Zum Inhalt springen
Kopfbild 1 von 5
Menü öffnen Menü schließen

Alter Glaube und neue Lehre im Kampf. Pfarrer der frühen katholischen Zeit

A.In Bauerbach
Seit Oberhessen christlich wurde bis zum Beginn der Glaubensstürme waren fast 800 Jahre verflossen. Wann die erste Kirche hier erbaut wurde und wann ein Priester zuerst die heilige Feier vollzog, weiß niemand. Erst 1238 lernten wir einen Plebanus (Pleban = Leutpriester, Weltgeistlicher, im Gegensatz zum Ordenspriestcr) von Burbach kennen, Heinricus cle Burbach, den Schiedsrichter im Streitfalle der Kirche Caldern gegen Wigand von Friedensdorf. Zufällige Nennungen bei Käufen und Verkäufen, Rechtsfällen, Lehnsbriefen und Einkünften verraten uns hin und wieder weitere Namen. 1305 hatte der Pleban von Bauerbach Land in der Arzbach, (1) der vergessene Flurname „Pfaffenacker" erinnert vielleicht daran. 1311 hatten die Hobeherren Einkünfte aus Gütern des Pfarrers Günther. Im Jahre darauf führte derselbe Pfarrer mit dem von Bopendorf zwei Konfratres zu Wehrda und Viermünden in ihr Amt ein, 1327. Pfarrer Wigand, der 1320 Pfarrer zu Schröck war, verkaufte Einkünfte eines Hofes an Agnes v. Nürnberg, die diese dem Deutschen Orden schenkte. — 1333 bezeugte Pfarrer Wigand Einkünfte der Kellerei (Vermögensverwaltung) zu Amöneburg aus hiesigen Ländereien. 1466 war Johann Schick (oder Schmitt) Vertreter des Landgrafen Hermann (Erzbischof von Köln) bei Verwaltung von Einkünften zu Fritzlar, Propstei St. Peter. Es war ein übelstand, daß damals adelige Geistliche sich Pfründe in Orten verleihen ließen, die sie selten oder nie betraten. Sie nahmen die Einkünfte, ohne für die Seelen zu sorgen.(2) 1487 drei Pfarrer, der von Bauerbach, Marburg und Cappel, führten Nikolaus Helling in sein Amt zu Wehrda und zu St. Jost an der Sieche ein. So wissen wir um 5—6 Priester, ein Bruchteil von denen, die hier in den langen Jahrhunderten amtiert haben.

B. In Ginseldorf
Die Zahl der bekannten Ginseldorfer Geistlichen ist nicht größer. Sie werden zumeist dem Deutschen Orden angehört haben. 1333 hatte der Pleban von Ginseldorf einen nach Amöneburg Pflichtigen Hof in Bauerbach. 1336 vermittelte Pfarrer Gerhard Rechtsgeschäfte, die das Ginseldorfer Rudolphsgut betrafen. 1345 war derselbe Zeuge bei Verhandlungen des Klosters Haina: Die Töchter Hermanns, gen. Tzayn (Zahn), die im Hainer Hof zu Amöneburg wohnten, vermachten dem Kloster Haina Äcker als „Seelgered". Heinrich von Herberen, „perrer zu Guntzelindorf", schenkte sein halbes Haus zu Marburg, neben Waltir Fleyshouwers Haus, an Meckele v. Herberen, 1352. — Um 1360 starb Plebanus Henricus de Gunzildorf, ein Deutschordensbruder, der den Brüdern zwei Mark „pro pyetancia" (d. h. zur Festtagsgabe), vermacht hatte. 1462 Rabanus Helmbrich wird als früherer Pfarrer von Ginseldorf genannt. Seit 1462 ist es Johann Phifferman,der 1473 Pfarrer zu Goßfelden war. 1471 hatte der Pfarrer den Ginseldorfer Zehnten. 1492 setzte der Deutsche Orden den Johann Räson als Pfarrer in Guntzelndorf ein. Wir dürfen ihn wohl als den letzten vorreformatorischen ansehen. Es ist einer der frühen Geistlichen Ginseldorf gewesen, die selbständige Pfarrer waren, der der 1339 in Wehrshausen erbauten Marienwallfahrtskirche den Seitenaltar zu Ehren der hl. Maria Magdalcna stiftete. Stifter der Kirche war Wornher Thöring und Gemahlin Mechthilde. Der Magdalenenaltar ist noch vorhanden

 

Ergänzung

  1. Der Prior des Deutschen Hauses zu Marburg, Johann Heingkemann wird am 26. Juli 1450 als Pfarrer von Bauerbach bezeugt. Es scheint, als ob Bauerbach kirchlich dem landgräflichen Marburg oder dem Deutschen Hause viel näher stand als dem kurmainzischen AmÖ-neburg. Pfarrer Heingkemann löste den Meister Heinrich Imhof gen. Rode (Stifter der Kugelkirche) von der Pflicht, einen Zins zu entrichten.
  2. Pfarrer Ludwig von Lare (Lohra) (1515) war ein Vetter des Daniel zum Schwan, der einen Hof zu Michelbach kaufte, von dem Pfarrer Ludwig Mitbesitzer war

Der Sturm bricht los

Der Augustinermönch und Doktor der Universität zu Wittenberg hatte im Herbst 1517 seine Thesen an die Kirchentür geschlagen, drei Jahre später kam der päpstliche Bannstrahl aus Rom, den Martin Luther dem Feuer übergab. Mit schöpferischer Kraft meisterte der Wortgewaltige sein volkstümliches Neuhochdeutsch, die neue Kunst des Buchdrucks half der Verbreitung seiner Gedanken, Schriften und vor allem seiner Bibelübersetzung, Nicht als ob diese die erste ihrer Art gewesen wäre, wie vielfach angenommen wird. Es gab schon vor Luther vierzehn Bibelausgaben in oberdeutscher und sieben in niederdeutscher Sprache, denen aber die Kraft und Bildhaftigkeit der Sprache fehlte. Albrecht Dürers Pate, Koberger, hatte 1483, im Geburtsjahre Luthers, eine deutsche Bibel herausgebracht, zu der der Künstler die Bilder schuf. Jeder, der lesen konnte, las auch die Heilige Schrift in deutscher Sprache. Der Papst der Reformationszeit war Leo X, Er war zwar kein unwürdiger Papst, wie Alexander VI., aber ein lebensfroher Freund und Förderer des Humanismus. Er hatte es auf dem 5. Laterankonzil 1512 versäumt, eine echte Kirchenreform durchzuführen. Schäden, die nach Heilung schrien, blieben bestehen, zu den Anliegen Martin Luthers hatte dieser Papst keinen Zugang und als 33 Jahre später das Konzil von Trient dem Unglück steuern wollte, war die Trennung längst vollzogen.
Philipp, der junge Hessenfürst, kaum 14 Jahre alt mündig erklärt, traf schon mit 22 Jahren die folgenschwere Entscheidung, sich mit seinem Adel auf Seiten der Neuerung zu stellen. Die Wucht dieser Bewegung traf einen Episkopat, der ihr nicht gewachsen war, nachlässig und verweltlicht, wie er war. Die Geistlichkeit war alles andere als abwehrbereit. Der erzbischöfliche Kommissar von Fritzlar hatte schon 1426 ein Register von Geistlichen aufgestellt, die den Zölibat nicht hielten. Kirchen und Klöster, vor allem der Deutsche Orden waren steuerfrei. Die Lasten und Abgaben lagen auf der breiten Masse der Bauern, was sich jedoch durch die Reformation keineswegs besserte. Landgraf Wilhelm III., ein Großonkel Philipps, hatte sich schon 1493 in Rom beschwert, daß in vielen Klöstern Hessens die Ordensregeln nicht mehr befolgt würden. Die Vorteile, die bisher Kirchen und Klöster genossen hatten, gingen mit Philipps Abfall auf andere über, ohne die Not der Masse des Volkes zu lindern. Noch nach dem langen 30jährigen Kriege, als alles in Elend, Mangel, Hunger und Schulden lag, wußten sich die reichen Schöffenfamilien Marburgs von allen Lasten und Kontributionen und Einquartierung frei zu halten. Dem Adel winkte der Besitz reicher Kloster- und Kirchengüter. Er kam 1526 in Hom-berg/Efze unter Philipps Vorsitz zusammen. Anna v. Mecklenburg, Philipps fromme Mutter, war im Jahre zuvor gestorben. Diese Synode verbot oder hob auf: Den Meßkanon (Opferung, Wandlung, Kommunion), die bisherige Beichte, Heiligenverehrung und Schutzpatrone, ließ aber eine Reihe von deren Festen bestehen, das Fasten, Weihen und Segnen, das prunkende Läuten mit mehreren Glocken, die „Aftertempel", d.h. Feldkapellen und Bildstöcke und die Wallfahrten. Das Orgelspiel sollte möglichst eingeschränkt werden. Alle Bilder, Meßgewänder und Nebenaltäre sollten verschwinden. Schulen sollten auch in den Dörfern sein und vormittags sollten die Schüler einige Psalmen auf lateinisch singen. Der Schlußsatz lautete: „Möge Gott alle Sekten vertilgen und alle Zerstreuten in einen Schafstall unter einen Hirten, Christus, zurückführen. Wer eine neue Sekte aufbringt, der sei verflucht."

