Schiedsrichter im Rechtsstreit 1238
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Über hundert Jahre ist nun schon das Dörfchen mainzisch. Die älteren Leute, von denen manche noch auf der alten Dorfstelle im Stocksgrunde gewohnt haben, planen, die alte Kirche mit einem Wehrturm zu versehen, wie das im ganzen Umkreis der starken Feste Amöneburg geschieht. Vor sieben Jahren ist die große Heilige in Marburg gestorben. Es ist die Zeit der Hochgotik, in der die Männer lange Weiberröcke tragen.
Die Deutschen Herren haben 1233 ihren Einzug gehalten. Vor den Toren der Stadt ist das Deutsche Haus im Werden. In seinem Bereich wachsen seit drei Jahren die Mauern der Grabeskirche der Heiligen empor. Heinricus, ein nachgeborener Sohn des Dorfritters, wählt später den weißen Mantel der Marienritter, wie sich die Herren auch nennen, mit dem schwarzen Kreuz darauf. Jetzt ist er noch Plebanus von Bauerbach, Leutpriester, im Gegensatz zum Ordenspriester. Ihn hat der Erzbischof zum Schiedsrichter in einer verwickelten Sache bestimmt, die sich nun schon mehrere Jahre hinzieht. Er wird also ein gebildeter, rechtskundiger Mann gewesen sein. Unter dem Vorsitz des Dekans Eckard von Momberg, dem in Staatsgeschäften wohlerfahrenen mainzischen Statthalter auf Amöneburg und seinem Beisitzer, dem Plebanus Conradus zu Kirchhain, soll heute auf dem Berge der Schiedsspruch gefällt werden. So reitet er nun durch die Arzbach dem Kirchhainer Weg zu, von dem er dann an Radenhausen vorbei die Höhe des Berges gewinnt. Zahlreiche Dörfchen liegen 3n seinem Wege, die aber nicht größer als fünf bis acht Höfe sind. Da ist Arzbach, Odendorf, Hessel, Eihloh, Affelbach, Seckbach und Weiterstadt. Und in wie-vielen Dörfern sitzen kleine Ritter, denen es auf ihrem kleinem Besitz auch nicht besser geht als einer Sippe in Bauerbach. Bei der jetzt aufkommenden Geldwirtschaft sind sie ohne Barmittel und verarmen mehr und mehr. Sie können nicht in Samt und Seide prunken, wie die Hohen Herren, die diese Kostbarkeiten auf den Kreuzzügen kennen lernten, von denen Väter und Großväter noch erzählen. Der letzte Kriegszug liegt ja erst zehn Jahre zurück. Und die Deutschen Herren in Marburg, reich und mächtig, sind im Begriffe, einen nach dem ändern der kleinen Wäppener auszukaufen, so daß diese sehen müssen, irgendwo als Amtmann oder Schultheiß im Dienst des Landesherren unterzukommen. In der Arzbach sitzt sein Waffen-genosse Siegfried von Atisbach. In Schröck, Anzefahr, Roßdorf, Mardorf, Erfurtshausen sitzen andere der dörflichen Edelherren. (1)
Auf Amöneburg haben sich viele Zeugen der Verhandlung eingefunden: Eckhard und Hermann, die Herren von Mardorf, Heinricus, ehemaliger Schultheiß von Marburg, der Propst des Klosters Wirberg (unweit Grünberg), der Dekan von Goßfelden, Wigand, Plebanus von Schröck, die Plebani von Lohra, Fronhausen, Michelbach, Hermershausen, Dautphe, Walgern und Holzhausen (bei Fronhausen}, drei Laien aus Caldern und viele andere. (2) Es soll Recht gesprochen werden zwischen Heinrich, dem Pfarrer von Caldern und Wigand von Friedensdorf wegen einer „Holz-marcha" einem Holzungsrecht in den Waldungen bei Guntershausen (heute eine Wüstung bei Biedenkopf). Damals, als es noch keine festen Grenzen gab, diese vielmehr innerhalb großer Waldgebiete lagen, waren die Waldrechte oft zweifelhaft. Oft bestimmte man sie, wieweit man den Hahnenschrei des Dorfes hören konnte. Nach langen Verhören, Zeugenaussagen, Vereidigung der Zeugen und Beratungen kommt man zum Spruch, den ein geschickter Mönch mit feiner Feder sauber auf glattes Pergament malt. Die Namen der drei mainzischen Richter sind hinreichend bekannt, daß er nur die Anfangsbuchstaben ihrer Namen schreibt. Der Pfarrer von Kirchhain läßt den neuen Namen seiner Stadt niederlegen, bisher hieß die Siedlung Werfloh, oder Werplohe. Und so beginnt die Urkunde: „E. dei gratia decanus in ameneburc, C. et H. in Kirchan et in BURBACH plebani, iudices a venerabili domino Sifrido maguntine sedis archiepiscopo delegati" , . . Eckard, von Gottes Gnaden Dechant in Amöneburg (3), Conradus und Heinricus, Pfarrer in Kirchhain und Bauerbach, die von dem ehrwürdigen Herrn Siegfried, Erzbischof des Mainzer Sitzes bestimmten Richter . . . Bislang galt diese Urkunde als die erste und älteste von Bauerbach, sie ist aber die erste, in der St. Johannes (Baptista) als Patron der Kirche zu Amöneburg genannt wird.
