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Farbenfreude, Festtagsglanz

Abb 24

 

(Hierzu Abb. 24, 25) Vorbei ist die Zeit, wo farbenfrohe Kleidung als unfein und bäurisch galt und doch ist jene Mode, die die bunteste und froheste war, rasch im Absterben begriffen. Denn eine Mode ist unsere Tracht auch, nur eine stehengebliebene Mode aus der Barockzeit. Die Schwälmer Tracht isl die älteste, jünger ist die protestantische Marburgs, noch jünger die katholische Marburger Tracht. Ihre Farbenfolge ist zwar alt, doch der Schnitt ist jünger. Auch sie hat sich langsam geändert, das „Halstuch" (Brusttuch) ist nach 1860 von Fulda her eingewandert, das Kopftuch erst nach 1890 aus der Rhön, Man nahm an, die Tracht würde allmählich verstädtern, einzelne Stücke würden sich erhalten, so wie damals, als 1940—1945 sich bombengeflüchtete Frauen aus dem Ruhrgebiet heimische Motzen stricken und besticken ließen. Doch dem ist nicht so. Die Tracht geht unvermittelt zugrunde. Als nach 1948 Einzelne anfingen, sich umzukleiden, bekamen auch die ändern Mut und reißend schnell kam dann der Verfall. Vielleicht werden die Enkel dieser Neuerinnen einmal mit Wehmut einsehen, was man so leichtsinnig geopfert hat, ohne einen vollwertigen Ersatz zu haben, den man aber jetzt zu haben glaubt.

 
Das betrifft alle Dörfer, nicht nur unsere, und viele evangelische Orte haben diesen Weg noch früher beschriften. 1956 wurde ein Stand der Tracht in Bauerbach aufgenommen. Die Mädchen und Frauen der Geburtsjahre 1920—1940 wurden auf die Frage betrachtet: „Tracht oder Kleider"? Was älter war als 1920, trug noch alles Tracht, Die acht Jahrgänge 1920—27 hatten zu 25 noch Tracht, nur zu 5 Kleidung. Auch die nächsten sechs, 1928 bis 1933, waren noch günstig mit Tracht vertreten, nämlich 19 Tracht und 6 Kleider. Die letzten sechs Jahrgänge, 1934—39, hatten bis auf 5 die Tracht aufgegeben, 19 trugen Kleider. Gertrud Gölzhäuser war das letzte Schulmädchen, das 1960 in Tracht die Schule verließ. In Ginseldorf war es schon 1952 soweit, daß kein Schulmädchen mehr Tracht trug. Dort waren 1959 noch drei Mädchen, 22 Jahre alt, die die letzten Trägerinnen waren. Die obigen Zahlen haben sich bis heute (1960) weiter zu un-gunsten der Tracht verschoben. Wie ganz anders sah das Bild aus, das R. Helm 1930 vom Stande der Tracht in unseren katholischen Orten aufnahm:
 

Trägerinnen

% der Gesamtzahl

 

Trägerinnen

°/o der Gesamtzahl

Bauerbach

190

100

Schröck

375

95

Ginseldorf

116

100

Roßdorf

303

95

Erfurtshausen

200

100

Sindersfeld

123

86

Mardorf

490

97

Anzefahr

157

73

Amöneburg hatte damals nur noch 3°/o Trachtenträgerinnen, Neustadt und Momberg keine mehr. In den genannten acht Orten waren demnach noch 1954 Trägerinnen, Unter den protestantischen Orten der Nachbarschaft hatten Großseelheim und Niederwald noch bis zu 100% Tracht, über 50% hatten noch Kleinseelheini, Schönbach, Betziesdorf und Bürgein.

Die „Insellage" unserer katholischen Orte hat die Tracht besser konserviert, wenigstens bis um 1900. Es ist auch keine Vermischung mit anderen Trachten eingetreten. Den Bestand, den wir 1930 noch hatten, hatte die Schwalm schon 1910 nicht mehr. Nur durch die längere Erhaltung der Männertracht stand die Schwalm günstiger da und die Malerkolonie Willingshausen sorgte für Publizität; etwas, das uns hier, bis Karl Lenz kam, fast ganz abging.

