclorf

4,8

5,3

5,6

5,0 Ztr.

im Mittel 5,1 Ztr.

*)

Im Einzelnen:

5,0 Ztr.,

6,9 Ztr.,

5,8 Ztr.,

7,3 Ztr.

 

Das wäre ziemlich genau ein Drittel der heutigen Erträge. Sie sind daher auch oft von den damaligen Revisoren bezweifelt, überprüft und berichtigt worden. Der Ertrag an Heu wird in Bauerbach und Ginseldorf mit 10—12 Ztr. je Kasseler Acker angegeben. Grummet mit 6—8 Ztr.

Der Eigenverbrauch. Beim Roggen liegt er mit 2,5 Ztr. je Kopf, die je nach Ausmahlung etwa l,8 Ztr. Mehl ergeben, ziemlich fest. Das ergibt für die rund 900 Bewohner beider Orte 2250 Ztr. Der Eigenverbrauch an Kartoffeln für die Küche wurde mit 3,5 Ztr. je Kopf und Jahr errechnet. Der städtische Verbrauch liegt unter 3 Ztr, Bei dem gegenwärtigen Lebensstandard sinkt der Verbrauch weiter ab. 1859 hat man sich auch schon Gedanken über Erzeugung, Eigenverbrauch und Überschüsse gemacht, Bauerbach verbrauchte an Brotfrucht je Kopf und Jahr 440 Pfd. (Ginseldorf 365), an Kartoffeln gibt Bauerbach nur 270 Pfd. an, Ginseldorf dagegen 490 Pfd, (!) an. Der Überschuß betrug in Bauerbach 400 Mött Roggen und 200 Mött Gerste, in Ginseldorf 140 Mött Roggen, 70 Mött Weizen, 80 Mött Gerste, 10 Mött Erbsen.

Die Unkosten (Betriebsaufwand)

Es sind erstaunliche Summen, die der Landwirt in seinen Betrieb stecken muß, ehe er etwas herausholen kann. Das ergibt sich aus dem Bezug beider Dörfer (1958) vom Raiffeisen und vom Kornhaus Cölbe (Ruppersberg).

 

vom Raiffeisen

von Cölbe

für Düngemittel

40 000

25 000 DM

für Futtermittel

46 500

22 000 DM

für Saatgut und Setzkartoffel

30 000

6 500 DM

für Schädlingsbekämpfungsmittel und Pflanzenschutz

10 000

1 200 DM

 

126 500

54 700 DM

Der Bezug durch weitere Käufe ist nicht bekannt. Dazu kommen die Aufwendungen für Viehkäufe, Unterhalt der Gebäude, für Maschinenpark, an Löhnen für (fremde und) familieneigene Kräfte. Der „Grüne Plan" rechnet für Um- und Neubauten, Motorisierung und anderes heute, 1960 das 2—3fache der Unkosten von 1935—38.

 

Arbeitskräfte und -löhne

Arbeitskräfte und Löhne

Die Zählung von 1835—37 gibt für Bauerbach 13 Knechte und 15 Mägde, für Ginseldorf 20 Knechte und Mägde an. Das sind in beiden Orten 48 fremde Arbeitskräfte oder 10% der Einwohner. Dann müßten unsere Dörfer heute rund 90 derselben haben, es mögen aber höchstens 2—3 sein. Bei der damaligen Lage werden die Leute froh gewesen sein, ein gesichertes Brot auf einem Bauerhofe essen zu können. Noch vor dem Kriege 1939 hatten wir in Bauerbach 23 fremde Hilfskräfte, 7 männliche und 23 weibliche. Aber auch die familieneigenen Kräfte haben abgenommen. Söhne und Töchter selbst von mittleren Höfen suchen und finden Erwerb außerhalb des Hofes in der Stadt. Für all diese fehlenden Arbeiter muß die Maschine einspringen. In welchem Maße sie das tut, ersieht man aus der Maschinenzählung (siehe daselbst.)