Aus dem Jahre 1238 liegt noch eine zweite Urkunde vor (Abb. 5). Wieder sind es dieselben drei Schiedsrichter von Amöneburg, Kirchhain und Bauerbach, die über Güter in Guntershausen entscheiden, wegen denen Heinrich, der Pfarrer von Caldern mit zwei Frauen, Irmintrudis aus Holthusen und Gertrudis aus Friedensdorf uneins ist. In der Zeugenliste stehen die Pfarrer von Scrikede, von Ofleyden, Kir-berg, Alsfelt, Treyse, Fronhusen, Lare, Holchusen und Werkel. Ferner Widerold, Ritter, gen. von Marpurc, C., Ritter von Mardorf, der Ritter von Rodeheim und Arnold, der Rotkopf von Marpurc.
Dekan Eckard hat seinem Herrn, dem Erzbischof Siegfried treu zur Seite gestanden, als später, 1247, Heinrich Raspe, der Schwager der Hl. Elisabeth, gestorben und sich damit Hessen von Thüringen trennte. In Fritzlar hatten sie die frei werdenden Lehen für Mainz gesichert. Sechs Jahre später finden wir Eckard als Propst in Fritzlar wieder. Dem Nachfolger Siegfrieds, Erzbischof Gerhard, hilft er im Widerstreit gegen Sophie, die Tochter Elisabeths, eine tatkräftige entschlossene Frau, die ihrem Söhnchen Heinrich das Erbe sichern will. Auch Henricus, unser Bauerbacher Plebanus, steht in diesem Geschehen. Jahre nach diesem Schiedsspruch, durch den dem Pfarrer von Caldern das Holzrecht zugesprochen wurde, finden wir Heinricus als Prior (1252) im Deutschen Hause zu Marburg wieder, in einer Stellung, die ganz eindeutig seine ritterbürtige Abkunft bezeugt. Als Prior steht er ebenfalls in mehreren Urkunden. Er ist Zeuge, als Rupert v. Roßdorf und seine Ehefrau Bertha ihre Güter dem Deutschen Orden schenken und als Mechthild v. Schröck ihre Güter in Ibernhausen und Niederwetter dem Orden überträgt. Mit ihm zeugen viele seiner ritterlichen Mitbrüder, der Traparius Ludwig v. Munzenberg, der Marschall Sifridus, der Komthur Werner v. Battemburg, Ludwig, der Stadtkaplan, Wigand de Schrikede (Schröck), Johannes v. Geylenhusen und andere.
Nicht nur der Bauerbacher Dorfadel hat Söhne für den geistlichen Beruf gestellt. Ritterbürtige Plebani treffen wir überall: Eckard v. Hoinfels, Pleban in Sachsenhausen; Johann v. Hohinfels und Dietrich v. Hohenfels, Pastor in Breidenbach; die Riedesel, v. Ziegenhain und v. Linsingen (4mal) in Gemünden/Wohra und 1528 Johann v. Birgel, gen. Fleckenbühl, Pastor in Schönstadt. Zahllos sind die Ordensgeistlichen auf Amöneburg, in Klöstern, auf Bischofsstühlen und sonstwie im Dienste der Politik und des Reidies. Der Kirche aber ist letzten Endes schwerster Schaden daraus erwachsen, daß der Adel vielfach die Klöster und Bischofsstühle nur als Versorgungsanstalt ihrer nachgeborenen Söhne ansah. Neben wahren Leuchten der Kirche und wirklich Heiligen finden wir daher Unfähige und Unwürdige unter den damaligen Kirchenfürsten.
