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Heimatbuch
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Kapitel 1 Anfänge

Der Boden spricht, die Pergamente schweigen

Wenn wir, von Marburg kommend den Lahnberg überschreiten, bleiben wir am Ostrande des Waldes, wo der „Franzosenweg" einwinkelt, überrascht stehen. Denn jäh hat sich das Bild der Landschaft gewandelt. Tiefes Tal, hoher Berg, dichter Wald, alles was man romantisch zu nennen pflegte, ist hinter uns. Vor uns liegt weiträumiges Land, waldlose Ackerfluren, sanftwellige Hügel, eingebettete Dörfchen und Städte, von Dreihausen bis Kirchhain. Und hier, dicht vor uns, den Wehrwillen der mittelalterlichen Planung verratend, einer ruhenden Herde gleich, die dichtgelagerte Schar der Häuser Bauerbachs auf sacht abfallendem Hügelrücken. Mitten in diesem Bilde ein kantiger Basaltklotz mit dem alten Städtchen der Amöneburg. Ganz hinten ziehen sich bewaldete Höhen, in 20 bis 50 km Entfernung: Im Nordost das Hohe Lohr mit den Sendetürmen, im Osten der Knüll, südl. der Vogelsberg von Ulrichstein bis Meich.es. Das weite Ohmbecken vor uns ist Teil der Hessischen Senke, die von Frankfurt bis Kassel hinzieht, ältestes Jagd-, Wohn- und Siedlungsgebiet des Hessenlandes.

Jäger der Eiszeit

Abb01

Wem würde sich bei geruhsamen Betrachten dieses Bildes nicht die Frage aufdrängen: „Wie lange mögen schon Menschen hier leben? Wann mag ein Mensch, wohl ein Nomade oder Jäger, dieses Land zuerst erschaut haben?" Forscherarbeit hat es uns ermöglicht, uns ein Bild von unserer Heimat aus jener fernen Zeit zu machen, die wir die Eiszeit nennen. Wir zählen vier Eiszeiten, die nach Alpenflüssen, Günz, Mindel, Riß und Wurm benannt sind. Der Beginn mag 600 000 Jahre zurückliegen. Die Forscher gehen nicht einig in den Zeitangaben über Länge der einzelnen Eiszeiten und der dazwischen liegenden Warmzeiten, doch darf man den Zeitpunkt des Beginn und des Endes der Gesamteiszeit als gesichert ansehen. Die vierte und letzte Eiszeit hat rund 90—100000 Jahre gedauert und endete vor etwa 10000 Jahren. Das Kommen und Gehen des Eises vollzog sich nach menschlichen Maßstäben gerechnet, fast unmerklich, über Jahrtausende hin. Das Seilwinden der letzten Eiszeit nennen wir daher Nacheiszeit, die einige Jahrtausende währte. Obschon weder die Bibel noch ein Glaubenssatz der Kirche sich je auf eine bestimmte Zeit festgelegt hat, berechnete im Jahre 1636 ein irischer Bischof, Ussher, die Erschaffung der Welt, der Erde und des Menschen auf 4004 Jahre v. Chr., was heute noch mancher unbefangen gelten läßt. Mit dem Beginn der ersten Warmzeit, nach der ersten Eiszeit (Günz) war der Mensch schon da, wir vermuten ihn schon vor der ersten Eiszeit, im ausgehenden Tertiär (Braunkohlenzeit.) Über 100 Jahre haben sich Forscher und Gelehrte gegen diese langen Zeiträume hartnäckig gewehrt, ehe sie den Beweisen dafür nachgeben mußten. Wenn der Mensch schon 600000 Jahre auf Erden lebt, dann verhält sich das zum Alter der Welt (4 Milliarden Jahre, wie ein Tag zu 18V4 Jahren oder l Sekunde zu !3/4 Stunde). In unserer Heimat können wir den Menschen vor und währen der letzten Eiszeit und bestimmt in der Nacheiszeit nachweisen. Seine Werkzeuge, aus dem glatten grauen Hornberger Quarzit geschlagen, waren zwar einfach, doch mit hoher Technik gefertigt, die heute nur noch ein Spezialist nachahmen kann. Auf der Hobern bei Mardorf fand man schon 1928 einen „Halbkeil" und 1951 eine Masse Schaber, Bohrer und Handspitzen, Klingen, Kratzer und Kernstücke aus einer späteren Periode. Diese Kernstücke, auch Eselshufe genannt, sind die Reststücke, von denen man die schlanken Steinklingen mit geübtem Schlag absplitterte und die man dann noch für anderweitigem Gebrauche nutzte. Wie bei Mardorf, so fand man 1951 auch bei Homberg einen „Schlagplatz", eine Werkstätte, wo der geübte Handwer-kei damaliger Zeit für die Horde Gerät und Werkzeug fertigte. Weitere Funde aus jener Zeit machte man bei Emsdorf, Bracht und bei Schönbach, wo am Walde ein sehr schöner Fäustel aus schwarzem Kieselschiefer von Lehrer Combecher gefunden wurde.

Einen kleinen Schaber, ca. 3 cm lang, aus demselben Gestein und wohl auch derselben Zeit, fand Verfasser 195b auf der Steinrücke, und „in letzter Minute", bei Drucklegung dieses Buches, fand Jürgen Nietzke, der achtjährige Sohn des Försters N. am 10. 3, 1961 einen 8 cm langen Schaber, auch aus Kieselschiefer, an gleicher Stelle. Dieses glatte, glasige Gestein, das sich im Marburger Hinterland findet, eignet sich gut für scharfkantige Schneid- und Schabgeräte. Die tiefgründige Patina des gefundenen Stückes beweist sein hohes Alter, das wir auf 50000 Jahre und mehr schätzen dürfen. Damit ist unsere heimische Flur als Jagdgebiet und Lagerplatz des Neandertalers erwiesen. Das sind Zufallsfunde und wo solche gemacht werden' ist noch mehr zu erwarten. Die Ginseldorfer Flur ist daraufhin noch gar nicht abgesucht worden. Der Höhenrücken, wo die Fundstelle ist, muß ein idealer Beobachtungsplatz für den altsteinzeitlichen Jäger gewesen sein, von wo aus er beide Ohmbecken, das kleine bei Ginseldorf-Bürgeln und das große rings um die Amöneburg, überwachen konnte. Das Jagdgebiet, der Lebensraum einer Horde, das war eine Familie mit den nächsten Verwandten, muß schon ein ausgedehntes Gebiet von 100—200 qkm gewesen sein. Wie unsere heutigen Jägervölker, so haben auch die eiszeitlichen Jäger der Tundra und die nacheiszeitlichen der baumlosen Steppe weite Entfernungen nicht gescheut, um des Lebens Unterhalt zu erkämpfen.

