10.11.2002
Ginseldorf. Die Querelen um den Fahrradweg zwischen Bauerbach und Ginseldorf beschäftigten am Donnerstagabend auch den Ortsbeirat.von Werner Girgert
Seit Wochen schon ist der Fahrradweg zwischen Bauerbach und Ginseldorf gesperrt. Die starken Regenfälle im Sommer haben die Schotter- und Splittdecke des erst vor einem Jahr angelegten Radwegs weggeschwemmt. Weil das Tiefbauamt der Stadt die eigentliche Ursache für die Zerstörung jedoch nicht in den Regenfällen sieht, sondern bei den Landwirten mit ihren Traktoren, ist die Stadt nach zweimaliger Ausbesserung nicht bereit, ein drittes Mal tätig zu werden. Die Landwirte allerdings weisen das energisch zurück, räumten aber gleichzeitig im Gespräch mit der OP ein, den nur für Fahrräder zugelassenen Weg regelmäßig zu befahren. Das wiederrum hat inzwischen den Ginseldorfer Ortsvorsteher Dr. Horst Wiegand hellhörig werden lassen. Hatte Wiegand doch zunächst ebenfalls angenommen, dass lediglich der starke Regen dem Weg zugesetzt habe. Gemeinsam mit seinem Bauerbacher Ortsvorsteherkollegen Walter Matt kritisierte Wiegand gegenüber der OP das Verhalten der Landwirte: ?Wir können nicht glauben, dass die aus Steuermitteln finanzierten Rad- und Spazierwege so rücksichtslos und unter Missachtung der Verkehrsregeln von den heimischen Landwirten ruiniert werden. Denn wenn es so ist, dass die Landwirte mit ihren Fahrzeugen den dafür nicht ausgebauten Weg benutzt haben, dann hat das Tiefbauamt recht, wenn es ihnen die Schuld zuweist. Das Wasser hat dem Weg dann nur noch den Rest gegeben." Mit dem jetzigen Zustand des Radwegs will sich der Ginseldorfer Ortsbeirat jedoch nicht abfinden. Einstimmig fordern die Ortsvertreter die Stadt auf, die notwendigen Mittel im Haushalt 2003 bereit zu stellen, um den Weg fachmännisch auszubauen und mit einer Teerdecke zu versehen. Außerdem verlangen sie eine wirkungsvolle Absperrung, die sicher stellt, dass der Weg künftig nur von Radfahrern und Fußgängern genutzt werden kann. ? Auf scharfe Kritik des Ortsbeirates stieß das Vorgehen der Stadt bei der Neugestaltung des Ginseldorfer Friedhofs. 40 000 Euro hat die Stadt dort unter anderem in die Anlage neuer Grabreihen investiert. Allerdings ohne den Ortsbeirat davon vorher in Kenntnis zu setzen. ?Wir stehen vor den Bürgern wie die Blöden da, wenn man uns nicht informiert", sagte Karl Pöltl (CDU). ? Eine hitzige Debatte entfachte sich an der Frage der künftigen Nutzung eines Raums im Bürgerhaus durch die Katholische Jugend Ginseldorf (KJG). Beschwerden von Nachbarn wegen starker Lärmbelästigungen und Alkoholkonsum an den Gruppenabenden der KJG hatten Ortsvorsteher Wiegand veranlasst, ein vorläufiges Nutzungsverbot auszusprechen. Während die beiden betroffenen Nachbarn eine zeitliche Begrenzung bis 23 Uhr anregten, mochten sich die Jugendlichen, die die Vorwürfe größtenteils zurückwiesen, damit nicht abfinden. Deshalb verständigte sich der Ortsbeirat mit den jungen Leuten darauf, eine Verhaltensordnung zu erarbeiten. Bis die fertig ist, soll um 23 Uhr Schluss sein mit dem Feiern. ? Einstimmig verabschiedete der Ortsbeirat die Liste mit den Nachforderungen für den Haushalt 2003. Die Posten wurden bereits im Juni beantragt, sind in den Haushaltsentwurf jedoch nicht aufgenommen worden. Den größten Posten bilden die 130000 Euro zur Verbesserung der Busanbindung der östlichen Stadtteile. Einen Zuschuss von 65000 Euro fordert der Ortsbeirat für den geplanten Dorf laden. 12500 Euro sollen für einen Abstellraum für die Ginseldorfer Vereine hinter dem Bolzplatz bereitgestellt werden und 10000 Euro als Ausfallbürgschaft für die Veranstaltungen während der 750-Jahr-Feier. ? Verwunderung erregte bei den Mitgliedern des Ortsbeirates die Entscheidung des Magistrats, den im Haushalt 2002 noch vorhandenen Gesamtbetrag von 15000 Euro für die Einrichtung von Dorfläden an das Projekt der Jugendkonflikthilfe im Stadtwald zu geben. Damit bleibe für die geplanten Dorf laden in Ginseldorf und Michelbach nichts mehr übrig, musste Ortsvorsteher Wiegand feststellen. Der Ortsbeirat stimmte Wiegands Vorschlag zu, den Antrag auf die erwarteten 5000 Euro neu zu stellen. Quelle: Oberhessische Presse vom Samstag, den 9.11.2002