Ergänzung
- In Ginseldorf wird 1334 ein Ritter Rudolf von Ginseldorf genannt ("Rudulfus de Gfinzilindorfh"), welcher vier Höfe besaß (siehe S. 56, das Rudolphsgut) (Wyss H, 590). 1807 wird in Bauerbach ein Ulrichs-gut erwähnt.
- - Aurelia, Tochter Manegolds von Wirberg, gründete um 1230 dieses Kloster, in welches sie selbst eintrat. Veranlaßt war die Gründung durch Otto von Cappenberg, Bruder Gottfrieds von Cappenberg.
- - Eckard, mit Konrad von Marburg befreundet, war zwar Dechant hatte aber nur die Weihe als Diakon. Er starb 1253 zu Fritzlar.
Die Herren „de Burbach
Ritter von Bauerbach
Von den wenigen dieses Geschlechtes, die wir kennen, ist nur Weniges bekannt, und nur kurze Zeit tauchen sie in Urkunden auf, um im 14. Jahrhundert zu verschwinden. Immerhin genügt es, ihr Dasein und ihre Ritterbürtigkeit glaubhaft zu machen. Freilich haben sie nur zu dem niederen Adel, dem Dienstadel („Ministeriale") gehört, der auf seinem Dorfe ein „festes Haus", das heißt einen Steinbau, im Gegensatz zum bäuerlichen Fachwerk besaß. Dieses Haus kann in Bauerbach nur neben dei Kirche auf dem befestigten Hügelrücken gelegen haben, wie das von so manchen adligen Freihöfen bekannt ist, während das Dörfchen noch im „Tal" des Stockgrundes lag. Und wenn 1835 Pfarrer Ferrari von einer Überlieferung berichtet, laut welcher vor Zeiten neben der Kirche nur ein Hof gelegen haben soll, dann wird es eben dieser Hof gewesen sein. (Unter „Dorfplan 1807" Näheres).
Lassen wir es dahingestellt, wer der „Gerhard de Borbach" (und Adolf, der Priester des Ortes) war, der 1232 in dem Bericht Konrads von Marburg vorkommt, da er die wunderbaren Krankenheilungen vom Grabe Elisabeths nach Rom meldet. Das kann irgendein Bauerbacher gewesen sein und es liegt kein Grund vor, in Borbach das Burbach bei Siegen zu sehen. Eine Wallfahrt von Bauerbach zum Grabe der Heiligen ist doch weit wahrscheinlicher als eine aus dem entlegenen Siegerlande. Doch sechs Jahre später (1238) stoßen wir unzweifelhaft auf einen Bauerbacher Ministerialen: in dem Schiedsspruch, in dem Heinricus v. Burbach mit Eckard v. Momberg und dem Pleban von Kirchhain als Richter auftritt. Jahre später (1256) nennt sich Heinricus „Demütiger Praezeptor vom Heiligen Hause des Jerusalemer Hospitals (der Deutschen Herren) für Deutschland, Österreich, Böhmen und Polen". Wen wir uns 1248 unter dem Gerlach, Monetarius (Münzer) von Burbach und dem Zeugen der Urkunde Konrad de Burbach vorstellen sollen, ist nicht klar. Eine Münzstätte wird im gleichen Jahre in Amöneburg genannt. Kurz darauf (1250) verkauft Adelheid v. Gilsa ihre Güter zu Roßdorf dem Elisabeth-Hospital zu Marburg. Hier istWigand, Miles (Ritter) v. Burbach Zeuge des Verkaufs, ferner Heinricus Luzelcolbe, ein bekannter Marburger Adel. Wigand wird der Bruder des genannten Ordensprior sein, der bald darauf, 1251, seine Güter bei Habecheburnen (Hachborn) dem D. Orden verkauft. Unter den Zeugen ist ein D, Ordensbruder, Fra-ter Herinand v. Sonenbach (Schönbach). Von Wigand hören wir nichts mehr, denn ab 1260 begegnen wir Hartmann v. Burbach, wohl der Sohn Wigands. Er bezeugt, mit ändern Rittern, v. Marburg, v. Holzhusin, v. Ghemundin, v. Cythercusin, daß Bertha v, Schweinsberg einen Hof zu Daymanshusen, Damshausen, Kr. Biedenkopf, dem D. Orden verkauft hat, Mit denen v. Mölln, v. Nordeck, v. Seelheim, v. Erfurtshausen ist er auch dabei (1260), als Volpert Hobeherr sich mit dem D. Orden wegen strittiger Güter zu Mardorf, Roßdorf und Seiheim vergleicht. Ein Jahr später sind es fast die gleichen Zeugen, unter ihnen unser Hartmann de Burbach, als die Brüder v. Merlau zugunsten des Ordens auf Güter in Roßdorf, Holzhausen und Kirchhain verzichten. Hier und des öfteren rangiert er unter dem Dorfadel der Amö-neburger Umgegend.