Das Lüneburger Rituale (siehe dasselbst) zeigt, wie sich der Übergang vom alten Glauben zur neuen Lehre für das Volk fast unmerklich vollzog. Wußte das Volk, fast ganz ohne Schule aufgewachsen, Analphabeten, die weder eine Bibel je gelesen noch einen Katechismus kennengelernt oder ein Gesang- und Gebetbuch besaßen,' was hier vorging? Haben sie in ihrem Untertanengeist nicht die „von oben" befohlenen Neuerungen als gegeben hingenommen? Haben wir nicht auch Dinge, die noch vor einem Menschenalter kaum diskutiert wurden, hingenommen? Wir denken nur an die Frühkommunion der Kinder, den Fortfall vieler Festoktaven, Milderung der Nüchternheit, des Fastengebotes bis fast zur Aufhebung desselben, die neue Karwochenliturgie, die Kommunion am Karfreitag, Gebrauch des Meßbuches und der Gemeinschaftsmesse, ja sogar die Meßfeier zu jeder Tageszeit, auch am Abend, Stellung des Celebranten zum Volk hin bei der Meßfeier, die Weihe von farbigen Priestern, Bischöfen und Kardinalen. Die Wallfahrten nach Marburg, Elisabeths Grab war der berühmteste Wallfahrtsort diesseits der Alpen, wurden unterbunden. Man reiste im Mittelalter nicht zum Vergnügen und zur Erholung, das Reisen war eine Strapaze und Lebensgefahr, doch Wallfahrten machte man oft in weiteste Fernen, selbst bis nach Palästina. Die Wallerziele unserer Heimat verschwanden, die Marienkapelle bei Brackenborn (Fronhausen), zu Wehrshausen, Stausebach, Gemünden/Wohra, Dilschhausen, Lindau (b. Amöneburg) und die Kreuzkapelle am Schröcker Brunnen. Den Namen Elisabethbrunnen hat er erst fast 400 Jahre nach dem Tode der Heiligen erhalten (1596). Die Kirche des hl. Kilian wurde 1535 zu einer Zunftstube für Schuster herabgewürdigt, später war sie, zu einer Schule umgebaut, des schönen Giebels, der Altäre und des Gewölbes entkleidet. Der Friedhof wurde Schuhmarkt, der Friedhof bei den Dominikanern wurde Kornmarkt, jetzt Heumarkt genannt, im Franziskanerkloster ließ Philipp fünf öffentliche Badestuben einrichten. Die Dominikanerkirche wurde als Fruchtspeicher völlig entweiht. Später diente sie den französischen Kalvinisten („Hugenotten").

Die Mönche und Nonnen bekamen einen Verzichtbrief vorgelegt, in dem es unter anderem hieß: „Ich tun kund, nachdem Gottes heiliges, wahres Evangelium wieder zu Tage gekommen, ich zu meiner selbst Bedenken gekommen, daß ich den vermeinten Stand verlassen und in ein ehrbar gottseliges Leben mich zu begeben geursacht bin, daß ich den durchlauchtigsten, hochgeborenen Fürsten und Herrn Philipp, Landgrave zu Hessen untertänigst ersucht habe, mich gnädigst aus des bemeldeten Klosters Gütern und Gefallen abzulegen." Wer unterschrieb und dem alten Glauben abschwor, erhielt eine Abfindungssumme, wer das nicht tat, mußte das Land verlassen. Von den Dominikanern, die schon 1490 durch ihr zuchtloses Leben Anlaß zur Beschwerde Wilhelms III. gegeben hatten, unterschrieben 23 Mönche. Die Franziskaner, durch klösterlichen Geist und hohe Bildung bekannt, unter ihrem Guardian Nikolaus Ferber, wiesen das Ansinnen zurück und gingen 1528 in die Verbannung. (1)— Die Brüder vom Gemeinsamen Leben („Kugelherren", ihr Kloster, das Kugelhaus, war erst 1477 gegründet), hatten ein makelloses Leben geführt, gebetet, studiert, Seelsorge versehen und die Jugend unterrichtet. Sie verließen ebenfalls Marburg, da Widerstand nutzlos war. Von den Zisterzienserinnen zu Caldern unterschrieben wenige, im Stift Wetter nur vier. Die anderen zogen außer Landes. Die Mönche zu Haina wurden 1527 als „mutwillig und faulfressig" benannt. Ihr reicher Besitz reizte am meisten zur Übernahme. Das Kloster hatte, überall verstreut, mehr als 360 größere (Höfe) und kleinere (Grundstücke) Besitztümer und einen riesigen Waldbesitz von 6000 Hektar. 19 Mönche unterschrieben, der Abt floh verkleidet mit sechs Getreuen nach Mainz und weiter nach Speyer. In Ilbenstadt plante der Propst selbst, mit Hilfe der Burgmannen das Kloster aufzulösen. Diese kamen und raubten Urkunden und alle Wertsachen. Das Nonnenkloster Niederilbenstadt dagegen hatte gute Zucht, nur eine Nonne trat aus. Größte Unordnung war auch bei den Augustinern in Hirzenhain. Bis 1570 waren alle Mönche ver/ocjen. (Hier sind nur Kloster genannt, die irgendwie auf Bauerbach, be/.ogen waren.)
Philipp hat sich an dem Gut der Marburger Klöster nicht bereichert und seine Geldnot war ein chronisches Leiden, Im „Fraterhaus zum Löwenbach" (Kugelhaus) brachte er die Theologische Fakultät der 1527 neugegründeten Universität unter, im Dominikanerkloster die Juristische und im Franziskanerkloster die Philosophische und Medizinische Fakultät.

Weite Teile Deutschlands waren Luther gefolgt, zumal man dadurch vieler lästiger Pflichten los und ledig geworden war. Die freie Entscheidung des Gewissens hatte man durch den Grundsatz „Cuius regio eius religio" (Der Fürst bestimmt die Religion) aufgehoben. Und die Mehrheit der Fürsten stand auf der Seite der Reformation. Selbst in katholischen Teilen wie im Amte Amöneburg, waren zuverlässig katholisch nur noch Amöneburg, Mardorf, Rüdigheim und Erfurtshausen (Classen). Wo der Adel den Patronat der Kirche oder die Herrschaft hatte, sorgte er für Einführung lutherischer Prediger. Auf Amöneburg verhinderten hessische Soldaten den katholischen Gottesdienst und der Landgraf holte den lutherischen Prediger Kaspar Tholde aus Frankenberg dorthin. Die v. Falkenberg führten in Stausebach, wo sie den Patronat hatten, die neue Lehre ein, in Holzhausen waren es die Raue und in ßauerbach der Landgraf. Dieser hatte den Patronat, auch Kirchesatz oder Collatur genannt, in Caldern, Cölbe, Wehrda, Oberwalgern. Der Orden hatte ihn in Ginsel-dorf, Anzefahr, Roßdorf, Seelheim, Kirchhain und Goßfelden. Der Graf v. Ziegenhain (bis 1450) in Himmelsberg, Neustadt, Rauschenberg und Wohra. Der Erzbischof von Mainz in Amöneburg, Mardorf, Allendorf, Momberg und Niederklein, — auch in Schönstadt, Wittelsberg, Sterzhausen und Kesterburg (Christenberg). Der Kurfürst von Mainz, Erzbischof Albrecht v. Brandenburg aus dem Hause Hohenzollern, ein Vetter des protestantisch gewordenen Hochmeisters Albrecht v. Brandenburg, schaute lange tatenlos zu, wie sich seine Herde der Kirche entfremdete. Er duldete Protestanten an seinem Hofe, wie z. B. Capito. Protestanten berichteten über die Bischöfe von Mainz, Köln und Augsburg, diese drei seien schon halb evangelisch. Albrechts Nachfolger, Sebastian v. Heusenstamm, kam über bloße Mißbilligung dieser Zustände nicht hinaus. Der nächste Erzbischof, Daniel Brendel v. Homburg, stand mit seinem katholischen Glauben in Mainz allein. Adel und Hofstaat waren der Neuerung zugetan und Edelknaben, die in den Hofdienst traten, bedangen sich aus, nicht katholisch werden zu müssen. Schon beim Regierungsantritt v. Heusen-stamms hatte das Konzil v. Trient begonnen, das eine wirkliche Reformation der Kirche „an Haupt und Glindern" anbahnte. Doch auch dieses Konzil, durch eine 10jährige Pause unterbrochen, schleppte sich von 1546—1565 langsam und oft nach-1 lässig geführt dahin. 156l berief Erzbischof Brendel v, Homburg Jesuiten nach Mainz und Heiligenstadt, was ihm unter den Mainzern den Spottnamen „Jesuitenvater" eintrug, überall war noch das Luthertum im Vormarsch und die Katholiken hatten sich kaum zur Gegenwehr aufgerafft.

 
In unserer Heimat war in dem Stift auf Amöneburg, wo 10—12 Geistliche, die in den umliegenden mainzischen Orten die Seelsorge versahen und ein gemeinsames Leben führten, nichts von einer Erneuerung zu merken. Im Gegenteil, dort hatten sich alle Bande der Zucht gelöst und Zustände, bis dahin unmöglich, waren nach 1520 eingerissen. Denn die neue Lehre hatte an den alten Mißstäiiden nichts gebessert, nur noch Kampf und Haß hinzugefügt. Man mußte gestehen, daß es jetzt schlimmer denn zu Papstes Zeiten sei. Erst nach dem Trientiner Konzil bahnte die Gegenreformation eine echte Erneuerung an.