Wenn diese frühen Menschen am Hange des Lahnberges standen, wie wir zum Anfang unseres Berichtes, dann bot sich ihnen ein völlig anderes Landschaftsbild. Zwar1 hatte die Gegend ihre heutige Oberfläche in den langen Eiszeiten schon bekommen. Doch Tier und Pflanzenwelt waren eine völlig andere. In der Eiszeit war der Eisrand der von Norwegen kommenden Gletscher zwischen Berlin und Magdeburg, am Planung (340 km), wo wir heute noch die Schuttwälle, Moränen, jener Zeit finden. Frühere Eiszeiten kamen gar bis Halle-Leipzig (290 km) und Holzminden/ Weser. Nach Süden hin zog sich, wie heute in Nordsibirien, eine Zone „ewiger", d. h. jahrtausendelanger Bodengefrornis, wo sich der Erdboden nur in dem kurzen Sommer in eine weite Sumpfsteppe verwandelte, während in der Tiefe alles vereist blieb. Während der größten Vereisung ist die Grenze zwischen Tundra und Trockensteppe an den Alpen zu suchen. Die durchschnittliche Wärme betrug an der Eisgrenze im Juli nur +5 Grad, die Kälte im Januar —22 Grad. Der aufgetaute verschlammte Boden rutschte mit Geröll und Felsblöcken die Berghänge herab und füllte die Täler an. Moose, Flechten und wenige Grasarten bewuchsen den Tundraboden, Rentier und Moschusochse beweideten ihn. Weiter südlich lebten Höhlenbär, Wollnashorn, Mammut, Wildpferd, Wisent und Riesenhirsch. Mit ihnen schlug sich der Mensch herum. Mehr mit List und Schläue des erfahrenen Jägers als mit seinen armseligen Waffen mußte er diese Bestien besiegen, Längst hatte er erfahren, daß starker Fleischgenuß dem Körper schadet und so mußte er als Zukost Wildgemüse und Beeren sammeln, oder, wie die Eskimos, den grünen, vorverdauten Mageninhalt seiner Beutetiere sich schmackhaft machen, der aus Moosen und Flechten bestand und die nötigen Vitamine enthielt. Not kennt kein Gebot! Ackerbau und Haustiere waren ihm unbekannt, waren auch später im Steppenklima der Nacheiszeit nicht möglich. Neben Steingeräten hatte er sicher, wie Naturvölker unserer Zeit, die noch in der Steinzeit leben, so die Buschmänner in Südafrika und die Australneger, auch Geräte aus Holz, Werkzeuge aus Knochen, Sachen aus Tierhäuten und Leder, trug warmes Pelzwerk und kannte schon seit Jahrtausenden das Feuer. Er wohnte als echter Nomade in Zelten, an Flüssen und Bächen. Solche Lagerplätze fand man in Holland, Frankreich und Rußland. Er lebte auch an Steilfelsen, wo es an Höhlen mangelte, wie am Südhange der Amöneburg, am Bilstein, an den Felsen der Hunnenburg bei Mardorf oder am Weißenstein bei Wehrda. Beweisende Funde fehlen allerdings oder sind längst durch Unkenntnis verloren gegangen, wie ja die Mehrzahl vorgeschichtlicher Funde nicht bekannt wird. Das Innere großer Höhlen hat er nur für kultischen Brauch benutzt, doch nicht zum Wohnen.

In der Nacheiszeit, als sich das Eis nach Norden zurückzog, hinterließen die Schmelzwasser die breiten Urstromtäler in Norddeutschland, die heute noch durch Moore und Sümpfe kenntlich sind. Der Gletscherschlamm trocknete in den ausdörrenden Nord- und Ostwinden und wurde von diesen nach Süden und Westen verweht, wo er als Lößlehm heute noch unsere Ackerfluren deckt und ihnen ihre Fruchtbarkeit verleiht.

In dieser Zeit war der „Neandertaler", dessen Gebeine man 1856 zuerst im Neandertal bei Düsseldorf fand, längst ausgestorben, er war wohl dem Kälteklima nicht gewachsen. Wie haben damals, 1856, selbst namhafte Gelehrte, wie Virchow, sich bis um 1900 geweigert, den Menschen als Zeitgenossen der ausgestorbenen Tierwelt, wie Mammut und Höhlenbären, anzuerkennen! Der erste Schädel eines eiszeitlichen Menschen, wenn es auch gerade kein Neandertaler gewesen ist, wurde in Kurhessen 1956 — genau 100 Jahre nach dem ersten Funde — im Rhünder Bach bei Rhünda, Kr. Melsungen, gemacht. Es war eine etwa 40jährige Frau.
Diese „Wilden" waren kluge, geschickte Jäger, sonst hätten sie in solch unwirtlicher Gegend, ohne Baum und Strauch, gar nicht bestehen können. Darüber hinaus waren sie kunstsinnig und schönheitsliebend, das beweisen ihre Schmucksachen und Schnitzereien aus Knochen und Elfenbein, ihre Geräte zur Körperpflege, ihre Musikinstrumente, ihre liebevolle und sorgsame Bestattung der Toten. Ja, sie trieben Handel über weite Strecken mit Feuerstein, Bernstein und Muscheln des Mittelmeeres. Als 1868 ein spanischer Edelmann in einer Höhle (Altamira) farbige Wandgemälde entdeckte, die nur der Mensch der Nacheiszeit gemalt haben konnte, mußte er sich 1880 als Betrüger beschimpfen lassen. Heute kennen wir über hundert solcher Höhlen in Frankreich und Spanien mit diesen erstaunlichen Kunstwerken, die mehr als 10000 Jahre älter sind als die erste Kunstepoche der Sumerer und der Ägypter.

Die Mittelsteinzeit

Das Eis ist geschwunden, die kälteliebenden Tiere sind nach Norden abgezogen, Von Süden her dringen Bäume vor, die in der Kältezeit nur in Südfrankreich und Oberitalien zu finden waren, Birken, Kiefern, Weiden, Hasel und schließlich die Eichen. Die Buche findet sich erst, als schon die ersten Ackerbauer eingewandert sind. Von dieser Zeit ist uns wenig hinterblieben. Dr. Engelhardt konnte um 1925 bei Neustadt und Momberg die Kleingeräte jener wandernden Jägerhorden auflesen. Dann fand man bei Amöneburg und Rüdigheim 1954/55 ein weniges. Unser Bauerbacher Fund vom September 1956 ließ uns zwar aufhorchen, ist aber bis jetzt fraglich geblieben. Gastwirt Alois Nau meldete von seinem Acker am Marktweg Steinblöcke, die kaum auf natürliche Art dorthin gekommen sein konnten. Man fand dann einige Scherben einer späteren Zeit, der jungsteinzeitlichen Michelsberger Kultur.

Es war das patschnasse Jahr 1956, mit 750 mm Niederschlägen, was die Grabungen sehr behinderte. Es fand sich eine dunkle Erdschicht, kreisförmig, mit 1,60 m Durchmesser, die etwa 1,30 m tief ging. Die unregelmäßige Steinsetzung aus Sandsteinblöcken hörte in halber Tiefe auf. Den Grund der Grube bildete eine Schlammschicht, unter der sich Lößkindel fanden. Das sind Kalkverdichtungen aus dem Löß-lehm. Das Rätsel der Grabung waren etwa 30 dünne Klingen aus schwarzem Kieselschiefer, die am Grunde der Grube lagen, und die man in die Mittelsteinzeit datieren kann. Die Schlammschicht und die Steinsetzung deuten auf eine Wasserstelle hin. Heute ist zwar keine Quelle mehr in der Nähe, doch nicht allzu weit ist der 1954 erbohrte und ausgebaute Tiefenbrunnen, aus dem das Dorf sein Wasser bezieht und der sich so ergiebig erwies, daß er selbst in dem Dürrejahr 1959 nicht versagte.

