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Der Siebenjährige Krieg

Die Kleinkriege des Mittelalters, Fehden genannt, fochten Ritter oder Städte untereinander wegen Dingen, die man heute vor Gerichten in Prozessen austrägt. — Die bitteren Lehren des Dreißigjährigen Krieges hatten Staatsmänner und Volker keineswegs klüger gemacht. In den folgenden Kriegen führten Fürsten ihre Heere in den Kampf, um ihren Besitz zu mehren, 1740 fängt der Kampf um die österreichische Erbfolge an. Der Preußenkönig will der Kaiserin in Wien des schönen Schlesiens berauben. Der Siebenjährige Krieg weitet sich auf andere Länder aus. Die Franzosen beziehen Hessen mit in die Kriegsschauplätze ein, die Heimat ist Kriegsgebiet geworden.

Ende August 1756 hatte der Krieg begonnen. Schon im folgenden und dem nächstfolgenden Jahre (1757/58) waren die Franzosen unter Prinz Soubise in Marburg. Prinz v. Isenburg wich vor ihnen bis nach Betziesdorf zurück. Bauerbach und Ginseldorf lagen nun im französischen Besatzungsgebiet und von da bis zum Kriegsende 17b2 nahmen die Unruhen kein Ende.

1758 lagen zwei Regimenter am Glaskopf und am Schwanhot. Als sich Isenburg zurückziehen mußte, kamen die Feinde abermals und erzwangen Lieferungen von 800 Zentern Brot, 70 Zentner Fleisch und Mengen von Heu, Hafer, Stroh, Betten, Leinen und anderem. Alle Nachbardörfer wurden zu den Lieferungen herangezogen, weshalb die Bauern mit ihrem Vieh in den Lahnberg flüchteten. Vom Hinterhalt aus beschossen die Bauern die franz. Furiere, worauf Prinz Soubise kurzerhand einige, die er erwischt hatte, aufhängen und ihre Häuser in Brand stecken ließ. In der Elisabethkirche hatten die Franzosen ihr großes Magazin eingerichtet.

Als am 2. August 1759 die Franzosen Minden verloren und die Belagerung Lippstadts aufgeben mußten, zogen sie sich nach Hessen zurück. Als die Verbündeten, Ferdinand v. Braunschweig und der Prinz v. Holstein bei Wildungen ankamen, fanden sie den Feind in vollem Rückzuge über Gilsa nach Marburg im Verlauf der Poststraße Marburg-Kassel, heute Bundesstraße 3. Am 23. August erreichten die Franzosen ihr Lager bei Großseelheim, wo sie sich zwischen Amöneburg und Marburg ausdehnten. Der Marquis d'Armentieres war bei Goßfelden und Sarnau, wo er den feindlichen Übergang über die Lahn deckte. St. Germain hatte zwischen Großseelheim über Bauerbach-Ginseldorf die Verbindung mit Marburg zu halten. Daß die Feinde auch im Dorfe lagen, beweisen uns die Kirchenbücher.

Im August 1759 retteten sich die Franzosen nach Marburg, wo sie eine Woche lang plünderten und auch die Sieche bei Weidenhausen nicht schonten. D'Estrees meldete seinem König, daß wenig Hoffnung auf ein siegreiches Kriegsende sei und Contades wohl Marburg räumen müsse. Die bei Goßfelden stehenden Verbände waren durch die Lahn von der Hauptarmee bei Großseelheim getrennt. Deshalb zog sich Broglio von Goßfelden nach Marburg auf das linke Lahnufer zurück. Ein Teil der Truppen zog über den Lahnberg und Bauerbach nach Großseelheim. Dabei wurden alle Zugänge zum Lahnberg durch starke Verhaue und Schanzen geschlossen. Mutmaßlich rührt hiervon „die Große und Kleine Schanz" (Flurname) auf der Höhl bei Bauerbach her. Eine geringe Bodenwelle auf dem Acker von Damm, Martels, ist noch sichtbar. Auch die Gräben und Erdaufwürfe am Marktweg, wo dieser in den Wald eintritt (in der Nähe der Hochspannung), dürften mit diesen Kriegsereignissen erklärt sein. Die Generäle Wangenheim und Scheither drangen über Caldern und Michelbach bis Niederweimar vor und schlugen die Franzosen in die Flucht. 27 Geschütze waren auf das besetzte Schloß gerichtet und beschossen dasselbe. 810 Mann mit 24 Geschützen ergaben sich. Die Verbündeten hatten keine Verluste. Am gleichen Tage standen die Verbündeten schon im Lumdatal und damit war der Krieg für dieses Jahr, 1759, aus der Heimat hinausgerückt.