Der erste Rektor der neugegründeten protestantischen Universität zu Marburg war Ferrarius Montanus, d, h. Eisermann, ein „Berger". In der Folge gingen die Amöneburger Studierenden nach Marburg anstatt wie bisher nach Mainz, was der Verbreitung lutherischen Gedankengutes Vorschub leistete. Selbst aus dem Sauerland können wir Studierende in Marburg nachweisen. Martin Bergheber (Bergkhebber), seit 1514 Kantor und Keller, zeitweilig auch Kommissar, Richter und Konservator des Deutschen Ordens, heiratete seine Haushälterin und hatte drei Kinder. Er starb 1530 an der Pest. Auch der Kanonikus Konracl Lingelbach war verehelicht (gest. 1568). Die Frau des Kanonikus Johannes Lüge hieß Barbara. Er wurde 1557 Dechant und wußte auch dann noch seine Ehe fünf Jahre zu verheimlichen. Nach seiner Amtsentsetzung zog er 1560 mit seiner Familie nach Marburg. Kanonikus Hundskopf (Cynocephalus) heiratete Anna Lapf. 1589 verpflichtete er sich, seine „Köchin Anna Lappin" zu entlassen (gest. 1606). Der Vikar Joh. Ernst v, Wetter hatte 1592 erwachsene Kinder. Das Sorgenkind des Stiftes war Konrad Lautz, ein leichtfertiger Schuldenmacher und Trinker, der mit seiner „Person" einen unlauteren Lebenswandel führte (gest. 1585). Der alte Kommissar Petrus Zimmermann (Carpen-tarius) ließ die Zügel schleifen und wurde seines Amtes enthoben. Der Nachfolger Petrus Musculus (Maus) hatte es nicht leicht, den angehäuften Schmutz auszufegen. Er führte im Stift und Amt die Gegenreformation im Geiste von Trient durch und führte auch Bauerbach, Schröck und Himmelsberg zur Kirche zurück.

Auf moralischem Tiefstpunkt war die Reichsabtei Fulda, die Gründung des hl. Bonifatius angelangt. Der Keim zum Niedergang war schon 1220 gelegt, als die Äbte Reichsfürsten wurden und bei manchem derselben der Abtsstab nur ihrer Machtgier dienen mußte. Schon um 1350 war die Abtei ganz in die Gewalt des Adels geraten und die 400 Mönche, die zur Zeit des hl. Sturmi im Kloster waren, finden wir um 1500 auf 6 adelige Kapitulare und 10 bürgerliche Mönche zusammengeschmolzen. Die letzteren waren den adeligen Herren gegenüber völlig entrechtet. Die Klosterregel war vergessen, das Chorgebet verstummt, der Abt hatte seine Residenz außerhalb des Klosters, das Leben mancher Kapitulare war nur auf Lebensgenuß gerichtet. Die Reform gutgesinnter Äbte, die Abt Reinhard schon 1540 versucht hatte, lehnten sie ab. Trotz allem trat jedoch nur ein einziger, v. Biedenfeld, zur neuen Lehre über und heiratete eine Nonne. Erst der Abt v. Dernbach schuf nach 1570 gründlich Wandel.


Es fehlte auch damals in Marburg nicht an Widerstandskämpfern. Ein solcher war Nikolaus Ferber aus Herborn, der mit Luther etwa gleichaltrig war. Er wies den Landgrafen darauf hin, auch die Schriften der alten Kirchenlehrer, und nicht nur die Luthers und Melanchthons zu lesen. Er klagte über „das Treiben der wilden Mönche", d. h. der entlaufenen zuchtlosen Priester, wehrte sich gegen die Fortnahme von Kirchen- und Klostergut, und wies auf die alte, katholische Tradition Hessens hin, die auf Bonifatius und Elisabeth zurückging.(2) Philipp hielt sich an Ferbers Gegner, Adam Kraft und Franz Lamberg, ein aus dem Kloster Avignon entwichener Franziskaner und Schüler Zwingiis, den Wortführer der Hornberger Synode. Ferber, der in Homberg für seine Kirche eingetreten war, hatte schon vorher Redeverbot erhalten und mußte jetzt flüchten. In Köln wurde er Domprediger und auf einer Reise nach Spanien warb er für Übersee-Missionen, um die Verluste der Kirche in Europa in Amerika wett zu machen. Erst 50 Jahre alt, holte ihn der Tod 1535 aus seinem Wirken.

 
Selbst der Rat der Stadt Marburg und der Bürgermeister wehrten sich gegen das Neue und suchten das „Interim", eine Zwischenlösung herbeizuführen. Auch der Komtur des Deutschen Ordens, Joh. v. Rehe, stand auf der Seite der alten Kirche; ihm gelang es, in St. Elisabeth, der Ordenskirche, den katholischen Kult wieder einzuführen. Professor Thamer, ein Schüler Luthers und evangelischer Ordenspfarrer, nahm seinen Abschied, weil er nicht zürn Alten zurückkehren konnte. „Der einfache Mann dagegen ließ sich führen. Er brauchte Zeit, sich an das Neue zu gewöhnen" (Kürschner). „Der Altar wurde jetzt den Thronen unterworfen und nach der Mach!, die die Kirche gehabt hatte, griffen jetzt begierig die Fürsten" (Thieß). Bei dem Beharrungsvermögen des Oberhessen ist es nicht verwunderlich, daß sich alte Reste lange erhalten haben. Die Marburger Kirche, wohl unter dem Einfluß des Deutschen Ordens, was konservativer als die anderen Hessens. Noch um 1550 kaufte die Stadtpfarrkirche neue Kaseln.(3) Lateinische Gesänge, weiße Chorröcke, Metten und Vespern, alte Feiertage hielten sich lange, und bis 1918 war noch Weihrauch in Gebrauch. Die Marburger Märkte liegen noch heute auf alten Heiligenfesten, auf Lichtmeß, Maria,Verkündigung, Walburgis, Maria Heimsuchung, Michael und Elisabeth. In der Zeit der „Aufklärung" (18. Jahrhundert) hielten es die Gebildeten und höheren Stände für zeitgemäß und modern, der Kirche fern zu bleiben. Nicht so das Volk. Erst 1770 wurden die „dritten Feiertage" zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten verboten, aber doch gehalten, die verbotenen Metten wurden gut besucht, namentlich die Christmette. 1772 schaffte Kassel alle Apostel- und Heiligenfeste ab. Bis dahin hatte man auch am I.Mai „die Erhebung der Gebeine der hl. Elisabeth" gefeiert.

Im Bereich des Kreises sind noch etwa 30 Kirchen aus altkatholischer Zeit erhalten, so die Martinskirchen zu Michelbach und Wehrda, die Marienkirche zu Wehrshausen und die Nikolauskirche zu Caldern. Die romanische Kirche zu Michelbach, um 1130 erbaut, hat, wie die zu Caldern noch das Sakramentshäuschen; die zu Wehrshausen, 1139 erbaut, noch den Reliquienstein mit den fünf Kreuzchen, die zu Caldern, 1250 von Elisabeths Tochter Sophie erbaut, einen gotischen Kelch und Kruzifixus, die Stadtpfarrkirche zu Marburg die alte Monstranz.

Ergänzung

  1. In Butzbach hatten die Kugelherren seit 1468 eine Niederlassung. Ihr Ordenswappen IHS = Jes(us), griechisch, ist von 33 Flammen umgeben, die (mutmaßlichen) 33 Lebensjahre Jesu andeutend, wurde später das Enblem der Jesuiten. Heute ist es noch im Giebel-dreieck des Kugelhauses unter dem Kreuz zu sehen. Außer in Marburg haben die Kugelherren eine stille, aber segensreiche Tätigkeit in anderen hessischen Städten entwickelt, so in Kassel, Butzbach und Königstein, wo sie Schulen einrichteten. In Marienthal/Rheingau hatten sie schon 1468 eine frühe Druckerei,die Gutes leistete (Hannappel, Hess. Jb. f. Landesgeschichte, 24.Bd. 1974, S. 55 oben).
  2. Euricius Cordus schrieb mit außerordentlicher Schärfe an Spott und Ironie gegen den ehemaligen Franziskanermönch Franz Lambert. Das großspurige Auftreten dieses Südfranzosen aus Avignon, seine völlige Unkenntnis der deutschen Sprache, obschon er sieben Jahre mit einer deutschen Frau verheiratet war, seine Mißachtung kirchlicher Überlieferungen, sowie seine gehässigen Bemerkungen über die bäuerliche Bevölkerung Hessens, trugen ihm die Ablehnung vieler ernsthafter Männer jener Zeit ein. Seine Veröffentlichungen stießen auch auf sehr ernste theologische Bedenken. In einem Brief Franz Lamberts an Bucer in Straßburg heißt es: "Ich verabscheue die Sitten dieser Hessen so sehr, daß ich glaube, an ihnen vergeblich zu arbeiten". Die Abneigung, die Cordus gegen Lambert hegte, kommt auch in den Gedichten zum Ausdruck, die Cordus an den Pfarrer Decius Agricola in Wetter richtete.
  3. In Oberrosphe kaufte man noch 1675, also 150 Jahre nach der Einführung der Reformation, einen neuen Beichtstuhl. Die Einzelbeichte, auch Ohrenbeichte genannt, war demnach noch nicht überall abgeschafft, auch in Norddeutschland blieb sie noch lange Brauch.