Als der Graf Wittekind v. Battenberg (1261) zugunsten des D. Ordens auf den Hof zu Merzhausen verzichtet, finden wir unter den eben genannten Zeugen einen Ar (n öl d) v. Burbach, der nur hier vorkommt. Hartmanns wichtigste Urkunde ist die, in der er (1262) mit seiner Frau Gertrud der Kirche der hl. Maria der Cisterzienser zu Haina die Hälfte seiner Mühle zu Hatzbach mit deren Einkünften zu ewigem Eigentum überträgt. Zweck dieser Stiftung ist ein „Seelgered", d.'h. wie damals üblich ,zum Seelenheil Requiems, Wachen und Gebete, Unter den Zeugen sind wiederum die Hobeherren, die v. Mölln und der „Münzer" (1248) neben dem Rektor der Knabenschule zu Amöneburg vertreten.
Zweimal urkundet Hartmann im folgenden Jahre,- erst, als Gumpert Hobeherr dem D. Orden Güter in Bracht verkauft, Zum ändern Male wieder mit seinen schon genannten ritterlichen Freunden und Verwandten, ebenfalls in einer Urkunde der Hobeherrn. In diesem Jahre wird Hartmann Schultheiß in Rauschenberg. Die erste Urkunde von 1270 bringt Hartmann noch als Zeuge, als Antonie v. Schweinsberg der Widrad von Ebsdorf erlaubt, ihre Güter dem D. Orden zu verkaufen. Hier ist noch Berthold (Sensinschmid) der Schultheiß. Doch in der zweiten Urkunde zeichnet Hartmann als Schultheiß von Rauschenberg und ein T h e o d o -rieh, dictus de Burbach ist als Bürge vertreten. (1)Kurz darauf (1272) stellt Gottfried v. Reichenbach ein Schreiben auf, in dem Hartmann de Berbach (Landau liest aber B u r b a c h ) scultetus de rusgenberg ist. 1282 finden wir wieder einen Hartmann von Berbach, dem der Graf v. Ziegenhain ein Dorf verpfändet. Als die Gräfin Hedwig v. Ziegenhain (1277) Wittekind v. Keseberg als ihren Burgmann einsetzt, ist unser Schultheiß Hartmann neben Ditmar v. Anzefahr wieder dabei.
Zwanzig Jahre später (1297) muß Hartmann gestorben sein. Mecht-hild v. Burebach, eine Nachkomme oder Verwandte, hat einige Güter im Dorfe Burebach dem Edelknecht Werner, Sohn Heinrichs v. Wittenhusen geschenkt. Dieser Werner verkauft die Güter dem Kloster Haina, dem ja schon 35 Jahre zuvor Hartmann die halben Mühleneinkünfte zu Hatzbach geschenkt hat. Hainische Güter finden wir zwischen 1222 und 1295 in den kurmainzischen Orten Allendorf, Anzefahr, Emsdorf, Erfurtshausen, Himmelsberg, Mardorf, Momberg, Neustadt, Roßdorf und Sindersfeld. Noch nach Jahrhunderten, 1659, finden wir zwei hainische Höfe in Bauerbach, Kaspar Naw und Johannes Hoffmann. 1747 ist es Andreas Staubitz, der wohl der Rechtsnachfolger von Hoffmann war.