Trotz allem Seufzen und Klagen über hohe Preise steht doch einwandfrei fest, daß unsere Löhne (und Gehälter) heute mehr kaufen können als vor 1944 oder gar im vorigen Jahrhundert. Um 1800 betrug der Tagelohn etwa 4 xr (Kreuzer, d. h. kaum 20 Pf.) Ein Pfund Zucker (Rohrzucker) kostete aber einen Gulden (60 xr) oder 15 Tage-

löhne. Der Kaffee war noch etwas teurer. Ein Kalb kostete 4—5 fl (Gulden). Um 1850—60 war der Tagelohn 6 sgr (Silbergroschen) (l sgr gleich 3xr). Ohne Kost bekam der Tagelöhner 10 sgr. Dafür konnte er ein Liter Öl kauten, oder auch ein Pfund Kafiee. Ein Schullesebuch kostete 6 sgr — einen Tagelohn! Für einen Tag Flegeldreschen — man begann morgens um 3 Uhr — bekam man 8 sgr mit und 12 sgr ohne Kost. Ein Knecht hatte an Jahreslohn 30 Thaler und 40 Thaler Wert an Sachlohn, de.r in Kleidung, Schuhen, Leinen und Wolle bestand. Die Magd bekam 20 Thaler und an Sachlohn ein schwarzes und ein gedrucktes Kleid, je 2 Paar Strümpfe und Schuhe, je 2 Hemden und Schürzen. Häufig leistete auch der Bauer dem Drescher für seine Arbeit die nötigen Feldarbeiten mit dem Gespann. Jeder Tagelöhner hatte ein Äckerchen für Brotkorn und Kartoffeln.

Vor 1914 hatte ein Knecht 120 Thaler (360 Mark) Jahreslohn, wozu an Sachlohn 5 Ztr. Kartoffeln, 2 Ztr. Frucht und 20 Ellen (11 m) Leinen kamen. 1960 betrug der tarifliche Stundenlohn 1,60 DM. Ein Maurer hatte 0,50 M Stundenlohn, was im Monat kaum 120 DM einbrachte. Mit einem Wochenlohn von dieser Höhe würde heute keiner zufrieden sein. Gegenwärtig liegen die Stundenlöhne zwischen 2 und 3 DM. Beim Bauern bekam der Mann täglich 2 M als Hilfskraft, die Frau l,20 M, dazu die Kost. Heute bekommt die Hilfskraft beim Dreschen pro Tag 18—22DM. Das waren örtliche Zustände. Im weiten Vaterlande war es nicht anders. In den Dörfern Preußens, die unter 2000 Einwohner zählten, verdienten im Jahre 1913 75% der Erwerbstätigen weniger als 1000 Mark im Jahre, 25% bis zu 3000 Mark und nur 2% darüber (Pritzkoleit). Durchschnittlich hatten die meisten kaum 10 Mark Wochenlohn. Zucker oder Weizenmehl kostete 20 Pf das Pfund, die Butter 1,00—l ,20 M, das Schweinefleisch 1,50—l,70 M. Für einen guten Anzug mußte man 50 M, d.h. mehr als einen Monatslohn anlegen, Es waren magere Jahre und eine arme, knappe Zeit, doch man lebte still und bescheiden, man war fleißig und zufrieden. Sorgen wegen fälliger Raten auf Radio, Fernsehgerät, Musiktruhe, Kühlschrank, Motorrad und Auto gab es noch nicht, denn diese Dinge ruhten noch „im Zeitenschoße".

Das Bundes-Wirtschaftsministerium berechnete den Durchschnittslohn des Industriearbeiters 1950 auf 58DM in der Woche, zehn Jahre später auf 124DM. Die Erzeugnisse des Bauern sind bei weitem nicht in diesem Verhältnis gestiegen.

Durchs volle Feld

Da geht der Bauer nun durchs volle Feld und schaut der alten Wunder neue Werke auf Acker Wies' und Wegrand hingestellt und fühlt umwuchtet sich von ihrer Stärke.