Bauerbachs lutherische Zeit (1530 — 1608)

Mitten in diesen Wirrnissen stand auch unser Dorf. Fünf lutherische Prediger haben auf Geheiß des Landgrafen hier sowie in Schröck und Himmelsberg amtiert und im ganzen kein schlechtes Andenken hinterlassen, von einer Ausnahme abgesehen. Es mochte in demselben Jahre sein (1530), als man auf Amöneburg den Kommissar des Erzbischofs verjagte, da Bauerbach in Johann Greser (1530—1555) den ersten lutherischen Pfarrer bekam. Die Kirchenaufsicht hatte Adam Kraft, der Superintendent zu Marburg. (Superintendent entspricht etwa dem katholischen De-chant.) In Holstein hieß er Propst, in Süddeutschland Dekan, bei den Reformierten Ephorus.
Als 1555 Greser starb, wurde Heinrich Sprenger (1555—1575) sein Nachfolger. Petrus Zimmermann (lateinisiert Carpentarius), der Kommissar auf Amöneburg, beschwerte sich bei dem Superintendenten Kaspar Tholde, damals in Frankenberg, Sprenger, der Pfarrverseher in Bauerbach, habe sich mit vielem unleidlichem Benehmen angemaßet. Er habe am vergangenen Palmsonntag (1575) den Armen seiner Pfarrkirche, wie bräuchlich, das Nachtmahl gereicht. Im Wirtshause habe er ein Glas Bier holen lassen und daraus die Armen mit dem Blut Christi getränkt, als wisse er nicht um die Zeremonien der Kirche. Zum ändern habe er ebenfalls den armen Pfarrkindern auf das hohe österliche Fest das Nachtmahl des Herrn reichen wollen. Da habe es vielleichter an „Ostien" gefehlt und habe in Bäckers Haus einen Weck holen lassen und den armen Leuten in den Mund gestoßen, welches alles schimpflich zu hören ist mit dem Nachtmahl des Herrn also leichtfertig umzugehen. Daneben ist er eine unruhige Person mit Hadern, das keinem Pferrner wohl ansteht. Sprenger, der einen Bauernhof gekauft hatte, von dem er zwar Zehnten und Medem aber keine Dienste zu leisten hatte, beschwerte sich beim Oberamtmann und beim Statthalter an der Lahn, man schmälere seine Einkünfte und verkaufe Kirchengüter (1564). Daß der katholische Kommissar sich an den lutherischen Superintendenten wendet und dann an den Erzbischof von Mainz, welcher ihn anweist, solche Pfarrer nicht in den kurfürstlichen Dörfern (d. h. in katholischen Orten) zum Predigen zuzulassen, zeigt eindringlich, wie man sich in Mainz mit den neuen Verhältnissen abgefunden hatte, wie man sich nicht zum Abwehr entschloß, wie man in der Bewegung Luthers noch keine andere Kirche sah und wie gering noch der Abstand zwischen altem Glauben und neuer Lehre war. Der Kommissar fährt fort, er habe auf Besserung gehofft und „umb des Friedelebens willen" alles hingehen lassen. Jetzt aber sei es offenbar, daß sich Herr Sprenger auf dem Lahnberge habe mit einer H .... treffen lassen. Herr Tholde solle gemäß der Augsburger Konfession eine ehrbare Person nach Bauerbach verordnen. Sprenger wurde, da er die Profanierung des Sakramentes eingestand, auf einer Generalsynode zu Marburg abgesetzt.

Johann Strack, Pfarrer zu Schröck (1575—1588), Sohn des Johann Strack zu Münchhausen, wurde nun Sprengers Nachfolger, da er sowohl von den Schröckern als auch von den Bauerbachern sehr gelobt wurde. Ihm begegnete gleich am Palmsonntag 1575 ein Unglück, (1) an dem er unschuldig war, gleichwohl aber dafür büßen sollte. Henche Weintraut, Kirchendiener und Schullehrer, hatte aus Versehen eine Kanne Essig statt Abendmahlswein auf den Altar gestellt, den der Pfarrer auch austeilte. Weintraut wurde gefesselt durch Marburg geführt, wo er 14 Tage bei Wasser und Brot im Turm verbrachte. Im Volksmund bildete sich die Sage, Weintraut sei Bauer gewesen, der der Kirche als Landpacht habe Wein liefern müssen und habe mit dem Essig Betrug geübt. Dafür seinen auf seinen Äckern später nur noch Dornen und Disteln gewachsen. Richtig ist, wie das Salbuch von 1592 besagt, daß Weintraut als Lehrer neben einem Ordens-Lehnhof ein Stück Land hatte, das noch bis in unserer Tage Schulland war. Henche Weintraut war 1590 schon tot. Der Vormund seines Sohnes Johann, Henrich Weyell, verkaufte Weintrauts Einkünfte an Johann Kißler und Peter Möller in Bauerbach. Strack trat während der Untersuchung des Falles vom Dienst zurück. Der Stipendiatenmajor Balthasar Garthe vertrat ihn. Als sich Stracks Unschuld herausgestellt hatte, wurde ihm auch Ginseldorf übertragen, das bis um 1589 ebenfalls lutherisch war. 1544—1593 war ein Hermann Strack aus Buchenau Pfarrer auf dem Christenberg. Die Gemeinde Bauerbach bereitete ihrem Pfarrer Ärger, weil sie einen Lehrer nach ihren Gunsten einsetzen wollte, der ihnen jährlich von einem Gut zwei Gulden zum Verzechen zahlen sollte. Den Erlös für das Gras des Kirchhofs wollten sie ebenfalls vertrinken. „Wider alles Herkommen gehe der Pfarrer mit Vieh und Ackerwerk um und partire" (d. h. treibe Handel), so lautete eine andere Beschwerde, dabei nicht bedenkend, daß die Geistlichkeit von ihren Sachbezügen aus der Landwirtschaft leben mußten. Ein Verzeichnis von 1582 gibt als Pfarrgut einen Pfarrhof an, den Jakob Kol . . . bebaute und von dem Kol dem Pfarrer die Pacht entrichtete. Wenn Klagen an das Oberamt auf Amöneburg oder gar nach Mainz gingen, so standen die Kapitelherren meistens auf der Seite der lutherischen Pfarrer, — man hatte sich eben mit der Neuerung abgefunden. In seiner zwiespältigen Lage mußte Bauerbach zwischen dem lutherischen Landgrafen und dem katholischen Erzbischof hin und her schwanken. Im Vertrage von Merlau 1583 wurde dem Erzbischof von Mainz der Besitz der oberhessischen Ämter bestätigt, wobei aber Bauerbach, Schröck und Himmelsberg ausgenommen waren, während es aber im Jahre zuvor, 1582, noch hieß: „Die hohe Obrigkeit stehet in Bauerbach und Ginseldorf sonder alle Mittel meinem Gn, Churfürsten und Herren zu und es hat sonst niemands zu gebieten allda." Als nun im gleichen Jahre der Gregorianische Kalender eingeführt wurde, wehrte sich Pfarrer Strack dagegen, Der mainzische Amtmann auf Amöneburg, Jost Rau v. Holzhausen bemerkte dazu, „es sei für Bauerbach dazu kein Befehl gegeben" und fügte spöttich hinzu: „Kaiser und Papst hätten wohl Besseres zu tun, was des Reiches Frieden diene, als neue Kalender zu machen". Papst Gregor XIII. (1572—85) hatte den alten Julianischen Kalender verbessert und den heute noch gültigen geschaffen. Beide unterschieden sich um zehn Tage und Kaspar Preis, Stausebach, rechnete in seiner Chronik immer nach beiden Kalendern, dem alten und dem neuen. Die evangelischen Fürsten wollten den päpstlichen Kalender nicht und manches Fürstentum hat ihn erst nach 1700 notgedrungen angenommen.

1588 verließ Strack Bauerbach. Der nächste Pfarrer war Moritz Heydel (1588—1595), der in Marburg wohnte und von dort aus die Pfarrei versah. Anfangs versorgte er alle drei Orte, gab aber bald Schröck und Ginseldorf ab. In Ginseldorf amtierte der Deutsch-Ordenspfarrer Philipp Steuermeister, 1596 wurde Heydel in eine andere Pfarrei abberufen.

Sein Nachfolger war Nikolaus Stau dt (1595—1608), der letzte der lutherischen Pfarrer. Noch 1632, während des Krieges, versicherte er, daß er während seiner Bauerbacher Zeit weder von AmÖneburg noch von Mainz die geringste Hinderung erfahren habe. Der Amöneburger Schultheiß sei sogar öfters in seinen Predigten gewesen. Gegen die in Bauerbach geltende hessische Kirchenordnung ist seitens Mainz nie Widerspruch erhoben worden. Alle hiesigen Pfarrer besuchten die Synoden der landgräflichen (lutherischen) Pfarrer und der Marburger Superintendent Herdenius, später Leuchter, visitierten die Pfarrei wie jede andere. Die deutschherrlichen Pfarreien ließen sich diese Besuche nicht gefallen und es entstanden die „Freipfarreien".  Die Bauerbacher Kirchenrechnungen wurden gemeinsam von dem Marburger Stuperintendenten und dem Mainzischen Rentmeister abgehört. (2)Staudt hebt besonders das gute Einvernehmen hervor, das er mit der Gemeinde gehabt habe.