Unser Land muß um jene Zeit sehr dünn besiedelt gewesen sein, schon der Lebensweise wegen, die nicht wesentlich anders war als zur Altsteinzeit. Wo tausend Ackerbauerfamilien leben, können nur hundert Hirtenfamilien und höchstens fünf Jägerhorden fortkommen. Die Jäger der Nacheiszeit haben eine der gewaltigsten Naturkatastrophen miterlebt, die Mitteleuropa je betroffen haben, den Ausbruch des Laacher Vulkans in der Eifel. Dessen Aschenregen hat der Westwind bis hierher getragen, wo er drunten im Ohmtal bei Kirchhain noch in dicken weißen Schichten im Boden zu finden ist. Wie man Überreste des Neandertalers unter Kalktuff und Tropfsteinbildungen wiederfindet, hohes Alter bezeugend, so findet man auch Zeugen früher Menschen unter Eifeler Vulkanasche. Jene Menschen der Eiszeit und Nacheiszeit haben unsere Heimat als völlig unberührte Natur erlebt, wie Gott sie geschaffen hatte, ohne Äcker und Wiesen, Gärten und Obsthöfe, Wege und Dörfer, Straßen und Städte und alles, was der Mensch zwar zähmend und bildend, aber oft auch störend und zerstörend in den folgenden Jahrtausenden schuf.

Die Jungsteinzeit

Die Einteilung der Vor- und Frühzeit in Stein- Bronze- und Eisenzeit schuf der Däne Thomsen um 1815. Die Steinzeit teilen wir auf in die Altsteinzeit mit der älteren Faustkeil- und der jüngeren Klingenstufe. Alt- und Mittelsteinzeit kennt nur den geschlagenen, die Jungsteinzeit den geschliffenen Stein. — Aus den Jahrhunderttausenden der Altsteinzeit und den Jahrtausenden der Mittelsteinzeit heraus sind wir der Gegenwart bis auf 5—6000 Jahre nahegerückt. Der, dem Vorgeschichte fremd ist, hat für die Zeitangaben des Fachmanns nur ein ungläubiges oder gar überlegenes Lächeln. Doch ist die Frage nach der Datierung der Bodenfunde von verschiedenen Seiten angepackt worden und man ist im allgemeinen zu gleichen oder annähernden Ergebnissen gekommen. Die ältesten Zeiten werden geologisch nach Ablagerungen von Kalktuffen, eiszeitlichen Schichten an Sanden und Tonen (Varven) geologisch bestimmt, astronomisch kann man die Eiszeiten nach den Schwankungen der Erdachse berechnen, zoologische Beweise liefern uns die Höhlenbilder ausgestorbener eiszeitlicher Tiere und deren Knochen, botanisch bieten sich die konservierten Pollen der Moore an, Libby in Chicago fand 1946 den Radiokarbontest, der den Kohlenstoff C 14 in menschlichen und tierischen Knochen feststellt, der in rund 5570 Jahren zur Hälfte verstrahlt. Ferner bestimmt man den Gehalt an Fluor, den Knochen nach langer Lagerung im Boden aufweisen. Geschichtliche Vergleiche bieten uns die alten Völker des Orients, die wir kennen, vom ersten König der Sumerer um 3100 v. Chr., über den Pharao Menes (2900), den babylonischen Priesterkönig Ur-Nansche (2800), die Herrscher von Assyrien, Mari, Mitanni (Hethiter) bis auf Kyros den Perserkönig (555), die Griechen, Römer und vor allem auch die Israeliten, deren heilige Schriften eine wichtige Geschichtsquelle sind. Schon 1929 fand Woolley den Nachweis der Sintflut und weitere Forschungen haben viele biblische Daten erhärtet. Alle diese Völker hatten schon lange hohe Stadtkulturen, ehe die Römer um Christi Geburt die ersten Städte am Rhein erbauten und erst 900 Jahre später gründeten wir Deutsche unsere ältesten Städte. Aus der Exportware jener alten Völker an Schmuck und Keramik kann man oft wichtige Vergleiche anstellen und Schlüsse ziehen auf unsere vorgeschichtlichen Völkerstämme. Wir dürfen uns daher schon auf die Datierung der meisten Bodenfunde verlassen.

Vorgeschichtliche Forschung in Hessen

1709 ließ Landgraf Karl, der Gründer Karlshafens an der Weser, auf der Mader Heide steinzeitliche Hügelgräber öffnen, die man für Chattengräber aus der Zeit um Christi Geburt hielt. Erst 1868 fing man an, Bodenfunde in Museen zu sammeln, während des ersten Weltkrieges begann man mit Grabungen im Marburger Raum; 1927 erhielt die Universität einen Lehrstuhl für Vorgeschichte und 10 Jahre später richtete man das Amt für Bodenaltertümer ein. Seitdem wurden in mehr als 50 Orten des Kreises Funde und Grabungen gemacht, manche Orte sind wahre Fundzentren, so Amöneburg, Allendorf, Bauerbach, Mardorf, Moischt, Rüdigheim, Schönbach, Schröck und Wi'ttelsberg. Maßgeblich dabei ist nicht immer der Reichtum des Bodens an Funden, sondern der Spürsinn von Liebhabern für diese. Im Laufe dieses Jahres (1961) wird ein Saal des Universitäts-Museums für die zahlreichen Bodenfunde aus unserer Heimat eingerichtet.

 

Die ersten Bauern

Der Acker, den der Pflug heut wendet,
verbirgt geheimnisreiche Spuren.
Viel tausend Jahre sind beendet,
seit Menschen bauen uns're Fluren.
Sie schufen Freuden, trugen Sorgen,
sie werkten wie wir Menschen heut.
Und doch, — wie viel bleibt uns verborgen
aus jener fernen, frühen Zeit!

Während im Orient die Völker beginnen, durch ihre Geschichte bekannt zu werden, erlebt unsere Heimat eine Umwälzung größten Stiles. Ein Geschehen, das beginnt, unsere heutige Kultur zu formen: Ein Bauernvolk wandert ein und bringt eine fertige Kultur mit sich.

Da diese frühen Volksstämme nichts Schriftliches hinterließen, wissen wir ihre Namen nicht, Wir nennen sie nach ihrer Töpferei: Bandkeramiker, — nach ihrem ersten Fundort: Michelsberger, — nach ihren Grabsitten: Urnenfelderleute oder nach Gerät und Waffen. Unsere ersten Bauern, die Bandkeramiker, nennen wir auch Lößbauern, da sie als gute Landwirte, wie wir es auch gemacht hätten, sich die besten Ackerböden, den Löß, aussuchten. Wir finden sie daher in der ganzen Hessischen Senke, doch bislang noch nicht in der Schwalm. Im Rhein-Main-Gebiet und in der Wetterau sind sie weitverbreitet. In unserer Heimat fanden wir ihre Spuren bei Mardorf, Emsdorf, Mölln, Bracht, Holzhausen und Stausebach, bzw. Anzefahr. Auf den Lößboden unserer Fluren um Bauerbach und Ginseldorf dürfen wir sie ohne weiteres vermuten, wennschon Funde und Grabungen dies bisher nicht bestätigten. Wer weiß ob unter den Scherben, die unsere Schuljungen von 1954—1957 auf unsern Äckern auflasen, nicht bandkeramische waren, da sie zu klein waren, um sich näher bestimmen zu lassen. Solche Lesefunde wurden gemacht in der Joicht, (zweimal), auf der Höhl, aufm Rod, auf der Steinrücke und am Wäldcho. Mahlsteine, mit denen man das Getreide zerrieb, fanden sich in der Arzbach, auf der Steinrücke, auf der kleinen Schanz (mehrere), und bei Ginseldorf am Schreiber (Dreispitzacker). Das alles sind Stellen, an denen alte Siedlungen wahrscheinlich sind.