Wie die heimische Mundart, so schloß auch die Tracht die Gemeinschaft des Dorfes fest zusammen. Sie regte an zum farbenfrohen Gestalten, Bereichern und Ausschmücken. Man braucht nur einmal die schönen Zwickelstrümpfe mit ihrem unerschöpflichen Reichtum an Mustern zu bewundern und dasselbe gilt, in noch höherem Maße von den Prachtstücken an Brusttüchern, die an Sonn- und Feiertagen getragen werden. Dazu kamen früher noch die Stickereien auf Pantoffeln, Hosenträgern, Schulranzen und anderen Gebrauchsdingen, die an der Farbenfreude teilnahmen. Die Tracht kam der Freude am Festlichen und am Schönen entgegen, sie klang harmonisch mit den kirchlichen Hochfesten zusammen. Ihr Reichtum stand im Einklang mit der Fruchtbarkeit der Scholle, auf der sie erwachsen war. Je wohlhabender ein Dorf, desto besser die Entwicklung und Erhaltung der Tracht, doch standen Bauerbach und Ginseldorf auch nicht hinter den Orten der fruchtbaren Ohmebene zurück. Die Tracht hob das Lebensgefühl und stärkte das Bewußtsein, etwas Eigenes und Einmaliges, etwas Besonderes zu haben. Sie war zwar teuer in ihrer erstmaligen Anschaffung, bürgte dafür aber in ihrer Haltbarkeit für eine lange Lebensdauer, die bei guten Festtagsstücken zwei bis drei Generationen währte. Wenn die junge Frau wohl ausgestattet in die Ehe ging, war sie, von kleineren Anschaffungen abgesehen, auf Lebenszeit aller Kleidersorgen enthoben. Sie war auch recht anpassungsfähig für Arbeit, Jahreszeit und Wetter. Sie ließ sich dicker, wärmere und dünner, leichter gestalten, je nach Bedarf, von dicken und dicksten Wollsachen zu leichten Stoffen und leichtestem Kattun. Sie wirkte auch nach Ablegen von Motzen, Halstuch und schweren Röcken noch hübsch und gefällig. Daß sie unhygienisch sein soll, ist völlig unerwiesen. Jedenfalls brachte sie nicht jene Krankheiten rheumatischer und anderer Art, die die medizinische Wissenschaft unserer heutigen Frauenkleidung bescheinigt, die für unser Klima, von einigen warmen Sommerwochen abgesehen, völlig ungenügend und unzweckmäßig ist. Freilich ist es ein Nachteil, daß die Tracht nicht auf den Schultern, sondern auf den Hüften ruht, und daß sie schwerer sauber zu halten ist, als städtische Kleidung. Findet man sie aber einmal unsauber, dann ist das kein Fehler der Tracht, sondern ein Mangel ihrer Trägerin. Mathilde Hain, Professor in Frankfurt, hat die Tracht eingehend beschrieben: „Das Lebensbild eines oberhessischen Trachtendorfes". Hier sei daher nur kurz einiges gestreift.