Ergänzung

  1. Während der 30 Kriegsjahre war ein Kaspar Weintraut Lehrer in Allendorf.
  2. Aus den protestantischen Jahren Bauerbachs gibt uns eine Akte aus dem Mainzer Jurisdiktionalbuch im Bayr.Staatsarchiv zu Würzburg (Blatt 15/16) recht eingehende Auskünfte. Wir hören da über die Landeshoheit, den Kirchenpatronat, den Zehnten, über die Ordens- und die Amöneburger Stiftshöfe, über Pfarrgut und Adelsbesitz, Schutzgeld und -haferr Waldungen und Jagdrechte und über das Landgericht "uff dem Rath Hauß zu Amenaburg". Alles datiert aus den Jahren 1555 - 1582
    BAUERBACH
    Die Haimbürger zu Bauerbach zeigen an, das die Collatur (Kirchesatz) Landgraff Ludwig zu geben hab, und so etwan an der Kirchen zu bauen wehr, muß es auß dem Kasten gebawet werden, mit hülff der nachparn handt Arbeit.
    Der Zehendt steht den stiffts herrn zu Amenaburg zu, daran hatt ein Pfarher zu Bauerbach das Viertheils des Zehendts aldo, und vom Clein Zehendt nichts.
    Die hohe Obrigkeit stehet (sonder alle mitteil) meinem gn. Churfür-sten und herrn zu, und hatt sonst niemandts zu gebietten aldo.
    Es seind vier Hoffling aldo, die in das Teutsch hauß gehn Marpurg pfochten mit namen
    C rafft von Guntzeldorff Peter Weintraut, Born Jacob und Herrn Weindraut.
    Ein guttgen Pf acht Juncker Curdt von Schwalbach, habens vom Abtt von Haina, hatt Nau Hanß under handen. Die Stifftsherrn haben ein Hofflehngut aldo, mit namen Reitz eiffer und Junghen lauer under handen.
    Es geben auch die underthanen dem Landtgraffen jerlich 8 fl. zu 15 Patzen schutzgeltt
    Es hatt auch der Pfarher ein Pfochthoff aldo, und hat ihn under handen Jacob von Kol (...be?) gibt dem Pfarher sein Pfocht järlich. Kurts. Die Underthanen haben sonderlich kein geholtz sonder die Bürcken streuch die vor Leinberg stehen. Es hatt auch ein Ampsman zu ieder zeitt ein Hasen an dem ortt zu jagen ohn eintragk (Beeinträchtigung) .
    GUNTZELDORFF.
    Die Haimbürger zu Guntzeldorff zeigen an, das die Collatur die Teutschen Herrn zu Marpurg zu geben haben, und die Kirchen werdt gebaut auß dem Kasten mit hülff der Nachpar Handt Arbeitt. Die hohe Obrigkeit stehet mein gn. Churf. und herrn zu Maintz zu, sonder alle mittell.
    Die Zehen gutter daselbst stehen alle dem Landt Commenthur zu Margpurg zu.
    Ein guttgen daselbst steht Herman Riedeseln von Margpurg zu, mit namen Kuntz gißell (Kissel). Es hatt auch ein Ampsman zu ieder zeitt ein Hasen zu jagen macht, ohn eintrag. Die bürcken streuch vorm laimburgk, haben die von Guntzeldorff in Irem geprauch, beneben dem hindstrauch, und Heller Rain. (hinderstrauch) Letztlich geben sie dem Landtgraffen acht mtr (Malter) schutzhabern mußen sie auff Michels tag gehn Marpurg lieffern, in Renthoff. Dieße vorgenante funff Dorff, alß Martorff, Rustorff, Schricka, Bauerbach und Guntzeldorff haben ein gemein Landt gericht, welches zu rechter zeitt zu Amenaburg uff dem Rath Hauß gehaltten würdt. Worterkl ärungen: Collatur (Kirchesatz) = Besetzungsrecht f.d. Pfarrstelle aus dem Kasten gebawet = Baukosten trägt die Kirchenkasse hohe Obrigkeit = die Landeshoheit Hoffling = Hofpächter, Beständer

    Pfacht, Pfocht, pfochten

    = Pacht, pachten

    gütigen Pfacht

    = Pachtgütchen

    Bürcken streuen

    = Birkenstrauch, -wäldchen

    Zehen gutter

    = zehntpflichtige Höfe

Die Verbesserungspunkte und die Rückkehr

(1) Man nannte diese Punkte auch die Mauritianische Kirchenreform. Als Landgraf Moritz, ein Sohn Wilhelms IV. und Enkel Philipps, 1605 die zweite Reformation begann, änderte sich die Lage von Grund auf und neue Glaubenskämpfe begannen, diesmal zwischen den Lutheranern und Kalvinisten (Reformierten), — eine schärfere Gegnerschaft als zuvor zwischen Lutheranern und Katholiken. Philipp hatte 1567 sein Land unter seine vier Söhne geteilt, wobei Ludwig IV. Marburg, Gießen, Nidda, Eppstein bekam. Als Ludwig 1604 kinderlos starb, trat sein Neffe Moritz das Erbe an. Er war ein kunst- und musikliebender Fürst, der mehrere Sprachen beherrschte, aber, wie später der Alte Fritz, derbe Bescheide liebte. Als Reitz Zoller zu Schwar-zenberg eine Abgabe in „gemeinem Gelde" erlegen wollte, erhielt er gesagt: „Wir wollen ihm aufs Maul seh......, wenngleich nicht so wüste, wie sichs gebührte."

Als der Röhrengießer Kohler um Erlaubnis zum Glockengießen einkam: „Einen großen Dreck auf seine Nase ..." Moritz näherte sich der Lehre Kalvins. Dieser, ein französischer Reformator, stand in vielem gegensätzlich zu Luther. In Genf hatte er sich zum Diktator aufgeschwungen, wo er 1564 starb. Besonders Schottland und Holland schlössen sich seiner Lehre an. Zu seinen französischen Anhängern gehörten die Hugenotten, die in mehreren Wellen später nach Hessen einwanderten. Moritzens Verbesserungspunkte stießen allerseits auf heftigsten Widerstand. Der Erzbischof, der die lutherischen Prediger zugelassen hatte, verbat sich die reformierten. Er schrieb seinem Oberamtmann auf Amöneburg, daß die Verbesserungspunkte in das Gewissen der Untertanen eingriffen und dem Religionsfrieden zu Augsburg widersprächen. Die Schenke zu Schweinsberg, von denen ein Teil noch lange katholisch blieb, die Raue v. Holzhausen und anderer Adel war auch gegen Moritz. Die Stadt Marburg wehrte sich ebenfalls gegen das neue Bekenntnis. Jeder einzelne Hausvater wurde verhört, doch die Kuchen blieben leer. Man ging lieber nach Bauerbach und Schröck zu den lutherischen Geistlichen, Oder man ging in die Elisabethkirche, wo der Seelheiiner Pfarrer Heinrich Nikolai predigte. Die Punkte verboten Dispute über die Gegenwart Christi im Sakrament, die Hostie beim Abendmahl sollte durch Brotbrechen ersetzt werden, eine neue Zählung der Zehn Gebote wurde eingeführt und vor allem sollten alle Bildwerke verschwinden. Stumme Zeugen dieser Gewalttaten sehen wir noch am Kugelhause und an der Dominikanerkirche, der heutigen Universitätskirche. Auch der abgebrochene Bildstock am Waldrande nördlich der Marburger Straße, wird auf dieses Konto kommen. Die Marburger wandten sich vergebens gegen den Bildersturm. Die Grafen v. Waldeck waren dieser sinnlosen Zerstörung abhold. Ihnen verdanken wir es, daß so viele edle, vorrefor-matorische Kunstwerke erhalten blieben (Wildunger Altar). Rauschenberg hat ebenfalls seinen schönen Flügelaltar behalten (spätgotisch, um 1410). Viele Kunstwerke wurden, um sie zu retten übertüncht oder, wie das Grab Christi in Steinau an der Straße, zugemauert. In Oberhessen waren es nur 27 Pfarrer, die sich der Neuerung fügten. 60 bis 70 gaben lieber ihr Amt auf. Aufrechte Männer, die, wie achtzig Jahre zuvor die katholischen Mönche, auf Fürstengunst verzichtend, lieber in die Verbanung zogen, als sich „von oben" einen Gesinnungswechsel diktieren zu lassen. Superintendent Leuchter, Marburg, ging nach Darmstadt, Heinrich Nikolai, Großseelheim, nach Hildesheim, Theophil Faber, Cappel, nach Sayn im Hunsrück. 1653 bekamen die Reformierten die Kugelkirche und später die Dominikanerkirche zugewiesen. Die Marburger Professoren, die sich der Mauritianischen Reform nicht unterwarfen, wurden ausgewiesen und gingen ins Darmstädtische Hessen, das 1607 in Reaktion gegen Landgraf Moritz die Universität Gießen gründete.