Die Bandkeramiker sind anscheinend von Südosten her eingezogen, — Kleinasien, Balkan, Donauländer scheint ihr Wanderweg zu sein. Ihren Ackerbau, der wohl Hackbau, noch kein Pflugbau war, brachten sie fertig entwickelt mit, denn ihr Getreide, Weizen und Gerste, sowie ihre Haustiere, Schaf und Ziege, kommen in den Wildformen wohl in Asien, doch nicht in Mitteleuropa vor, auch in früheren Erdperioden nicht. Hafer findet sich erst in der Bronzezeit und Roggen noch später, in der Eisenzeit. Beide Getreide wurden wohl infolge einer Klimaverschlechterung eingeführt und die Hallstattzeit wird feucht und kühl gewesen sein. Die frühen Bauern siedelten gerne an flachen Talmulden, wie sie unsere Flur genügend bietet, in der Arzbach, im Stocksgrund, in der Wann, in der Joicht, in der Hinterbach und ebenso auf Ginseldorfer Flur. Sie bauten bis zu 20 m lange Häuser mit dichtgestellten Pfosten und Flechtwerkfüllung der Wände. Ihre bombenförmigen Gefäße haben sie Naturformen (Kürbis) nachgebildet. Sie verzierten sie mit Spiralen und Bänderornamenten (Name!). Jagdwaffen sind selten, an Knochen herrschen solche vom Haus-rind vor, vom Pferd finden sich keine, da man dies typische Bauerntier erst später zähmte. Sie wohnten in großräumigen Dörfern, neben dem Hause war die Müll- und Mistgrube, heute noch sehr deutlich kenntlich an der schwarzen Füllung, die die Siedlung sofort verrät, sobald man unterhalb der Pflugtiefe nachgräbt. Gemäß den Grabfunden war es eine kleinwüchsige Rasse mit zierlichem Körperbau. Den Toten gab man sein persönliches Eigentum, Werkzeug, sowie Gefäße mit Trank und Speise und Farbsteine zum Schminken und Körperbemalen mit. Sie hatten also, wie auch schon der Mensch der Altsteinzeit, Jahrhunderttausende früher, eine Religion. Sie glaubten an ein Weiterleben nach dem Tode und an einen Schöpfergott. Das beweisen die Grabstätten und die Opferfunde.

Soviel wissen wir aus Funden und Grabungen. Was wir nicht wissen, ist ihre Sprache, ihre Gesetze, ihr Sozialgefüge, ihre Anführer, Kämpfe, Bräuche und Sitten, außer jenen bei der Bestattung, Wenig wissen wir von der Art des Bodenanbaues und den Sachen, die verwittern und zerfallen: Kleidung, Leder, Holz, Bast usw. über Kultur und geistige Welt dieser Menschen geben uns neu entdeckte Felsbilder im Val Camonica, nordwestl, des Gardasees, bessere Auskunft. Die dünne Jägerbevölkerung der Mittelsteinzeit wurde von ihnen vertrieben oder aufgesogen. Rätselhaft, wie ihr Auftauchen, ist ihr Verschwinden. Es gibt Siedlungen, die gewaltsam abgebrannt zu sein scheinen. Zweifellos hat es damals große Dürrezeiten gegeben, die den bandkeramischen Ackerbau auf den Lößböden unmöglich machten. Wir brauchen nur an das verflossene Dürrejahr 1959 zu denken, das den „Afrikasommer" von 1947 noch in den Schatten stellte. Im Lahnberg stehen überall massenhaft Bäume, namentlich Fichten jeder Größe und jeden Alters, verdorrt umher und gleicherweise abgestorbene Obstbäume auf den Feldern. Da genügt ein Menschenalter solcher Dürre, um größte Wandlungen im Siedlungsgebiet von Ländern und Völkern zu schaffen. Wir haben auch Anzeichen für große Dürren in der Bronze- und Eisenzeit. (Paret).

Rössener

Wir können nicht alle Volksstämme der Frühzeit hier nennen, doch die Reste dieses Volkes fanden sich in der Nähe, als man 1926 die Großseelheimer Schule baute, dann bei der Wüstung Udendorf, bei Schröck „auf der Schanze", und bei Amöne-burg. Was liegt da näher, daß nicht nur die ßandkeramikcr, sondern auch die Rössener hier gesiedelt haben? Wir können ihre Spuren rückwärts verfolgen bis nach Thüringen, wo man sie nach dem ersten Fundort bei Rossen benannte. Hausbau, Kultur und Lebensweise waren jenen der Bündkeramiker ähnlich. Ihre Töpferei kennen wir an den mit einer weißen Paste ausgefüllten Verzierungen; gemahlenen und gebrannten Knochenkalk nahm man dazu. Eigentümlich ist den Rössenern der marmorne Annschmuck, den man in den Gräbern findet.

Michelsberger

Der erste Fundort ist Michelsberg bei Bruchsal, Baden. Meistens findet man ihre Überreste auf Berghöhen, wo sie siedelten. Wir würden sie hier nicht nennen, wenn man nicht Spuren von ihnen am Dingelberge auf Ginseldorfer Flur gefunden hätte, In Ginseldorf wurden auch Funde der steinzeithchen „Emzelgraber" gemacht (1938). Man fand Siedlungsreste und einen zerstörten Grabhügel. Ein anderer Fund stammt vom Sonnwendskopf und einer, noch nicht sicher datiert, von der Grabung bei Bauerbach im Stocksgrund, die wir unter der Mittelsteinzeit kennen lernten. Das ist auffällig, da man die Herkunft der Michelsberger Kultur aus mittelsteinzeitlichen Wurzeln für möglich hält.

Steinbeile und Riesensteine

Beile als Werkzeuge, geschliffen und ungeschliffen, mit und ohne Bohrung, aus verschiedenen Gesteinen, Streitäxte und Spitzhauen, all das stammt aus der Steinzeit. Man findet sie selten „in situ", d.h. am Ursprungsort. Als zauberkräftigen Donnerkeil Donarshammer, haben ihn Zigeuner und Scherenschleifer an abergläubische Bauern, verhandelt, die sie in Haus und Stall einmauerten. (Siehe Abschn. „Das Glücksbeil".) .
Steinzeitlich sind auch die Riesensteine, denen wir in Langenstein, Breitenbrunn bei R.-Holzhausen und bei Roßberg, mehr noch in Niederhessen begegnen. Sie sind Denkmale einer frühen Religion, die wie der Ackerbau aus dem Südosten zu uns kam. Gewaltige Bauwerke dieser Art stehen in Frankreich und England (Stonehenge).

Bronzezeit

Wir werden mit den Erfindungen der Technik, mit Maschinen, Apparaten, Raketen und Vehikeln, mit Produkten der Chemie an Medizinen, Kosmetiken, Nahrungsmitteln und Wirkstoffen geradezu überschüttet. Der frühe Mensch hingegen mußte in allem den Anfang machen, der ja am schwersten ist. Er mußte jeden Stein, jeden Stoff, jede Pflanze, jedes Tier auf seine Eigenart und seine Nutzbarkeit untersuchen und prüfen. Er fand die Schmelzbarkeit der Erze; die des Kupfers, Goldes und Silbers zuerst.~Alte Fundstätten für Kupfer waren auf der Insel Cypern, woher das Kupfer seinen Namen bekam, in Spanien und den Ostalpen. Die Ägypter hatten Kupferbergwerke am Berge Sinai schon zur Zeit Abrahams, 2000 v. Chr. Noch früher, 2800 v. Chr., finden wir in den Königsgräbern von Ur neben Goldschalen und Silberschmuck auch Bronzegeschirr. Erst tausend Jahre später, um 1800, wird das Kupfer und die Bronze, eine Legierung von Kupfer und Zinn, „Glockenmetall", auch in Deutschland bekannt. Die frühe oder ältere Bronzezeit beginnt, Noch ist der Werkstoff selten und kostbar und man braucht Steingeräte nach wie vor.