Doch nur für 1759, denn 1760 griff der Feind Amöneburg, Marburg und Kirchhain an und im Sommer waren Gefechte bei Ofleiden und Burgholz. Im letzten Kriegsjahre, 1762, stand der Gegner wieder am Lahnberg und im Ebsdorfer Grund. Marburg war wieder ihr Zentrum und Hauptquartier. Marschall d'Estrees ging nach Bauerbach und Soubise wohnte in Weidenhausen. Als im September die Franzosen am Brücker Wirtshaus in einem sehr blutigen Gefecht vergebens den Übergang über die Ohm zu erzwingen versuchten, lagen wiederum Truppen in Bauerbach in Quartier, wobei der General-Leutnant Pate beim Sohn seines Quartierwirts wurde. Kurz danach fand der Siebenjährige Krieg sein Ende.

 

Soldaten im Kirchenbuch

1759, Die knappe Eintragung im Sterberegister vom 29. August läßt uns auf Kriegsursachen schließen. Der 28jährige Johs. Baste (ßaptista? oder Sebastian ?) Lautier, bei Seiner Königlichen Hoheit dem Prinzen Xaverius von Polen und Herzog von Sachsen, wird ein Soldat gewesen sein. Im gleichen Jahre starb Adam Petri, ein abgedankter hessischer Soldat.

Am 23. August hatten die Franzosen ihr Lager bei Großseelheim bezogen, wo sie eine große Feldbäckerei und Schlächterei hatten, die den Seelheimer Wald total ruinierten. Schon am Tage darauf suchten sie den nächsten katholischen Priester auf, um drei Kinder taufen zu lassen; Antonius Claudius, Sohn des franz. Soldaten Claudius und seiner Ehefrau Katharina. Pate: Antonius Lacosta, Soldat der Armee Conde. Katharina, Tochter eines franz. Soldaten. Paten ungenannt. — Maria Luise, Tochter des Philipp Andres und seiner Ehefrau Barbara aus der Provinz Cambrai, Pfarrei St. Croix (Heilig Kreuz). Pate: Soldat Petrus Greven vom Regiment d'Au-vergne.

1760 ließ ein Soldat der Verbündeten ein Kind taufen. Daniel, Sohn des Joh. Georg Lindenberg von den Sultor'schen Reitern der Armee des Prinzen v. Holstein-Gottorp. Pate: Fried. Wilh. Deblessi, Fähnrich. 1762 war der General-Leutnant Ca-rolus Franziscus Elzearius de Foque Pate bei dem Söhnchen seines Quartierwirtes Henrich Herbener und der Anna Maria, das seinen Namen bekam, Carl Franz Elzearius. De Foque war der Heerführer, der 1760 bei Landshut kapituliert hatte. K. F. E. Herbener starb SOjährig im Jahre 1812. Er hatte 1807 den Kilbers Hof (No. 20), wie der Dorfplan zeigt.

Die Revolutionskriege. Napoleons Zeit

1794 starb hier Johann Lenoviski, 24 Jahre alt, gemeiner Soldat eines Kaiserlichen Reiterregiments, 1797 heiratet ein französischer Soldat Jacob Carnold de Mogeure lapetitte, beim General Championne, 92. Brigade, 3, Batt. 5. Comp., Elis. Zinckin aus Niederofleiden.

Aus den Revolutionskriegen ging der Erste Konsul, Napoleon als Kaiser der Franzosen hervor. Von der Idee eines großen Europareiches unter Frankreichs Vorherrschaft besessen, zerschlug er das alte morsche tausendjährige Heilige Römische Reich Deutscher Nation, demütigte Preußen und führte seine „Große Armee" nach Moskau in der Untergang. Auch Söhne unserer Heimat haben Napoleons Zielen dienen müssen, wie es der Korse verlangte. 1811 starb der Fußsoldat Johannes Baumgarten aus Bauerbach, 26 Jahre alt, bei der 7. Legion im Hospital Charite in Kassel. Der Lanzenreiter Joh. Joseph Bien, Bauerbach, wird gegen Napoleon gekämpft haben, als er mit 31 Jahren, 1813, im Militärhospital zu Braunschweig starb. Zwei Ginseldorfer starben auf Frankreichs Boden in Nosocomio bei Couvin: (an der Südgrenze Belgiens, nordwestl. von Charleville) Georg Fach, 27 Jahre alt und Peter Kraus, ohne Altersangabe, wohl der 1780 geborene, über zwanzig Jahre hatte der Kriegsbrand gelodert, dessen erster Funke in Frankreich gefallen war.