Bauerbach wurde besonders stark in die Kämpfe verstrickt. Die lebende Generation, deren Eltern und teils auch die Großeltern waren im Luthertum aufgewachsen und sah in dem Neuen einen Abfall vom Hergebrachten. Mainz verlangte für die kurmainzischen Orte Widerruf der Verbesserungspunkte, es verbot den Untertanen bei schwerer Strafe den Besuch der Kirche. Die Kirchentüren wurden von Amöneburg aus versperrt und verriegelt. Nun kam jeden Sonntag von Marburg ein Kommando Soldaten mit einem Schlosser, der die Türen aufbrach. Der neue Pfarrer, der Bauerbach verlassen hatte und in Marburg wohnte, kam mit den Soldaten und predigte — doch meistens vor leeren Bänken, denn nur die Soldaten waren in der Kirche. Auch von Kirchhain liegen Rechnungen vor, daß ein dortiger Schlosser die Himmelsberger Kapelle erbrochen hatte. In Schröck wird es nicht anders gewesen sein. Noch 1641 gingen an der Kirche zu Rauisch-Holzhausen ähnliche Kämpfe vor sich, Erzbischof und Landgraf stritten um das Bekenntnis der Einwohner, wobei der Stärkere, der Landgraf, siegte. Pfingsten 1606 verlangten eine Anzahl Bauerbacher das Abendmahl gespendet zu haben. Die Soldaten der Schutzwache schlössen sich dem Wunsche an. Eine Menge Marburger zog mit und füllte die kleine Dorfkirche. Zweihundert Kommunikanten empfingen das Abendmahl durch Pfarrer Staudt in der Hostie, nicht durch das reformierte Brotbrechen. Sofort wurde Staudt verhaftet und drei Wochen auf dem Schloß gefangen gehalten. Mittlerweile war man der Militärgewalt gegen Kirchen und des Erbrechens der Türen müde geworden. Der Erzbischof Johann Schweikard v. Kronberg verhandelte, worauf hin man Staudt nicht nur frei ließ, sondern ihm befahl, sein Amt in Bauerbach weiter zu versehen, „bis sich die Herren verglichen" hätten. Es war der Rheinfelser Superintendent Christian Zin-del, der den Landgrafen Moritz bewog, seine Rechte in Bauerbach, Schröck und Himmelsberg aufzugeben und gegen den Mainzer Patronat in den landgräflichen Orten Eppstein, Nordenstadt und Oberliederbach einzutauschen. (Im Main-Taunus-Kreis, zwischen Frankfurt und Wiesbaden). Der Vertrag kam am 30. Oktober 1608, im gleichen Jahr, als die evangelischen Fürsten die „Union" schlössen, zustande. Er gab unseren drei Dörfern den alten Glauben zurück. Alle Register und Dokumente sollten, gegenseitig zurückgegeben werden, doch sollte sich an allen Zinsen, Zehnton, Gefallen und Diensten nichts ändern. Diese sind denn auch bis zur Ablösung 1840 so geblieben. Auch Lutheraner und Reformierte haben gelegentlich Dörfer ausgetauscht. 1708 kam Holzburg/Schwalm von Hessen-Darmstadt an Hessen-Kassel und ist lutherisch geblieben.

Pfarrer Staudt blieb bis zum Vertrage von 1608 noch im Amt, ohne daß man ihn behinderte. Er wurde später Pfarrer zu Wieseck bei Gießen. Dort gab er noch 1632 zu Protokoll, daß er auf seine Bauerbacher Zeit als einer glücklichen Zeit seines Lebens zurückdenke und wenn es möglich wäre, er gerne nach dort zurückginge. Eines Tages, im Herbst 1608, erschien der Amtmann von Amöneburg mit dem neuen katholischen Pfarrer Johannes Scherer von Amöneburg, um diesen in sein Amt einzuführen und Staudt zu bedeuten, daß der landgräfliche Patronat und somit alle Rechte Staudts „gäntzlich abgeschaffet" seien. Das Dorf war wieder kirchlich mit Amöneburg und Mainz verbunden. Doch blieben vielerlei Beziehungen zu Marburg, nicht nur wirtschaftliche, bis heute erhalten, überhaupt waren die Bindungen an den Berg immer viel lockerer gewesen als die der Orte der Ohmebene. Unser Dorf war schon seit 1327 stärker auf Marburg und seinen Landgrafen bezogen, was in der lutherischen Zeit besonders deutlich wurde und sich auch später in den Kirchenbüchern zeigt. Es ist aber trotz allem wieder zu seinem alten Glauben heimgekehrt und ihm bis heute treu geblieben. Heute sind beide Orte fast einheitlich im Bekenntnis, Bauerbach hat nur 7, Ginseldorf 20 evangelische Christen. Als eine Pfarrei sind Bauerbach und Ginseldorf jetzt (1958) 350 Jahre vereint.

Ergänzung

  1. Vor dieser Urkunde muß die These von Lesch (S. 150) zerbröckeln, Bauerbach habe zu Hessen gehört und sei evangelisch gewesen: "Die Hohe Obrigkeit steht dem Gnädigen Kurfürsten (d.h. Mainz) zu. Es hat sonst niemand zu gebieten allda". Bauerbach war seit 1133 nachweislich kurmainzisch und somit katholisch; katholisch war es aber auch schon circa 400 Jahre zuvor und daß das Dorf dann etwa HO Jahre lang einen lutherischen Prediger hatte, machte es noch längst nicht hessisch. In einer langen Beschwerdeschrift an den Superintendenten Tholde in Frankenberg klagt Strack über die Haltung der Dorfbewohner. Sie sprechen dem Pfarrer das Recht ab, den Opfermann (Küster) ein- und abzusetzen, verweigern der Kirche die jährlichen Zinsen von 18 Turnosen (Turnose waren Silhergroschen aus dem Münzort Tours in Frankreich stammend. Ein Tomos galt 10 Denare, ein Schilling 12 Denare). -Der Opfermann will die "Leihe" (das Lehen) nicht anerkennen; er hat sich von der Kirche getrennt und "sich zum Haufen geschlagen", d.h. er hat, wie die Mehrheit der Leute, die Reformation nicht mitgemacht und will katholisch bleiben. Sie lehnen alles, was von der neuen Lehre kommt,ab, sogar das Vaterunser in anderer Form (Schneider, Amöneburg, S. 96 f.). Bauerbacher, die das Buch "Heimat" gelesen haben, werden nicht wenig gestaunt haben, daß sie noch 350 Jahre nach jenen Ereignissen "umfunktioniert" werden sollten. Allerdings ist Bauerbach mit allen kurmainzischen Ämtern - Amöneburg, Neustadt, Fritzlar - in Hessen 1803 hessisch geworden, was aber keinen Wechsel im Religionsbekenntnis zur Folge hatte.

Das Lüneburger Rituale

Hierzu Abb. 11.

Cantica Sacra Veteris Ecclesia Selecta.
Heilige Gesänge der Alten Kirche, ausgewählt.

Von Lucas Lossius in Lüneburg verfaßt, mit einem Vorwort von Phil. Melanch-thon versehen, von Gabriel Hayn 1553 in Nürnberg gedruckt, gehörte es, laut handschriftlichem Vermerk, 1568 der Kirche zu Rauschenberg. Durch einen Pfarrer, Strack, Heydel oder Staudt, wird es nach Bauerbach gekommen sein. Vielleicht auch von Himmelsberg, das damals bis 1608 Filiale von Rauschenberg war. Der Verfasser hat das meiste aus alten katholischen Quellen übernommen. Wir finden alte liturgische Hymnen in unverändertem lateinischen Text. Früher hatte fast jedes Bistum seine eigenen Texte, die das Konzil von Trient, zu dessen Zeit das Buch gedruckt wurde, vereinheitlichte. Der Ambrosianische Hymnus hat heute einen ändern Wortlaut, während das Buch den alten bringt. Die Eingangsgesänge (Introitus) vieler Sonn-und Festtagsmessen dagegen sind unsere heutigen. Die Anfangsworte dieser Intro-iten werden in der evangelischen Kirche noch als Sonntagsnamen gebraucht, (so: Oculi, Laetare, Exaudi usw.), während sie bei den Katholiken kaum üblich sind. Im ganzen finden wir über 300 lateinische Gesänge, doch nur 6 deutsche. Unter andererem 30 Hymnen, 48 Introiten, 150 Antiphone. Das Marburger Gesangbuch von 1539 hatte jedoch schon 80 deutsche Kirchenlieder. Aber obwohl in diesem Jahre in Hessen schon der Büß- und Bettag eingeführt war, wird er in dem Lüneburger Buch nicht erwähnt. Es war ein halbes Jahrhundert nach der Trennung der Bekenntnisse, mehr als 20 Jahre nach Martin Luthers Tode, als dies Buch erschien.

Wie auch heute noch, wird strenge unterschieden zwischen Anbetung (Gottes) und Verehrung (der Heiligen.) In dem Untertitel von dem Kult der Heiligen heißt es, daß ihnen nicht die Ehre Christi erwiesen werde. Die Liturgie von Maria Verkündigung und Maria Geburt nimmt einen weiten Raum ein. Maria Lichtmeß und Heimsuchung haben gar noch eine Vigil (Vorfeier). Der Heimsuchung Mariens ist ein Hymnus von Melanchthon gewidmet. Das Magnificat, zu dem Luther selbst eine Betrachtung schrieb, war noch in häufigem Gebrauch, wie die Randbemerkungen des Geistlichen besagen. Das Magnificat wurde in sieben Melodien gesungen. Der Lobgesang des Zacharias („Benedictus") ist auch vertreten. Heute wird er beim Begräbnis gebetet. Melanchthon'sche Hymnen sind den hl. Engeln und Johanni Geburt (24. Juni) geweiht. Die Daten der Feste sind nicht angegeben, weil sie als allgemein bekannt gelten. Gültige Heiligenfeste sind Pauli Bekehrung, Philipp und Jacobus, wie Peter und Paul, mit Vigil, dann Maria Magdalena, Johanni Enthauptung, Erzengel Michael, Hl. Engel, und Allerheiligen mit Vigil. Diese Vigilien hoben die Feste noch stärker hervor wie heute, Feste des Herrn waren Weihnachten, Epipha-nie (6. Januar), die Parasceve (Karfreitag), Ostervigil (Karsamstag), Ostern, Himmelfahrt, Pentecostes (Pfingsten), und Trinitatis.