Wenn die kleinen Mädchen laufen lernen, bekommen sie die erste Tracht. Die Farbfolge, die sie dann durchs ganze Leben begleitet ist Rot, Grün oder Blau, Schwarz. In dieser Folge wurden früher die „Kappen" (Hauben) getragen, ehe sie dem Kopftuch Platz machten. Das Saumband der Röcke ist erst rot, bei Verheirateten grün oder blau, bei alten Frauen schwarz. Der Motzen ist aus Wolle, gestrickt, bei der Festtagstracht aus Seide oder Samt. Die Mädchen tragen farbige, die Frauen schwarze Motzen, am Werktag, Das „Kirchewerk" wird nur zum Gottesdienst getragen. Sonntags nachmittags trägt man Ausgehwerk, was man auch in die Stadt anzieht. An Röcken hat man den blauroten „Sprinkel", den grauen „Schimmel", den „Mäusfahlen", ferner verschiedene grüne, so den „Flaschengrünen", graue, und bei besonderer Feier auch mal rote. Das sonn- und festtägliche Prunkstück ist das reichbestickte Brusttuch, dessen Enden breit über den Rock hängen. Höchste Entfaltung zeigt die Brauttracht mit der Brautkrone. Auch die kleinen Erstkommunikanten gingen als kleine Bräutchen mit ähnlichem Kopfschmuck wie die Braut. In dieser Tracht begleiten sie auch die feierliche Prozession auf Fronleichnam. Nach der Ehe ebbt die Farbenfreude allmählich ab und flammt nur an Festtagen noch zur vollen Pracht auf. Im Alter wird nur noch Schwarz getragen. Lang und streng waren die Trauerzeiten. Um Eltern und Ehemann trauerte man drei Jahre, die von Volltrauer („harter Trauer") allmählich zur Halbtrauer überging. Um ein Kind trauerte die Mutter zwei Jahre. Um Onkel, Tante, Vetter, Kusine. Großeltern ging man ein Jahr in Schwarz. Es ist unmöglich, die unendliche Vielgestalt der Tracht und ihre ungeschriebenen Gesetze in Kürze darzulegen. Wir sehen aber, wie viel bereits verloren ging. Den Verlust werden wir erst einsehen, wie bei allen anderen verlorenen Dingen, wenn sie unwiederbringlich tot sind. Wir können ihr nur nachtrauern, wiedererwecken läßt sie sich nicht mehr. Eines sollte uns aber dieses Buch in Seele und Gewissen brennen: Mag die Tracht auch Museumsstück werden, das ist natürlicher Verlauf. Nie aber dürfte sie zum Narrenkleid werden! Heute schon sieht man, wie die Kinder nichts besseres mit ihr anzufangen wissen, als sie auf Fastnacht aus der Truhe zu holen, und sie dem Gespött der Gasse preiszugeben. Es sollte uns wenigstens die Erinnerung heilig bleiben an das Kleid, das Jahrhunderte lang mit stolzem Bewußtsein getragen wurde. Das sind wir unserer Selbstachtung schuldig!

Männertracht

Im Gegensatz zur Frauentracht war die der Männer über weite Gebiete einheitlich. Einzelne Stücke fristen in den großen Kleiderschränken unserer Bauern-häuser seit Jahrzehnten ein obskures Dasein. Bei Feiern mit historischem Einschlag kommen sie gelegentlich hervor. Die gebietsweise Verschiedenheit der Frauentracht ergab sich daraus, daß die Schneiderinnen daheim blieben, während die Schneidergesellen jahrelang auf Wanderschaft gingen, die sie oft bis in die Nachbarländer ausdehnten (Hebel, Der Schneider in Pensa), Doch haben auch Männer Frauentracht geschneidert, anders ist die Zahl von fünf Schneidern in einem Dörfchen von 250 Einwohnern (Bauerbach (1837) nicht zu erklären, Ginseldorf hatte bei 234 Seelen zwei Schneider. Das sind sieben Schneider da, wo heute einer genügt. Das Ausschmücken der Tracht mit Stickereien wird auch damals den Frauen überlassen gewesen sein.

Totes Erbe

Auf den Böden, aus den Truhen
drin verborg'ne Schätze ruhen
kramt noch mancher Mutter Hand
rar geword'ne Kostbarkeiten:
Motzen, Halstuch, Rock und Band.
Doch die liebevoll erdachten
farbenfrohen, schmucken Trachten
feiern kaum noch Wiederkehr.
Und die schönen Spukgeschichten,
die die Väter noch berichten,
glauben Kinder heut' nicht mehr.