Froh, wie in des Jahres heiigen Zeiten, wenn uns Gott will Festesfreud' bescheren, fühlen wir's wie Wehn aus Himmels Sphären wenn wir morgens dann zur Ernte schreiten. (Heinr. Horst, Roßdorf)

Unsere Pendler

Immer vielgestaltiger wird unser Leben, immer reicher unser Wortschatz. Was hätte sich ein Mensch um das Jahr 1900 vorgestellt unter Begriffen, die uns heute geläufig sind, die es aber damals noch nicht gab, wie Atomkraft, Blitzgespräch, Dauerwelle, Eiserne Lunge, Farbfilm, Fließband, Rundfunk, Hörspiel, Funkstille, hamstern, Holzvergaser, Hubschrauber, Kugelschreiber, Parkplatz, Reißverschluß, Rolltreppe, Regenhaut, Schwarzhandel, Staubsauger, Stromlinie, Zellwolle, Zeitraffer, Zeitlupe. Das sind nur zwei Dutzend der neuen Schöpfungen, zu denen auch der "Pendler" gehört.

Seit wir Eisenbahnen haben, hat es auch schon in geringerem Umfange Pendler gegeben, doch beschränkte sich das auf Orte, die an Bahnlinien in Stadtnähe lagen.

Unsere beiden Dörfer hatten, wenn man so sagen soll, „Fußpendler" seit alters her. Die Vorbeschreibung zu Kataster stellt 1835/37 fest: „. . . die Maurergesollen arbeiten meistens in Marburg, auch für die Tagelöhner ist die Nähe der Stadt von Vorteil, wo sie stets Arbeit finden." Und seitdem haben wir immer Leute gehabt, Männer und Frauen, Burschen und Mädchen, die bis zu dreißig Jahre lang fast täglich über den Lahnberg gingen, um in Marburg ihr Brot zu verdienen. Diese Fußpendler, denen man noch vor wenigen Jahren in der Zahlbach und im Gefalle begegnete, sind selten geworden, seit Motorrad, Kleinauto, Volkswagen und Bus die Straße beherrschen. Im Sommer genügt ein Bus, um den Berufsverkehr zu bewältigen, im Winter laufen deren zwei und sind vollbesetzt. Unsere heutigen Verkehrsmittel haben eine Verbindung geschaffen zwischen ländlicher Wohnung und Lebensweise und städtischem Erwerbsleben, Das hat seine Vorteile, denn der Mensch bleibt mit der Heimat verbunden und hat das, was ihm das Dorf, aber meistens nicht die Stadt bieten kann, gesunde Stille in frischer Luft. Ein Nachteil ist der Zeitverlust, wenn die Wege allzu weit werden. Wir haben 1955 die Bauerbacher Pendler näher betrachtet. Das Bild hat sich insoweit geändert, als man vom sparsamsten und gesundesten, wenn auch langsamsten Verkehrsmittel, den Füßen, überging zum Motorrad und Auto oder infolge besserer Entlohnung zum Bus, der manchem noch vor Jahren zu teuer war.

1955 waren es 135 „Mann" (einschließlich Mädchen und Frauen), die nach Marburg gingen und fuhren, Dazu zählten wir auch alle, die in Cappel, Cölbe, Marbach, auf Sonnenblick und Tannenberg arbeiten. Einige fuhren auch auf Nachbarorte, Großseelheim, Niederwald, Wittelsberg und nach Westfalen (Kreuztal, Plettenberg, Dortmund.). Diese kehrten allerdings in größeren Abständen heim, zählten somit nicht zu den Pendlern. Von den 88 männlichen Arbeitnehmern waren 55 ledig und 33 verheiratet, von den 47 weiblichen 43, bzw. 4. Manche der letzten Vier gingen nicht täglich zur Arbeit. Berufstätige Ehefrauen im eigentlichen Sinne hatten wir nicht. Sechs Schüler (innen), die in Marburg höhere Schulen besuchten, sind hier nicht mitgezählt. Damals fuhren täglich, zur guten Jahreszeit, 54 Motorräder zur Arbeit. An Mopeds waren fünf vertreten. 46 fuhren noch das schnell altmodisch gewordene Fahrrad, 24 männliche und 22 weibliche Beschäftigte. Heute, 5 Jahre später, wandelt sich das Bild schnell zugunsten des Autos. 1961 fährt noch e i n Pendler Rad.