Hymnen sind von Rhegius, Lüneburg (1432), von Helius Eobanus Hessus (gebürtig aus Halgehausen, 1488—1540) und das uralte „Veni Creatur Spiritus". Sehr gepflegt war der Gregorianische Choral, nach Papst Gregor dem Großen (um 600) benannt. Das Agnus Dei (Lamm Gottes) hatte viele Singweisen, das Benedicamus elf. Gering ist nur das deutsche Kirchenlied vertreten. Von Martinus Luther ein Kinderlied, dann In Dulci Jubilo, — Ein Kind geborn zu Bethlehem, — Jesus Christus unser Heiland, — Nun laßt uns den Leib begraben. Bei den Zeremonien zur Ordi-nation wurde das uralte „Nun bitten wir den hl. Geist" gesungen. Das noch ältere „Media vitae" (Mitten im Leben) von Notker von St. Gallen (gest. 910) ist in Latein gegeben.

Die alten katholischen Begriffe Messe und Kommunion sind noch geläufig, im Liber Tertius (dritten Untertitel) sind die Meßgesänge zu finden. Der Chor soll Lieder singen, während die Gemeinde zur Kommunion geht. Das Kredo ist wörtlich unser heutiges, selbst die Stelle „Et Unam Sanctam Catholicam et Apostolicam Ecclesiam" (und an eine heilige katholische apostolische Kirche), und die Litanei ruft die Bitte „Ut Ecclesiam Catholicam regere digneris, daß Du die katholische Kirche regieren wollest". Die sechs damals gebräuchlichen Präfationen samt dem Sanctus entsprechen ganz den jetzigen.

Der vierte Untertitel hat Psalmen, Reste des alten Breviers, Vespergesänge, unser TG Deum und das Symboium des Kirchenlehrers Athanasius, das Glaubensbekenntnis. „Fides autem Catholica haec est" Dies aber ist der katholische Glaube, lesen wir. Gloria und Kyrie sind erhalten, doch der Meßkanon, Herz und Mittelpunkt des Ganzen, fehlt. Die Pfarrer haben ihre Glossen hinzugefügt, rechtsseitig immer die Schriftbelege und links die moralische Nutzanwendung, alles im Kirchenlatein. Das Latein ist auch sonst noch lange in Gebrauch geblieben, so bei Glockeninschriften. Die Betglocke der Stiftskirche zu Wetter, 1595 gegossen, trägt die Inschrift: „En ego mandato . . ." Erst Professor Christian Wolff, der 1740 in Marburg lehrte, machte das Deutsch an der Hochschule „hoffähig".

Wir haben, hier ein Zeitdokument vor uns, das uns ein klares, deutliches Bild von dem kirchlichen Gebetsleben unserer Vorfahren in ihrer lutherischen Zeit gibt. Der Inhalt des Buches steht genau jener Ansicht entgegen, als sei die Reformation „von unten herauf" gekommen, d. h. vom Wunsch und Willen der breiten Volksmassen getragen. Die nach diesen Texten betende und singende Gemeinde konnte sich nur als katholisch betrachten. Mehrere, bis zu vier Knaben, sangen vor und die Gemeinde antwortete auf Latein, Es war auch nicht ein für örtliche Verhältnisse zugeschnittenes Machwerk. Da es in Lüneburg verfaßt und in Nürnberg gedruckt wurde, hatte es sicherlich weiteste Verbreitung gefunden. Das Rituale ecclesiasti-cum, das 1705 der Lüneburger Superintendent Caspar Calvör herausgab, darf man wohl als Nachfolgerin oder spätere Neuauflage unseres Buches ansehen.

Die 1530 von Melanchton verfaßte Augsburger Konfession war in katholischem Geiste gehalten und hielt alle Gegensätze versteckt. Daher Königsmark: „Da schlag der Teufel in die Augsburger Konfusion". Dazu war für Luthers Zeit der Gedanke ganz unmöglich, es könne zwei christliche Kirchen geben. Es war auch nicht Luthers Absicht, eine neue Kirche zu gründen. Hätte das Buch nicht die Vorrede und die Beiträge von den Reformatoren Luther und Melanchthon, sähe man den Gegensatz zur alten Kirche nur an dem Liede „Erhalt uns Herr bei Deinem Wort und steur des Bapst und Türcke Mord", und an der Bitte der Litanei: „Das Du uns vor Deiner Feinde, des Türcken und Papstes Lesterung und grausamen Mordt und Unzucht gnediglich behüten wollest" . . . Wie die Anhänger der „Los-von-Rom Bewegung" um 1900 in Österreich, so konnten sich damals die Benutzer dieses Buches als romfreie Katholiken betrachten, doch nicht also von dem alten Glauben Getrennte. (Siehe Überschrift „veteris Ecclesia"). Offensichtlich ist hier und nicht nur in Bauerbach, das Volk in dem Irrtum gehalten, noch ein Teil der alten Kirche zu sein.

In Schweinsberg war ein Pfarrer Mörske, „ein vermischter Theologus, papistisch, zwinglisch, etc. aus allem etwas". Sein Nachfolger, Pfarrer Knau, war wieder katholisch und amtierte so bis 1561. Damals war die Spaltung noch überbrückbar, doch es gab Mächte, denen an dem Bau einer Brücke nichts gelegen war. So hat sich die Kluft nicht aufgefüllt oder verengt, sondern ist tiefer und tiefer geworden. Bis in neuerer Zeit die „Una-Sancta"-Bewegung zu neuer Einheit finden will.

Einen Rufer zur Wiedervereinigung hat es schon zu Luthers Zeiten gegeben. Der in Fulda lebende, 1501 in Vacha geborene Georg Witzel, erstrebte sie. Neben den Reformatoren und den beim Alten Beharrenden gab es eine dritte Richtung, der Witzel angehörte. (1) Diese wollte eine Reform nicht durch Neuerungen, sondern durch Rückkehr zur altchristlichen Gestalt der Kirche. So erhoffte er die Wiedervereinigung zu erreichen, aber die Mächte, die hinter Luther standen, waren doch die stärkeren.

Ergänzung

  1. Merian (S. 137) nennt Georgius Wicelius(Weitzel !) aus Vach(a). Dieser sei erst Römisch-Catholischer Priester, dann Evangelischer \J>. i-digiM-, hernach v. i->•!(;•,• ein Papist und fcrners ein Interirnist ge-wf"iU>n. l>a» verdeutlicht die ganze Wirrnis und Unsicherheit auf !U .v; (k'bi.<;t der Religion in damaliger Zeit.

 

Rückschlag in die Gegenbewegung

Jedem Pendelschlag folgt ein Rückschlag und jeder Bewegung eine Gegenbewegung. Diese konnte auf dem Gebiete des Glaubensbekenntnisses nicht ausbleiben. Nach dem Trientiner Konzil, Martin Luther war bereits gestorben, begann die Kirche, Verlorenes zurückzugewinnen. Zwei Orden weihten sich besonders dieser Aufgabe, der neugegründete der Jesuiten und der der Franziskaner. Im Amte Amö-neburg waren es Petrus Musculus und sein Neffe und Nachfolger Konrad Hoffmann, die in den mainzischen Dörfern die Rückeroberer waren. 1591 wurde Musculus De-chant und blieb es bis zu seinem Tode 1632. Neben unserm Ort verdanken ihm Schröck, Anzefahr, Sindersfeld, Himmelsberg und Stausebach die Konversion. Der Erzbischof Joh. Adam v, Bicken machte ihn zum Kommissar, so daß er sich ganz seiner Aufgabe widmen konnte. Während des Krieges starb er in hohem Alter. Trotz seines Versprechens schickte der Landgraf nun einen kalvinischen Prediger und unterdrückte den katholischen Kult. Den Geistlichen wurde sowohl der Lebensunterhalt als auch die Wohnung entzogen. Das Grabmal Musculus ist in der Kirche zu Amöneburg. Konrad Hoffmann ebenfalls Amöneburger, setzte das Werk von Musculus fort. Die feindlichen Besatzungen der Stadt machten ihm oft mit Seelsorge-und Predigtverbot sein Amt schwer. Bei der Zerstörung der Stadt flüchtete er mil Dokumenten und Paramenten.

Nach dem Kriege sorgte er für Wiederaufbau der Kirche, des Stiftes (1677) und der Stadt. Das Stiftsgebäude, die spätere Lateinschule, ist 1916 abgebrannt. Hoffmann brachte Bartholomiten in das Stift. Das waren Geistliche, die ein gemeinsames, fast klösterliches Leben führten und die mainzischen Dörfer pastorisierten. Bartho-lomäus Holzhauser, Pfarrer in Bingen, hatte diese Gemeinschaft gegründet. Hoffmann führte die für das Stift geltende Ordination strikte durch. Der Besuch auswärtiger Häuser sollte vermieden werden und das Ausbleiben über Nacht in den Pfarr-orten war verboten. Das Halten von Pferden war zu kostspielig und nicht gestattet, denn die Einkünfte waren nach dem Kriege, bei dem völlig verarmten Lande, gering. Weingelage im Stift durften nicht gehalten werden. Abends machte der Kommissar selbst einen Kontrollgang. Daß das religiöse Leben wieder in Ordnung war, zeigen die vielen Priesterberufe aus den mainzischen Orten nach 1700.
Die Volksmissionen, die Vinzenz von Paul, ein französischer Priester (1576 bis 1660), begründet hatte, arbeiteten in derselben Richtung. Sie werden noch heute überall abgehalten. Die Jesuiten, von Schröck kommend, trafen am 29. Mai 1684 in Bauerbach ein. Im Missionsbericht, der uns erhalten ist, werden abergläubische Bräuche in Schröck gerügt, so das Seilspringen und Anbinden von Stroh in der Neujahrsnacht. Dasselbe wird ausdrücklich auch von Bauerbach erwähnt. Die Sakramentsbruderschaft hatte in dem kleinen Dorf, das nur 14 Familien zählte, 70 Mitglieder, was fast alle Erwachsenen waren. Die Patres waren nur einen Tag hier, was wir heute Einkehrtag nennen. Am nächsten Tage waren sie in Ginseldorf, das mit 18 Familien größer als seine Mutterpfarre war. Die Leute wurden besonders zur Friedfertigkeit und zum Gehorsam gegen ihrer Pfarrer (Joh. Philipp Kaul) ermahnt. Den Pfarrern wurde empfohlen, die Christenlehre nicht mehr an das Hochamt anzuschließen, da dann viele junge Leute nach Hause gingen, weil ihnen der Gottesdienst denn zu lange dauerte. Die Geistlichen sollten im Dorfe zu Mittag essen und danach die Christenlehre halten, ehe sie auf den Berg ins Stift zurück gingen. Sindersfeld hatte keine Kapelle, die in Himmelsberg war baufällig. Para-mente und Meßgeräte fehlten ganz und mußten geliehen werden. Anzefahr hatte zwar 36 Familien, aber in der Kirche war kein Ewiges Licht, keine Paramente und kein Meßkelch.