(2) Frau Agnes, Burggräfin von Nürnberg, schenkte (1319) im Namen der verstorbenen Alheydis v. Burbach Einkünfte vom Hofe des verstorbenen Johann in Eiloh (bei Kl.-Seelheim) den Brüdern vom Deutschen Hause in Marburg. Zwar kommt Alheydis häufig bei denen v. Seibach zu Burbach bei Siegen vor. Doch ist auch um die Amöneburg herum der Name Alheid (Elheid) beim Adel, bei Bürgern und Bauern vertreten, und es ist wahrscheinlicher, daß eine Alheydis aus Bauerbach Besitz im Nachbardorf Eihloh hat, als ein Siegerländer Geschlecht. 1659 ist der Name Alheydis unter den verwitweten Lehnsträgern und Zehntpflichtigen neben Elisabeth und Ge-ludis am häufigsten. Die Nürnberger Burggräfin muß uns hier etwas näher beschäftigen, da sie zu denen v. Burbach Beziehungen hat. Ihre Großmutter war Sophie, die Tochter der Hl. Elisabeth. Agnes wurde 1297 Gemahlin des Burggrafen von Nürnberg aus dem Geschlechte der Hohenzollern, die seit 1292 in Nürnberg saßen, Als der Burggraf kinderlos starb, zog Agnes nach Marburg zurück, wo sie sich im Geiste ihrer heiligen Ahnfrau im Dienste der Nächstenliebe betätigte. Ihr Siegel zeigt sie selbst, knieend und betend, darüber Maria die Himmelskönigin und Elisabeth. Dazu das Hessen- und das Hohenzollernwappen. Agnes machte dem D. Orden große Schenkungen, so den Nürnberger Hof, wo heute das Zoologische Institut auf der Ketzerbach steht. Dorthin brachte sie auch die Schwestern des Deutschen Ordens, die schon damals bestanden. Agnes hatte auch Besitz in Bauerbach, sie kaufte (1327) vom Pfarrer Wigand, der auch 1333 als Pfarrer von Bauerbach genannt wird, eine Korngülte, die sie im Jahre darauf dem D. Orden schenkte. Bis dahin war das Latein die Sprache der Urkunden. Jetzt begann man, diese in Mittelhochdeutsch aufzusetzen:
„Bekennen unde wizzen suln alle, dy dusen uffen brip sehen unde hören lesen, das wir, Wigand, en perrer zu Burbach, Hartmann, Conrad, Osterlint, Betrisse unde Hedwig, gesustirde (Geschwisterte) mit vorrade unser frunde (mit Vorberatung unserer Freunde) unde mit samendir hant (gesamter Hand) vorkoft han eyn raaldir rockin Marpurger mazis jarlicher gulde us unseme höbe zu Burbach unde us alme deme, das darzu gehorit, der edelin frowen Agnese, bi wilen Wirtin des burggrebin zu nurenberg (bei weilen, d. h. damals, Ehewirtin des Burggrafen) umbe achte marc an ene halbe, dy si uns gezalt unde gegebin hat. --des sint gezuge (Zeugen) Gerlac von der None, (Mardorf), Ditwin von Widenhusen (Weidenhausen) unde ander ersamir lüde vil."
Eine frühere Urkunde (1320) wirft Licht auf die Herkunft derer von Burbach. Derselbe Pfarrer Wigand ist 1320 Pfarrer zu Schröck. Hier werden er, Hartmann, Konrad, Beatrix (Betrisse) und Hetta (Hedwig), nur Osterlind fehlt, als Kinder der Eheleute Konrad v. Mulne (Mölln) und der Frau Beatrix genannt. Sie verkaufen der Bertha, Tochter der Hetta von Wetter eine Korngülte, einen Malter, wobei als Zeugen Vol-pert, Pfarrer zu Marburg, Ludwig Imhof und Bürgermeister Luck, genannt Zahn, unterschreiben. Noch nach einem Jahrhundert ist die Verbindung Mölln-Bauerbach lebendig!
Wie es durch Jahrhunderte auf jedem Bauernhof Sitte war, daß die Kinder die Namen der Großeltern, der Verwandten und verwandten Paten bekommen, so war es damals auch. Die Wiederkehr und Vorherrschaft der Namen Wigand und Hartmann lassen den Schluß zu, daß die v. Burbach nahe Versippte derer v. Mölln sind und die Burbacher Güter bei Hachborn (siehe 1251) deuten in gleiche Richtung. Nach dem Verschwinden der v. Burbach treten die v. Mölln als erste Grundbesitzer 1320 in Bauerbach auf, kurz zuvor, 1305, finden wir auch die Hobeherren hier. Die v. Mölln und v. Bauerbach kamen durch eine Ehe in Verbindung mit denen v. Lehrbach, die auch den Leitnamen Hartmann übernahmen.