(Otto Bluse)

Der „Schwimmgürtel

Humor ist der Schwimmgürtel auf dem Meere des Lebens. (Wilh. Raabe)

Man war nicht leicht beleidigt, wenn man um die Zeit von 1350, als man sich Schreibnamen zulegte, von seinen Nachbarn einen oft recht bissigen Spottnamen bekam, der dann in der Folge zum Familiennamen wurde. Später wurde man schon empfindlicher, wie die Bußregister von 1665 zeigen, wo man für ein leichtes Wort mit einem Gulden gestraft wurde. Obschon es mit dieser überempfindlichkeit heute nicht besser steht, hat doch jedes Dorf seinen Necknamen, mit dem es vom Nachbarn gehänselt wird. Zumeist ist es nicht bös gemeint, wird aber oft bös aufgefaßt, wenn kein Sinn für Humor vorhanden ist. Manche dieser Spottnamen sind in ihrer Bedeutung ersichtlich, andere lassen einen Grund finden, wenn dieser auch nicht immer der richtige Grund ist, wieder andere sind völlig undurchsichtig.

Hier folgen die Necknamen der kurmainzischen Orte:

Bauerbach

Kirschknäpper

Ginseldorf

Loobstrepper

Amöneburg

Beerger Luppje

Allendorf

Hänsche

Anzefahr

Hugs ....

Emsdorf

Engel

Erfurtshausen

Stickestecke

Himmelsberg

Blohkepp

Mardorf

Esil, Bochlappe

Momberg

Ranzemänner

Niederklein

Saandhose

Neustadt

Suerahme, Wilddiebe

Roßdorf

Stinz, Fettkeall

Rüdigheim

Kuckucke

Schröck

Drache

Sindersfeld

Gaßbeck

Stausebach

Heckeknipper

Der Bauerbacher Name ist klar und bezieht sich auf den seit alters her bestehenden Obstbau, von dem uns ein Grabstein schon 1706 berichtet und noch lange trugen Bauerbacher Frauen Körbe voll Kirschen auf dem Kopf bis nach Schweinsberg zum Verkauf. Manche Namen beziehen sich auf den Wald und die Waldweide. Ginseldorf konnte aus seinem Gemeindewald Laubheu gewinnen (Laubstripper), was die Bauerbacher aus dem landgräflichen Lahnberg nicht durften. Die Erfurtshäuser wohnen nahe am Walde (Stickestecke), die Rüdigheimer feierten ihre Kirmes im Kuckuckswäldchen, die Sindersfelder ließen ihre Ziegen an Waldrändern und Hecken knabbern und das gleiche gilt wohl von Stausebach (Heckeknipper). Daß auch Ober-walgern wie Sindersfeld heißt, scheint unsere Deutung zu bestätigen. Oft war der Boden und seine Bebauung Grund für den Namen. Mardorf hatte auf seinen guten Böden zwar viel Getreide, aber keine Mühle, die Esel mußten die Säcke über den Eselsweg zur Brücker Mühle schleppen. Die eben genannten Walddörfer nennen sie zwar verächtlich „Heckennester", sie selbst sind aber dafür die Esel. Niederklein teilt seinen Namen, Sandhasen, mit mehreren anderen Orten, die auch auf magerem Sandboden liegen. Neustadt mag seinen Namen Sauerampfer von den sauren Wiesen an der Wiera haben. Große Orte, die weit bekannt sind, haben oft mehrere Namen. Die Mardorfer nennt man auch nach ihrem Leibgericht, dem Schweinebauch: Bochlappe. Die Roßdorfer Stinz sind in ihrer Deutung nicht klar. Ob die Stinz (Stunz), hölzerne Schöpfer fürs Schweinefutter auf eine blühende Schweinezucht hinweisen? Oder soll man an alte Lehnsverhältnisse denken? 1394 ist Ludwig genannt Styntz Schultheiß zu Marburg und 1436 wird Jacob Stintz genannt. Der Roßdorfer Name „Fettkeall", Fettkittel, deutet auch auf Schweinezucht hin. Unklar ist der Amöne-burger Name. Sollte er (wie der Spottname der Schweinsberger) von der Kleinheit des bäuerlichen Besitzes herrühren? Fraglich ist auch der Himmelsberger. Sind es die bekannten Blumen, die man Blauköpfe nennt (Teufelskralle), oder weiß man noch, daß das Dorf um 1550 mal evangelisch war? Kirchlichen Ursprungs sind übrigens auch die Namen der Emsdorfer und der Schröcker. Wenn die Emsdorfer Gemeinde nach der Mutterpfarre Allendorf wallte, stimmten sie allemal das Lied an „Ihr Engel allzumal". Man sagt auch, die vielen Hellhaarigen des Ortes hätten ihm den Namen eingebracht, In Schröck ist es der hl. Michael, der Kirchenpatron, der den Höllendrachen unter dem Fuß hat und dem Dorf diesen Namen guten, ehrlichen Ursprungs einbrachte.