Der Krieg von 1870/71, der nach langer Friedenszeit auf französischem Boden ausgefochten wurde, brachte die langersehnte Einigung Deutschlands unter einem Kaiser. Bauerbach hatte keine Verluste in diesem Kriege, umso mehr Ginseldorf. Wie die Bronzetafel auf dem Kriegerdenkmal am Ortenberg meldet, hatte das Dörfchen, das damals nur 234 Einwohner zählte, drei Kriegstote. Selbst große Dörfer, wie Ebsdorf, Fronhausen, Lohra und die Stadt Wetter hatten nur je einen Gefallenen. Hachborn und Haddamshausen hatten ebenfalls je drei Tote. Aus 21 Orten des alten Kreises Marburg waren 28 Mann geblieben. Von Josef Daube sagt das Kirchenbuch: „geb. 1846, Tambour im 3. Hess. Inf.-Regt. No. 83, gefallen am 2. Dez.

  • 1870 durch Kopfschuß in der Schlacht bei Artenay." — Karl Nebel, geb. 1841, 1. Hess. [nf.-Regt. No.81, starb am 24. November 1870 im Feldlazarett Rombas am Typhus. — Anton Scliüßler, geb. 1842 in Schröck, Königl. Inf.-Regt. No. 95 starb am 13. März
  • 1871 im Reservelazarett Marburg infolge Verwundung,

 

Am Tore der neuen Zeit

Bis 1800 hatte sich nodi viel Mittelalter, das doch schon rund 300 Jahre vorbei war, erhalten. Die Säkularisation (Verweltlichung) der geistlichen Kurfürstentümer 1803, der Untergang des alten Reiches 1806, der Sturz Napoleons 1815, der folgende Wiener Kongreß, die Teilnahme des Volkes an der Regierung durch die Verfassung, die aulkommende Industrie, die Ablösung der alten Reallasten und Dienste, das alles schuf binnen wenigen Jahrzehnten ein ganz neues Bild. Das waren Wandlungen binnen einem halben Jahrhundert, zu denen die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege den Anstoß gegeben hatten. Die Welt war darüber eine andere geworden. Kurmainz war nicht mehr, wir hatten dem Kasseler Kurfürsten gehuldigt, nicht lange danach hatten wir unter Jeromes Fremdherrschaft gestanden. Wirtschaft und Gewerbe lagen still, jeder Absatz fehlte, Arbeit und Verdienst waren rar, froh war, wer für 4 Kreuzer Tagelohn arbeiten konnte. Nach dem sonnenlosen Regenjahre 1816 waren Hunger und Elend verbreitet. Das Viertel Weizen (etwa drei Zentner) kostete 15 Thlr., der Roggen 12 Thlr., das Dreifache des üblichen Preises. Wenige Jahre später kam der Bauer durch Unterpreise in Not, der Getreidepreis fiel herab bis auf ein Drittel. Der Kurfürst Wilhelm I. starb 1821. Eine Regierungsverfügung schuf den Kreis Marburg, dem von den kurmainzischen Orten nur Bauerbach und Ginseldorf zugehörten. Schröck kam zunächst zum Kreis Kirchhain und erst später an Marburg. Der Kreis Kirchhain hat bis 1932 bestanden. Die Flurgrenze nach Großseelheim hin ist die alte, ehemalige Kreisgrenze. (Die Stadt Marburg war schon drei Jahre zuvor kreisfreie Stadt geworden.)

Nach dem Kurfürsten Wilhelm I. hat Hessen noch zwei Kurfürsten gehabt, Wilhelm II. von 1821—1830 regierte, als er abdankte. Er starb 1876. Der letzte war Friedr. Wilh. II. Er regierte bis zum „Bruderkrieg" 1866, als Bismarck im Kampf um die Vormacht in Deutschland Preußen zum Siege führte und Österreich aus dem Reiche ausschied. Da der Kurfürst auf Seiten Österreichs stand, kostete es ihm sein Land, das zur preußischen Provinz wurde. Wir waren über Nacht zu „Mußpreußen" geworden. Wenig Rühmens weiß der Historiker von den drei Kurfürsten, doch haben sie in einer langen Friedenszeit regiert. Und dem Preußenstaat war auch kein langes Leben beschieden. Kaum 80 Jahre nach der Annexion Hessens ging er unter, wie es der große Staatsmann Freiherr vom Stein vorausgesagt hatte: „Preußen wird unbedauert, ohne Nachruhm, untergehen und man wird es für ein Glück halten."