(3)
Kommen also die v. Burbach aus Mölln, dann haben wir es mit einem damals nicht seltenen Namenswechsel zu tun. Die bürgerlichen Familiennamen waren in den Städten erst im Entstehen begriffen, das Dorf hatte noch keine. Die Adelsnamen wurden mit dem Wohnort gewechselt. Zogen zwei Brüder von Marburg nach Schweinsberg, so nannten sie sich nach dem neuen Burgsitz, die v. Schröck zogen nach Holzhausen und nannten sich Rawe v. Holzhausen. Zwischen dem niedern Adel und dem Bürger finden wir auch keine festen Grenzen, es wurde hin- und herüber geheiratet und die Grenzen verwischt. Daher finden wir von manchem Adel bürgerliche Zweige. So hören wir 1374, daß Peter Junge aus Bauerbach eine von Hirzen-hain heiratet. Die v. Dernbach und andere Geschlechter haben bürgerliche Seitenlinien. Der bürgerliche Name Bauerbach hat bis heute als eine Seitenlinie der v. Burbach überlebt.
Im Ziegenhainer Urbarium findet sich ein Bruder Johann v. Borbach (1362), von dem nichts Näheres bekannt ist. Ein Salbuch nennt 1374 mehrere Häuser in der Nuwenstadt (Marburger Neustadt), von denen Eckart v. Burbach dem Landgrafen abgabepflichtig ist. Im Lehnbuch des Landgrafen Hermann (1376) hat ein Ber(nhard) v. Burbach ebenfalls ein landgräfliches Mannlehen zu den Sassin (Saasen b. Grünberg). Hetta v. Burbach hat 1375 vom D. Orden einen Hof und ein Haus zu Lehen. Hans Burbach erhält Teil einer Hube Land zu den Sassin (1413).(4) Ob alle drei, Eckart, Bernhard und Hetta noch adlig ober bürgerlich sind, ist unbekannt. Bürgerlich ist aber Henne Buerbach, der (1467/68) vom Rat der Stadt Marburg als Stadtsteinmetz aufgenommen wird. Er bricht Schießscharten und mauert die Renthofpforte zu. Ge-liche, seine Hausfrau, wird (1481) mit einem Hause an der Kesselpforte am Steinweg belehnt. Peter Buerbach und sein Sohn sind (1514—1526) Maurer, die von der Stadtkasse bezahlt werden. 1526 arbeitet Meister Burbach mehrere Tage an der „Stein-moln" (Steinmühle). Noch ein Jahrhundert lang, bis kurz vor dem 30jähr. Kriege, können wir die Buerbach in Marburg verfolgen. Heinz Buerbach hat auf der Ketzerbach (1531—1550) Haus und Hofraite als Erblehen, und Hans Buerbach hat einen Gadem am Pilgrimstein, den Graben über der Kesselpforte und den Graben am Kalbstor in Leihe. Claß (Clauß) Baurbach zahlt (1561—1568) Haus- und Ackerzins in der Ketzerbach und hinter der Elwins-(Eltwins)Mühle, die Deutsch-Ordensmühle am Wehrdaer Weg. (Hiltwinspforte, Ecke Wehrdaer Weg). Jakob Bauerbach hat (1601 bis 1605) Güter in Wehrda.
Vor 1659 stehen uns, von Amöneburg abgesehen, keine Einwohnerlisten zur Verfügung. Das Amtsbuch des Amöneburger Kellers von 1324, 1333 ff. und das Salbuch von 1374 nennt außer dem Eckart keinen Burbach oder Bauerbach. Erst 1659 finden wir in Sindersfeld den Stoffel (Christoph) Bauerbach, der ledig geblieben und von dem sein Grabstein zu Stausebach meldet, daß er 1639 geboren und 1709 gestorben ist. Außer dem Merten Bauerbach in Bauerbach ist kein weiterer seines Namens 1659 in den Nachbarorten zu finden. Später ist die Familie in Ginseldorf und Anzefahr. Ein Andreas Bauerbach in Marburg 1787 stammt aus einem kurmainzi-schen Dorfe, denn er unterzeichnet 1787 eine Dankadresse an den Landgrafen, als dieser die Errichtung einer katholischen Pfarrei in Marburg gestattet hat. Als Schreibnamen kommt Bauerbach heute (Stand von 1956) noch vor in Allendorf, Anzefahr, Niederklein und ziemlich häufig in Sindersfeld.