Wir hatten etwa 235 Menschen, die im Erwerbsleben standen, d. h. zwischen 15 und 65 Jahren, ohne die Hausfrauen, die am heimischen Herd blieben. Von diesen 235 gingen fast 60% nach auswärts zur Arbeit. Wie wenig ist demnach heute noch unser Dorf, das man doch für ein Bauerndorf ansieht, noch bäuerlich betont, und wie sehr ist es industrialisiert! Das ist ein Werdegang, der, schon vor 100 Jahren beginnend, heute ein immer schnelleres Tempo annimmt. In beiden Orten mögen noch 15—17 Familien vom Boden allein leben, das sind in Bauerbach etwa 15% und in Ginseldorf 19%, In Bauerbach ist seit 1946 statt des bisherigen bäuerlichen Bürgermeisters ein Kleinlandwirt, ein Gewerbetreibender oder Handwerker im Amte gewesen, in Ginseldorf hat dieser Wandel erst 1952 eingesetzt, in Mardorf dagegen schon 1924.

Was betreibt man in der Stadt? Die männlichen Pendler, die zum Teil noch in den Lehrjahren sind, verteilen sich auf rund 25 Maurer, Bauarbeiter, Poliere, ferner auf etwa 20 Anstreicher, Schreiner, Zimmerleute, Dachdecker, dann mehrere Klempner, Autoschlosser, Schneider, Kraftfahrer, etwa zehn kaufmännische Angestellte und Bürokräfte, dann noch einzelne Töpfer, Metzger, Polsterer, Kellner, Gärtner, Optiker und ein Arzt. Der Arbeitsplatz der Mädchen und Frauen ist meistens, mit Ausnahmen, der Haushalt. Da die Mädchen auf ihrem ureigensten Arbeitsfeld die beste Vorbereitung für ihren künftigen Beruf als Hausfrau und Mutter finden, wird die dörfliche Lebenshaltung dadurch nur gefördert und gehoben. Die verschiedenen Familien sind recht unterschiedlich an diesem Arbeitsverkehr beteiligt. 1955 hatten wir drei Familien, von denen jede täglich fünf zur Stadt schickte, fünf Familien waren mit je drei und 18 Familien mit je zwei Pendlern vertreten.

In Ginseldorf wurde 1959 eine kurze Erhebung gemacht: 110 Personen arbeiteten auswärts, davon 75 in Marburg. Die 110 verteilen sich wie 72 zu 38 auf männlich und weiblich..

Anderswo, im Kreis Marburg und in der Ferne

Schon vor und während des letzten Krieges zogen die großen Sprengstoffwerke im Herrenwald große Massen Pendler an sich. Mit zahlreichen Bussen kamen sie aus dem ganzen Kreisgebiet (aus Bauerbach ca. 20 Mann) und aus den Nachbarkreisen, um so weiter her, als der Krieg alle Wehrfähigen fortzog und man auf alle anderen zurückgreifen mußte. Das Einzugsgebiet wurde immer weiter. Tatsächlich ging es über halb Europa, Wennschon das keine Pendler mehr waren, so beherbergten die großen Lager Fremdarbeiter aus Frankreich, den beiden Niederlanden, Poleri, vom Balkan und aus der Ukraine. Viele derselben sind uns nach 1945 durch ihre Raubüberfälle zum Verhängnis geworden.