Hügelgräber

"Hünengräber"

Zwar hat es schon in der Jungsteinzeit, gegen Ende derselben, Grabhügel gegeben, doch die hohe Zeit derselben ist die folgende Bronzezeit. Unsere Heimat, die Ohm-Lahn-Gegend, ist mit Vorgeschichte aus allen Zeiten gesegnet, doch nichts ist so auffällig vertreten, wie die Hügelgräber. An die 400 finden sich im Kreise, 200 davon allein in den Lahnbergen, Bestattungen unter Hügeln finden sich von der späten Jungsteinzeit über die Bronzezeit bis in die keltische Späteisenzeit, kurz vor Christi Geburt. Das läßt sich erst nach der Öffnung des Grabes bestimmen, doch weisen die bisherigen Ausgrabungen vorwiegend auf die späte Bronzezeit, um 1000 vor Chr., hin. Da kann es böse Überraschungen geben. Als man 1953 bei einem Wegebau auf der Hunnenburg bei Mardorf das größte und höchste Grab — 15 m Durchmesser! — öffnen mußte, fand man außer einer großen Steinpflasterung nichts als ein paar keltische Scherben. Ziemlich genau 100 Jahre zuvor vermutete man unter einem riesigen Grabhügel bei Jelling, Dänemark, die Gebeine des letzten und mächtigsten Königs des Landes, Gorm Grymme, — der Hügel war völlig leer.

Den Lahnberg der älteren Dronzezeit (Hügelgräber-Bronzezeit) dürfen wir uns wohl als große Weidefläche mit sehr lichtem Baumbestand und dünner Bevölkerung vorstellen, Die weiten Lößflächen der Hessischen Senke liegen in dieser Zeit verlassen. Der Vogelsberg dagegen ist, im Gegensatz zu ändern vorgeschichtlichen Zeiträumen, recht dicht besiedelt. Ob wohl eine lange Dürreperiode die Menschen von den verdorrten Steppen der Senken in die Gebirge getrieben hat, wo sie mit Schafzucht ihr Leben fristen konnten? Hügelgräber dieser frühen Bronzezeit liegen bei Neustadt und Wasenberg, am Klutzkopf (Christenberg) und im Brücker Walde. Ausgrabungen wurden 1952/53 bei Allendorf und bei Mellnau am Sonnwendskopf gemacht. Die ältere (frühe) Bronzezeit hat die Bestattung des Körpers, Leichenverbrennung kennt man nicht. Die Hügel der Jungsteinzeit haben den Toten i m gewachsenen Boden, die Bronzezeit legt ihn a u f den Boden und nur ausnahmsweise tiefer.

Urnenfelderzeit

Abb02
Man kann diese Zeit, die späte (jüngere) Bronzezeit, als die Hauptzeit unserer Heimat in der Vorgeschichte ansehen, überall gibt der Boden Funde her. Die 200 Grabhügel des Lahnberges können unmöglich alle Bestattungen jener Zeit sein. Das ergäben nur etwa 500 Menschen in 20—30 Jahren! Die Mehrzahl hat man wohl in „Urnenfeldern" beigesetzt, d, h, in Reihen-Flachgräbern, wie auf unsern heutigen Friedhöfen, jedoch in Urnen mit Leichenbrand. Ob die Hügel nur Dorf- oder Sippen-älteste bergen, ist nur eine der ungelösten Fragen jener Zeit. Es ist eine Besonderheit jenes Stammes der Urnenfelderleute, die unsere Heimat besiedelten, daß sie einen Teil ihrer Toten nach Sitte der früheren Bronzezeit-Menschen in Hügeln beisetzten. Sonst ist dieses Volk aber ganz anders geartet als ihre Vorgänger. Wie in der Jungsteinzeit die Bandkeramiker, so kommen die Urnenfelderleute von Süden her herangezogen. Wo ist die alte Bevölkerung geblieben? Die neuen Bewohner bringen eine neue, bisher unbekannte Kultur, völlig andere Keramik, neue Waffen und die Leichenverbrennung, Man wollte wohl damit die Seele, die man noch irgendwie mit dem Körper verbunden glaubte — darum das „Seelenloch" des Steinkistengrabes — völlig von jeder irdischen Fessel befreien. Die Urnen bergen Asche und Knochen vom Scheiterhaufen. Dazwischen halbgeschmolzene Bronzeteile.

Abb03
Als im Sommer 1955 in der Schule von Vorgeschichte gesprochen wurde, meldete Willibald Damm schwarze Bodenverfärbung auf ihrem Acker auf der Kleinen Schanz. Die Jungen der Oberstufe zogen Suchgräben und schrien vor Freude, als sie Bodenverfärbung und schwarze, morsche Scherben fanden. Die Grabung im September erbrachte den Nachweis einer Siedlung aus der Urnenfelderzeit. Die Funde ergaben mehrere Bruchstücke von Mahlsteinen, zwei Webgewichte, ein abgebrochenes einschneidiges Bronzemesser mit Griffangel, ein Milchfläschchen, Hüttenlehm, Holzkohle (Eiche) und Pfostenspuren. Das Messer war dem 1951 bei Mardorf gefundenen fast gleich, dort und bei Schröck fand man auch gleiche Milchfläschchen, ersichtlich von wenig geübter Frauenhand geformt. Hüttenlehm ist Wandbewurf, der im Feuer, beim Brande der Siedlung, hartgebrannt ist. Die dunklen Pfostenspuren sind deutliche Erweise für den Hausplatz. Die Verfärbung der längst vermoderten Pfosten hält sich unterhalb der Pflugfiefo noch Jahrlausende lang. Der wichtigste Fund war die am 15. Okt. ergrabene Zylinderhalsurne. Sie stand in einer Steinsetzung mit reichlich Asche darunter, war zwar zerdrückt, aber noch vollständig vorhanden. Maße: 12 cm hoch, Rand 13 cm 0, am Umbruch (Bauch) 20 cm 0, Im Gegensatz zu dem Milchfläschchen war sie regelmäßige, sorgsam geglättete handwerkliche Aibeit. Siedlungsspuren dieser Art, leider alle ohne vollständigen Hausgrundriß, fanden sich bei Schröck und Mardorf.

Mehr Glück, als bei dem leeren Grabhügel auf der Hunnenburg, hatte der Ausgräber 1949 in der Arzbach, Bauerbacher Staatswald, Distrikt 85, Bei Steinbruchsarbeiten war ein „Brandflachgrab" gefunden worden. Es kann jedoch ein ganz flaches Hügelgrab gewesen sein, denn zwei solcher schwachen Erhebungen sind noch in der Nähe, unter Buschwerk und Gestrüpp verborgen. Der Grabinhalt, von Gudrun Loewe geborgen, war:

  1. eine große Zylinderhals-Urne, 30 cm hoch, der Oberrand mit 24 cm 0, der Bauch am „Umbruch" 39 cm, der Standboden nur 9 cm
  2. ein becherartiges Zylinderhals-Gefäß (Maße in der vorigen Folge) 8, 6, 11, 3 cm.
  3. eine Schale mit ausgelegtem Rand und zwei Schnurösen, 4,5 cm hoch, 15 cm 0.
  4. eine Schale ohne Rand, 14,5, 4 cm 0
  5. ein Näpfchen mit etwas Leichenbrand (Knochen) 3, 5, 7 cm 0 6. ein Täßchen mit Bandhenkel und Ritzlinien, 5, 7 cm 0
  6. ein Knochenscheibchen aus tierischem Schulterblatt, im Leichenfeuer verbogen, 2, 5 cm 0,
  7. drei Scherben und ein Gefäßboden. Leichenbrand.