Ergänzung
- (Hierzu vgl. K.A. Müller, "Marbach im Wandel und Werden", 1972, S. 24 ff.). Bei dieser ältesten Urkunde Marbachs finden wir in der Zeugenliste Hartmannus de Burbach und Theoderich, dicto de Burbach. Aber schon neun Jahre zuvor - 1263 auf der Amöneburg - finden wir Hartmann als Zeuge, als Gumpert Hobeherr dem Deutschen Hause seine Güter zu Bracht verkauft. Mit ihm zeugen die Herren von Nordeck, von Merlau, von Heskem, von Echin, von Lune.
- Die zweite Gemahlin des hessischen Landgrafen Hermann, Margarete, war auch aus Nürnberg. Sie starb 1406 mit ihrem Söhnchen Hermann und ruht im 6. Grab im Landgrafenchor der Elisabethkirche
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Die Zeichnung ist das Siegel Wigands von Mölln, 1341.
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Otto von Sassen war 1394 Schöffe zu Marburg. Peter v.S. war 1525 Rentmeister in Wetter.
Sankt Elisabeth und Bauerbach
Am 17. November 1231 war die Heilige gestorben und schon neun Monate später brennen mehrere Äbte und Dekane mit ihrem Erzbischof in einem Bericht an Panst Grenor IX. mehr als fünfzia Heilungen am Grabe Elisabeths. In der Urkunde tretpn unter anderem auf: Sieafried III, v. Eppstein, Erzbischof von Mainz, die Prönste von Binaen und Wirberg, der bekannte Dekan auf Amöneburg, Eckard von Mombera. der uns auch 1238 begegnet (1), der Prämonstratenser Konrad von Marburg und der Franziskaner Angelus. Die Orte, aus denen die Geheilten kommen, liegen nah und fern. Wahllos sind sie aufgeführt, so daß man nicht sagen kann, welches von beiden unser Baiierbach ist. An dritter Stelle nämlich wird ein Borbach und an 51. Stelle ein Burbach aenannt. Da finden wir unter ändern Aldenkirchen, Batten-bvtra. Battinvelt, Budeke (Böddeken?) Budincren, Buteler, Capella, Cleberg, Colonia, Crufdorf, Dudenhusen, Frankenfort, Fronehusin, Geilvnhusen, Geismar, Giezen, Grunebera, Limpurg, sechsmal Marpurg; ferner Midebach, Nordeke, Nunkirchen, Steinaha, Suntraha, Tvisten, Udorf, Werthe, Wetflaria, Wisentbach, Wormatia, Zekenfelt usw.
„Gerhard von Borbach und Adolf, der Priester des Ortes, zeigen einen Knaben, dem die Kniee an den Leib gewachsen waren, so daß er lahm war und die Haut des Leibes aanz verwest war, der hier (am Grabe) die Gesundheit wieder erlangte. Zeuae ist Johannes, der Priester". Da in Burbach, Kr. Siegen, später ein Gerhard v Seibach mit dem Beinamen v. Burbach vorkommt, können wir hier Burbach vermuten. Von dem letztcrenannten Burbach heißt es: „Heinrich und seine Ehefrau aus Burbach sacren unter Eid aus, daß ihre Tochter, fünfzehn Jahre alt, die zweinhalb Jahre aelähmt war, am Grabe geheilt wurde." Hier kann mag sagen, daß kein Grund vorliegt, das Sieqener Burbach zu vermuten.