Seit die hessische Regierung auf den Trümmern der Hitlerfabriken eine neue Industrie aufbaute, ist Allendorf ein wahres Pendlerzentrum geworden. Aus den Kreisen Marburg, Frankenberg, Ziegenhain und Aisfeld kamen 1958 rund 2600 Pendler, eine Zahl, die 1961 längst überholt ist. Das Einzugsgebiet geht bis über die Städte Marburg und Treysa, sowie über Kirtorf hinaus, über zehn Buslinien tragen diesen Berufsverkehr. Auspendler dagegen hat Allendorf (1958) nur 250 Mann. Ob-schön man bestrebt ist, die Beschäftigten am Arbeitsort anzusiedeln, hatte der Kreis Marburg 1959 doch noch 16000 Pendler, wovon 3400 außerhalb des Kreises ihr Brot fanden. D. h. 54% der Beschäftigten müssen pendeln, 20% außerhalb des Kreises. So hat Kirchhain 600 und Cappel gar 800 Auspendler. Weit größere Zahlen haben wir bei den Großstädten. Ein Atlaskärtchen zeigt uns, daß Köln im Umkreise von 20 bis 25 km Pendler heranzieht, aus Berg.-Gladbach über 3000, aus Hürth und Bensberg je 2000, aus Bonn 1000 und aus 20 weiteren Orten etwa 15 000. Dazu kommen noch etwa ein Drittel dieser Zahlen als Auspendler. Bei Frankfurt liegen die Dinge ähnlich, nur ist hier das Einzugsgebiet noch viel ausgedehnter, bis in den Vogelsberg und durch die ganze Wetterau; die Stadt hat täglich 105 000 Einpendler, von denen die Hälfte sich der Bundesbahn bedient.

Geschichtliches von unseren Kulturpflanzen (Semjonow)

Brot getreide kannten schon vor 6000 Jahren die Bandkeramiker. Zuerst hat man das gemahlene Korn als Brei gegessen, seit der Bronzezeit auch als Fladenbrot, das unserm Knäckebrot ähnelte. Wie uns die Vorgeschichte lehrte, gab es zuerst nur Gerste und Abarten des Weizens: Emmer, Einkorn, Dinkel. Roggen und Hafer kamen viel später auf. In Asien wächst der Roggen als „Unkraut unter dem Weizen" wie bei uns der Windhalm, Die reichen Römer aßen schon gesäuertes Brot, das Volk dagegen nur Brei und Grütze. Im Mittelalter war Weißbrot Leckerbissen oder Krankenkost.

öl. Als Gerhard v. Seelheim um 1300 Pleban von Amöneburg war, zinste ein Acker am „Odelenberg" jährlich ein Mött Mohn und ein Acker bei Brücke (Brücker Mühle) ein Maß Mohn. 1329 war in den Bauerbacher und Arzbacher Zehnten eine Meste Öl einbezogen. 1360 gehörten zum Bauerbacher Zehnten zwei Maß Mohn. Kurt Born, Bauerbach, zinste laut Kirchhainer Salbuch 1592 für einen Acker eine Meste Öl an den Landgrafen.

Kartoffel. In ihrer Heimat schätzte man sie nicht, die Inkas in Peru aßen Maisbrot, Francis Drake ist nicht der Entdecker der Kartoiiel. 1548 kam die Kartoffel als Zierpflanze nach Europa. Spanische Botaniker zogen sie aus Liebhaberei, um 1600 linden wir sie im botanischen Garten zu Frankfurt, im Elsaß, Frankreich, Beigion, ja sogar in Herborn. 1700 wurde sie im Odenwald angebaut und 1742 befahl der Kurfürst, Erzbischof von Mainz, Karl v. Eltz, den Anbau und 40 Jahre später gab es kaum noch ein Dorf in Hessen ohne Kartoffelacker. Der Landesherr hob denn auch bald nach ihrer Einführung den Kartolfeizehnten. Um 1880 war man froh, wenn der Hektar 80 Doppelzentner (der Morgen 40 Ztr.) trug. Heute ist mancher mit dem Dreiiachen kaum zufrieden.

Zucker und Zuckerrübe. 1573 bestand die erste deutsche Zuckerraffinerie (für Rohrzucker) in Augsburg. 1747 entdeckte Marggraf den Zuckergehalt der Runkelrübe. 1802 gründete Achard die erste deutsche Zuckerfabrik. Aus der Runkel mit 5% Zuckergehalt züchtete man die Zuckerrübe mit 20 und mehr Prozent Zucker.