Weitere Hügel, von denen man nicht sicher sagen kann, ob es Gräber sind, finden sich am Rabennest (106) sowie in den Distrikten 122, 130 und 138. Im Seelhei-mer Walde sind zwei Gruppen, die erste, kleinere an Schicks Waldstück, sehr flach und kaum zu erkennen, die andere weiter nordostwärts, Richtung Schönbach. Ausgedehnt und bekannt sind die Schröcker Gräberfelder, am Zechspan, wo man schon 1905 eines öffnete, oberhalb der Arzbach sind 25 Hügel, am Luderplatz 14, am Elisabethbrunnen 11, weitere an der Sandgrube und am Stempel. Siedlungsreste fand man im Dorfe und an der Schanze. Man kann hier nicht alle Gräber und Fundstellen der Nachbarschaft nennen, bei Moischt, Dreihausen, Wittelsberg, Ebsdorf, Beltershausen, Mardorf, Allendorf und Rüdigheim. Im Mardorfer Walde sind 15, im Roßdorfer 10, im Erfurtshäuser 18 Grabhügel.

Eine urnenfelderzeitliche Siedlung dürfen wir auch auf der Steinrücke vermuten, wo man 1929 beim Bau der Wasserleitung Scherben fand, die nicht datiert wurden. Dort fand Werner Huhn auch einen Mahlstein und eine Klasse der Brüder-Grimm-Schule, die sich was Vorgeschichtliches erzählen lasse wollte, fand in und bei dem alten Steinbruch noch zahlreiche Scherben. Der große Allendorfer Hortfund aus der Spätbronzezeit mit 126 Einzelstücken und seltenen Glasperlen, der 1943 gemacht wurde, meldet vom Handel der Urnenfelderleute, von deren Waren und Lebensbedürfnissen. Und wenn alte Grabhügel und Gräberfelder gern an alten Fernstraßen angelegt wurden (nach Schwantes, Beck u. a.), dann muß sich eine solche über den Lahnberg hingezogen haben; ein alter Handelsweg, von dem aus in fränkischer Zeit beide Orte, Bauerbach und Ginseldorf, gegründet wurden.

Eisenzeit

Die Ägypter kannten das Eisen als Meteoreisen schon um 2000 v. Chr. Waffen aus Eisen waren daher kostbar. „Dolche vom Himmel" nannte man sie. Um 1200 v. Chr. kam Eisen aus dem Hethitcrlnnde (heutige Türkei), mit dem die Phönizier handelten. Bei uns fand es um 800 v. Chr. Eingang. Die Eisenzeit liegt uns zeitlich so nahe, daß man sie genauer bestimmen kann. Wir leih1!! sie ein in ältere und jüngere Hallstattzeit (Hallstatt liegt bei Sal/.burg) und die ältere (keltische) und jüngere La Tene-Zeit. (La Tene liegt in der französischen Schweiz.) Die ganze hessische Senke ist besiedelt, der heimische Teil derselben, Ebsdorfer Grund und Ohm-ebene somit auch. Schon 1931 fand man bei Schönbach drei Flachbrandgräber aus der älteren Hallstattzeit, Bodenfunde dieser Zeit: Bei Rüdigheim, Amöneburg, Münch-hausen und am Weißenstein. Die jüngere Hallstatt lieferte Funde bei Schröck, Schönbach, Amöneburg, Mardorf, Ebsdorf. Alle Fundorte anzugeben führte hier zu weit.

Die ältere (keltische) La Tene-Zeit findet sich bei Anzcfahr, Mardorf, Amöneburg, die jüngere La Tene bei Bauerbach (1929 am Steinrücken), Schönbach am Dingelberg, Schröck, Bürgein, Mardorf usw. Diese Fundorte beweisen, daß die ganze Gegend besiedelt war, denn nur ein Bruchteil dessen, was der Boden birgt, wird durch Zufall gefunden und von diesem geht meistens die Hälfte oder mehr durch Unkenntnis, Gleichgültigkeit oder Ablehnung verloren. Neben dem Bauern haben wir schon Handwerker, den Töpfer, Weber, Bronzegießer, Schmied. Die Bronze wird weiter benutzt, wir haben ja heute neben den neuen Werkstoffen, Aluminium und Plastik, auch noch die alten beibehalten. Das erste Volk der Vorgeschichte, das uns, durch die Römer, mit Namen genannt wird, sind die Kelten. Seit wann sie da sind, ob sie ihre Wurzeln schon in der Jungsteinzeit haben, ob es mehrere unter sich verschiedene Keltenstämme gab, die eine ganz unterschiedliche Kultur mit verschiedenen Sitten (Bestattung!) hatten, — das alles sind noch Probleme. Die Wissenschaft der Vorgeschichte ist ja noch keine hundert Jahre alt. Die späten Kelten haben die Brandbestattung. Sie siedelten bis in die Gegend von Minden/Westf.

Aus ihren Wohngebieten im Norden (Schleswig-Holstein) drängen die Germanen erst nach Niedersachsen und dann um 500 v. Chr. nach Mitteldeutschland vor, Die Kelten wehren sich und bauen große Volks- und Fliehburgen auf den Höhen. Solche finden wir auf dem Rimberg, der Amöneburg, der Hunnenburg bei Mardorf, dem Christenberg bei Münchhausen, dem Eisenberg bei Battenberg, um nur die nächsten zu nennen. Unweit der Hunnenburg fand man 1880 den größten Goldfund vorgeschichtlicher Münzen, den wohl ein keltischer Händler dort vergraben hatte. Den Kelten war der Torques, ein Halsring eigen, sie trugen eiserne (noch keine stählernen) Schwerter und eine Lanze. In der späten Zeit kannten sie die Töpferscheibe und hatten große dickwandige Vorratsgefäße, groß wie ein „Mousdippe", wie wir sie bei Amöneburg, Mardorf und Allendorf fanden. R. Helm konnte nachweisen, daß die Form dieser Gefäße in hessischen Vorratskörben, — in Hutzelkörben und Flachskörben, — bis in unsere Tage weitergelebt hat. Selbst einzelne Fluß- und Bergnamen haben sie hinterlassen, doch sind die meisten, die man früher für keltisch hielt, chattisch, also germanisch.