Einige weitere Heilungen aus der Nähe seien hier angeführt: Lutgardis aus Vronehusen sterbender Sohn Henrich geheilt. — Heilung eines Knaben aus Rosseberg. — Hedwigis aus Lamprachtishusen ist Zeuge einer Heilung. — Mathilde, Tochter der Witwe Hildegundis aus Alnahe wird von Epilepsie geheilt. — Desgleichen Gerlach ,der Sohn des Eckehard aus Ervershusin. — Henrich, der blinde Sohn der Irmintrudis aus Inferiore Rosfe (Unterrosphc) wird sehend. — ebendort, Gertrudis, eine Blinde, die weder Tageslicht noch Feuer sehen konnte, wird sehend. --
Adilheidis, die blinde Tochter des Henricus in Anzenvar, wird geheilt, der Eckehard, ebendort, wird von seinem Bruchleiden geheilt, — Benigna aus Segehardis-husen (Sichertshausen) wird von Besessenheit geheilt. Bei einer Heilung aus Velt-pach (Villbach?) werden die Priester Crafto, Cunradus und Adolfus von Burgpach als Zeugen genannt. Vier Jahre später, am 1. Mai 1236, wurden die Gebeine feierlich erhoben. Zugegen waren Kaiser Friedrich II., die vier Erzbischöfe von Mainz, Köln, Trier und Bremen und acht Bischöfe. Ferner zahlreicher Adel aus Deutschland und Wallfahrer aus Deutschland, Frankreich, Böhmen und Ungarn. Der Kaiser trat beim Opfergang der Festmesse mit einer kostbaren Krone als Weihegabe an den Sarkophag und stiftete einen Prunkpokal. Dieser wurde zu einem Kopfreliguiar umgearbeitet, das dann nach Würzburg auf die Feste Marienberg kam, wo es 1631 von den Schweden geraubt und dem Museum zu Stockholm zugeführt wurde. Dort wurde es von dem Historiker Prof. Schramm entdeckt. Das Haupt der Heiligen gab Landgraf Philipp nach öfterer Aufforderung durch Kaiser Karl V. an den Landkomtur zurück. Der Deutschmeister Erzherzog Maximilian brachte es nach Wien, wo es heute noch im Kloster der Elisabetherinnen an der Wiener Landstraße aufbewahrt wird. Nach dem Wolkenbruch 1847 fand man unter dem Chorfußboden der Elisabethkirche einen Bleikasten mit zusammengebundenen Gebeinen, in denen man die der Heiligen vermutete.(2) Eine genauere Untersuchung, die der Bischof von Fulda wünschte, lehnte die Regierung in Kassel ab. Das Fest der Heiligen ist nicht immer am 19. November gefeiert, der EB. Johann von Mainz legte es im Jahre 1405 auf den 17. Dezember. Das Armreliquiar, das Elisabeths Tochter Gertrud, Meisterin des Praemon-stratenserinnen-Stifts Altenberg bei Wetzlar um 1240 herstellen ließ — etwa gleichzeitig mit dem kostbaren Elisabeth-Schrein — kam nach 1803 in den Besitz der Fürsten von Sayn-Wittgenstein, in deren Schloßkapelle es aufbewahrt wird. Eine Truhe, die die Heilige selbst ihrer Tochter Gertrud schenkte, steht im Schlosse Braunfels an der Lahn.
Ergänzung
- Konrad von Marburg, der Prämonstratenser, war der strenge Beichtvater der Heiligen, dessen Praktiken man zwar nicht alle gutheißen kann, aber daß er - angeblich auf der Ketzerbach - die Ketzer "bündelweise" (Lesch, S. 72) verbrannt habe, ist völlig unerwiesen. Er trat als Ketzerrichter auf in Straßburg, Kolmar, Trier. Von Marburg ist nicht eine Hinrichtung bezeugt. Es heißt nur in einem Bericht recht vieldeutig: "vil keczerc". Historiker wie May und Wenck sehen an Konrad unparteiisch auch gute Seiten. Seinen Übereifer mußte er mit dem Leben bezahlen. Wenn O. Immel in Werda ....", 1974, Seite 45, zwar Konrad als berüchtigten Ketzermeister und verhaßten Ketzerrichter bezeichnet, aber gleichzeitig berichtet, daß Konrad erst 1231 seine inquisatorische Tätigkeit begann und schon im Juli 1233 ermordet wurde, dann kann er nur rund zwei Jahre gewirkt haben und seine Tätigkeit kann nicht allzu folgenschwer und weitreichend gewesen sein.
- Anna Katharina Emmerich (lebte 1774 - 1824) zu Dülmen, Münsterland, eine gottbegnadete Seherin, schaute lange vor jener Entdek-kung der Gebeine in einer Vision, daß diese noch in der Elisabethkirche lägen. Clemens Brentano, der Katharinas Visionen niederschrieb, war 1842 gestorben, konnte also nicht nachträglich den Visionsbericht einschieben. Die Gebeine Elisabeths sollen im ersten Grabmal, dem ihres Schwagers Konrad liegen, dem Deutschmeister und Gründer der Elisabethkirche. (Siehe auch den Bericht von Pfarrer Wilh. Kolbe.)




