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29.08.2008

Bauerbach präsentierte sich der Kommission „Unser Dorf hat Zukunft"
Bauerbach. Der Bauerbacher Ortsbeirat hat sich erst spät - am 20. Februar - entschlossen, am Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft" teilzunehmen. Gestern kam die Bewertungskommission.

von Uwe Badouin

Nur sechs Monate Zeit hatten die Bauerbacher, um sich auf die Präsentation ihres Dorfes vorzubereiten. Und sie haben in den Arbeitsgruppen Energie und Ökologie, Dorfgeschichte, ÖPNV-Anbindung und Kommunikation ganze Arbeit geleistet: Etwa 40 Bauerbacher begleiteten die achtköpfige Bewertungskommission auf dem von Ortsvorsteher Walter Matt geführten Rundgang durch das Dorf.
„Wir präsentieren uns selbstbewusst und ungeschminkt", gab Matt die Richtung vor: Keine Trachtentanzgruppe und kein Kinderchor wurde aufgeboten, um die Kommission von den Vorzügen der 1650-Seelen-Gemeinde vor den Toren Marburgs zu überzeugen. Das war auch nicht nötig, denn die Bauernbacher wissen um die Vorzüge aber auch die Nachteile ihres Dorfes im Vergleich zu den Wettbewerbern. Bauerbach ist neben Hermershausen der zweite Marburger Stadtteil, der an dem Wettbewerb teilnimmt.
  32 Dörfer aus den Kreisen Waldeck-Frankenberg und Marburg-Biedenkopf stellten und stellen sich der ehrenamtlich arbeitenden Kommission, die paritätisch mit Fachleuten aus beiden Kreisen besetzt ist. Im Vergleich zum Vorgängerwettbeweb „Unser Dorf soll schöner werden" liegt das Augenmerk nun auf der Entwicklung der Dörfer: Baugestaltung, Grüngestaltung, die Einbindung in die Landschaft und bürgerschaftliche Aktivitäten werden hinterfragt und mit einem Punktsystem bewertet.
  „Es geht uns nicht in erster Linie darum, Sieger zu werden. Wir wollen erfahren, was künftig angepackt werden muss", betonte Matt, der auf die wachsenden Probleme vieler Dörfer mit der Überalterung der Gesellschaft verwies. Kommissionsleiterin Sigrid Göbel vom Fachdienst Dorf und Regionalentwicklung des Landkreises Waldeck-Frankenberg gab ihm recht: „Das ist genau das Ziel und der Sinn des Wettbewerbs." Es gehe darum Entwicklungschancen für die Dörfer aufzuzeigen.
 In Bauerbach wurde es zeitlich knapp für die Kommission. Mit 1650 Einwohnern ist das Dorf, das in den 1970er Jahren gewaltig gewachsen ist, eines der größeren im Wettbewerb. Und da es zur finanzstarken Stadt Marburg gehört, hat es im öffentlichen Raum einiges zu bieten: Vom gut ausgestatteten Bolz- und Basketballfeld für Kinder und Jugendliche bis zur geplanten Boulebahn für Ältere. Von den vielen Streuobstwiesen, die von gut 30 Baumpaten und dem Verschönerungsverein gepflegt werden, bis zur DSL-Station der Stadtwerke. Vom geplanten Kindergartenneubau bis zu den 100 Kilowatt starken Fotovol-
taikanlagen, die bereits installiert sind. Ein weiteres Bürgersonnenkraftwerk ist in Planung.
 Besonders gut kam bei der Kommission eine Privat-Initiative von Bärbel Schwarz-Köppl an. Die Bauerbacherin hat in mühsamer Arbeit die Busfahrpläne der Stadtwerke auf Bauerbach zugeschnitten. Ihre Arbeit - ein spezieller Bauerbach-Fahrplan - wurde inzwischen von den Stadtwerken gedruckt und in Bauerbach verteilt. Vielleicht ein Vorbild für alle Außenstadtteile. Dies gilt auch für die Initiative „Busfahren für Ängstliche", die insbesondere älteren Bürgern die Fahrten in die Stadt erleichtern will.
 Die Kommission war nach der kompakten Führung, die immer wieder auch die Entwicklung des Dorfes mit dem Verzicht auf weitere Neubaugebiete und dem Fokus auf die Innenentwicklung betonte, angetan: „Wir haben umfassende Einblicke bekommen. Sie haben hart gearbeitet", meinte Sigrid Göbel.

 Oberhessische Presse
.vom 28.08.2008