Momberg und Allendorf haben den Hausierhandel als Namensgrundlage. Die einen zogen mit dein Ranzen auf den Handel, die anderen gingen als Kauf-Icute nobel, mit Handschuhen, in die Welt. Der hochklingende Name der Anzefahrer hat wohl seinen Grund in der Bahn und der großen Verkehrsstraße, auf die das Dorf vor 100 Jahren mit Recht stolz sein konnte und um die es von den anderen beneidet wurde. Anzefahr mag sich trösten mit Dilschhausen, das einen viel derberen Namen bekommen hat. Auch ein zweiter Name für die Amöneburger, Windbeul (. . . beutel), deutet auf den Stolz des uralten Städtchens auf seine alten Rechte oder auf die windige Höhenlage hin. Gehören zwei Orte zu einer Pfarrei (Bauerbach-Ginseldorf), ergeben sich daraus größere Reibungsflächen und der gegenseitige Spott mehrt sich, Häufig genügt ein einziges Wort der Mundart, eine geringfügige Abweichung der Aussprache, das den ändern aufhorchen läßt und zum Spötteln Anlaß gibt, Der kleine Gesichtskreis des Dörfchens führt oft genug zu einer sturen Unduldsamkeit. Nur das eigene Tun und Treiben ist richtig, alles andere falsch. Man lächelt überlegen darüber, daß die Ginseldorfer „Streech" sagen, da es doch „Sträch" heißt! Und ein anderes Dorf sagt gar „Bin" (Bohnen) statt „Buin"! Noch schlimmer, wenn der Nachbar „ech, mech, dech" sagt, da es doch „aech, maech, daech" heißt! So wird denn auch manches Dorf mit seiner Mundart gehänselt. Die Beerger sagen angeblich: „Mir dou vu dowe sei." („Wir tun von droben sein"). — Der Neustädter, „Do hinger do hanger der Hecke do lie'ere" (Da hinter unter der Hecke da liegen sie). — Die Kirch-hainer sagen von den Allendorfern: „In Allendorf hängt ein großer Handschuh." Und der Allendorfer, der seine Mundart und seine Heimat verleugnete: „Wieso soll ich das weißen? Ich sei doch nich von hei." Die Erhebung zur Stadt (1. 10. 1960) wird bei den Nachbarn neuen Spott heraufbeschwören. Schließlich gehört auch noch hierher, wenn man die drei Bahnstationen Anzefahr, Bürgein, Cölbe als „die ABC-Staaten" (Argentinien, Brasilien, Chile) bezeichnet.

Manche Namen stehen auf der Sterbeliste, wir hasten im Tempo darüber hin. Wer weiß noch um den Namen der Schönbacher, Kalendermacher, oder um den der Seelheimer, Hundeschlächter? Schade um jedes verlorene Stückchen Humor! Mancher Ort neckt seinen Nachbarn mit dem Verschen:

Aech sei vu.....(Ortsname) ....
dout maech in'n Stall,
Bind maech an de Kerre,
aech hu se namieh all!

Zwei Mundartproben

Zur Aussprache: ae, oe, ue getrennt, wie a-e, o-e, u-e.