Die Zeit um Christi Geburt

(1)Wir nähern uns immer mehr der Gegenwart, bis auf zwei Jahrtausende sind wir ihr zugerückt, eine verschwindende Spanne Zeit, wenn wir an die Altsteinzeit (Eiszeit) zurückdenken. Immer genauer können wir datieren, immer kürzer werden die Zeiträume, die wir charakterisieren können, wir hören von der Chattenzeit, der Mattiakerzeit (50 vor — 20 nach Chr.), der Römischen Kaiserzeit (200—300 nach Chr.). Völkerwanderungszeit (um 400) Merovingisch-karolingische Zeit, womit wir bei Bonifatius und Karl dem Großen angelangt sind. Die Chatti oder Hassi (Hessen) sind im großen Staatsverbande der Franken aufgegangen, was nach dem Jahre 500 geschehen sein muß. Tacitus nennt die Chatti, die etwa fünfzigmal, vom Jahre 24 bis 455 im römischen Schrifttum vorkommen. Im Jahre 720 nennt sie dann ein päpstliches Schreiben Hassi. Sie geben uns die letzte Nuß der Vorgeschichte zu knacken. Wenn der Boden voller Funde steckt, die 3000, 5000 Jahre und länger zurückliegen, aus der Eisen-, Bronze- und Steinzeit, warum verwehrt er uns dann den Einblick in die Zeit der Franken, die doch weniger als 2000 Jahre von uns entfernt ist? Bedeutet diese Fundlücke, von Christi Geburt bis auf Bonifatius und Kaiser Karl, daß damals unsere Heimat dünn besiedelt oder fast unbewohnt war? Oder haben wir die Funde nicht richtig datiert? Nach diesen Fragen war die Überraschung groß, als Alfred Schneider, Rüdigheim, auf dortiger Flur ein fränkisches Brandgrab entdeckte, also aus noch heidnischer Zeit. Heiden haben die Toten meistens verbrannt, Christen nie, weshalb heute noch die Kathol. Kirche die Feuerbestattung ablehnt. Und nicht viel später fand man auf der Amöneburg, nahe der Schloßruine, fränkische Körpergräber, christliche Krieger, mit den Wunden des Kampfes, am Skelett noch zu sehen. Die Annahme, daß die Orte auf -heim endend, — allein um Frankfurt, der Furt der Franken liegen ca. 20 Orte dieser Endung, — fränkische Siedlungen sind, scheint sich durch den Rüdigheimer Fund zu bestätigen, ebenfalls durch den fränkischen Königshof Seelheim. Die karolingische Zeit ist durch Scherbenfunde ganz gut vertreten, auch in solchen Teilen des Kreises, die außerhalb der altbesiedelten Hessischen Senke liegen, überall wird zu dieser Zeit schon gesiedelt und gerodet, die meisten Orte sind in dieser Zeit entstanden, darunter auch unsere beiden, Bauerbach und Ginseldorf.

Die Vorgeschichte hat uns bewiesen, daß gerade die alten, kurmainzischen Orte, die vorher Reichsgut oder fuldisch waren, und die vorwiegend in oder am Rande der Hessischen Senke liegen, urältestes Jagd-, Wohn-, Weide- und Anbaugebiet der Menschheit sind. Die Mehrzahl der alt- und mittelsteinzeitlichen Funde wurde in diesen Dörfern gemacht, ja einige derselben erwiesen sich als wahre Fundzentren. Von 26 Fundorten der Jungsteinzeit gehören 12 zu unserm Gebiet, und von 36 Fundorten der Eisenzeit gar 20, die auf kurmainzischem Gebiete liegen. (Zählung nach dem Stande 1957.)

Ergänzung

  1. Auf die Funde, die in der Erstauflage beschrieben wurden, sei kurz hingewiesen: 1949 wurde ein Brandflachgrab geöffnet. Dessen Inhalt siehe Seite 21 und Teil desselben Abb. 3. Ort: Distrikt 85/86.

    1929 wurden bei Bau der Wasserleitung Scherben und ein Mahlstein gefunden und noch 1957 zahlreiche Scherben durch eine Marburger Schul klasse.

    1955 Grabung auf der "Kleinen Schanz". Funde: Urnenfelderzeitliche Scherben, Mahlsteinbruchstücke, Bronzemesser, Milchfläschchen, ZylInderhalsurne, Pfostenlöcher eines Hauses.

    1956 einen kleinen Schaber aus Kieselschiefer und 1961 größeren Schaber, ebenfalls Ksch. Abb. 1.

    1956 Grabung im Stocksgrund am Marktweg. Wasserstelle mit dünnen Kieselschieferklingen, vermutl. Mittelsteinzeit. - Ferner Michelsber-ger Keramik, als Lesefunde.

    Fundregister des Landesarchäologen (Amt für Bodenaltertümer)

    Register-No.

    1. im Sack, vorgesch(ichtliche) Scherben 1970 gefunden.

    2. Pfuhläcker und -wiesen. 1964/71/72. Streurunde auf Nonnhäuser Wüstungsflur, vorgesch. Scherben, karolingische und hochmittelalterliche Scherben, zum Teil durch H. Kern. Dissertation.

    3. auf der Warth, 1971, mittelalterliche (ma.) Scherben, teils verziert.

    4. am Marktweg, die Löser. 1971 vorgesch. und ma. Scherben.

    5. am Bornweg, die Zauhl. 1971. vorgesch., karolingische und ma. Scherben, l St. Kieselschiefer.

    6. im Walde, Distr. 86. 1964/66 in der Arzbach. aus der Bandkeramik und der Eisenzeit vorgesch. Scherben. Mahlstein, Kieselschiefer, Klingen. 


    Abb. 29 Das Innere eines Hügelgrabes auf dem Lahnberg aus der jüngeren Bronzezeit, um 1000/900 vor Christus. Die ältere Bronzezelt bestattete den Körper, die jüngere äscherte die Leichen ein und bestattete den Leicnenbrand in einer großen Urne und häufte einen Grabhügel darüber an. Im Herbst 1963 mußten im Distrikt 30, Arzbach, elf Hügelgräber" geöffnet werden, weil hier der Botanische Garten des Uni-Neubaugebietes Lahnberg angelegt werden sollte. Das Bild zeigt eines dieser geöffneten Hügelgräber. Der Inhalt eines anderen Hügelgrabes findet sich oben, nach Seite 144. Abb. 3. Bronzezeit.

    7. am Fronhöfer und Fronhfr, Weg, am Waldrande, 1969. vorgesch. Scherben.

    8. am Alten Weg in der Hinterbach, 1972. eine Quarzitklinge und ein Abschlag.

    9. Auf der Riede (Röthe) am Aulgarten. 1972. eine Feuersteinklinge, hochma. Scherben.

    10. Arzbacher WUstungsflur: Arzbachlöser. 1962 und 1972. zwei karolin-glsche Scherben; hochma. und spätma. Scherben.

    11. Steinrücke(n) am Wasserbehälter, der oben schon genannte Schaber aus Kieselschiefer, (Moustörien ? ) ein kleiner Schaber, viele vor-gesch. Scherben.

    12. Finder Forstrat Hermes 1916. die oben genannten 1949 ergrabenen

    13. Brandflachgräber in Distr. 85/86.

    14. Distrikt 81, neuer Botanischer Garten. 1963 Urnenfelderzeitliche Hügelgräber. Scherben der Urnenfelderkultur.

    Zur Vorgeschichte von Ginseldorf

    (Ergänzungen)
    Die Reihe vorgeschichtlicher Funde auf Ginseldorfer Flur ist nur kurz, trotzdem Lage und Bodenart der Flur für frühe Besiedlung nicht gerade ungünstig sind. Sollte es bislang an der für Bxlenfunde notwendigen Untersuchung und Durchforschung gefehlt haben, oder sollten früher größere Teile der Flur im Hochwassergebiet der Ohm gelegen haben ?

    Nur wenig konnte die Erstausgabe unseres Buches berichten: Spuren frühen Bauerntums fand man als Mahlsteine am Schreiber, auch Dreispitz -cker genannt. Hügelgräber der Bronzezeit liegen in den Walddistrikten 122, 130 und 138, Am Dingelberg fanden sich Überreste der Eisenzeit. An der Hangelhecke und Hangelbirke, Nonnhäuser Wüstungsflur, fand man vorgeschichtliche Scherben, die nicht näher bestimmbar waren.