1692 erhielten die Sänger für ihren Beitrag bei der Corpus-Christi-Prozession (Fronleichnam) eine kleine Vergütung (war wohl ein Kirchenchor unter Leitung des Lehrers Paul Stuhl). Schon vor 1580 und dann 1608 hatten Fritzlarer Jesuiten missioniert, doch war damals ihre Tätigkeit in Bauerbach noch unmöglich. 1784 gab Ge-richtsschöpf Peter Kissel, sen., 30 Gulden für eine feierliche Dreifaltigkeitsprozession. Leider ist nicht bekannt, ob das die Stiftung der Prozession ist, doch der Schotte Kissel scheint der Stifter zu sein. Die Pfingstmontag 1799 von Elisabeth Schröder gestiftete Prozession findet ebenfalls heute noch statt. Zur Prozession auf Christi Himmelfahrt spielte eine Musikkapelle (1730). 1814 kaufte man in Frankfurt für 40 Gulden neue Fahnen. Blösing, der letzte Beständer des Arzbachhofes, ging wahrscheinlich nach Bauerbach zur Kirche, denn er stiftete 1784 ein kleines Kapital, dessen Zinsen an die Armen gegeben wurden. Eine andere Stiftung war von Margaretria Forsch aus dem Deutschen Hause zu Marburg.

Johanniswein

Aus dieser Zeit ist auch die Sitte des Johannisweins belegt. Der hl. Johannes, Evangelist, war der Liebesjünger, der mit dem Kelch dargestellt wird. Als man ihn vergiften wollte, erzählt die Legende, trank er das Gift ohne Schaden. Ein 600 Jahre altes Fresko in der Schloßkapelle zu Marburg zeigt den Evangelisten Johannes, wie er mit erhobener Rechten den Kelch segnet, den seine Linke hält. Der Brauch ist alt. Von Martin Luther ist bekannt, daß er seinen Freunden zum Abschied Johannis-trunk und Johannissegen reichte. Bei den Pietisten war das noch nach 1700 üblich (Löber). Die Rechnungen weisen 1689 "Communikantenwein" nach. Das war unkon-sekrierter Wein, der, als Erinnerung sozusagen an die frühere Kommunion unter beiden Gestalten, nach dem Empfang der Hostie gereicht wurde. In Mardorf geschah das an 14 verschiedenen Festtagen des Jahres. Der Johanniswein wurde hier in der Pfarrei Bauerbach, wie auch in der Rhein-Main-Gegend, an der Mosel und sonstwo arn Feste des Evangelisten Johannes, am dritten Weihnachtstage ausgeteilt. Der Priester sprach dabei die Worte: „Trinket die Liebe des hl. Johannes". Im Rheingau und um Frankfurt besteht die Sitte heute noch. Im Allgäu wird dem Brautpaar nach der Trauung ein Becher Weines als „Trank der Liebe" gereicht. In St. Peter und Paul, Marburg, hat Pfarrer Rützel die Segnung des Johannesweins eingeführt. Der Wein wird jedoch nicht in der Kirche genossen, sondern mit nach Hause genommen. Auch Kranke trinken im Vertrauen auf die Fürbitte des Heiligen einen Schluck des gesegneten Weines. Von den Weinbaugegenden her hat sich die Sitte ausgebreitet. Sie ist um 1800 bezeugt vom Uder, Eichsfeld und aus Olpe/Westfalen, war also überall bekannt, Während sie in den meisten Orten der Nachbarschaft um 1850 erlischt, hat man den Wein hier in Bauerbach noch bis vor dem ersten Weltkriege getrunken.

Die Kataster von 1837 und 1835 vermerken eine alte Weinabgabe zum Johanniswein. „Ein hessisches Maas Wein und sieben Gulden 42 Kreuzer ruht als Weinabgabe auf dem Hause des Anton Nau (No. 7) und muß auf das Fest Johannes Evangelist jährlich in trinkbarem, gutem, weißen Rheinwein spätestens vor dem Morgengottesdienste durch den Kastenmeister oder den Kirchendiener in die Kirche geliefert werden". In Ginseldorf lieferte Christoph Gnau, Haus 26, den Johanniswein. Sicherlich war die Weinabgabe ein Rest der alten, deutschherrlichen „Pietanz" (Festgabe), die auf manchen Höfen ruhte und der Hof Nau in Bauerbach war der Haupthof des Ordens. Das ist so geblieben bis anfangs unseres Jahrhunderts, solange der Johanniswein gereicht wurde. Erst Pfarrer Weigand hat diesen Brauch abgeschafft. (1)

Ergänzung

  1. in Allendorf war der Brauch noch bis 1892 lebendig. In der Pfarrkirche St. Peter und Paul, Marburg, wurde seit 1953 versucht, die Segnung des Johanneaweina wieder einzuführen, was aber wegen geringer Beteiligung nach etwa 10 Jahren wieder abgebrochen werden mußte.

 

Auch im Adel

Eine Rückkehrbewegung machte sich nicht nur im Volke, sondern auch im Adel, ohne dessen Mithilfe wohl die ganze Bewegung als Gelehrtengezänk im Sande verlaufen wäre, in einzelnen Fallen selbst im Landgrafenhause unter den Nachkommen des Bekennerfürsten Philipps des Großmütigen, bemerkbar. Vier derselben wählten den Rückweg zur alten Kirche. Friedrich (1616—1682) ein Urenkel, konvertierte 1637 zu Rom und wurde Malteserritter und Bischof von Breslau. Ernst I. (1623—1693) ein anderer Urenkel, Landgraf von Rotenburg-Rheinfels, konvertierte 1652 in Köln. In seinen Landen blieb das katholische Bekenntnis bis 1808 verboten, Ernst hatte ganz neuartige politische Ideen, Die Erzbischöfe sollten ihre Lande an den Kaiser abtreten, der machtmäßig nur noch ein „Schattenkaiser" war. Ernst ließ das „Rhcinfelser Gesangbuch" herausgeben, dessen Lieder wir heute z, T. noch singen. Er dachte sogar an einen europäischen Staatenbund, um weitere Kriege zu vermeiden. Er mußte sein Land verlassen und starb in Köln, Christine, die einzige Tochter des Schwedenkönigs Gustav Adolfs, der auch ein Urenkel Philipps war, dankte 1654 ab und konvertierte in Brüssel. Sie war ein recht eigenartiger Charakter und ist keine Zierde der Kirche geworden. Friedrich II., ein Neffe jenes Friedrich, der als hessischer Landgraf König von Schweden wurde, konvertierte 1749 in Paderborn. Sein Name ist in einen Stein des Bogens an der alten Ohmbrücke bei Bürgein eingemeißelt. Sein Denkmal steht am Friedrichsplatz in Kassel neben der neuen St. Elisabethkirche. Er lebte zur Zeit der sogenannten Aufklärung, die die Kämpfe zwischen den beiden Bekenntnissen noch nicht vergessen hatte. Friedrich mußte seine Kinder protestantisch erziehen lassen, die 700 Katholiken Kassels mußten sich von den Predigern taufen, trauen und beerdigen lassen, sie durften 1776 ihrer ersten Kirche keinen Turm und keine Glocken geben und der erste Geistliche, Asselen aus Fritzlar, mußte sich in weltlicher Kleidung in die Stadt einschleichen. Diese Spannungen haben sich erst im Wirrwarr der Napoleonischen Kriege gelöst. Den gleichen Schritt, wie diese Landgrafen wagten auch andere Fürsten, so ein Herzog von Braunschweig-Wolfen-büttel, von Sachsen-Zeit/ und von Württemberg. Ferner König Heinrich IV. von Frankreich 1593, dann Jakob II. von England 1672 und seine Söhne Karl Eduard und Heinrich Bonedikt, der Kardinal wurde. Alle drei, die letzten Glieder des Hauses Stuart, liegen in St. Peter zu Rom bestattet. — In unserer Zeit, außer vielen ändern, war es Anna, Landgräfin von Hessen, eine geborene Prinzessin von Preußen, die Tante Kaiser Wilhelms II. (1836—1918), die 1901 in Fulda konvertierte und dort im Dom vor dem St. Anna-Altar bestattet liegt.