A. Aus Ginseldorf:  Der leere Kefig

Ale Leure wisse's noch ganz genau. Wej de Lehrer Nau grod sei Sommerfirije hatt', wu'n in dr Noacht vorm Sonndog in de Schoul ingebroche. Beim Schou'mister woar je nit viel zu hoa'n, eawer ee Kerbje mit fresche Ajer en ee halwe Botterwaeck wu'n doch do. Doas woasch eschte Mol. Nocher sei se beim Oatsdiener och ingebroche. De Gauner wor fremd en kaant's Haus nit. So gerejt'r in de Schlofstowwe vom Madje. Kerle-kerle, woas deat doas Kresch! De Kerle eawer ging bei's en stucht e Wochslicht, oo, en saat: „Madje, sei doch rowig!" Do rejfs: „Votter! Votter!" Do kum der Votter schunt, en de Kerle sprank de Trepp nob om Votter vobei, en der Bach nin, ins Wasser. Der Votter hinner'm her, — im Hemp! Packt'n fest om Frack, griff sich ee Backscheit en schluk's em iwwer de Rippe. En rejf: „Hilfe, Hilfe!" Do kume de Nochborn gesprunge. Eener sogor mit der Schloachtmeassen. Den Kerl stoppte se ins ahle Backhaus, Enner fouer noch'm Schandorm. Anern stanne met drei, vejr Mann bei der Backhausdier en däre Wache ha'n. Der Gauner, der Drach, war eawer schlauer. Hinnerm Backhaus log ee Reiserhoofe. Innern Dachtropp guckt der Kerle dorch, soog der Hoofe Reiser, zug sei Frack aus, warf en droff ean sprank derhinner her. En do sprank'r üwer Matthes Hoop hie, deat zwaamol peife, krug Antwort en sprank zu „Wcimesch Zeil" (Weimars Zeil, ein Waldstück) nin. Wej de Schandorm kum, schloß de Dier uff, wor de Kefig leer en de Vagabond verschwunden. Kej Spur von'm; en nu stanne se do en guckte sich oo. Me weeß nit, wer's lengste Gesicht gemocht hot, de Schandorm, de Waechter ewer de Borje-meester. Am aner Dag mußde sich de Ginseldorfer noch veruze loasse, de Morbicher Zeirung schreeb: „Die Nürnberger hängen keinen, ehe sie ihn haben, die Ginseldorfer hängen keinen, auch wenn sie ihn haben."

Übrigens eine alte Geschichte und keine Blamage fürs Dorf. Wir haben es urkundlich aus dem Bußregister von 1659, daß ein Mann auf Amöneburg „das gefeng-nuß zerbrochen undt darvon gelauffen" ist.

B. Aus Bauerbach: De Bauerbaecher Uessebenniger

Woas in Bauerbach fier ochzig Juhr bassiert
Dr Kasper hejlt dr Gemeendsochs.
Doas war en wirrelich bieses Schteck.
En jeder saat: „Doas nimmt kej goures End.
Mir mache em Biest en Noasereang ean."
Dr Dieroazt kum. Die starke Menner woan schund do.
Er band de Schurz imm: „Glaech fange mer oo."
De Uess rachs, en blejs, en brommd dozou.
Off ejmol velure se de Kurasche all.
De Dieroazt saat: „De best, mer erschejße'n em Stall!"
Se warfe'm ej Haa-Seel imm de Härner rimm,
en och imm de Noase schlingde se's drimm.
Se buhrde ej Loch dorch de Waand
en dodorch stoppde se de Straang.
Hej zuche se wäj ungescheit
de Uess stoppt Noas en Kopp dorch zouweit.
Do moachde se de Ring ien — en aller Rouh
en zuche dem Biest de Noase zou.
Wäj se nu feattig woan, — O jeh!
De Uess fejll imm, en stroachd de Bee!
O Schreck! De Operatio woar vollendet,
En de Ues dobei verendet!
Schneall dorchgeschnerre de Kehl dem Ues,
dees ds Blout de Dier naus fluuß.
De Nutschlachtung woar basiert
ean schund kume se o'marschiert,
vo Seelem, Ginseldorf en Schreck
en hoelde sich ej goures Schteck.

_______-rgten? dabei ihn und zogen Stadtmauer die auf Seil dem mit Ochsen ihren Schildbürger, an nicht hier denkt Wer Vetter. sagenhaften einen hat chichtchen_____