    Neuere Funde: Register des Landes-Archäologen. Im Staatsforst südl. des Mühlenberges 1968 eine Pingsdorfer Scherbe aus der Zeit um 900 n.Chr. In der (schmalen) Aue, an der kleinen Hofestatt am Gothsweg: 1971 neben vorgesch. Scherben auch hochmittelalterliche um das Jahr 1000. Wahrscheinliche Lage der Wüstung Ginselnau (H. Kern).

    Auf der anderen Hofestatt an der Straße nach Bauerbach, im Neubaugebiet, 1971 ma. Scherben mit "Wellenfuß" (Kniffelrand), um 1100/1200. Am Waldrand (wie oben: Hangelhecke) 1971 zwei vorgesch. Abschläge.

    Si^ue die beiden Kärtchen der Flur (mit Waldfläche) von Bauerbach und Ginseldorf mit eingezeichneten Fundstellen.


    Abb. 27 Zur Vorgeschichte der Bauerbacher Flur:
    Fundstellen von vorgeschichtlicher Besiedlung, Hügelgräber usw.  

Funde um Marburg

Im Stadtgebiet wurden nur Einzelfunde gemacht, keine Siedlungen ergraben. Doch die Waldungen des Lahnbergs erbrachten viele Funde aus Gräbern der Bronzezeit. Beile verschiedener Art fanden sich im Walde, am Marstall (Schloß), an der Brücke beim Südbahnhof und am Nödelweg. Ferner Schaber, Feuersteinspitzen, Bronzering, Halsring, „Schuhleistenkeil", und bei der Kinderklinik keltische Scherben, (Näheres ist aus der Kartei des Amtes für Bodenaltertümer ersichtlich).

Ergänzung:

Auf die Funde, die in der Erstauflage beschrieben wurden, sei kurz hingewiesen: 1949 wurde ein Brandflachgrab geöffnet. Dessen Inhalt siehe Seite 21 und Teil desselben Abb. 3. Ort: Distrikt 85/86.

1929 wurden bei Bau der Wasserleitung Scherben und ein Mahlstein gefunden und noch 1957 zahlreiche Scherben durch eine Marburger Schul kl asse.

1955 Grabung auf der "Kleinen Schanz". Funde: Urnenfelderzeitliche Scherben, Mahlsteinbruchstücke, Bronzemesser, Milchfläschchen, ZylInderhalsurne, Pfostenlöcher eines Hauses.

1956 einen kleinen Schaber aus Kieselschiefer und 1961 größeren Schaber, ebenfalls Ksch. Abb. 1.

1956 Grabung im Stocksgrund am Marktweg. Wasserstelle mit dünnen Kieselschieferklingen, vermutl. Mittelsteinzeit. - Ferner Michelsber-ger Keramik, als Lesefunde.

Fundregister des Landesarchäologen (Amt für Bodenaltertümer)

Register-No.

  1. im Sack, vorgesch(ichtliche) Scherben 1970 gefunden.
  2. Pfuhläcker und -wiesen. 1964/71/72. Streurunde auf Nonnhäuser Wüstungsflur, vorgesch. Scherben, karolingische und hochmittelalterliche Scherben, zum Teil durch H. Kern. Dissertation.
  3. auf der Warth, 1971, mittelalterliche (ma.) Scherben, teils verziert.
  4. am Marktweg, die Löser. 1971 vorgesch. und ma. Scherben.
  5. am Bornweg, die Zauhl. 1971. vorgesch., karolingische und ma. Scherben, l St. Kieselschiefer.
  6. im Walde, Distr. 86. 1964/66 in der Arzbach. aus der Bandkeramik und der Eisenzeit vorgesch. Scherben. Mahlstein, Kieselschiefer, Klingen.

    Abb. 29 Das Innere eines Hügelgrabes auf dem Lahnberg aus der jüngeren Bronzezeit, um 1000/900 vor Christus. Die ältere Bronzezelt bestattete den Körper, die jüngere äscherte die Leichen ein und bestattete den Leicnenbrand in einer großen Urne und häufte einen Grabhügel darüber an. Im Herbst 1963 mußten im Distrikt 30, Arzbach, elf Hügelgräber" geöffnet werden, weil hier der Botanische Garten des Uni-Neubaugebietes Lahnberg angelegt werden sollte. Das Bild zeigt eines dieser geöffneten Hügelgräber. Der Inhalt eines anderen Hügelgrabes findet sich oben, nach Seite 144. Abb. 3. Bronzezeit.  
  7. am Fronhöfer und Fronhfr, Weg, am Waldrande, 1969. vorgesch. Scherben.
  8. am Alten Weg in der Hinterbach, 1972. eine Quarzitklinge und ein Abschlag.
  9. Auf der Riede (Röthe) am Aulgarten. 1972. eine Feuersteinklinge, hochma. Scherben.
  10. Arzbacher WUstungsflur: Arzbachlöser. 1962 und 1972. zwei karolin-glsche Scherben; hochma. und spätma. Scherben.
  11. Steinrücke(n) am Wasserbehälter, der oben schon genannte Schaber aus Kieselschiefer, (Moustörien ? ) ein kleiner Schaber, viele vor-gesch. Scherben.
  12. Finder Forstrat Hermes 1916. die oben genannten 1949 ergrabenen
  13. Brandflachgräber in Distr. 85/86.
  14. Distrikt 81, neuer Botanischer Garten. 1963 Urnenfelderzeitliche Hügelgräber. Scherben der Urnenfelderkultur.

Zur Vorgeschichte von Ginseldorf

(Ergänzungen)

Die Reihe vorgeschichtlicher Funde auf Ginseldorfer Flur ist nur kurz, trotzdem Lage und Bodenart der Flur für frühe Besiedlung nicht gerade ungünstig sind. Sollte es bislang an der für Bxlenfunde notwendigen Untersuchung und Durchforschung gefehlt haben, oder sollten früher größere Teile der Flur im Hochwassergebiet der Ohm gelegen haben ?

Nur wenig konnte die Erstausgabe unseres Buches berichten: Spuren frühen Bauerntums fand man als Mahlsteine am Schreiber, auch Dreispitz -cker genannt. Hügelgräber der Bronzezeit liegen in den Walddistrikten 122, 130 und 138, Am Dingelberg fanden sich Überreste der Eisenzeit. An der Hangelhecke und Hangelbirke, Nonnhäuser Wüstungsflur, fand man vorgeschichtliche Scherben, die nicht näher bestimmbar waren.

Neuere Funde: Register des Landes-Archäologen. Im Staatsforst südl. des Mühlenberges 1968 eine Pingsdorfer Scherbe aus der Zeit um 900 n.Chr. In der (schmalen) Aue, an der kleinen Hofestatt am Gothsweg: 1971 neben vorgesch. Scherben auch hochmittelalterliche um das Jahr 1000. Wahrscheinliche Lage der Wüstung Ginselnau (H. Kern).

Auf der anderen Hofestatt an der Straße nach Bauerbach, im Neubaugebiet, 1971 ma. Scherben mit "Wellenfuß" (Kniffelrand), um 1100/1200. Am Waldrand (wie oben: Hangelhecke) 1971 zwei vorgesch. Abschläge.

Si^ue die beiden Kärtchen der Flur (mit Waldfläche) von Bauerbach und Ginseldorf mit eingezeichneten Fundstellen.

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Abb. 27 Zur Vorgeschichte der Bauerbacher Flur:

Fundstellen von vorgeschichtlicher Besiedlung, Hügelgräber usw.

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